1.

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Georg Neumark: 1. (1652)

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Sein Thyrsis der itzund hier bey der Weisset wohnet/
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Der sich nicht selbst so sehr als dich sein Kind geliebt/
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Wird noch nicht von der Angst der Liebeslast verschonet/
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Lebt offtmals wegen dein von Hertzen hochbetrübt.

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Er dänket Tag und Nacht an jene süsse Stunden/
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Wie Er vor sieben Jahr sich offt zu dir gefunden
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Wie du Jhn und Er Dich in keuscher Gunst gehertzt.

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Er dänket Tag und Nacht an deine Heldenaugen/
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An deinen Zukkermund/ an deine Marmolbrust
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An deine Höfligkeit/ drüm wil ihm nichtes taugen/
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Das andre Jungfer Volk ist ihm nur lauter Wust.

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Wie dieß sein Paradieß/ o Göttinn/ vor gewesen/
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So ist dein Absein itzt ihm lauter Helt’ und Pein/
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Und wird auch ehe nicht von dieser Brunst genesen/
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Er werde denn zuvor vermodert müssen sein.

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Was sag’ ich kan der Tod wol solche Liebe tödten/
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Die nach dem Tod’ erst recht als lebhafft reden kan?
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Nein dieser Versche krafft wird ihn mit Scham beröhten!
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Daß Er die Gunst nicht nur auf Lebenszeit gewann.

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Ob Er schon Sterblicher dich Sterbliche geliebet! (spührt.
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So wird nichts Sterblichs doch an beyder Treü ver-
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Wenn Lieb’ und Gegenlieb’ auf Ernst wird ausgeübet/
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Wird Sie durch keinen Mord des Todes angerührt.

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Kein Frauenzimmer solt so weit beruffen werden/
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Als Karitillchen du/ du edler Tugendschein!
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Du solst weit höher stehn als dieser Ball der Erden/
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Der Himmel selbst wird auch vor dich zu niedrig sein,

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Weich Römsche Lupia bistu schon hochgeehret/
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Mein Karitilchen soll doch über dir nun stehn/
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Jhr Griechschen Jungfern auch seit immerhin gelehret/
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Mein trautster Hertzenstrost soll euch all’ übergehn.

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Er setzet dich/ sein Hertz/ dich liebste Karitillen/
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Dort jener Fillis vor/ dort jener Galathe/
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Dort jener Leßbien/ dort jener Amarillen/
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Dort jener Bellisell’/ auch jener Argine!

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In dessen weil Er nichts von dir itzt kan genießen/
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Als daß du seiner wollst imgleichen eindenk sein/
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So pflegt Er deinen Ring vor deinen Mund zu küssen/
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Und taucht ihn wenn Er trinkt gar oft im Becher ein.

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Dein liebstes Ebenbild das liebe Liebeszeichen/
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Trägt Er auf seiner Brust und nimmt ein Merkmahl
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dran/
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Dann geht es dir nicht wohl so wird es bald verbleichen/
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Ists gut so gläntzt das Gold und zeigts dem Hertzen an.

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Was nun sein Zeitvertreib wilstu vielleichte wissen/
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Des Morgens ists ein Buch/ Ein Gang nach Mittags-
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zeit/
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Hier vor die Stadt hinaus da Er dann ist beflissen/
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Auf lauter Hertzenweh/ auf lauter Traurigkeit.

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Bald schaut Er den Rubin/ bald sieht Er auf das prangen/
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Des schönen Demandrings/ bald auf das Armenband/
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So Er von dir mein Kind/ zum Denkmahl hat empfangẽ/
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Zum Zeichen deiner Gunst zum treuen Liebespfand.

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Und daß Er überal ja dein Gedächtnüß finde/
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Hat Er ein Strömchen hier/ nach dir/ mein Kind genant/
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Das rauschet Tag und Nacht durch seine tieffe Gründe/
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Bey welchem nur auf dich sein gantzer Sinn gewandt.

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Da geht Er offtmals hin/ und setzet sich danieder/
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Und fängt zu klagen an in tieffer Traurigkeit/
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Dann singt Er bey sich selbst der Liebe Klagelieder/
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Die Er von dir gemacht/ vor jener langen Zeit.

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Auch dieß ist nicht genug die jung- und alten Eichen/
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So ihren Unterhalt von diesem Ströhmchen ziehn/
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Die tragen eingeschnitzt des halben Mondes Zeichen/
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So wächst dein Nahme mit und kan doch nicht verblühn.

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Dieß alles hat Er dir mein Seelchen zugeschrieben/
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Damit du sehen solst wie hoch Er dich geschätzt/
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Und wie Er itzund noch so standhafft sey im Lieben
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Wird Er schon nicht wie vor mit Gegenwart ergetzt.

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Es sind schon sieben Jahr daß Absckied Er genommen/
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Von dir aus Zimrien/ o edle Königinn/
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Run hoffe Er wiederüm zu dir mein Hertz/ zu kommen/
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Gott gebe frische Krafft und stärke meinen Sinn.

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In dessen leb erfreut/ leb tausendmal vergnüget/
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Du Liebster Augentrost/ du edles Sinnenlicht/
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Biß sich das liebe Glükk des treuen Thyrsis füget/
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Biß Er mit höchster Lust dich Liebste selber spricht.

(Neumark, Georg: Poetisch- und Musikalisches Lustwäldchen. Hamburg, 1652.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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