An den Freyherrn von G ‒ ‒

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariae: An den Freyherrn von G ‒ ‒ (1764)

1
Klage nicht immer, o Freund, von einem feindlichen Schicksal,
2
Welches wir feindlicher noch in schwarzen Stunden uns
3
Stelle die Welt dir nicht blos von ihrer traurigen Seite,
4
Stelle sie dir von der guten auch vor.

5
Soll ich den Vorhang einmal, der deine Freuden
6
Aufziehn mit zaubernder Hand, und dir in heitern Pro-
7
Helle Gefilde voll Glück, und lachende Landschaften zeit
8
Welche die Melancholie dir verbarg?

9
Bist du nicht weise mein Freund? Gewiß ein Ge-
10
Nicht oft zu Ahnen gelegt, und zu westindischem Reich-
11
Kan dir das tobende Meer, kan dir die wütende
12
Rauben das, was nur der Seele gehört?

13
Wärest du nun ein Monarch, dem Millionen ge-
14
Dessen gefürchteten Ruhm unüberwindliche Flotten
15
Ueber das zagende Meer kleinmüthigen Inseln verkün-
16
Würdest du etwa glückseliger seyn?

17
Würdest du, einsam und ernst, mit deiner erha-
18
Mehr noch bekannt seyn, als ietzt? und würden ver-
19
Dichter aus Rom und Athen zum Throne des Königs
20
Welcher nur blutiger Ehre gefolgt?

21
Oder gedächtest du denn, wenn du beladene Flot-
22
Ueber die Meere geschickt, dich mit dem Golde zu trö-
23
Oder vermeintest du wohl in Cyperns bunten Gefilden
24
Glücklicher ohne die Schwermuth zu seyn?

25
G —, glücklich bist du, daß deine denkende Seele
26
Sich mit seraphischem Schwung zu höhern Sphären
27
Fließt auch dein Leben dahin, gleich Bächen in trauri-
28
Ist denn dies Leben der Klage wohl werth?

29
Aber der Himmel hat ja dein philosophisches Le-
30
Auch mit dem Glücke durchwebt, und mit der Freude
31
Sage, für was für ein Glück willst du die Stunden
32
Die du in einsamen Nächten durchdenkst?

33
Hörest du nicht auch entzückt der holden Pirkerin
34
Rühret dich nicht im Concert die Biankinische Geige?
35
Schäumet Champagner Wein nicht in deinem umkrän-
36
Singet die Hubersche Leyer nicht dir?

37
Heitre die Stirne dann auf, die eremitische Run-
38
Lange mit Tiefsinn und Ernst und Unzufriedenheit fur-
39
Wende den Blick zum Olymp, und deine mächtige Leyer
40
Singe dir fröliche Stunden herab!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Justus Friedrich Wilhelm Zachariae
(17261777)

* 01.05.1726 in Bad Frankenhausen/Kyffhäuser, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.