Der Triumf der Liebe, eine Hymne

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Friedrich Schiller: Der Triumf der Liebe, eine Hymne (1782)

1
Seelig durch die Liebe
2
Götter – durch die Liebe
3
Menschen Göttern gleich!
4
Liebe macht den Himmel
5
Himmlischer – die Erde
6
Zu dem Himmelreich.

7
Einstens hinter Pyrrhas Rüken,
8
Stimmen Dichter ein,
9
Sprang die Welt aus Felsenstüken,
10
Menschen aus dem Stein.

11
Stein und Felsen ihre Herzen
12
Ihre Seelen Nacht,
13
Von des Himmels Flammenkerzen
14
Nie in Glut gefacht.

15
Noch mit sanften Rosenketten
16
Banden junge Amoretten
17
Ihre Seelen nie –
18
Noch mit Liedern ihren Busen
19
Huben nicht die weichen Musen
20
Nie mit Saitenharmonie.

21
Ach! noch wanden keine Kränze
22
Liebende sich um!
23
Traurig flüchteten die Lenze
24
Nach Elisium.

25
Ungegrüßet stieg Aurora
26
Aus dem Schoos Ozeanus.
27
Ungeküsset sank die Sonne
28
In die Arme Hesperus.

29
Wild umirrten sie die Hayne,
30
Unter Lunas Nebelscheine,
31
Trugen eisern Joch.
32
Sehnend an der Sternenbühne
33
Suchte die geheime Thräne
34
Keine Götter noch.

35
Und sieh! der blauen Flut entquillt
36
Die Himmelstochter sanft und mild,
37
Getragen von Najaden
38
Zu trunkenen Gestaden.

39
Ein jugendlicher Mayenschwung
40
Durchwebt wie Morgendämmerung
41
Auf das allmächtge
42
Luft, Himmel, Meer, und Erde.

43
Schon schmilzt der wütende Orkan,
44
(einst züchtigt’ er den Ozean
45
Mit rasselndem Gegeissel)
46
In lispelndes Gesäusel.

47
Des holden Tages Auge lacht
48
In düstrer Wälder Winternacht,
49
Balsamische Narzissen
50
Blühn unter ihren Füßen.

51
Schon flötete die Nachtigall
52
Den ersten Sang der Liebe.
53
Schon murmelte der Quellen Fall
54
In weiche Busen Liebe.

55
Glükseeliger Pygmalion!
56
Es schmilzt! es glüht dein Marmor schon!
57
Gott Amor Ueberwinder!
58
Glükseeliger Deukalion,
59
Wie hüpfen deine Felsen schon!
60
Und äugeln schon gelinder!
61
Glükseeliger Deukalion,
62
Umarme deine Kinder!

63
Seelig durch die Liebe
64
Götter – durch die Liebe
65
Menschen Göttern gleich.
66
Liebe macht den Himmel
67
Himmlischer – die Erde
68
Zu dem Himmelreich.

69
Unter goldnem Nektarschaum
70
Ein wollüstger Morgentraum
71
Ewig Lustgelage
72
Fliehn der Götter Tage.

73
Prächtig spricht Chronions Donnerhorn,
74
Der Olympus schwankt erschroken
75
Wallen zürnend seine Loken
76
Sfärenwirbeln gibt sein Athem Sporn,
77
Göttern läßt er seine Throne,
78
Niedert sich zum Erdensohne,
79
Seufzt arkadisch durch den Hayn,
80
Zahme Donner untern Füssen,
81
Schläft, gewiegt von Ledas Küssen,
82
Schläft der Riesentöder ein.

83
Majestätsche Sonnenrosse
84
Durch des Lichtes weiten Raum
85
Leitet Föbus goldner Zaum,
86
Völker stürzt sein rasselndes Geschosse
87
Seine weissen Sonnenrosse,
88
Seine rasselnden Geschosse
89
Unter Lieb und Harmonie
90
Ha! wie gern vergaß er sie!

91
Zitternd vor der Götterfürstin
92
Krümmen sich die Götter, dürsten
93
Nach der Gnade goldnem Thau.
94
Sonnenglanz ist ihre Schminke
95
Myriaden jagen ihrem Winke
96
Stolz vor ihrem Wagen prahlt der Pfau.

97
Schöne Fürstin! ach die Liebe
98
Zittert mit dem süßen Triebe
99
Deiner Majestät zu nahn.
100
Seht ihr Chronos Tochter weinen?
101
Geister kann ihr Wink verneinen,
102
Herzen weißt sie nicht zu fahn.

103
Seelig durch die Liebe
104
Götter – durch die Liebe
105
Menschen Göttern gleich.
106
Liebe macht den Himmel
107
Himmlischer – die Erde
108
Zu dem Himmelreich.

109
Liebe sonnt das Reich der Nacht,
110
Amors süßer Zaubermacht
111
Ist der Orkus unterthänig,
112
Freundlich schmollt der schwarze König
113
Wenn ihm Zeres Tochter lacht;
114
Liebe sonnt das Reich der Nacht.

115
Himmlisch in die Hölle klangen
116
Und den wilden Beller zwangen
117
Deine Lieder, Thrazier –
118
Minos, Thränen im Gesichte,
119
Mildete die Qualgerichte,
120
Zärtlich um Megärens Wangen
121
Küßten sich die wilden Schlangen,
122
Keine Geissel klatschte mehr,
123
Aufgejagt von Orfeus Leyer
124
Flog von Tityon der Geyer

125
Leiser hin am Ufer rauschten
126
Lethe und Kozytus, lauschten
127
Deinen Liedern Thrazier,
128
Liebe sangst du Thrazier.

129
Seelig durch die Liebe
130
Götter – durch die Liebe
131
Menschen Göttern gleich.
132
Liebe macht den Himmel
133
Himmlischer – die Erde
134
Zu dem Himmelreich.

135
Durch die ewige Natur.
136
Düftet ihre Blumenspur,
137
Weht ihr goldner Flügel.
138
Winkte mir vom Mondenlicht
139
Afroditens Auge nicht
140
Nicht vom Sonnenhügel?

141
Lächelte vom Sternenmeer
142
Nicht die Göttin zu mir her,
143
Wehte nicht ihr Flügel
144
In des Frühlings Balsamhauch
145
Liebe nicht im Rosenstrauch,
146
Nicht im Kuß der Weste,
147
Stern, und Sonn und Mondenlicht,
148
Frühling, Rosen, Weste nicht
149
Lüden mich zum Feste.
150
Liebe Liebe lächelt nur
151
Aus dem Auge der Natur
152
Wie aus ihrem Spiegel!

153
Liebe rauscht der Silberbach,
154
Liebe lehrt ihn sanfter wallen;
155
Seele haucht sie in das Ach
156
Klagenreicher Nachtigallen,
157
Unnachahmliches Gefühl
158
In der Saiten Wonnespiel
159
Wenn sie
160
Liebe Liebe lispelt nur
161
Auf der Laute der Natur.

162
Weisheit mit dem Sonnenblik,
163
Große Göttin tritt zurük,
164
Weiche vor der Liebe.
165
Nie Erobrern, Fürsten nie
166
Beugtest du ein Sklavenknie
167
Beug es izt der Liebe.
168
Wer die steile Sternenbahn
169
Gieng dir Heldenkühn voran
170
Zu der Gottheit Size?
171
Wer zerriß das Heiligthum
172
Zeigte dir Elisium
173
Durch des Grabes Rize?
174
Lokte sie uns nicht hinein,
175
Möchten wir
176
Suchten auch die Geister
177
Ohne sie den Meister?
178
Liebe Liebe leitet nur
179
Zu dem Vater der Natur
180
Liebe nur die Geister.
181
Seelig durch die Liebe
182
Götter – durch die Liebe
183
Menschen Göttern gleich.
184
Liebe macht den Himmel
185
Himmlischer – die Erde
186
Zu dem Himmelreich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.