Klagen eines unglücklichen Liebhabers

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariae: Klagen eines unglücklichen Liebhabers (1764)

1
Denk ihn hinaus — den schrecklichen Gedanken,
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Der mächtig dich ergreift!
3
Wie schwarz! — Er liegt auf der gebeugten Seele,
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Wie ein Gebirge liegt.

5
Sie liebt dich nicht! Tief im zerrißnen Herzen
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Sagts ein geheim Gefühl.
7
Bald wächst es auf, und mit dem lautsten Donner
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Ruft es: Sie liebt dich nicht!

9
O Mitternacht, die dicken Finsternisse
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Sind noch nicht finster gnug;
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Verhülle doch in zehnmal schwärzre Schatten
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Den thränenvollen Blick!

13
Sie liebt dich nicht! Ich kan dir nicht entfliehen,
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Gedanke, voller Quaal!
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Laß ab, laß ab! Schon blutet dir das Opfer
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Schon stirbt das kalte Herz.

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Warum dringt durch die lange Nacht
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Ein zweifelhafter Stral?
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O Hofnung, Hofnung! täusche nicht
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Ein unglückseligs Herz!

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Laß mich in tiefer Traurigkeit,
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In der die Seele stirbt!
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Verzweiflung selbst ist Trost für mich,
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Wofern du mich betrügst.

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Zu grausam! — dennoch lispelst du
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Dem bangen Herzen ein:
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Ich sey vielleicht — vielleicht geliebt;
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O niedriger Verrath!

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Meynst du, der schimmernde Betrug
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Soll Kraft dem Herzen leihn?
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Mehr glücklich war es, ganz durchbohrt,
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Ganz, o Verzweiflung, dein.

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Umsonst, umsonst! — Voll Grausamkeit
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Betäubest du den Schmerz.
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Verbinde meine Wunden dann,
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Und reiß sie blutger auf!

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Nicht verzweifelungsvoll, oder des süßesten Glücks
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Ungewiß, klaget mein zärtliches Herz;
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Nein, ich werde geliebt, und nun, da sie mich liebt,
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Bin ich doch dreymal unglücklicher noch!

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Daphne, liebe mich nicht! Ueber uns hänget voll Nacht
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Schrecklich ein eiserner Himmel herab.
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Nicht ein gütiger Stral schimmert uns hinter der Nacht,
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Furcht und Entsetzen schwebt rund um uns her.

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O parteyisches Glück, warum lächelst du nie
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Liebender Unschuld und standhafter Treu?
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Ists der Zärtlichkeit Loos, immer vom tödtlichen Gram,
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Langsam gequälet, das Opfer zu seyn?

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Jetzo, da du mich liebst, Daphne, faßt mich mein
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Unüberwindlich, wie sprech ich ihn aus!
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Ach! du liebest nur den, welchen ein plötzlicher Sturm
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Auf den betrügrischen Wellen ergrif;

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Grausam schmiß ihn der Sturm von dem zaubrischen
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An den verwüsteten Felsen hinan;
55
Jhn ergreift sein Geschick, ach! und der eiserne Arm
56
Schmiedet ihn fest an den blutigen Fels.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariae
(17261777)

* 01.05.1726 in Bad Frankenhausen/Kyffhäuser, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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