Ii. Schönheit gebiert Hochmuht

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Kaspar von Stieler: Ii. Schönheit gebiert Hochmuht (1660)

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Fjlidor lag in dem Schatten/
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wo der gelbe Pregel-fluß
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durch Prutenens braune Matten
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ziehet seinen leisen Guß/
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da befielen ihn die Grillen
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von der falschen Erotillen.

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Jhr/ ihr unbewohnten örter/
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wo die außgebrachten Wörter
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meiner Brunst verschwiegen sein/
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und die sachte Lufft der Westen
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höret meiner Quaal gebrösten.

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Hier dürff ich mein Leid beweinen/
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hier verräht mich niemand nicht/
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wo den stummen Ufer-steinen
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nur die Treue nicht gebricht:
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werden bey euch außgegossen.

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Erotill’ hat mich verführet/
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Erotille/ derer Zier
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fast biß an die Wolken rühret.
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Wär’ ach! diß verborgen Jhr!
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kommen so gewünscht zu steuer!

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Nu ist sie es worden innen/
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als sie in die F
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da ward ihre Hoffart wach.
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Seit der Zeit sie sich gesehen
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darff ich nimmer zu ihr gehen.

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Daher hab’ ich erst geweinet
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daher fing mein Elend an
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weil nechstdehm mir nimmer scheinet
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was mir einig leuchten kan/
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ihrer Blikke göldne Sternen
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wehrt die Venus nachzulernen.

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Erst ist sie mir nachgerennet/
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erst hieß sie mich stille stehn/
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und da war ich nicht entbrennet/
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hatt’ auff Liebe nie gesehn/
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Flegel/ Pflug/ Karst/ Rohr und Nezze
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waren meine Lust und Schäzze.

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Eine Zytter geel gefärbet
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bunte Seiten oben drauff
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hat mir Daffnis angeerbet/
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dar spielt’ ich zuweilen auff/
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wenn ich von der Arbeit müde
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nachdacht einem Schäffer-Liede.

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O wie offt kahm sie geschlichen
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auch wol mitten in der Nacht/
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ist auch eher nicht gewichen
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biß ich mich ins Stroh gemacht.
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Da hat sie sich offt beklaget/
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daß es so geschwinde taget.

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Jhre Lämmer gingen weiden
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offtermals in meiner Trifft/
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Diß war darauff angestifft
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daß ich mit ihr reden solte.

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Denn so fragte sie bißweilen
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hastu nicht das böse Tiehr
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heute morgen hören heulen?
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bleibe diesen Tag bey mir
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wie könt’ ich mich/ Schwache/ rächen

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Noch geschahen tausend Renke
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Doch/ ich ließ mich nirgend ein
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biß ich einmahl bey der Tränke
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macht ein weinig mich gemein.

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Ja ihr milden Honigküsse!
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Nu habt ihr nur Bitterkeit
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meinem Herzen eingestreut/
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Nu ich euch nicht länger schmekke

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Da entglommen meine Flammen
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damit wars umb mich getahn:
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Zwar/ dieweil wir noch beysammen
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kehret’ ich mich nirgends an/
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aber da sie von mir flohe
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und auff fremde Wiesen zohe:

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Götter weh! Indehme schwunden
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Zunge/ Mund/ Bluht/ Farb’ und Geist.
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Eh er sich zu recht gefunden/
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war der Sonnen Wagen meist
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in der braunen See gekühlet
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und die Räder abgespühlet.

(Filidor der Dorfferer [i. e. Stieler, Kaspar von]: Die Geharnschte Venus. Hamburg, 1660.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Kaspar von Stieler
(16321707)

* 02.08.1632 in Erfurt, † 24.06.1707 in Jena

männlich, geb. Stieler

deutscher Gelehrter und Sprachwissenschaftler

(Aus: Wikidata.org)

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