1.

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Georg Neumark: 1. (1652)

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Mein/ bin ich denn darüm zu schmähen/
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Daß mein verliebter Fürstensinn/
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Jhm’ eine schlechte Schäferinn/
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Zur Allerliebsten ausersehen?
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Soll denn hiedurch mein hoher Schein/
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Verdunkelt und verloschen sein.

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Ach nein/ es ist ja weit gefehlet?
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Ein tapfrer Sinn und Heldengeist/
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Sein edles Hertz in dem erweist/
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Daß Er sich nicht üm Hoheit quälet/
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Da offt die Falschheit/ Trug und List/
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Verzukkert und vergöldet ist.

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Ein Tugendliebendes Gemühte/
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Sucht ihm ein Seelchen daß ihm gleicht/
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Das nicht aus seinen Schranken weicht/
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Ob schon es nicht aus dem Geblüte/
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Welchs mit scheinädlen Titteln prangt
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Und grosses Ansehn hat erlangt.

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Ein hoher Sinn ist wol vergnüget/
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Jmfall ihm solch ein liebes Kind
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Da Schönheit sich bey Tugend findt/
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Wird von dem Himmel beygefüget/
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Erlanget dieß ein ädler Muht/
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So fragt Er nichts nach Geld und Gut.

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Er siehet nicht nach großem Stande/
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Wie ungemenschte Menschen nun
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Bey diesen bösen Zeiten thun/
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Er achtet es vor keine Schande
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Wenn Er ein schlechtes Mägdchen liebt/
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Die ihm ihr keusches Hertze giebt.

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Ist Er nur sonst von gutem Adel/
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Ich meine nicht den Stamm allein.
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Die Sinnen müssen Edel sein/
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Und das Gemühte sonder Tadel/
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Es bleibt sein Adel unbeflekkt
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Und durch die Lieb’ unangestekkt.

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Darüm hinweg ihr junge Frauen/
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Mit
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Und ihr geschminkte Jungfern ihr/
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Hinweg ihr aufgeblasne Pfauen/
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Ich frage nichts nach eurem Pracht/
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Der keuschen Sinnen Ekel macht.

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Mein allerschöneste Bozene
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Soll meine Hertzgeliebte sein
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Jhr angebohrner Schönheits schein
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Macht Sie allein beliebt und schöne/
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Das auserwählte Tugendlicht/
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Weiß ja von keinem Hochmuht nicht.

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Sie ist dem Hoffart ungewogen/
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Sie ist der Wollust spinnenfeind/
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Kein’ Heucheley an ihr erscheint/
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Sie ist bey Schafen auferzogen/
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Die Uppigkeit und schnöde Lust/
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Ist ihren Sinnen unbewust.

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Die zierlich aufgesprosne Jugend/
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Der Unschuld schwanenweisses Kleid
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Die wunderschöne Freundligkeit/
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Die löblich’ Einfält/ Zucht und Tugend/
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Die werthe Keuschheit die Sie hat/
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Steht mir an Goldestonnen statt.

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Ich weiß daß ich mit stoltzen Freuden/
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Die Zeit mit ihr verbringen kan/
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Ich bin versichert daß kein Mann/
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Mich ihrentwegen wird beneiden/
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Jhr Armuht ist mein Gold und Geld/
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Und grosses Reichthum in der Welt.

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Drüm mag mich Der und Der verdänken
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Daß ich die schlechte Schäferinn/
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Gefasset hab’ in meinen Sinn/
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Es wird und soll mich gar nicht kränken.
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Ich sage nochmals dieses frey/
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Daß mir Bozen’ am liebsten sey.

(Neumark, Georg: Poetisch- und Musikalisches Lustwäldchen. Hamburg, 1652.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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