20. Schlacht bei Lützen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

N. N.: 20. Schlacht bei Lützen (1848)

1
Mit dem neuen Heere, dem von Frankenland
2
Nun erst Flinten nachgesandt,
3
Trifft vor Erfurt’s Thoren
4
Er zusammen, der geboren
5
Nicht zum Kaiser, aber früh
6
Ward gehoben durch Genie.
7
Er,
8
Blitzschnell, war dem Kriegsgeschick
9
Stets durch hellen Geist ein Leiter. —
10
Dringend nun nach Leipzig weiter
11
Und erwägend, daß ihm Reiter
12
Hier fast fehlen;
13
Kann er sich es nicht verhehlen,
14
Wie er drum um so verwegner
15
Auf die Gegner
16
Stürzen muß mit heißer Kraft,
17
Die so oft ihm Sieg verschafft. —
18
Leipzig, zürnt er, Mein sein muß!
19
So schneid’ ich vom Elbefluß
20
Meine Widersacher ab;
21
Grabe so ihr bald’ges Grab. —
22
Preußens, so wie Rußlands Fahnen
23
Weh’n beisammen, und es ahnen
24
Jenen Vorsatz die Genossen,
25
Die denn unter sich beschlossen,
26
Sich zu werfen froh und frei
27
Auf den Feind, am zweiten Mai.
28
(
29
Russe, Preuß’ am nächsten Tage.)
30
Mittags war’s, am zweiten Mai,
31
Als nach Goerschen, das Fürst
32
Stark besetzt hielt, Preußen drangen
33
Und den Feind zum Weichen zwangen.
34
Nah beim Dorf auf leichten Höh’n
35
Sah man zwei Monarchen stehn.
36
Friedrich Wilhelm, Alexander
37
Sprachen traulich mit einander.
38
Das vereinte Heer gesammt
39
Blickt zu ihnen muthentflammt! —
40
Bei dem edlen Saft der Reben,
41
Bei dem Frühstück saß so eben
42
Souham, als Musketenblitz
43
Sich ihm zeigt. Schnell auf vom Sitz
44
Springt der Marschall, führt hervor
45
Kühn sein untergeb’nes Corps! —
46
Doch vergeblich. Vater
47
Stürmt Groß-Görschen fest und sicher.
48
Waten würden durch den Styx
49
Roeder, Ziethen, Horn und Klüx. —
50
Frisch und heiter
51
Führt die Reiter,
52
Mit dem Küraß auf der Brust,
53
Brandenburger, wie bewußt,
54
Königs Bruder. — Pallaschklingen
55
Des Prinz
56
Und in Haufen
57
Bei Starrsiedel Franken laufen! —
58
Bonaparte
59
Blickt in Karte. —
60
Von der Straße abgekommen,
61
Die nach Leipzig er genommen,
62
Eilt er her mit Divisionen
63
Seiner Gardelegionen;
64
Reitet selbst (er nahm bedacht,
65
Daß verlorne erste Schlacht
66
Jhm Europa’s langen Glauben
67
Auf sein Siegspatent kann rauben.)
68
Langsam auf und nieder
69
Durch die Glieder
70
Seiner Braven. Manch’ Getreuer
71
Staunt: Sein Abgott hält im Feuer! —
72
Doch hier hilft kein langes Warten.
73
Zwischen Häusern, Bächen, Garten,
74
Mit dem Bajonett, dem Degen,
75
Tritt der Mann dem Mann entgegen!
76
Hört die Kolben donnernd hammern,
77
Wunde ächzen, stöhnen, jammern! —
78
Thürmt sich gleich ein Berg von Leichen,
79
Will doch keiner Anderm weichen!
80
Raja noch, bei Rhano’s Hügeln
81
Ueberflügeln
82
Preußens Garden Frankenvolk. — Jm Schrecken
83
Letztre die Gewehre strecken. —
84
Napoleon
85
Hört die Kund’ hiervon
86
Höhnisch, spricht mit scheuem Blick
87
Zu den Helden, die zurück
88
Als Begleiter ihn umstehn,
89
Wähnt Jhr, Stern wird untergehn? —
90
Für den Augenblick erblassend,
91
Aber schnell sich wieder fassend
92
Bildet er, — Noth that ihm Eil, —
93
Einen breiten Krieger-Keil.
94
Sechzig Leibwehrbataillonen
95
Folgen achtzig Stück Kanonen.
96
Mächtig drängen
97
Nach Klein-Goerschen diese Mengen. —
98
Theilweis weicht, — so will’s Geschick, —
99
Preußens Kriegerschaar zurück.
100
Helfend führt sogleich hervor
101
Wirtemberg’s
102
Doch wie einst in Lützner Schlacht,
103
Spät nach
104
Pappenheim erschien von Halle,
105
Kommt jetzt Welschlands Prinz
106
Gegenüber sah man stehn
107
Zwei
108
Aehnlich dem von Belgerad. —
109
Wirtembergs
110
Heitzte ein
111
Oberst
112
Kanownizin's Grenadiere
113
Hielten gleichfalls ohne Wanken
114
Welschlands Prinz
115
So bis in die tiefe Nacht
116
Währte jene heiße Schlacht;
117
Und es glaubt auf beiden Seiten
118
Jeder, daß er Sieger sei.
119
Jetzt noch läßt sich drüber streiten.
120
Sicher bleibt’s: Am zweiten Mai
121
Fest für König und für Land
122
Preußens Heer im Kampfe stand. —
123
Manch Gelehrter, fein von Sitte,
124
Als Gemeiner in der Mitte
125
Jenes Heeres, kämpfend brav,
126
Ging hier ein zum ew’gen Schlaf. —
127
In der Sterbenden Gewimmel
128
Hört man kaum den Schmerzenslaut.
129
Mit verklärtem Blick gen Himmel
130
Der Todtwunde dankbar schaut!
131
Ward die Freud’ ihm doch gegeben,
132
Preußens Aufstehn zu erleben. —
133
Der Russen und der Preußen Macht
134
Behauptete noch in der Nacht
135
Das Feld, auf dem man schlug die Schlacht.

([N. N.]: Erinnerungen eines freiwilligen reitenden Jägers aus den Kriegsjahren 1813–1815. Berlin, 1848.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.