ViII. Liebe glaubt keinem Neide

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Kaspar von Stieler: ViII. Liebe glaubt keinem Neide (1660)

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Und/ wo ich dirs/ Zelinde/ schenke so heiß' ich Peilkarastres nicht.
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Es denke doch nur einer/ denke/
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was diese Marigelle spricht.
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Ich wär’ in ihr Gemach geschlichen
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gleich als der Sonnen Gold verblichen
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da hätt’ ich mich wohin gelegt
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wo sie geheim zuschlaffen pflegt.

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Mein! worzu dienen doch die Lügen?
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der Teuffel hat diß Spiel gesehn.
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hör! knarrten damahls auch die Stiegen
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als ich wolt’ in die Kammer gehn?
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Gefiel dies/ da ich dich umschlunge
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und mich an deine Seite drunge?
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Sich/ Ruhm-maul/ wie bestehstu nu/
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wer traute dir die Schnitte zu!

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Jezt fällt mirs ein. Das süsse Lieben/
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daß ich mit Rosilen geführt/
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hat dich zu solchem Fund getrieben
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und mit der Neides-sucht gerührt.
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Nu merk’ ich was es soll bedeuten/
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daß du so neulich sachst zur Seiten/
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als meine Lust/ Rosille kahm/
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und mich sanfft in die Arme nahm.

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Es war nur um mich zuverstossen/
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meinstu/ Rosille glaube dir?
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Fürwahr/ du schlägest einen blossen/
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mein Augen-wink gilt mehr bey ihr
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als wenn du hundert-tausend Eyde
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würdst schweeren mir und ihr zu Leide.
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Rosille merkt es zugeschwind
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was Falschheit/ Trug und Finten sind.

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Du willst uns zwar zusammen hezzen
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kommst aber heßlich kaal darvon.
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wir lachen der bescheinten Nezzen/
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und sprechem allem Neide Hohn/
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kein Fels ist je so fest gegründet
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als unsre Liebe sich befindet.
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Stürm immer zu. Wir stehen fest
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als sich kein Berg bewegen läst.

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Drum denke nicht/ Zelinde/ denke
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daß ein verfälschtes Lügen-Kind
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Rosillen von mir abelenke.
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Hättstu noch duppelt mehr ersinnt/
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wird doch mein Schaz mich nimmer hassen
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Gott lob/ daß ich nicht schüldig bin

(Filidor der Dorfferer [i. e. Stieler, Kaspar von]: Die Geharnschte Venus. Hamburg, 1660.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Kaspar von Stieler
(16321707)

* 02.08.1632 in Erfurt, † 24.06.1707 in Jena

männlich, geb. Stieler

deutscher Gelehrter und Sprachwissenschaftler

(Aus: Wikidata.org)

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