Der Messias . Vierter Gesang

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Der Messias . Vierter Gesang (1751)

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Kaiphas aber lag noch, nach Satans dunkelm Gesichte,
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Voller Angst auf dem Lager, von dem die Ruhe geflohn war.
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Bald schlief er kurze Zeit ein, bald erwacht er wieder, u. warf sich
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Ungestüm, und voll Gedanken herum. Wie tief in der Feldschlacht
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Sterbend ein Gottesleugner sich wälzt; der kommende Sieger,
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Und das bäumende Roß, der rauschenden Panzer Getöse,
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Und das Geschrey, und der Tödtenden Wut, und der donnernde Himmel
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Stürmt über ihm; er liegt, und sinkt mit gespaltenem Haupte
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Dumm und gedankenlos unter die Todten, und glaubt zu vergehen.
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Drauf erhebt er sich wieder, und ist noch, und denkt noch, und fluchet,
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Daß er noch ist, und spritzt mit bleichen sterbenden Händen
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Blut gen Himmel, Gott flucht er, und wollt ihn gerne noch leugnen.
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Also betäubt sprang Kaiphas auf, und ließ die Versammlung
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Aller Priester und Aeltsten im Volke schnell zu sich berufen.
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Mitten im hohen Pallast war ein weiter Saal der Versammlung,
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Aus des erhabenen Libanons Hain salomonisch erbauet.
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Allda kamen die Priester und Aeltsten im Volke zusammen.
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Mit den Aeltsten kam Joseph von Arimathäa, ein Weiser!
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Unter der ganzen entarteten Nachwelt des göttlichen Abrams
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Von der Zahl der übergebliebnen wenigen Edlen.
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Still, wie der friedsame Mond in dämmernden Mitternachtswolken
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Ueber uns wallt, so gieng in diesen Versammlungen Joseph.
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Auch kam Nikodemus, ein Freund des Meßias und Josephs.
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Kaiphas trat itzt herrisch hervor, und ergrimmt, und sagte:
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Endlich, ihr Väter Jerusalems, müssen wir etwas beschließen,
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Und mit gewaltigem Arm den Widersacher vertilgen:
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Oder er führt es hinaus, was er wider uns lange schon aussann,
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Und wir halten vielleicht itzo die letzte Versammlung!
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Ja dieß Priesterthum Gottes, das, hoch auf Sinai, Gott selbst
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Durch den größten Propheten der ganzen Nachwelt gesetzt hat,
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Das in der langen Gefangenschaft, selbst babylonische Thürme,
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Das im Sturme der Waffen die schrecklichen sieben Hügel
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Nicht zu erschüttern vermocht; das wird ein sterblicher Seher,
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Jsrael, uns, dem Tempel des Herrn zur Schande, vertilgen.
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Ist nicht Jerusalem sein? Sind nicht die Städte Judäa
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Sclavinnen ihres vergötterten Träumers? Entfliehet das Volk nicht
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Abergläubisch und blind dem Tempel weiserer Väter,
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Seine verführende Wunder in weit entlegenen Wüsten
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Anzustaunen? Die Wunder, die Satan durch ihn verrichtet!
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Und was blendet wohl mehr? Was ist dem staunenden Pöbel
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Wunderbarer? Als wenn er so gar Verstorbne vom Tode,
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Oder vielmehr ohnmächtige Kranke, vom Schlummer erwecket!
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Unterdeß sind wir ruhig, und warten, wenn uns sein Anhang
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Jm entsetzlichen Aufruhr vor seinen Augen erwürgt hat,
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Daß er uns auch von den Todten erwecke! Ja! Väter, ihr seht mich
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Stumm und erstaunungsvoll an! Könnt ihr noch zweifeln? Ja, zweifelt,
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Zweifelt nur, und schlummert! Nie rief ihn Judäa zum König
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Ungestüm aus! Das wißt ihr nicht! Nie hats die Wege mit Palmen
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Jauchzend bestreut! Nie haben sie ihm Hosanna gesungen!
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Daß du statt, Hosanna! den Fluch des Ewigen hörtest!
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Daß die Stimme des Donnerers dir im betäubten Ohre
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Statt des Triumphtons erschallte! Daß tief im Thore des Todes,
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Könige dir vom eisernen Stul aufstünden, die Kronen
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Niederlegten, und bitter und fpöttisch, Hosanna! Dir riefen!
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Ja, unwürdige Väter des Volks! (Verzeiht mir die Rede,
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Die itzt ergrimmt im heiligen Zorne, mein wütender Geist that!)
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Nicht die Klugheit allein, nein, viel was höhers gebeut uns,
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Gott gebeut uns, ihn schnell vom Antlitz der Erde zu tilgen!
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Vormals redte der Herr durch offenbarende Träume
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Unsern Vätern. Seht, ob nicht dem Hohenpriester Gottes
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Himmlische Träume gesandt sind. Ich lag zur Mitternachtsstunde
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Sorgenvoll auf dem Lager, und dachte dem endlichen Ausgang
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Dieser neuen Empörungen nach. So dacht ich, und schlief itzt
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Unentschlossen und kummervoll ein. Da war ich im Traume
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In dem Tempel, und eilte mit Gott das Volk zu versöhnen.
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Schon floß Blut der Opfer vor mir; schon gieng ich anbetend
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Gegen das Allerheiligste Gottes; schon hatt ich den Vorhang
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Aufgethan, da sah ich (noch zittern mir alle Gebeine!
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Noch fällt Gottes Schreckniß auf mich, wie tödtend, herunter!)
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Aaron sah ich, im heiligen Schmuck, mit drohender Stirne,
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Auf mich zugehn, sein Auge voll Feuer, von göttlichem Grimm voll
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Tödtete! Sein Brustbild voll ernster gewaltiger Stralen,
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Blitzte, gleich Horeb, auf mich! Der Cherubim Fittige rauschten
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Fürchterlich auf der Lade des Bundes! Auf einmal entfiel mir
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Rauschend mein Hohespriestergewand, wie Asche, zur Erde.
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Fleuch! rief Aaron mit schrecklichem Ton, du des Priesterthums Schande,
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Fleuch! Elender, dir sag ich, daß du die heilige Stätte
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Künftig nicht mehr, als Priester des Herrn, verwegen entheiligst.
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Bist du es nicht? (Hier sah er mich grimmig mit tödtendem Blick an,
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Wie man auf einen Todfeind herabblickt, und lieber ihn würgte!)
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Bist du es nicht? Unwürdiger! Der du jenen Verruchten,
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Jenen entsetzlichen Mann, ungestraft das Heiligthum lästern,
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Meinen Bruder, Moses, und mich, und Abraham schmähen,
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Und die Sabbathe Gottes mit strafbarer Trägheit entweihn siehst!
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Geh, Elender! Damit dich nicht schnell, wenn du ferner verweilest,
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Dieser Gnadenstul Gottes mit heiligem Feuer verzehre.
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Also sagt er. Ich floh und kam mit zerfliegenden Haaren,
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Und mit Asch auf dem Haupte, gewandlos, ohn Urim und Thum̃im,
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Unter das Volk. Da stürmte das Volk, und wollte mich tödten.
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Drauf erwacht ich. Drey Stunden voll Quaal, drey ängstliche Stunden,
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Hab ich seit dem, wie sinnlos, im Todesschweiße gelegen.
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Und noch beb ich, noch zittert mein Herz von geheimen Schauer
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Und, der Stimme beraubt, erstarrt mir die Zung im Munde!
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Er muß sterben! Von euch, versammelte Väter, erwart ich,
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Wie er sterben soll, schleunigen Rath! - - - Mit starrenden Blicke
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Stand er hier sprachlos. Zuletzt erwacht er wieder, und sagte:
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Besser, stirbt Einer, als daß das ganze Judäa verderbe!
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Aber noch will die vorsichtige Weishelt. Die Tage des Festes
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Muß er nicht sterben, daß ihn sein sclavischer Pöbel nicht schütze.
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Kaiphas schwieg. Kein Laut, noch Geräusch von Redenden wurde
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Durch die Versammlung gehört. Sie blieben überall schweigend,
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Wie vom Donner gerührt, und starr, und unbewegt sitzen.
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Joseph sah die herrschende Stille. Da wollt er für Jesum
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Jhn zu vertheidigen, reden; allein ein gefürchteter Priester,
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Seine Wut, mit der er auf einmal, zu reden hervortrat,
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Hielten ihn ab. Philo, war des Priesters Name. Noch hatt er
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Nie von Jesu geredet. Jhn hielten alle für weise,
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Kaiphas selbst, doch haßt ihn der pharisäische Philo.
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Der stand auf. Sein tiefes und melancholisches Auge
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Funkelte, da sprach er mit zornig geflügelter Stimme:
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Kaiphas! Du wagst es, von hohen göttlichen Träumen
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Vor uns zu reden, als wüßtest du nicht, daß der Ewige niemals
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Wollüstlingen erscheinen, daß heimlichen Sadducäern
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Wohl kein Geist was verkündigen wird. Entweder du leugst uns,
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Oder du hast wirklich dieß Traumgesichte gesehen.
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Ist das erste, so zeigst du dich deiner römischen Staatskunst
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Und des erhandelten Priesterthums würdig: und wär auch das letzte,
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Hoherpriester! So wisse, daß Gott, Verbrecher zu strafen,
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Sonst auch täuschende Geister zu falschen Propheten gesandt hat.
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Daß der Sclave von Jesabels Baal, daß Ahab verdürbe,
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Daß des Unschuldigen Blut, nicht länger vergebens Gott flehte,
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Stieg ein Todesengel vom Thron, und gab den Propheten
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Falsche Prophezeyung! Und siehe, die rollenden Wagen
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Trugen den sterbenden Ahab zurück. Er starb, und sein Blut floß
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In das Feld hin, wo Nabot erwürgt ward, ins Feld hin, wo Gott stand,
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Und wo der Todesengel vor Gott des Sünders Blut hingoß.
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Zwar es gebietet dein Traum, den Widersacher zu strafen!
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Du hast keinen gehabt! Doch hast du mit Weisheit erfunden.
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Aber! zitterst du nicht, da dir der furchtbare Name
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Eines Todesengels genennt wird? Vielleicht wägt ein solcher
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Schon dein bald zu vergießendes Blut vor des Ewigen Thron ab.
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Nicht, als wenn ich den schuldigen Jesus für schuldlos erkennte!
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Gegen ihn verglichen, bist du ein kleiner Verbrecher!
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Du entehrst nur das Priesterthum Gottes. Er will es vernichten!
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Jhm ist in der richtenden Wagschal, die oft schon Verbrecher,
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Oft schon aufgethürmte Bezwinger der Völker zu leicht fand,
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Eh er wurde, sein Blut, zum gewissen Tode, gewogen!
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Er soll sterben! Und ich, ich will es mit meinen Augen
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Sehen, wenn er erblaßt! Vom Hügel, wo er erwürgt wird,
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Will ich Erde mit Blute bedeckt, ins Heiligthum tragen,
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Oder, von ihm noch rauchende Steine beym hohen Altare
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Niederlegen, den Jsraeliten ein ewiges Denkmal!
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Niedrige Furcht, die uns lehrt den wankenden Pöbel zu scheuen!
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Kleinmuth, den Vätern unabgelernet! Wofern wir dem Donner,
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Gottes rächendem Donner zuvor zu kommen nicht eilen:
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Wird Gott mit ihm uns zugleich zerschmettern! Mit brechenden Augen
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Werden wirs sehn, wenn er stirbt, und unrein neben ihm sterben!
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Fürchtete da der Thisbite den Pöbel, die Priester zu würgen,
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Als der schlafende Baal zu keinem Wetter erwachte?
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Oder vertraut er dem mehr, der Feuer vom Himmel ihm sandte?
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Steht uns auch kein Gewitter nicht bey: so will ich allein mich
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Unter das Volk hinstellen! Und, weh dem! der unter dem Volke
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Wider mich sich auflehnt, und sagt, der Leichnam des Träumers
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Blute nicht Gott zu ehren! Den soll die ganze Gemeine
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Steinigen, so bald ihr mein um sich schauender Blick winkt.
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Vor den Augen des ganzen Judäa, vorm Antlitz der Römer,
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Soll er sterben! Wir wollen alsdann im Gerichte, wie Götter,
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Sitzen, und laut feyrend zu Gottes Heiligthum einziehn!
159
Philo sprach dieß, und gieng mit aufgehabenen Armen
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Vorwärts in die Versammlung, und stand, und rief von neuem:
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Seliger Geist, wo du itzo auch bist, wenn du, himmlisch bekleidet,
162
Neben Abraham sitzest, und um dich Propheten versammelst,
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Oder, wenn du vielleicht in deiner Kinder Versammlung
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Würdigst einzukehren, und unter Sterblichen wandelst:
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Moses Geist! Dir schwör ich, bey jenem ewigen Bunde,
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Den du, gelehrt von Gott, aus Donnerwettern uns brachtest:
167
Ich will eher nicht ruhn, als bis dein großer Feind todt ist!
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Als bis ich von vergossenem Blute des Nazaräers
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Volle Hände zum hohen Altare des Sündopfers bringe,
170
Und sie über mein graues Haupt, Gott zu danken, erhebe!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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