Der 103. Psalm

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Der 103. Psalm (1700)

1
Entzünde dich in Andacht meine Seele/
2
Und lobe GOtt aus tiefster Hertzens-Höhle!
3
Sein Nahme sey recht inniglich gepriesen/
4
Und was Er dir/ O Seele/ guts erwiesen/
5
Das laß mit Danck zu seinem Ruhm erschallen/
6
Und nimmermehr aus dem Gedächtniß fallen.

7
An statt daß Er an dir sich könte rächen/
8
Spricht Er dich loß/ und heilet dein Gebrechen;
9
Errettet dich von des Verderbens Stricken;
10
Und krönt dein Haupt mit lauter Gnaden-Blicken/
11
Daß du dich kanst mit deinem Munde freuen/
12
Und an der Krafft dem Adler gleich erneuen.

13
Gerechtigkeit schafft Er an allen Enden/
14
Und lässet nicht die Unschuld ewig schänden.
15
Er hat sein Volck zu einem Bund verpflichtet/
16
Den Er schon längst durch Mosen aufgerichtet;
17
Der zeigt uns an/ was wir zu leisten schuldig/
18
Doch ist der HERR barmhertzig und geduldig.

19
Sein sanffter Sinn hält keine Maaß noch Schrancken/
20
Er segnet gern/ und wil nicht immer zancken/
21
Und ob wir uns gleich täglich von Ihm trennen/
22
Läßt Er den Zorn nicht unaufhörlich brennen/
23
Die stärckste Glut bricht aus in Liebes-Flammen/
24
Die hindern Ihn/ uns Sünder zu verdammen.

25
So hoch Er hat gespannt des Himmels Decken/
26
Muß seine Huld sich über die erstrecken/
27
Die Busse thun. Denn muß der Dampf der Sünden/
28
So weit der Ost von Westen ist/ verschwinden/
29
Sein Vater-Hertz fängt hefftig an zu wallen/
30
So bald wir Ihm/ in Furcht/ zu Fusse fallen.

31
Der Schöpffer kennet sich und sein Geschöpffe/
32
Wir sind nur Staub/ zubrechlich/ schwache Töpffe/
33
Zwar ist der Mensch im Leben anzuschauen/
34
Als frisches Graß auf den beblümten Auen/
35
Doch wenn sich kaum die rauhen Lüffte rühren/
36
Ist Blum und Graß und Mensch nicht mehr zu spühren.

37
Gott aber läsit sich unverändert finden/
38
Und seine Gnad an keinen Wechsel binden/
39
Die über die in Ewigkeit soll walten/
40
Die seinen Bund und Willen heilig halten/
41
Im Himmel hat Er seinen Stuhl bereitet/
42
Und überall den Scepter ausgebreitet,

43
So lobet GOtt ihr seines Thrones Helden/
44
Die ihr bemüht seyd seine Macht zu melden/
45
Ihr die ihr euch habt seinem Dienst ergeben/
46
Auf! helfft das Lob des HErren hoch erheben.
47
Die Creatur auf Erden und dort oben/
48
Auch Seele du: Es soll Ihn alles loben!

([Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig von]: Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte. [Hrsg. v. Joachim Lange]. Berlin, 1700.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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