Glaukus Wahrsagung

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Karl Wilhelm Ramler: Glaukus Wahrsagung (1767)

1
Als Ludewigs Pilot mit stolzer Flotte
2
Westgalliens beschäumtes Thor
3
Verliess, hub Glaukus aus der tiefen Fel-
4
Sein blaues Haupt empor:

5
Unglücklicher! der schon, von Hoff-
6
Des Oceans Gebieter ist,
7
Du führst in deinen Schiffen einen Feuer-
8
Der beide Welten frisst!

9
Bald nimmt der Abgrund eine My-
10
Zu früh entleibter Seelen ein;
11
Bald werdet ihr im Meer der Hayen, am
12
Der Aaren Beute seyn!

13
Die Götter, die jetzt lachend mit euch
14
Bereuen ihr geschenktes Glück,
15
Verachten euren Uebermuth, und alle
16
Nach Albion zurück:

17
Dass Albion der meerumflossnen
18
Gerechte Friedensrichterinn,
19
Das Schrecken der beraubten Oceane
20
Der Inseln Königinn;

21
Ihr aber, flüchtig unter jeder Zone,
22
So manchen schwimmenden Palast,
23
Und Port, und Meer, und Eyland, und der
24
Durchströmte Flur verlasst.

25
O weiche Söhne tapfrer Franken,
26
Helvetien um Männer an!
27
O! plündert unbewehrte Fürstenthümer!
28
Mit Wagen, Ross und Mann

29
In eurer Väter alte Sitze! schreitet
30
Kühn über den gehörnten Rhein,
31
Sucht Pallas Liebling auf, der für sein
32
Und, eurer Macht zu klein,

33
Und von verschwornen Barbarn über-
34
Einst wanken muss: erdrücket ihn! —
35
Ihr unter den verschwornen sollt, ihr un-
36
Allein mit Schande fliehn!

37
Der Ort, wo sieben Krieger funfzig
38
Ob ihr ihn zu vernichten sucht,
39
Ein Brandmaal wird er euch, worauf in
40
Ein bessrer Enkel flucht.

41
Ob alle Reisigen aus euren Vesten,
42
Ob eine neue Helene
43
Euch alle Prinzen aus Lutetiens Pa-
44
Zu Feldherrn sendete:

45
Dort auf den Gräbern Römscher Le-
46
Erwartet eure Tapferkeit
47
Ein Fürst, den Jupiter, der Hirtenstäb’
48
Aus Einer Urne streut,

49
Nicht zum Monarchen, aber zum Ver-
50
Des menschlichen Geschlechts erkohr.
51
Ha! welch ein lauter Päan steigt von sei-
52
In mein entzücktes Ohr!

53
„also zerbrach mit sieggewohnter
54
„der Alkumena Sohn, im Zorn,
55
„dem wandelbaren Gotte das zum Blutgefechte
56
„wild aufgeworfne Horn;

57
„also entkräftete der göttergleiche
58
„ulyss den Riesen, der an Macht
59
„dreyhundertmal ihn übertraf, mit Einen
60
„nicht ohne Muth vollbracht:

61
„also besieget euch, auf eure Listen
62
„und Punischen Betrug entbrannt,
63
„ein Held, den Pallas und der
64
„der

65
Und so mit ewig unerschöpften
66
„verhönt er euch, die ihr den Streit
67
„durch stärkre Heere, Wälle, donnernde
68
„zu führen muthig seyd.

69
„so bald sein himmlisch Feuer wenig
70
„und Deutschlands jugendlichen Rest
71
„beseelt: ein Wunder allen, welche Kre-
72
„bewohnen, und das Nest

73
„des hohen Roncevalls, und die Gefilde
74
„wodurch der Esse Giessbach rinnt.
75
„hier sahen euch, gelehnt auf ihre gold-
76
„sein Ahnherr Witekind,

77
„und der Cheruskerfürst, der grosse
78
„des Legionentödters fliehn:
79
„zehn Parasangen hinter eurer Flucht
80
„voll Raub und voll Ruin.

81
„vergeblich flieht ihr diesen Feind, ge-
82
„als Kraniche den Adler; setzt
83
„vergeblich zwischen euch und euren Ue-
84
„jetzt Berge, Ströme jetzt:

85
„auf ungezähmten Rossen, mit der Flamme
86
„des Schwerdtes, zürnet hinter euch
87
„ein zweyter
88
„dem Sohn der Thetis gleich,

89
„nicht wundenfrey, doch unverkürtzt
90
(„Geh, lebe! war der Parze Schluss,
91
„nach deinem Vater spät ein Kriegesgott
92
„am stillen Ockarus.)

93
„ihm folgen seine Brüder; alle glühen
94
„nach Ehre: Kriegesdonner, wie
95
„die Scipionen, und im Frieden, von
96
„geliebet, so wie sie.

97
„ein Eigenthum durch alle Folge-
98
„von Braunschweigs Helden: jeder spannt
99
„des Gottes Silberbogen und des Gottes
100
„mit gleich geübter Hand.

101
”und dennoch übersteigt so weit und
102
„des Herzens Güte diesen Werth,
103
„als jenen Sonnenball der grosse Tag, der
104
„durch alle Himmel fährt.„

105
So, gleich Arions Liede, gleich dem
106
Der Götter und Delphine zwang,
107
So, zu des Gwelfen Ruhm, des Burboni-
108
Teutoniens Gesang. —

109
Du stehst beschämt, o Burbons Enkel? —
110
Ein nie zuvor geträumtes Glück!
111
Des Britten schwacher Kriegesdämon giebt
112
Und Land und Meer zurück.

(Ramler, Karl Wilhelm: Oden. Berlin, 1767.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Karl Wilhelm Ramler
(17251798)

* 25.02.1725 in Kołobrzeg, † 11.04.1798 in Berlin

männlich, geb. Ramler

deutscher Dichter und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.