Vergnügung

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Vergnügung (1695)

1
Wohl dem/ der sich vergnüget/
2
Und freundlichkeit stets seine freundin nennt/
3
Der nach begierd’ und geitz nicht als an ketten lieget/
4
Den freunde wohlfahrt nicht als eine nessel brennt:
5
Freud und vergnügung kan den wermuth-safft versüssen/
6
Und traurigkeit verbleibt des todes schulter-küssen.

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Nichts kan hier ewig währen/
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Der grause sturm muß endlich doch vergehn;
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Des unfalls fässel will der zeiten rost verzehren/
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Die morgen-röthe selbst will aus der nacht entstehn/
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Den strauch/ darauff man itzt nur dornen kan verspüren/
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Wird bald ein rosen-knopff von hundert blättern zieren.

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Ein auffgeweckt gemüthe
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Verzaget nicht/ wenn schwerer donner kracht/
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Es anckert stets getrost auff seines schöpffers güte/
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Der mehrmahls haß zu lust und gifft zu labsal macht:
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Ein centner ungedult ist kein so kräfftig stücke/
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Daß es vertreiben könt’ ein qventgen ungelücke.

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Sein eigen hertze fressen
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Ist eine kost/ die fleisch und witz verzehrt/
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Der hat gantz GOttes macht und menschen pflicht vergessen/
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So sich mit kummer-brod und thränen-wasser nehrt.
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Ein leichter fliegen-fuß kan narren traurig machen/
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Und ein erhabner geist wird auff den dornen lachen.

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Der schönheit edles prangen
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Schaut eifersucht wie schierlings blumen an/
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Die ungezähmte lust/ was anders zu erlangen/
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Macht/ daß der alte mann nichts recht geniessen kan.
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Wer sich begierd’ und geitz läst hertz und sinne binden/
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Der wird verdruß und angst bey lust und reichthum finden.

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Ein hertze voller freude
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Heist scharffes saltz carnari-zucker seyn/
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Sein wasser wird zu wein/ sein garn zu weisser seide/
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Ein blasser monden-blick wird ihm zum sonnen-schein.
35
Wer sich vergnügen kan/ schmeckt nichts als ambra-kuchen/
36
Und unvergänglichkeit bringt lauter marter-wochen.

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Was nutzen schätz’ und güter?
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Was hilfft uns doch viel schönheit/ ehr und pracht?
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Vergnügung ist allein der reichthum der gemüther/
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Der bleibet ewig arm/ der stets nach mehrentracht.
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Wem nicht durch unlusts-gifft des geistes kräffte schwinden/
42
Der wird sein paradieß auch in der wüsten finden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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