An eine zornige Schöne

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Johann Georg Gressel: An eine zornige Schöne (1716)

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Zornige ich falle nieder
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Blicke mich halb Todten an/
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Ach kehr doch/ ach kehre wieder!
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Daß ich Athen hohlen kan.
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Laß mich deine schönen Wangen
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So umfangen/
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Als mein Mund vordem gethan.
8
Zornige ich falle nieder
9
Blicke mich halb Todten an.

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Läst sich doch
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Ein harter Fels erweichen;
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Das Feur kan Stahl und Eisen zwingen/
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Ein Demant muß in Blut zerspringen/
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Wie! wilt du dennoch
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Härter seyn?
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Bist du noch mehr als Stahl und Stein?
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Und soll nichts deinem Hertzen gleichen?
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Laß ab mich ferner so zu quählen/
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Und gönne/ daß ich nach den Finsternissen/
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Die mich hißhero foltern müssen
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Kan vergnügte Blicke zählen.
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Soll aber ich nicht
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Meinen Wunsch erfüllet sehn?
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So laß mir nur ein kleines Licht
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Der Hoffnung auffgehn/
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Daß mir/ wenn ich gnug geplagt/
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Dieser Trost ist unversagt.

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Auch die Hertzen müssen brechen/
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Welche mehr den Stählern sind:
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Endlich werden durch die Liebe
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Eben solche heisse Triebe
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Auch in ihnen angezündt;
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Daß sie gantz entflammet sprechen/
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Auch die Hertzen müssen brechen/
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Welche mehr den Stählern sind.

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Ich hoffe nun ein gut Gelücke
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Sey mir bey dir noch vorgespaart;
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Krieg ich jetzo dunckle Blicke/
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Will dein Auge trübe seyn/
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Und mit
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Wohlan! laß es donnern laß es wittern;
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Ich bin getreu/
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Will schon der Grund der Erden sich erschüttern/
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So bleib ich doch dabey
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Mein Hertze schlägt nicht aus der Art/
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Und will dein eigen seyn.

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Der Himmel kan nicht ewig stürmen
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Die Sonne bricht doch endlich an
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Dein Hertz wird auch nicht immer hassen/
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Und mich so gar verderben lassen
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Weil ich dir eintzig zugethan/
52
Der Himmel kan nicht ewig stürmen/
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Die Sonne bricht doch wieder an.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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