X. Wer tröstet mich nu?

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Kaspar von Stieler: X. Wer tröstet mich nu? (1660)

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Es hielte mich das Norden-land
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wo Zyntius zu Bette gehet/
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die Gegend war mir unbekand/
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ihr fremder Steig mit Schnee verwehet/
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da stund’ ich auß Gefahr und Noht
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es stritten mit mir Furcht und Tod:
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der scharffe Sebel der Barbaren
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ist offters um mein Haupt gefahren.

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Gradivus ließ mich keiner Ruh
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in vielen Nächten nicht geniessen.
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Du Bug und strenges Masau du
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ihr werdet mir es zeugen müssen.
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Doch hab’ ich in so vieler Müh
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Angst/ Sorg’ und Furcht geklaget nie
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warum? der Stern der Fröligkeiten/
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Rosillette leuch/ mir zur Seiten.

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Rosill’ ist mir Gewerb und Hauß/
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Freund/ Eltern/ Vaterland und alles
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bey ihr halt’ ich all Elend auß/
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bey ihr befürcht’ ich keines Falles.
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Will sie: ich geh mit ihr zur See
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wenn Sturm und Blizz spielt auff der Höh/
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ich wage mich in ferne Wüsten
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und wohne/ wo die Schlangen nisten.

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Jezt hält mich ein beqweemer Ort
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mich kühlt ein Zefyr auß der Gehre/
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ich bin bedienet fort für fort
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mir mangelt nichts an Gunst und Ehre.
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Doch wird mir mein Gesichte blaß
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der Augen Lauge macht mich naß
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ich bin ein Schäm und Schein zunennen
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und kan mich selber kaum erkennen.

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Der weite Weg/ der mich von ihr
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in so geschwinder Zeit verstossen/
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entädert meines Leibes Zier/
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ich gleiche Leten Haußgenossen/
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weil ich so mancher süssen Lust
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des Kusses/ der beliebten Brust
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auff ewig/ ach! in dieser Erden
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muß mangeln und beraubet werden.

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Zwar bin ich schlechter Mensch nicht wehrt/
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daß ihr/ der Schönen/ mein etwegen
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ein einig Seuffzgen nur entfährt
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Doch wil ich schweren/ daß sie sich
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mehr qwält und ängstigt/ weder ich/
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Ach! möcht’ ich doch nur bey ihr stehen
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und ihr Betrübnis an-mit sehen.

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Glükkseelig ist der/ welcher kan
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in Gegenwart der Liebsten weinen.
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Glükkseelig ist/ wer siehet an
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wie ihr Herz auch nicht sey auß Steinen.
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Ich weiß nicht/ was die Trähnen-saat
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für stille Freuden in sich hat
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wenn sie sich läßt zusammen sprengen
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und treulich in einander mengen.

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Nun/ weil ich nicht kan um sie sein
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die Elis auch nichts räumen ein/
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Tessaljen schwarz vergiffte Wälder.
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Führ mich dahin Südwesten-wind
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wo die Rosille Blumen bindt/
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ich wil mein Schiffgen allen Wellen
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ganz unverzagt entgegen stellen.

(Filidor der Dorfferer [i. e. Stieler, Kaspar von]: Die Geharnschte Venus. Hamburg, 1660.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Kaspar von Stieler
(16321707)

* 02.08.1632 in Erfurt, † 24.06.1707 in Jena

männlich, geb. Stieler

deutscher Gelehrter und Sprachwissenschaftler

(Aus: Wikidata.org)

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