1.

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Georg Neumark: 1. (1652)

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Es fieng ein Schäfer an zu klagen/
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Wie seines Hertzens treue Gunst/
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Von Karitillen dieser Tagen/
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Gehalten würde fast ümsonst.
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Das Thränenwasser von ihm randte/
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Weil Sie ihn nicht vor treu erkante.

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Er ließ die Schaf' alleine weiden/
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Sagt’:
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Mich zwingt von dir mein
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Damit gieng Er dem Walde zu/
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Sein Hertze/ sagt’
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Daß Er kaum wust' ein Wort zu sprechen.

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Mir dünkt diß waren seine Worte/
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So
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An einem Bach’ am wüsten Ohrte/
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Der ähnlich war der schwartzen Nacht:
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Hört zu ihr Büsch’ ihr Wüsteneyen/
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Hört/ an sprach

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Fang' ich nur an sie zu besingen/
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Sie die ein Auszug unsrer
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So möchte mir das Hertze springen/
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Vor innerlichem Weh und
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Und daß/ weil ihr mein treues Flehen/
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So gar nicht wil zu Hertzen gehen.

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Ich bin ja nicht/ wie mancher pfleget/
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Der nur mit bloßen Worten schwehrt/
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Und dessen Hertz nichts wares heget/
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Der nur
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Der bloß vermeint aus geilen Sinnen
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Der Liebsten

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Hab’ ich der liebsten
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Nicht das erwiesen jederzeit/
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Was das Vermögen meinem Willen/
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Vergönnet hat nach Mügligkeit.
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Sie kan wenn Sie nur selbst wil zeugen/
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Daß ich bin gäntzlich ihr Leibeigen.

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Hab’ ich nicht etlichmal erwählet/
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Bey Nacht’ ein naß-betautes
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Auf welchem ich mich so gequälet/
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Und Sie betracht ohn unterlaß/
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Da ich doch wol bey meinen Schafen/
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Jm sanften Bette können schlafen.

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Und dieses müst' ihr ja gestehen/
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Jhr Streüch’ und auch du gantz Revier/
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Daß
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Bewegt zum Trauren neben mir.
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Du Nachtigall kanst einig sagen/
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Von meinen innerlichen

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Hab’ ich nicht meinen Leib geritzet/
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Und von daraus mein Blut gebracht
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Wo mir mein redlichs Hertze sitzet/
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So ihr zu dienen war bedacht.
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Wie willig war es gar zu sterben/
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Jhr treues Hertz nur zu erwerben.

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Dieß/ und auch noch viel andre Sachen
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So meine
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Setzt Sie bißweilen mit verlachen
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Und eitlem Mißtrau hinten an.
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Doch ruff’ ich an euch Himmelslichter
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Jhr werdet sein mein rechter Richter.

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Hab’ ich Sie nicht gleich meinem Hertzen/
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Und noch viel treulicher geliebt/
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So bleiben auf mir Noht und Schmertzen/
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Auch das/ was mich vor dem betrübt.
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Wie oft sagt
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Daß ich Sie lieb' alleine. (Reine.)

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Ja wenn ich fünd’ in meinen Sinnen/
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Was ihr möcht angenehme sein/
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Mein
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Solt’ ihr ohn allen falschen Schein.
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Zu treuen Diensten sein ergeben/
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Und solt' es sein mit meinem Leben.

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Nuschliesset doch ihr frommen
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Sey Richter unparteische Welt/
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Ob ich zu nennen sey ein Spötter/
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Wie Sie mich offtmals dafür hält.
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Bin ichs so schiessen
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Hier über meinen

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Geh hin mit deinem sanften Wehen/
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Du Sachteseusler Westenwind/
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Geh mach die schönste Nymf verstehen/
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Das allerliebste Hertzenkind.
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Daß ich Sie lieb' als meine Seele/
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Biß in die schwartze Grabeshöhle.

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Sag wil Sie ferner mir nicht trauen/
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So soll Sie dessen sein gewiß/
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Daß ich mich wil der Welt berauben/
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Mit mancher Noht und Hertzverdrieß.
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Wil sagen: gute Nacht ihr Wälder/
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Zu tausend guter Nacht ihr Felder.

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So sang mit bittren heissen Thränen
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Der treue
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Kaum kunt' Er mehr ein Wort erwähnen
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Als dieß so Er mit Seuftzen lallt:
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Ach möchte Sie sich doch bedänken
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Und mich hinfort nicht mehr so kränken.

(Neumark, Georg: Poetisch- und Musikalisches Lustwäldchen. Hamburg, 1652.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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