1.

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Georg Neumark: 1. (1652)

1
Ich habe Mich mein Gott mit Mir besprochen/
2
Daß Ich der Welt ihr Gut-sein oder Pochen
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Ins künfftige/ Dich liebend/ fromm und still/
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Nicht achten wil.

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Weg schnöde Welt mit allen deinen Dingen/
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Wodurch Du offt den Menschen pflegst zu bringen
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In großes Leid/ ja offtmals in den Tod
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Und Seelennoht.

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Mein sag/ was sind doch alle deine Güter?
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Nichts anders ja als Netze der Gemühter;
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Was ist dein Geld/ dein Gold und Heuser auch?
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Nur Wind und Rauch.

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So bald der Zorn deß HErrn darüber wehet
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Wo bleibt es denn? So bald ein Krieg entstehet/
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So bald ein Feur daßelbe nur erhascht/
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So ists verascht.

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War Hiob nicht ein Mann von vielen Geldern?
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Von großere Gut’ und reichbegabten Feldern?
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Jhm war kein Mensch/ und war Er noch so reich/
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An Gütern gleich.

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In einem Huj verderben seine Kinder/
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Es gehet weg sein Haub/ Hof/ Vieh/ und Rinder/
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Er wird gar bald/ eh Er es dänken kan/
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Ein armer Mann.

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Der Dioniß saß in den höchsten Ehren
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Zu Syrakuß’/ und muste Kinder lehren/
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Dort zu Korinth/ hernach aus großer Noht
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Ums liebe Brodt.

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Du Prahler hör/ was hilfft dich doch dein Stutzen?
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Was hilfft Dich doch dein Gottvergesnes Putzen?
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Du tritst herein/ und dänkest nicht einmal
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An jene Quahl.

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Du lebest wol. Was aber dänkt in dessen
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Dein arme Seel’? als welcher Du vergessen/
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Du eitler Mensch? Sie klagt ihr Ungemach
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Mit Weh und Ach.

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Sie ist bemüht Dein böses Thun zu stillen/
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Sie hält Dir vor deß frommen Gottes Willen/
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Dir aber ists und deiner frechen Rott’
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Ein lautrer Spott.

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Sie klagt Dich an mit bittren heißen Zähren/
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Sie ächtzt und seuftzt/ und wil sich gern erwehren/
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Zugleich mit Dir zugehn in jenes Leid/
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Der Ewigkeit.

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Bedenke Mensch/ was sind doch Herrengünste?
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Ja anders nichts/ als Rauch und leere Dünste/
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So diesen gleich/ so bald Sie fast entstehn/
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Auch bald vergehn.

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Stundt’ Haman dort nicht auf der Ehrenspitzen?
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Must’ Er nicht stets bey Ahasverus sitzen?
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Wie gieng es ihm? Eh es ein Mensche dänkt
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Wird Er erhenkt.

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Wer war doch wol dem großen Griechen lieber
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Als Klitus du? An Gunst war keiner drüber.
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Dennoch hat Er/ nach dem Er sich ergretzt/
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Dich hingemetzt.

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Weg Wollust/ weg mit deinen leichten Sinnen!
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Weg Uppigkeit mit deinem Schandbeginn en!
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Wie mancher Mensch ist doch von Dir betrübt/
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Der Dich beliebt.

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Ist Faon nicht in geiler Lust gestorben?
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Was hat doch sonst dich Tigellin verdorben/
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Als Prasserey/ und dein beliebter Wust/
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Die Liebeslust.

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Die Schönheit ist ein Lokkaas vieler Sünden/
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Ein Unglükssee den man kaum kan ergründen.
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Wie manches Leid/ wenn man es recht erwegt/
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Hat Sie erregt.

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Wie manches Leid hat Sie doch angerichtet?
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Wie mancher Mensch ist doch durch sie vernichtet?
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Die Schonheit hat so manches Land verheert/
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Und gantz zerstöhrt.

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Wenn Bathseba mit ihren zarten Wangen
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Und Leibesziehr den David nicht gefangen/
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So hett’ Er nicht fast Gottes Gunst verschertzt/
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Welchs Jhn geschmertzt.

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Wenn jener Held Antonius die Sinnen
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Nicht gantz gericht zur schönen Aegyptinnen/
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So hett’ Er ihm sein Leben nicht verkürtzt/
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Und sich gestürtzt.

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Daß Briechenland zehn Jahre lang bekrieget/
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Daß Troja dort so gantz verödet lieget/
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War nur allein Helene Schuld daran/
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Die hats gethan.

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Kurtz/ was der Mensch vor Hoch und Treflich schätzet/
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Womit Er sich nach Hertzenslust ergetzet/
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Ist alles doch in dieser Lebenszeit/
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Nur Eitelkeit.

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Was hilfft es Jhn wenn Er einmal gestorben/
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Jmfall sein Leib durch einen Tod verdorben/
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Der Madensakk? Es wird ein Grab und Stein
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Sein Reichthum seyn.

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Hat Er sich denn in Tugend nicht geübet/
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Und Gottes Wort von Hertzen hochbeliebet/
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Ach Weh! Ach Weh! wie wird es Jhm doch gehn
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Jm Aufferstehn.

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Der Himmelsfürst/ der Richter aller Seelen/
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Wird Jhn mit Ernst mang die Verdampten zählen/
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Da wird Er stehn zu seiner linken Hand
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Mit Spott und Schand.

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Der Teufel selbst wird seyn sein Mitgeselle/
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Das hellsche Feur wird seyn an Goldes Stelle/
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Ein greulich Loch/ und schwefelichter Pfuhl
104
Wird seyn sein Stuhl.

105
Da muß Er denn die unerhörten Plagen/
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Mit Ach und Weh in Ewigkeit ertragen/
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In Ewigkeit wird keine Rettung seyn
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von dieser Pein.

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Drüm lenk/ Ach Gott/ Ach lenke meine Sinnen/
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Daß Sie sonst nichts als Dich nur lieb gewinnen/
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Gieb Deinen Geist/ Der mich auf rechter Bahn/
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Weis’ Himmel-an.

113
Der über Mich mit seinen Gaben walte/
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Der mein Gemüht’ in deiner Lieb’ erhalte/
115
Der meinen Sinn zur Gottesfürchtigkeit/
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Lenk’ allezeit.

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Ach Gott/ schlägt mich ein Fehler etwa nieder/
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So heb Mich auf und tröste Mich doch wieder/
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Reitzt mich die Sünd- und bringt mich in ihr Joch/
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So schone doch.

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Laß dein Gericht nicht über mich ergehen/
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Wer kan doch HErr/ wer kan doch vor Dir stehen?
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Kein Mensche nicht. Laß deiner Gnaden Schein
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Mein Beystand seyn.

125
Lenk so mein Hertz in meinem gantzen Leben/
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Daß es nichts woll’ als Dir nur seyn ergeben/
127
Und wenn ich denn vollendet meinen Lauff/
128
So nim mich auf.

(Neumark, Georg: Poetisch- und Musikalisches Lustwäldchen. Hamburg, 1652.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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