Iv. Das angenehme Gespenst

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Kaspar von Stieler: Iv. Das angenehme Gespenst (1660)

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Das Wolken-dach war mit der Nacht umzogen/
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Arkas hielt die Mittel-stelle durch den Sternen-
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Als Oridor verhindert von den Zug
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nach seiner Mele Verlangen trug.
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Er lieff entsinnt durch Wiesen/ Wälder/ Berg und
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das Scheiden bracht ihm Herzens-angst und Qwaal.
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ach Schöne/ dich
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noch sehn einmahl!

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So schrie er biß er zu der Hütte kahme/
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da/ wo seine Mele die füsse Ruh einnahme.
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Kaum rührt’ er an den Riegel bey der Tühr/
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Werklopffet an so langsam schon nach Mitternacht?
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Mach/ Mägdchen auf! Ja/ bald hätt’ ich auf gemacht.
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Wer ist denn da?
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hastu nicht acht?

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Kennstu nicht mehr der Melen ihren Treuen/
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kan ein halber Tag so bald der Liebe Band entzweyen?
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Doch sie weiß nichts hiervon das gute Kind/
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daß Oridor so schnell Abschied find:
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Ach! möchte nur das fromme Herze werden wach
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ich weiß gewiß/ Oridor kähm unter Dach.
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ich/ ich vergeh!
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wer fragt darnach.

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Der Oridor/ den du hich fälschlich nennest/
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weil du unsrer Hirtin Liebes-Brunst vielleichten ken-
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ist weit von hier/ wo der Trommeten Hall
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bedämpfft den süssen Schallmeien Schall.
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Er ist hinweg/ und wolte Gott! er wäre hier
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er würde bald weisen dir ein’ andre Tühr/
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es kan nicht sein.
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Geh sag’ es ihr.

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Was mag es sein/ daß Wächter so muß bellen.
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Mopsa/ Mopsa/ hörstu Magd nicht/ wer ist an der
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Ich gläube/ Sakk/ du häst dir wen bestellt
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des Nachbarn Knecht/ der dir so gefällt.
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Mach lieber Feur im Schorrstein/ spinne deine Zahl/
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tezt kreht der Han allbereit zum andernmahl.
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Es ist die Frau/
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ich leg mich tahl.

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Was? meinstu so zu bergen deine Tükke?
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Sag mit wehme triebstu vor der Tühr so Schelmen-
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Ach herze Frau/ wir sind verrahten hier/
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es ist ein Mensche drauß für der Tühr/
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der klopffet an/ wil mit Gewalt zu uns herein/
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Gebt Achtung drauff.
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Die Stimm’ ist sein.

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O Mele/ Mele/ was hab’ ich verbrochen
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ist nu diß die Treue/ die du mir so offt versprochen?
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Nu steh ich hier der Regen treufft auff mich
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der Wind durchweht mich kalt-grimmiglich.
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Ach/ meines Leids! wo kommt doch diese Stimme her?
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So seuffzet/ klagt/ so beschweert und bittet er.
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den du vergist/
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was darff es mehr.

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Jhr Götter ach! was soll ich darvon denken/
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wollt ihr meine kranke Seele gar zu Tode kränken.
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Ists Oridor! Ach nein/ es ist ein Geist/
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mein Oridor ist ja fortgereist.
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Ich wil hingehn/ er sey es oder sey es nicht.
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Trit mit herzu/ Mopsa/ sich/ hier kommt ein Licht.
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Ja/ Frau/ ihr wists.
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Schweig/ Bösewicht.

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Ich wag’ es drauff/ und wil den Riegel ziehen:
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Bleibe Schälkinn/ wirstu nu von mir in Nöhten flie-
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Ich fürchte mich/ Frau/ lasset ja nichts ein/
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wer weiß es/ was für ein Ding mag sein/
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denn Oridor hab’ ich ja heute selbst gesehn
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dort übern Berg schnell mit vielen Pferden gehn.
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was auff der Reis’
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ihm sey geschehn.

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Still mit der Tühr? daß nicht mein Vaterhöre/
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und mir meine Lust mit Oridor auff heute wehre.
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Ach Frau/ er ists/ zünd’ ich den Schorrstein an
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daß meine Zahl ich außspinnen kan?
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Schweig/ Närrin/ nein iezt ist nicht Licht noch spi
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mein Vater hat ja Gott lob ohn diß noch Brodt.
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mein Oridor/

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Drauff trat er ein. Ein liebliches umfangen
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und ob die Nacht schon sonder Monden war
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war doch ein Kuß genug zu leschen ihre Brunst/
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die Pallas hat so bewiesen Lieb und Gunst/
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wenn sie besucht
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der Gott der Kunst.

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Darum/ mein Freund/ der du die Nacht bedenkest/
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und auff ihre süsse Lust die heisse Sinnen lenkest/
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Sie haben nichts nicht iemahls getahn.
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Das wieder Zucht/ Gebühr/ Zulaß und Tugend
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Sie liebten sich in der seltnen Reinligkeit.
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Geschwister ie

(Filidor der Dorfferer [i. e. Stieler, Kaspar von]: Die Geharnschte Venus. Hamburg, 1660.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Kaspar von Stieler
(16321707)

* 02.08.1632 in Erfurt, † 24.06.1707 in Jena

männlich, geb. Stieler

deutscher Gelehrter und Sprachwissenschaftler

(Aus: Wikidata.org)

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