Der Mittag

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariae: Der Mittag (1764)

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Der Mittag, begleitet von fächelnden
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Stunden, Eröfnet sein Füllhorn, mit Blumen um- wunden, Und gießt es auf alles verschwenderisch aus. Die allgemeinen wohlthätigen Feste Erfrischen des Königs gewölbte Palläste, So wie des Landmanns umschattetes Haus.

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Empfange mich, ehrwürdger Eichenwald!
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Jetzt, da wir ganz vom Mittagsstral ermatten,
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Sucht die Betrachtung gern den stillen Aufenthalt
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In deinem kühlen Schatten.
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Der laute Bach rollt murmelnd in das Thal;
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Der Westwind wälzet sich im Wipfel hoher Buchen,
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Da Bienen ohne Zahl
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Von Blumen ihren Raub mit stetem Summen
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Die Heerde lagert sich im Klee,
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Indeß der Hirt von einer luftgen Höh
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Soin Horn ertönen läßt! und, durch den West
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Den süßen Lobgesang zur Bäche Murmeln mischet.
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O wie beglückt ist der, den nie sein Herz verdammt!
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Und den kein leerer Stolz, kein Durst nach Gold
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Der, wenn die ganze Welt in Lastern um ihn
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Sich kalt erhält; nach keinen Würden rennet;
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Und, fern vom Lärm der falschheitsvollen Stadt,
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Frey unter Linden ruht, die er gepflanzet hat.

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Nie kan man größre Wollust fühlen,
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Indem uns tausend Lüfte kühlen,
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Als wenn ein dankbar Herz den Herrn der
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Der König, dem der Wein aus güldnen
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Der Hirt, der aus der Quelle trinket,
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Vergesse nie den Geber, der ihn nährt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariae
(17261777)

* 01.05.1726 in Bad Frankenhausen/Kyffhäuser, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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