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Auf einen Brief von Blutt gehört ein Brief von
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Ich fühle wie dein Schnitt mich auch zugleiche sticht
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Ach daß der Himmel mich den Jam̃er läst erwehnen/
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Und mir nicht auch dabey das matte Hertze bricht.
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Kein Zug der Eitelkeit/ kein Dunst beflam̃ter Lüste/
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Macht daß ich deine Noth entzuckt beweinen muß/
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Die Geister führen mich in eine dürre Wüste/
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Gedenck ich künfftig mehr an einen geilen Kuß.
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Ich scheue mich zwar nicht in Schwachheit zu bekeñẽ
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Daß deine kühne Faust mich in die Gluth geführt;
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Wie solte nicht ein Weib in ihren Geist entbrennen/
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Wann ihr ein Abelard so schöne Funcken rührt?
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Das Wort/ damit dein Mund mein Ohre hat be-
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Bezwang mir auch den Geist durch süsse Zauberey.
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Ich bin mein Edler Freund durch deine Hand geglit-
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Und lebte sonder dich von allem Falle frey.
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Ich bin durch dich allein auß dem Gewichte kom̃en/
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Doch wer durch Heldẽ fält/ der fält nicht ohne Ruhm
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Daß du mich hast bekriegt/ und mir das Heft genom-
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Das bleibt der beste Schatz von meinem Eigenthum.
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Mein Einfalt schärftest du durch viel gelehrte Küsse
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Die Geilheit legtest du in bunde Schalen ein/
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Es machte mir dein Kuß Gall v. auch Wermut süsse
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Du liest Vertrauligkeit der Keuschheit Wiege seyn.
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Es war die Buhlerey mit Weißheit überzogen/
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Ja unsre Geilheit selbst mit Keuschheit angethan
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Mit solcher Liebligkeit ward unser Lust gepflogen
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Daß ich sie auch itzund nicht gäntzlich tadeln kar.
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Es gieng die Schlüpfrigkeit in einem reinen Kleide/
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Ich ward von deiner Brunst geziehret/ nicht befleckt/
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Es war mein Purpur Rock nicht ohne weisse Seide.
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Wer liebt die Speise nicht so nach der Tugend
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Als Monde wolt’ ich nur durch dich o Soñe scheinen.
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Mich schreckt auf deiner Schoß kein Bild betrübter
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Ich dacht’ auf dieser Welt forthin nicht mehr zu wei-
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Ach daß sich unser Lust zur Unlust Mutter macht.
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Du hattest mir so viel von Tugend fürgestellet/
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Daß sich die Schelmerey dadurch nicht blicken ließ.
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Mit solcher Liebligkeit ward ich durch dich gefället
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Daß ich in Lust entzückt/ es nicht mehr Sünde hieß.
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Mich deucht ich sündigte/ diß Sünd’ uñ Schuld zu-
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Was süsser ist als Most uñ nach Jeßminen schmeckt.
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Ich meynt’/ ich würde hier in einer Flamme brennen/
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So nur zu leutern weiß/ und nichts an uns befleckt.
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Ich schlug in solcher Lust Geist und auch Auge nieder/
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Wer Adlern gleiche sieht/ wird durch die Liebe blind/
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Was ich aldar empfand/ bringt mir kein Monath
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Es ist verrauschte Flut uñ längst verrauchter Wind.
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Ich will forthin nicht mehr in Liebes Schrancken
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Ich will itzt Meisterin von meinem Blute seyn.
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Ich weiß der Him̃el selbst wird meine Lüste dämpfen/
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Und druckt mir albereit der Keuschheit Siegel ein.
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Ein guter Vorsatz kan uns mehr als Stahl ver-
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Wer ihm sich selbst entbricht/ sährt in den Port der
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Wir schmecken keine Lust/ als in der Lust/ zu meiden
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Und was dein Leib entgeht/ das wächst der Seele zu/
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Es hat mein Abelard mich niemahls recht geliebet/
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So er der Meynung ist/ daß ich ihn lassen kan/
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Ein edles Weib wie ich/ so nicht als Hure liebet/
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Schaut Leibespracht als Spreu/ die Seel als körner
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Man muß die Liebe nicht mit gleicher Ele messen/
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Gemeine Buhlerey sucht nichts als Fleisch uñ Blut/
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Doch der ein edler Geist das Hertze hat besessen/
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Die läst das Schlacken Werck/ und sucht ein höher
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Hat mich dein Zucker Mund zu Fleischlich angerüh-
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Und in ein Rosenthal ein schlüpfrich Haus gebaut/
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So hat doch keine Brunst wir die Vernunft entfüh-
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Es hat ein jeder Kuß auf deinen Geist geschaut.
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Ich hielt vor ungereimt den edlen Leib zu hassen
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Wo dein erlauchter Geist so kluge Hofstadt hielt.
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Kam gleich mein Abtlard mich fleischlich zu umfassen
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So schertzt ich mehr von Lieb/ als Geilheit angefült.
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Ich weiß der Himmel läst uns leicht Genade finden
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Der unser Seele hat tief in das Bluth gesetzt/
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Ach schreib ich auch zuviel? dergleichen zarte Sündẽ/
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Seyn der Vergebung mehr als Grobe werth ge-
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Als Engel werd ich dich forthin umbfassen können/
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Was Männ-uñ Weiblich heist/ bedenckt die Seele
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Es scheint die Sternẽ selbst belachen mein Begiñen/
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Und haben Cronen mir von Strahlen zugericht.
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Wir wollen einen Sitz von Tugend-Liljen bauen/
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An dem kein schartzer Fleck verwehrter Lüste klebt;
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Die Welt wird mich uñ dich in einem Bande schauẽ/
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Auf dẽ die Kostbarkeit von Zucht-Gewircke schwebt.
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Die Seelen werden sich auf eine Weisse küssen/
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Die man empfinden kan/ doch nich zu nennen weiß.
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Ein süsses Etwas wird von Geist zu Geiste flüssen/
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Vor Liebestöckel pflantzt man künftig Ehren-Preiß.
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Viel hundert Jahre Rost wird unsern Ruhm nicht
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Gesezte Tugend sprost auch aus der Buhlerey.
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Wer allzu eifrig zörnt/ wird diese Worte hören:
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Gar wenig Menschẽ seyn von Lieb und Blattern frey
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Ich küsse dich itzund in diesem kurtzen Schreiben/
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Die Seele schreibet mehr als diese schwache Hand.
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Laß mich nur deine Magd in Ewigkeit verbleiben/
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Ich bin dir längst verschenckt/ du darfst kein ferner
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Vor deinen Schaden kan ich itzt kein Pflaster sendẽ/
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Wenn meine Wehmut man nicht deine Salbe heist.
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Hiermit empfehl’ ich dich des Him̃els treuen Händẽ/
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Der heile deinen Leib/ und stärcke meinen Geist.