Vi. Vergeblich verwachstu die Liebe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Kaspar von Stieler: Vi. Vergeblich verwachstu die Liebe (1660)

1
Alter/ ich muß deiner lachen/
2
daß du wilt des Amors Gluht
3
durch dein Auffsehn kälter machen/
4
Liebe tuht doch/ wie sie tuht.
5
Wacht man sie/ sie birgt ihr Feuer
6
Griffgen sind bey ihr nicht teuer.
7
Du verbeutst/ und weist nicht was.

8
Sie weiß mich doch wol zu halten
9
meine schönst’ Argine.
10
Du machst wie du wilst verwalten
11
Wächters Amt. Uns thut nicht weh:
12
daß du uns mit deinem schleichen
13
manche schöne Lust nimst hin/
14
Ich und Sie kan doch erreichen/
15
was beliebet unsern Sinn.

16
Magstu wol so viel verhüten/
17
daß ich Sie nicht sprech’ allein.
18
Dein so Argwohn-volles Wüten/
19
kan es auch genugsam sein:
20
daß sie mir nicht manches Stündchen/
21
wenn/ du Gramhafft/ nicht bist dar/
22
gönn’ ihr zartes Wollen mündchen

23
Nu nur hielt’ ich sie umfangen/
24
mein Mund küßet’ ihren Mund/
25
Jhre Wangen meine Wangen:
26
Weistu das auff diese Stund’?
27
Ach! was woltestu doch rathen/
28
was auff einen Abend spat
29
in geheim wir beyde tahten/
30
als sie mich/ wie folget baht.

31
Herzgen/ wo ich so darff nennen
32
dich mein allertrautstes Kind/
33
kanstu meine Brunst erkennen
34
die sich täglich mehr entzündt.
35
Ey/ so linder meine Flammen
36
laß mich deine Liebste sein.
37
Jezt sind wir allein beysammen
38
was du wilst/ räum’ ich dir ein.

39
Drauff entblößte sie die Gassen
40
ihrer weissen Silber-Brust/
41
ach! was gab mir ihr umfassen
42
für viel tausend Götter-Lust
43
Ich drukkt’ ihr/ Sie mir die Hände/
44
und beküßten uns auffs neu.
45
Wir versprachen sonder Ende
46
uns mit Schwüren stete Treu.

47
Nu/ was denkstu/ wenn damahlen
48
ich ihr hätte gut gemacht/
49
was Verliebte können zahlen/
50
hättestu sie auch bewacht?
51
darum laß uns nach Vergnügen/
52
Alter/ lieben sonder Wehr/
53
wolt’ ich sie/ wie dich/ betriegen:
54
hättstu wol ein Kind noch mehr.

(Filidor der Dorfferer [i. e. Stieler, Kaspar von]: Die Geharnschte Venus. Hamburg, 1660.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Kaspar von Stieler
(16321707)

* 02.08.1632 in Erfurt, † 24.06.1707 in Jena

männlich, geb. Stieler

deutscher Gelehrter und Sprachwissenschaftler

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.