An Doris

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: An Doris (1744)

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Künstlerinn! wir künsteln beide,
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Du kannst stikken, ich kann malen.
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Aber stikkst du denn nur Blumen?
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Kanst du nicht mit goldnen Faden
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Knaben oder Mädchen stikken?
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Wag’ es nur, du wirst es können.
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Aber erstlich stikke Knaben.
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Stikke solche, wie ich male,
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Ohne Perlen, ohne Purpur,
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Wie sie sich im Grünen iagen,
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Oder wie sie sich das Hemde
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Vor den Augen blöder Nimfen
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Vorwerts auf die Knie halten.
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Sieh’ sie selbst, hier sind im Buche
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Zwanzig Knaben abgeschildert,
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Wähle dir den besten Knaben,
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Nimm den Losen, der so lächelt,
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Oder ienen, mit dem Bogen,
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Der dich mit dem Pfeile drohet,
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Nimm sie nicht, hier sind noch andre,
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Sieh sie an, und wähle selber,
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Ich will sehn, wie gut du wählest.
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Diesen Knaben wilst du stikken?
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Diesen, der nach Küssen schmachtet?
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Der halbnakkend sich nicht schämet?
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Doris! dieses bin ich selber.
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Hat mein Pinsel mich getroffen?
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Kennst du mich an diesen Zügen?
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Gut! du solst mich selber stikken.
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Aber erst must du mich schildern.
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Höre nur, wir wollen tauschen.
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Ich will stikken, du solst malen.
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Hurtig gib mir Gold und Nadel,
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Diese Rose will ich enden;
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Denn sie wird in blauer Seide
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Einst auf deinem Busen blühen.
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Unterdeß kanst du mich malen,
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Und sobald du mich gemalet,
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Solst du das Gemälde stikken.
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Da! hier hast du meine Farben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
(17191803)

* 02.04.1719 in Ermsleben, † 18.02.1803 in Halberstadt

männlich

Dichter der Aufklärungszeit

(Aus: Wikidata.org)

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