1
Der Kenner aller Welten,
5
Und ohne Scherz und Liebe
6
Durch alle Nächte wachet,
7
Bewog mich iüngst am Abend
8
Zu frieren und zu wachen.
9
Den holen Raum des Himmels
10
Erhell’ten tausend Sterne,
11
Wie tausend helle Lampen
12
Den weissen Saal erhellen.
13
Sie brannten in dem Blauen,
14
Und warfen kleine Stralen,
15
Wie Lichter Stralen werfen;
16
Und oft sah ich, verwundernd,
17
Wie sie sich selber putzten.
18
Sie brannten still und sicher,
20
Den Abgrund heller machte;
21
Schnell waren von der Menge
22
Die kleinsten ausgelöschet.
23
Ich rief dem Mond entgegen:
24
So dulde doch, Tiranne,
25
Bei deinem grossen Schimmer,
26
Die kleinen Himmelslichter!
27
Allein der Sternbeseher
28
Beseufzte meine Dumheit,
29
Und rief beim letzten Seufzer:
30
Du Dummer, steh doch stille!
31
Ich stand; er rief: Steh veste!
32
Und legt auf meine Schulter
33
Ein Rohr, als wollt er schiessen.
34
Ich bat ihn um mein Leben,
35
Allein ich muß ietzt lachen,
36
Es schlt ihm Rohr und Pulver,
37
Denn die vermeinte Flinte,
38
Das Rohr auf meiner Schulter,
39
War nur ein langes Auge,
40
Womit er durch die Lüfte
41
Den Mond herunter holte.
42
Er holt’ ihn auch herunter,
43
Und sah ihn in der Nähe,
44
Und sprach: Ich will im Monde,
45
Die Thäler voller Tannen,
47
Ich will die Berge messen,
49
Er zälte schon bis zwanzig;
50
Allein, indem er zälte,
51
Erhub er schnell die Stimme,
52
Und rief, wie Wächter rufen:
53
Im Monde wohnen Mädchens!
54
Er, der noch nie gelächelt,
55
Fing plötzlich an zu lachen,
56
Und sahe nach dem Monde,
57
Und lachte plötzlich wieder,
58
Und sprach, noch halb im Lachen:
59
Ich sehe kleine Mädchens;
60
Sie tanzen unter Knaben,
61
Sie tanzen nach Figuren,
62
Nach Winkeln und Quadraten,
63
Nach Zirkeln und Ovalen,
64
Und spielen mit dem Zirkel,
65
Und stehn auf hohen Gipfeln,
66
Und sehn mit längern Augen,
67
Als Neuton und Copernik.
68
Ich habe nie mit Mädchens
69
Getanzet noch gespielet;
70
O! könnt ich doch im Monde
71
Mit diesen Mädchens spielen.
72
Ach lieber Sternbeseher!
73
So sprach ich, blöd’ und furchtsam,
74
Ach laß mir doch die Mädchen
76
Gleich grif er an mein Auge,
77
Und sprach, wie Zaub’rer sprechen:
80
Ließ ein vergnügtes Mädchen,
81
Das mich und ihn beschaute,
82
Das mich und ihn verlachte,
83
Die schwarzen Augen funkeln.
84
Schnell rief ich: Weg vom Auge!
85
Mein Auge soll nicht wachsen.
86
Besieh du deine Mädchens.
87
Ich will mit diesem spielen.