Caput VI

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Heinrich Heine: Caput VI (1844)

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Unter dem Mantel hielt er etwas
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Verborgen, das seltsam blinkte
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Wenn es zum Vorschein kam, und ein Beil,
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Ein Richtbeil, zu seyn mir dünkte.

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Er schien von untersetzter Statur,
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Die Augen wie zwey Sterne;
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Er störte mich im Schreiben nie,
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Blieb ruhig stehn in der Ferne.

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Seit Jahren hatte ich nicht gesehn
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Den sonderbaren Gesellen,
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Da fand ich ihn plötzlich wieder hier
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In der stillen Mondnacht zu Cöllen.

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Ich schlenderte sinnend die Straßen entlang,
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Da sah ich ihn hinter mir gehen,
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Als ob er mein Schatten wäre, und stand
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Ich still, so blieb er stehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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