O D E

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Franz Christoph von Scheyb: O D E (1746)

1
Wacht auf! ermuntert euch! verlaßt die düstern Höhlen
2
Jhr Fürsten, derer Ruhm zu keiner Zeit vergeht!
3
Steigt aus dem Schutt empor! wir wollen euch
4
Wie weit
5
Wie weit
6
Den Rang, der euch gebührt, bereits hat überstiegen.

7
Jhr, die ihr manches Land bezwungen und beschirmet;
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Dem Waffen- Strohm des Feinds mit Starckmuth vorgeschantzt:
9
Jhr, derer Schwert und Muth auf keinen Wall gestürmet,
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Wo nicht die tapfre Faust den Sieges-Fahn gepflantzt:
11
Seht den Zusammenhang der Staats- und Kriegs-Geschäfte!
12
Sagt! übertrifft er nicht die Wirckung eurer Kräffte?

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Wer ist von euch, der jung; doch Alten gleich gekämpffet;
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Der aller Hilff entblößt den Sieger selbst erschreckt?
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Wer ist der ohne Macht, die gröste Macht gedämpfet,
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Und fast am Untergang die Lorber aufgesteckt?
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Werfft den erstaunten Blick auf diese Zier der Frauen!
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Sie läßt dies Wunder euch in ihren Thaten schauen.

19
Der Helden Preiß und Fürst; der Fürsten Haupt erbleichet;
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Der Grund des Throns erbebt; des Stammens Pracht verdirbt;
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Des Staates Saüle fällt; der Länder Schutz entweichet;
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Ja! Kayser, König, Fürst und Held, und Vater stirbt!
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Was hättet, Fürsten! ihr in eurem Rath entschlossen,
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Wann euch dergleichen Sturtz und Fall wär zugestossen?

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Der nächst erfolgte Tag entdecke Feur und Flutten;
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Ein ungefürchter Freund raub eurer Völcker Ruh:
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Es eile Schaarenweiß, und wider das Vermuthen
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Ein zweyfach-doppelt Heer auf eure Mauren zu:
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Sagt! würde bey dem Sturm, bey solchen Ungewittern
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Nicht auch der Tapferste des Helden-Ordens zittern?

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Theresia verhüllt bey ihres Vaters Bahre
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Den höchst-gerechten Schmertz in ihren Trauer-Flor:
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Sie weiß nicht, was dem Thron, dem Zepter wiederfahre:
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Der Feinde Zorn und Macht dringt schon biß an das Thor.
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Indem sie Trost, und Rath sieht in den Sarg verschliessen,
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Glim̃t in dem Vaterland schon Brand und Blut-Vergiessen.

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Sje reißt den Schleyer auf, sieht, daß die Fahnen fliegen;
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Erschrickt, faßt Hertz und rufft: verfälschter Freundschafts-Eyd!
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Der mich beschützen soll, fangt an mich zu bekriegen!
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So ist dann unter Fried und Krieg kein Unterscheid?
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Sie schreyt Vertrauens-voll zu GOtt: HErr! laß auf Erden
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Mein Erb-Recht so erkannt, als dort im Himmel, werden!

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Zur Rettung wollte sie nach ihrer Krone langen:
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Sie griff auch allbereit das schönste Kleinod an,
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Und sprach: Das geb ich her, die Perl sollt ihr empfangen;
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Wann ich dafür den Werth des Friedens haben kan!
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Umsonst, war der Bescheyd: Der gantze Schmuck der Krone
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Ist schon für den bestim̃t, der deinen Thron bewohne.

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Der Staat erschütterte; der Thron fieng an zu wancken;
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Sie gieng, bestieg ihn doch, und trotzte die Gefahr.
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Standhaftigkeit und Muth hielt sie bey dem Gedancken,
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Der Anfangs fürchterlich, am Ende nutzbar war.
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Je mehr der Feinde Zorn, Gewalt, und Macht erfunden;
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Je weniger war sie von jemand überwunden.

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Was Carls des Grossen Rath, und Vorsicht angefangen,
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Das bracht ihr Geist, zu Trotz des Widerstands, zum End.
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Was Herrschkunst, Weißheit, Muth und Stärcke kan erlangen,
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Ward ihr durch Feur und Schwert und Schrecken zugewendt.
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So klein man sie gemacht, so viel ward sie vergrössert:
60
Das Feur hat ihrer Kron ererbtes Gold verbessert.

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Fleiß, Wachsamkeit, Vernunft, Witz, Hoheit des Verstandes,
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Hertz, Mühe, Geist und Muth hat ihr den Ruhm erlangt,
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Daß sie als Retterin des frohen Vaterlandes
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Nicht bey den Freunden nur, auch bey den Feinden prangt.
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Jm Sieg und im Verlust, in Freuden und Beschwerden
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Hat sie die Tugenden zu Räthen und Gefärten.

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Sje weiß im härtsten Fall, den besten Schluß zu wählen;
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Sie siegt, doch ohne Stoltz; sie kämpft, doch ohne Rach:
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Jhr Endzweck ist das Recht; ihr Streit, sich GOtt befehlen:
70
Jhr Hertz strebt jenen nicht, nur diesen beyden nach.
71
Jhr Helden müßt von ihr die Helden-Tugend lernen:
72
Wann ihr die Schaalen seyd, so gleichet sie den Kernen.

73
Wje? was? es öffnet sich den Augen ein Gesichte;
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Ein Lorber-reiches Haupt steigt aus der Gruft empor:
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Ja! seht, wie sich der Held, mit Ernst zu reden, richte;
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Vielleicht trägt er das Wort statt aller Helden vor:
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Er regt den Fürsten-Stab; was wird es wohl bedeuten?
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Ich hoffe nicht, daß er wird meinen Satz bestreiten?

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Vernehmt! ich höre schon, wie seine Worte thönen:
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Halt ein! es ist zu viel, was man uns vorgebracht:
81
Will man vielleicht damit nur unsre Thaten höhnen?
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Wir wissen auch, sagt er, was einen Helden macht.
83
Durch Dichter werden oft aus Hirn-Geburten Helden:
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Was, wann sie gar mit Recht wahrhafte Thaten melden?

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And wer beredet uns, daß Königliche Schwüre,
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Ein GOtt-geweyhtes Wort auf einmahl ohne Frucht?
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Daß man die Königinn alldort zum Opfer führe,
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Wo Sie Gewehr und Hilff und Zuflucht hat gesucht?
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Der Himmel hätt gewiß .... Jedoch hier muß ich schweigen;
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Es wär Vermessenheit, sein Urtheil anzuzeigen.

91
Wann alles, was du sagst, sich in der That befünde,
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Was hieß man endlich Recht, Treu, Glauben, Fried und Krieg?
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Sag, ob der Erden Rund nicht im Verderben stünde?
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Das Recht nicht, die Gewalt erlangte Rang und Sieg.
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Was wär an einem Pflug, an einem Helden-Degen,
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An Ordnung und Gesatz; an Ehr und Ruhm gelegen?

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Amsonst erwähnest du so viele Wichtigkeiten;
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Wär der geringste Theil von der Erzehlung wahr;
99
So schwüng
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Der Anfall, und der Schutz ist viel zu wunderbar.
101
Du suchst nur, uns den Ruhm, den Helden-Lohn, zu rauben:
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Geh, sag es wem du wilst! wir können es nicht glauben.

103
Wje? dieses ist die Sprach und Antwort unsrer Ahnen?
104
Sie messen dem Bericht so wenig Glauben bey?
105
Sie neigten sonst gewiß mit Ehrfurcht ihre Fahnen,
106
Und nennten den Gesang nicht eine Schmeicheley.
107
Entweder fürchten sie,
108
Was? oder eyfern sie, daß ihre Thaten besser?

109
Nein: die Unmöglichkeit macht, daß sie dieses meinen:
110
Neyd, Haß, Verrath und List; Zorn, Mißgunst, Rach und Groll
111
In Waffen einig sehn, das will nicht möglich scheinen:
112
Weil die Vereinigung sich selbst zernichten soll.
113
Sie messen diese That nach dem, was folgen könnte:
114
Daß man das Recht nur dem, der furchtbar ist, vergönnte.

115
Kein Wunder; frage man, die gegenwärtig waren:
116
Was sie, da dieser Sturm die Welt ergriff, gedacht?
117
Hat nicht das Aug erstarrt, das Ohr entsetzt erfahren,
118
Wie dieses Kronen-Hauß erschüttert und gekracht?
119
Man hörte, wie von West und Nord der Donner rollte;
120
Wer hoffte, daß der Thron dem Sturtz entkommen sollte?

121
Doch ist Theresia, der man uns fast beraubte;
122
Die man von ihrem Recht, von ihrem Eigenthum,
123
Des Vaters Kron entblößt, vom Thron gestürtzet glaubte;
124
Die dreyfach-blühende gekrönte Purpur Bluhm
125
Die Bluhme, welche man schon vor entlaubt geachtet,
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Wird nun im schönsten Flor des höchsten Schmucks betrachtet.

127
Wann alter Helden Sinn nicht glaubet, was geschehen;
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In der Erzehlung nichts, als eitlen Schimmer sieht:
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Ja, wann wir selbst erstaunt, verwirrt, entzücket stehen;
130
Da, der sie stürtzen wollt, erschrocken stutzt und flieht:
131
Was wird die späte Welt zu dieser Nachricht sagen?
132
Wird sie so viel darnach, als dort die Vorwelt fragen?

133
Nein: der Erfolg des Wercks wird ihren Augen zeigen,
134
Daß dieser Ruhm-Gesang kein Bild der Dichter sey;
135
Man sieht die Pflantzen schon, wie Ceder-Baüme, steigen.
136
Selbst die
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Sie kommt erregt, erfreut von ihren Ehren-Bühnen,
138
Und sieht den Helden-Stamm in ihren Auen grünen.

139
Sje rufft: Betrachte man den Kronen-reichen Sprossen
140
An diesem Fürsten-Baum, der einst zu
141
Er schien zwar welck, jedoch er ist frisch vorgeschossen:
142
Die Freud und mein Entschluß sey allen Welten kund!
143
Ich schwere dem, der auch vielleicht nicht wurde sterben;
144
Berührt er diesen Ast; Rach, Untergang, Verderben.

145
Sje sieht noch einen Zweig, der sich mit dem verbindet:
146
Frolockt noch mehr und spricht:
147
Kein Baum ist, welcher den an Früchten überwindet!
148
Dies Paar ist seine Kron, Ehr, Ansehn, Pracht und Zucht!
149
Der ist, von dem die Welt die grösten Helden hatte:
150
Von dem ich künftighin sie noch zu ziehn, gestatte.

151
Wjll selbst Unsterblichkeit, daß man den Baum bewahre;
152
Eröffnet sie der Welt den hohen Schutz-Befehl;
153
So wird auch in dem Lauf der allerspätsten Jahre
154
Berühmt, bewundert seyn, was ich davon erzehl.
155
Und recht: der Zweifel ist umsonst und unvonnöthen:
156
Wir haben zum Beweiß des Stammens Majestäten.

157
Die Nach-Welt wird sie sehn und sagen: diese Früchte
158
Wo kommen sie dann her? Wer ist der Fürst, der Held?
159
Er herrscht, er kriegt, er siegt: es ist kein blind Gerüchte!
160
Er stammet von dem Baum, von dem man uns gemeldt:
161
So kan man überzeugt der Sache Wahrheit mercken:
162
Was einst

163
Die Wercke seynd so groß, als keine Zeit erfahren:
164
Sie seynd wahrhaftig nicht von Dichtern aufgeführt.
165
Derselben Ursprung ist in jenen Helden-Jahren,
166
Die dort
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In seiner Majestät erblickt man solche Zeichen,
168
Die dieser Königinn, von der man redet, gleichen.

169
Der Baum hat, wie man sagt, zwar einen Streich empfunden;
170
Es gehet ihm die Zier des grösten Sprossens ab:
171
Hingegen haben sich statt dessen zwey verbunden;
172
Wovon
173
So bringt ja der Verlust den Früchten kein Verderben:
174
Hier starb das Haupt, doch lebt die Folge seiner Erben.

175
Gott theilt die Kronen aus: Er wiedmet sie den Häusern,
176
Die Großmuth, Frömmigkeit und wahre Weißheit schmückt.
177
Drum prangen diese zwey mit Königen und Kaysern:
178
Drum blieb
179
Wo Tugend, GOtt und Recht um Kron und Zepter fechten,
180
Kan man den Sieges-Krantz leicht um die Scheitel flechten.

181
So wird der späten Welt erstaunter Nachklang sprechen:
182
So wird die Sach erzehlt, geglaubt, gepriesen seyn.
183
Was kan mir also mehr den Vorsatz unterbrechen?
184
Es stimmt mit mir, was ist, was war, was seyn wird, ein.
185
Auf auf dann Geist und Hertz! entflammet Muth und Sinnen!
186
Entreisset euch der Furcht! verfolget das Beginnen!

187
Ja, Königinn! ich will von zehen Stunden singen,
188
Die deiner Tugenden getreuer Rath gewacht;
189
Als jede sich bemüht, Beweißthum aufzubringen,
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Daß ihre Wirckung dich das, was du bist, gemacht.
191
Nicht daß ich dir ein Lob, ein Ehren-Mahl erdichte:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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