1
Jhr Schönen zündet ihr kein Liebes-Feur mehr an/
2
Und muß die holde Gluht in euch vergebens brennen?
3
Wo sind die Flammen/ die euch
4
Und wolt ihr keinen Blick den Manns-Persohnen gönnen?
5
Mein! sagt ist das kein Feur/ das in der Aschen glimmt/
6
Und ist das keine Gluht/ was in den Augen stecket/
7
Wie! daß es denn so bald den freyhen Geist einnimmt/
8
Und in der harten Brust ein Liebes-Feur erwecket?
9
Wer glaubte/ daß noch Feur in
10
Wenn nicht der Rauch und Dampff den innern Brand
12
Eur rohtes Angesicht verbirget nicht so sehr/
13
Als ihr/ die schöne Gluht/ doch wirds von euch gepriesen.
14
Wenn ein beliebter Blick aus euren Augen geht/
15
Das ist als wenn ein Blitz durch dicke Wolcken fähret/
16
Jemehr der Wind und Lufft dem Wetter widersteht/
17
Jemehr man dessen Krafft und Donner-Schläge höret.
18
Was euer Hertz gedenckt/ das zeigt das Auge an/
19
Sie sind/ wißt ihrs doch wol/ Verrähter eurer Seelen/
20
Ein Spiegel holder Gunst/ der Liebe Renne-Bahn/
21
Wo selbst durch Blick und Strahl die Hertzen sich vermählen.
22
Jhr werffet Donner zwar und Blitz auf den herzu/
23
Der eure Wangen will/ und auch die Lippen küssen/
24
Schalckhaffte ists nicht wahr empfindet ihr eh Ruh
25
Bis daß man eurem Mund die Küsse lassen wissen?
26
Der muß verworffen seyn bis in das dunckle Grab/
27
Wer nach den Lippen will und nach den Brüsten lächtzen/
28
Und der wird gar verdammt/ der da bricht Früchte ab/
29
Doch sieht man insgeheim euch nach den Männern ächtzen.
30
Euch scheint ein süsser Kuß ein Uberdrus zu seyn/
31
Doch wolt ihr/ daß man ihn euch auf die Lippen leget/
32
Wenn man euch küßt/ so tränckt man euch mit
33
Und euer Hertze wird zu süsser Lust beweget.
34
Jhr gebt zum Schau-Gericht die milchern Brüste hin/
35
Die Seuffzer müssen sie hoch in die Höhe schwellen/
36
Jhr liebt/ und wollet doch der
37
Es ist euch gar kein Ernst eur Weigern und Verstellen.
38
Wenn ihr die Brust beschaut/ wie da Corallen glühn/
39
So muß der Wollust-Wind sie in die Höhe prallen/
40
Jhr wolt man soll daraus den Liebes-Zunder ziehn/
41
Und küssend behten an die schönen Liebes-Ballen.
42
Wenn gleich ein zartes Tuch die weisse Brust bedeckt/
43
So scheinen doch herdurch derselben Anmuhts-Rosen/
44
Jhr habt sie nur zum Schein/ und nicht im Ernst versteckt/
45
Sie gibt sich bald hervor/ wenn man sie lieb will kosen.
46
Jhr stellt euch ernsthafft an/ und seyd so nicht gesinnt/
47
Jhr wolt man soll den Griff nur ungebehten wagen/
48
Ists nicht so/ daß man euch denn am geneigsten find/
49
Wenn ihr die dreiste Hand gedenckt hinweg zu schlagen?
50
Jhr lacht/ wenn ihr erschröckt ein ehrerbietigs Hertz/
51
Und freut euch wenn es seuffzt/ daß ihr den Kuß verwehret/
52
Der aber ist beliebt/ der weiß/ daß es nur Schertz/
53
Und der im minsten sich an eur Verstellen kehret.
54
Ja darum laßt ihr offt euch halb entblösset sehn/
55
Daß man betrachten soll die angenehmen Schätze;
56
Greifft man euch tapffer an/ so ist es leicht geschehn/
57
Daß ihr euch selber fangt in eure eigne Netze.
58
Es wird gar bald erweicht/ was euch so spröde macht;
59
Acht man nicht/ wenn ihr sprecht: man soll sich etwas schämen/
60
So hat mans ohne Müh bey euch dahin gebracht/
61
Daß ihr euch gerne mögt zu aller Lust bequehmen.
62
Jhr stelt euch nur so hart als wie ein Kieselstein/
63
Da doch ein sanfftes Wort eur hartes Hertz bald zwinget;
64
Wer diese Kunst nicht weiß/ der leidet Höllen-Pein/
65
Weil denn durch euer Hertz/ kein starcker Seuffzer dringet;
68
In einen Hund verkehrt; ihr ihn doch nicht befreyt/
70
Doch o schalckhaffte Art! eur Hertze ist ein Feur/
71
Das eurem gantzen Leib mit heisser Glut entzündet;
72
Eur Stellen machet euch auf kurtze Zeiten theur/
73
Bis man den rechten Ort zu der Erlangung findet.
74
In euren Brüsten liegt des
75
Und aus den Augen bricht der Uberfluß der Flammen/
76
Es brennet überall eur starck verhitztes Blut/
77
Jhr lobt die süsse Brunst/ die ihr doch wolt verdammen.
78
Der würde gottloß seyn/ der eure glatte Schooß/
79
Die ihr vor heilig schätzt/ mit freyer Hand berührte;
81
Und ihn damit zur Grufft der schwartzen Höllen führte.
82
Jhr stellt euch wilder an als wie die Furien
83
Wenn man beküssen will der Wollust Ruhe Plätze/
84
Denn muß man euch ergrimmt wie Löw und Tyger sehn/
85
Wenn man zu nahe kömmt an eure Wunder Schätze.
86
Die Wolcken schlagen so mit Blitz und Feur nicht her/
87
Als wenn ihr Zorn und Grimm aus eurem Munde speyet/
88
Wer euch einst küssen will/ dem hilfft kein Bitten mehr/
89
Wer in der Schooß will ruhn dem wird der Tod gedreuet.
90
Es scheint/ man könte eh/ das blaue Sternen-Dach/
91
Als euren schlancken Leib/ Argstlistige/ umfangen.
92
Je mehr man sich bemüht/ je wenger gebt ihr nach/
93
Jhr wolt mit Sprödigkeit als einem Schmucke prangen.
94
Doch Männer fürcht euch nicht vor dieser strengen That/
95
Wenn schon ihr Paradies der Liebe sich verschlossen/
96
Wenn man euch gar verdammt/ und gantz verworffen hat/
97
So seyd ihr drum doch nicht aus ihrer Gunst verstossen.
98
Sie schliessen willig auf/ so Lippen Mund und Brust/
99
Der Wollust Schlaff-Gemach/ wo man in Rosen-Gründen
100
Der Liebe Honig-Seim und Zucker süsser Lust
101
Kan ohne Weigerung in der Umarmung finden.
102
Drum quählen sie euch gleich durch
103
Ists/ daß ihr keine Gunst von ihrem Stoltz geniesset/
104
Erweckt ihr harter Zorn Beschwerung/ Angst und Pein/
105
Daß euch der Lebens-Geist wie weiches Wachs zerfliesset.
106
So dencket/ daß ihr Hertz euch in Gedancken küßt/
107
Sie werden eh ihrs meynt/ verändert und verkehret/
108
Jhr Hertz so Demant scheint im Augenblick zerfließt/
109
Nur nehmet dis zur Lehr; Sie wollen seyn geehret.