An Doris

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: An Doris (1745)

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Doris, ia, Du magst mich hassen,
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Mich verstossen, mich verlassen,
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Wiß, es blutet zwar mein Herz,
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Doch, es ändert es kein Schmerz.
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Unter meinen edlen Trieben
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Ist kein Trieb veränderlich:
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Doris! wilst du mich nicht lieben;
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O so lieb ich dennoch Dich

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Doris, kanst Du mich verlassen?
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Schönste, sprich, sollst Du mich hassen?
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Mich, den nichts, als Du, betrübt,
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Mich, der Dich so zärtlich liebt?
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Mich, der iüngst die Welt noch schätzte,
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Weil Du zu der Welt gehörst,
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Welchen nichts darinn ergözte,
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Wenn Du nicht darinnen wärst

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Deine Weisheit, Deine Tugend
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Ubertrift noch Deine Jugend,
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Dein holdseeliges Gesicht
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Gleicht der schönen Seele nicht.
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Rosen blühen auf den Wangen,
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Lilien glänzen rund umher:
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Doch sie würkten kein Verlangen,
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Wenn Dein Geist nicht schöner wär.

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Freundlichkeit in allen Minen,
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Eifer, iedermann zu dienen,
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Edelmut, Verschwiegenheit,
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Menschenliebe, Zärtlichkeit;
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Jede Tugend ist Dir eigen,
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Jede hast Du Dir erwählt,
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Und kein Lästrer kan mir zeigen,
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Daß Dir auch nur eine fehlt

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Du gebietest meinen Trieben,
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Dich allein kan ich nur lieben.
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Tausend nennt man reich und schön,
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Und ich mag sie doch nicht sehn.
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Keine Schöne, keine Reiche
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Ist Dir an Verdiensten gleich:
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Wenn ich sie mit Dir vergleiche,
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Dann ist keine schön und reich

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Laß mich meinen Kummer sagen!
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Wirst Du mich gleich nicht beklagen,
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So beklagt ein andrer mich,
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Der Dich minder liebt, als ich.
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Zeig ihm dieses Tuch voll Zähren,
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Das mein Auge voll geweint,
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Prüf ihn,
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Ob ers halb so redlich meint.

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Sein verklagendes Gewissen
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Wird die Treue loben müssen,
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Die er zwar mit Nahmen nennt,
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Aber die sein Herz nicht kennt.
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Glükk und Dich will ich ihm gönnen,
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Wenn er nur die Warheit spricht.
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Warheit, zwing ihn zu bekennen:
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Solche Triebe kenn ich nicht

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Nein, ich kann den Trieb nicht hindern,
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Nein, ich kann mein Leid nicht mindern,
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Was ich rede, denk und thu,
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Setzt mein Herz doch nicht in Ruh.
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Canitz rief die schnellen Stunden,
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Und verging, wie sie, im Schmerz;
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Was sein blutend Herz empfunden,
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Das empfindet itzt mein Herz

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Denk an seine Trauerode!
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Doris ringt noch mit dem Tode:
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Folge dieser Doris nach,
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Sprich, was einst ihr Schatten sprach:
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Nur drei Worte darf ich sagen,
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Ich weiß, daß du traurig bist.
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Folge mir. Vergiß dein Klagen,
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Weil dich Doris nicht vergißt.

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Säh ich Dich in letzten Zügen
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Sterbend auf dem Lager liegen,
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Sprächest Du, daß Deine Treu
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Mir im Tode sicher sey;
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Könnt ich dann wol Abschied nehmen,
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Wie erst Haller Abschied nahm?
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Nein! Ich würde mich nur grämen,
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Denn so stürb ich erst für Gram

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Freunde, Doris läßt mich sterben!
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Seht, ich will den Ruhm erwerben,
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Den sich iedes Herz erwirbt,
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Welches liebt, und liebend stirbt.
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Daß man einst von mir noch spreche,
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Seht mein Leid und sagt es nach!
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Tausend andre Tränenbäche
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Würke dieser Tränenbach

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Dichter sollen mich bedauren!
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Schönen sollen um mich trauren!
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Denn ich weiß, es rührt mein Lied
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Jedes zärtliche Gemüth.
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Weint bei meinen Trauertönen,
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Weint, gerührte Herzen, weint!
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Sagt einst:
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Ein Verliebter und ein Freund.

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Doris, bist Du zu erweichen;
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O so denk an iene Leichen,
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Die der treuen Liebe Macht
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Vor der Zeit ins Grab gebracht!
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Soll ich mich zu Tode grämen?
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Sage ia. Es soll geschehn.
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Laß mich nur beim Abschiednehmen
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Dich noch einmal freundlich sehn

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Hörst du, was die Liebe fodert?
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Wann einst dis Gebeine modert,
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Dann erwache Dein Gehör;
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Doch, dann fodert sie nichts mehr.
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Ruf einmal bei tausend Zähren
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Meine Asche aus der Gruft.
111
Doch, vielleicht wird sie nicht hören,
112
Wenn Dein Mund gleich selber ruft

113
Aber wenn ich noch im Grabe
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Kräfte zum empfinden habe,
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Wenn man dort noch sieht und hört,
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Wenn mich dort Dein Gram noch stört;
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O, was werd ich dann verspüren,
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O, wie wird es Dich gereun!
119
Wie wird mich Dein Jammer růhren,
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Wenn ich nicht kan bei Dir seyn.

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Sorgen, die das Herz verletzen,
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Tränen, die die Wangen netzen,
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Nachreu, in der zarten Brust,
124
Seufzer, über den Verlust,
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Werden mich erwekken sollen.
126
Doris, ändre Deinen Sinn,
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Dann wirst Du mich lieben wollen,
128
Wann ich halb verweset bin

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Werd ich Dir mit dürren Beinen,
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Künftig in der Nacht erscheinen,
131
Komm ich als ein Geist zu Dir,
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So erschrikk nur nicht vor mir.
133
Nein, mein Geist soll Dich nicht quälen,
134
Wenn er Dich gleich quälen kan!
135
Wird ihm Ruh im Grabe fehlen,
136
O so bist Du Schuld daran

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Ach mit tausend edlen Tränen
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Wirst Du meiner Lieb erwähnen,
139
Und zur Lindrung Deiner Noth
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Rufst Du wol noch selbst den Tod.
141
Wünsche Dir kein Sterbebette!
142
Warte bis der Tod Dich ruft:
143
Doch, nimm Deine Ruhestädte
144
Nur nicht weit von meiner Gruft.

145
Dann werd ich beim Auferstehen
146
Dich an meiner Seite sehen!
147
Dann mischt sich, in meiner Brust,
148
Liebe zu der Himmelslust.
149
Dann wirst Du mich erst entzükken,
150
Wann Du nicht mehr irrdisch bist.
151
Dann wird mich Dein Kuß beglükken,
152
Wann mich erst ein Engel küßt

153
Welcher Donner, welche Freude,
154
Störet mich in meinem Leide!
155
Hört den lauten Freudenton,
156
Seht die Erde zittert schon.
157
Welten fallen aus der Höhe,
158
Sterne werden Sonnen gleich.
159
Dort, wo ich die Schaaren sehe,
160
Dort entsteht das Himmelreich

161
Engel jauchzen in den Lüften,
162
Menschen steigen aus den Grüften,
163
Fromme werden schon verklärt,
164
Und mir wird mein Wunsch gewärt.
165
Doris, nun will ich Dich führen,
166
Sieh, dort ist Dein Vaterland!
167
Komm, Du solst den Himmel zieren,
168
Zier ihn nur an meiner Hand!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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