Ermegarde an Rudolphen

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Ermegarde an Rudolphen (1679)

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Hjer ist ein kleiner Brief mit Schertz und
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Ernst gefüllet/
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Der Gall’ und Honigseim in seiner Schoß
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enthällt/
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Auß welchen/ gläub es mir/ dir Todt und Leben qvillet/
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Erwehle dir nunmehr dieß was dir wohlgefällt.
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Ich lasse dich itzund mich ohne Maßqve schauen/
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Ich stelle deinen Fall in hellen Farben für/
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Und willst du alzuviel auf deine Reuter trauen/
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So hab ich mehr als du: die Hertzen seyn bey mir.
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Ein Wort/ ein Blick von mir kann tausend Lantzen
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stehlen/
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Die besten Bogen seyn auf mein Geboth gespannt/
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Es wird mir nimmermehr an grossen Helden fehlen/
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Als Schlangen hab ich sie zu meiner Fahn gebannt.
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Waß nur zwey Finger rührt hat dir den Todt geschwo-
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ren/
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Du bist mir allbereit im Geiste hingericht/
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Begrüst du mich als Feind/ so halt dich vor verlohren/
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Verschertze doch dein Volck und dich auch selber nicht.
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Was nur nach Eisen reucht begehrt dich zuerdrücken/
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Drum/ dencke wo du bist/ und endlich was du thust/
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Ich darf nur einen Blick nach deinem Lager schicken/
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So kehrt dein eigen Schwerdt sich gegen deine Brust.
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Ach König wilt du dich mit Hoffnungs Speisen neh-
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ren/
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Sie blehen trefflich auf und geben keine Krafft/
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Wer ohne rechten Grund will alzuviel begehren/
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Dem wird auch was er hat/ noch endlich hingeraft.
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Kein Spiegel treuget mehr/ als den der Wahn uns
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zeiget/
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Gefahr muß hier ein Zwerg/ Gelück ein Riese seyn/
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Man schaut wie unsre Lust aus Zucker Rosen steiget/
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Man spüret keine Nacht/ nur lauter Sonnenschein.
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Es zeiget sich allhier ein Jahrmarckt voller Cronen/
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Die Scepter scheinen uns wie ein gemeiner Stab/
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Die Lorber Kräntze seyn gemeiner als die Bohnen/
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Hier ist kein Helden Fall und auch kein Todten Grab.
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Doch endlich will uns nur diß Lust Schloß gantz ver-
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schwinden/
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Der Fürhang fällt herab/ das Spiel ist ausgemacht/
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Die Lampen leschen aus/ es ist nichts mehr dahinden/
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Man mercket nichts als Rauch/ und spühret nichts als
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Nacht.
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Dann steht man gantz betrübt mit wunder-schlaffen
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Händen/
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Und schaut was man gethan/ mit neuen Augen an;
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Wohl diesem der sich nicht die Hofnung läst verblen-
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den/
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Und seinen Jrrthum noch vernünfftig ändern kann.
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Vermeinst du daß ich hier mit blossen Worten schrecke/
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Und dieses alles nur pappierne Feindschafft sey/
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So bitt’ ich dich/ zerreiß der Augen faule Decke/
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Und mache dich nun selbst der falschen Blendung frey.
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Ich warne noch itzund/ es ist ein Liebes Zeichen/
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Hier ist noch Sonnenschein/ und nicht ein Donnerkeil/
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Allhier versuch ich noch ob ich dich kan erweichen/
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Dann find ich keinen Feind/ so brauch ich keinen Pfeil.
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Wird durch mein Schreiben nu dein Schwerd zur Ruh
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geleget/
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So fahr ich Himmel an und wünsche das der Tag/
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In welchen Rudolph hat die Waffen hingeleget/
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In der Geschichten Buch der Nachwelt kommen mag.
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Ich weiß des Ruhmes Hand wird dich mit Blättern
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ziehren/
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Die immer grüne stehn/ die keine Zeit befleckt/
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Und deinen Nahmen wird sein Flügel weiter führen/
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Als wo der Elephant sich an die Sonne streckt.
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Gedencke was du hast zu deinen Feind erkohren/
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Und gegen was dein Volck itzund ein Lager schlägt;
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Du weist es ohne mich/ ich bin ein Weib gebohren/
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Doch die ein Mannes Hertz in zartem Leibe trägt;
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Ich bin es nicht gewohnt also bedient zuwerden/
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Geburth und Eigenschafft treibt mich zuhöhern an/
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Ach König glaub es mir/ die Anmuth der Geberden
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Hat gegen Frauen mehr/ als Schwerd und Helm ge-
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than.
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Was nicht sein Segel streicht/ was nicht die Lantze
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sencket/
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Dem bleibet Thor und Post verschlossen iederzeit/
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Und welcher Held bey mir zu siegen ihm gedencket/
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Der waffne seine Brust zuvor mit Höffligkeit.
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Es wird dein gantzes Heer eh’ alle Köcherleeren/
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Als du bezwingen wirst das edele Pavt’/
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Du wirst durch solchen Streit nichts als dich selbst
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verzehren/
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Drum so du siegen wilst/ so sieg auch ohne Müh.
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Ich lasse/ bist du Freund/ dir Hertz und Gatter offen/
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Doch ließ auch dieses Wort/ dir eintzig und allem/
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Dergleichen hat dein Volck zu keiner zeit zuhoffen/
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Du solt von mir geküßt und Sie geschlagen seyn.
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Der Bothe/ den du schaust/ der wird dich sicher füh-
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ren/
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Der Außzug aller Lust erwartet deiner hier/
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Und läßt du dir dein Häupt mit einer Crone ziehren/
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So schau auch ob sie mir so zierlich steht wie dir.
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Laß deinen hohen Geist dich nicht zurücke lencken/
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Man kan nicht allezeit mit vollem Segel gehn/
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Wer alle Stunden will auf Berg und Wippel den-
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cken/
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Wird offtmahls in dem Thal und bey der Wurtzel
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stehn;
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Du bist/ ich schwere dir/ dißmahl zuweit gegangen/
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Und wer ich Feindin nicht allhier dein bester Rath/
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So hätte dich das Garn/ als wie ein Wild gefangen/
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Verachtest du die Hand/ so dich erlöset hat?
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Ich bin kein schlechtes Weib/ wer rühmt nicht mein
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Geblüthe?
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Ist meiner Ahnen Lob dir nicht genug bekannt?
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Es lobt sich ohne mich; mein hurtiges Gemüthe
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Wird endlich fast zugroß vor dieses weite Landt.
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Kom/ kom und säume nicht/ itzt hast du Zeit zu eilen/
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Schmach und Verrätherey will deiner Crone bey;
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Auf Schwerdtern stehest du/ und unter tausend Pfeilen/
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Ach lerne daß dein Schutz bey deiner Feindin sey.
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Dir beuth der stoltze Po den Silberweissen Rücken/
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Die Vorburg/ ja mein Schloß nimt dich mit Freu-
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den an/
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Der Weg ist dir gebähnt: dem manglen keine Brücken/
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Wer die Gelegenheit vernünfftig brauchen kan.

(Hofmann von Hofmannswaldau, Christian: Deutsche Ubersetzungen und Gedichte. Breslau, 1679.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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