Der Triumph

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Karl Wilhelm Ramler: Der Triumph (1767)

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Schäme dich, Kamill,
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Dass du mit vier Sonnenpferden
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In dein errettetes Rom zogst!
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Und du, Romulischer Feinde
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Glücklicher Sieger, o Julius,
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Dass dich, mit goldenen Städten und
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Und mit Adlern und Spolien
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Deiner Brüder umgeben,
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Zum hohen Kapitol dein stolzer Wagen
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Friederich, ein Prinz der Brennen,
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Ward angefallen von Völkern Hungariens,
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Von Illyriens Reitern und Daciens:
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Alle dem Zepter der Königinn zinsbar,
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Die Vindobonens saatenreiche Fluren,
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Und Austrasiens Auen beherrscht,
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Und der Bajonen Gebirge,
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Und Hesperiens goldene Gärten;
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Dieser erhabenen Fürstinn,
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Deren Wohlfahrt vom Himmel in
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Sieben Sprachen erflehet wird;
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Deren Heere, geführt vom Stab’ Eugens,
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Ehmals unbezwinglich, — und itzt
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Verbunden waren mit allen, die
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Am Mäotischen, Kaspischen, Finnischen
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Sunde wohnen, den rauhen
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Samojeden, den Ostiaken,
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Und dem Tartar am Sangarfluss:
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Einer Monarchinn dienstbar, einer,
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Die den weiten Umkreis
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Ihrer Welten nicht kennt.
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Auch trat zu ihnen der Söhne Sarmatiens
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Selbsterwähleter König,
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Und stellte seine Sachsen, ein treues Volk,
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Mitten auf den Pfad des Siegers,
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Unter eine Felsenburg.
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Und die hohen Satrapen Germaniens
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Fielen zahlreich dem Bunde bey.
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Und die theur erkauften Suenonen
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Drangen aus dem beeisten Norden hervor:
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Enkel der Helden, mit denen ein Jüngling
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Europen und Asien schreckte.
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Und Gallien, das an zwey Meeren thront,
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Dessen Fahnen und Wimpel
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Unter allen Himmeln wehn,
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Liess seinen Schwarm aus,
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Gleich dem Heere schwirrender Grillen,
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Die vor sich her ein blühend Land,
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Und hinter sich Wüsten sehn. —
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Aber, Thalia, lass ab
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Die Flotten und Fussknecht’ und Reiter
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Friederich, so sage, bekriegt
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Von scheelsüchtigen, oder getäuschten,
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Oder gezwungenen Fürsten,
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Kehrte, nach sieben blutigen Jahren,
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So mächtig zurück, als er auszog,
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Nur an Ehre grösser,
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Und triumphirte nicht. —
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Siehe! er lenkt unsern Ehrenbogen aus,
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Und unsern goldbehängten Rossen,
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Und besteigt den pralenden Wagen nicht!
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Denn sich selbst mit eines Gottes Zufriedenheit
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Ansehn, ist der Triumphe
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Allerhöchster. — Und des Dichters
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Allerhöchster Triumph ist,
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Diesen König besingen.
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Drum schweige du nie von ihm, mein Lied,
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Stolzer, als der Geïsche
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Und der Thebanische Päan,
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Keinem Golde feil,
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Auch selbst dem seinigen nicht.
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Und ob er auch diesen Triumph verlenkt,
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Und, deiner Töne nicht gewohnt,
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Sein Ohr zu Galliens Schwänen neigt:
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So singe du doch den Brennussöhnen
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Ihren Erretter unnachgesungen.

(Ramler, Karl Wilhelm: Oden. Berlin, 1767.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Karl Wilhelm Ramler
(17251798)

* 25.02.1725 in Kołobrzeg, † 11.04.1798 in Berlin

männlich, geb. Ramler

deutscher Dichter und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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