Auf eine schwarze Lerche

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Auf eine schwarze Lerche (1744)

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Lerche! mit dem schwarzen Kopfe,
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Mit dem glänzend schwarzen Schnabel,
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Sage! bist du nicht ein Hähnchen?
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Deine freie Vogelmine
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Ist so männlich, wie die meine,
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Und deshalb lobt dich mein Mädchen.
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Sage! hast du denn kein Weibgen?
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Sind dir keine Kinder ähnlich?
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Oder, hast du keine Schwestern?
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Wo sind deine Anverwandten?
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Gleicht dein Vater dir an Farbe?
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Oder, was hat ihn bewogen,
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Daß er dich so schwarz gefärbet?
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Denn es gleicht dir ia kein Bruder.
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Vogel! schaffe mir geschwinde
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Junge Lerchen, die dir gleichen;
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Ja! du must dich gleich verlieben.
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Sich! hier ist für dich ein Weibgen.
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Sieh! mein Mädchen soll dirs geben,
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Nimms und schaffe mir Brunetten.
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Ich will sehn, ob deine Brüder
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Ebenfals Brunetten lieben.
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Mädchen, sieh! er wird sich paaren,
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Mädchen, sieh! er ist kein Hähnchen.
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Sieh! wie artig kan man irren!
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Ist dein Weibgen doch ein Hähnchen.
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Gleicht dir doch mein Frülingsbote,
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An Geschlecht, und Lust, und Farbe
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Wie er mir an Freiheit gleichet.
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Da! ich schenk ihn dir den Vogel,
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Unvergleichliche Brunette!
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Lieb’ ihn, denn er ist dir ähnlich.
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Doris! ia, du kanst ia malen,
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Hurtig male mir den Vogel,
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Mal’ ihn zwischen andre Lerchen,
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Daß man sieht, wie er sich paaret.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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