Verliebte Arien

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Verliebte Arien (1695)

1
Geliebte Flavia/ mich brennen deine thränen/
2
Das süsse naß beflammet meinen Geist/
3
Dein heisser seuffzer macht mir jammer-reiches sehnen/
4
So mich zu dir mit steiffen banden reist;
5
Wilstu/ o Flavia/ daß Citron soll verderben/
6
So sage nichts von deinem todt und sterben.

7
Es ist noch keine zeit im grabe zu verwesen/
8
Die jugend steht dir allzuzierlich an/
9
Du solt noch in der welt die zucker-rosen lesen/
10
Wo deine hand kein dorn verletzen kan/
11
Die wollust wird dir tranck aus ihrem becher schicken/
12
Und selber dich an ihre brüste drücken.

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Es soll dich noch zur zeit kein schwartzer boy umschliessen/
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Dein tugend-glantz ist etwas bessers werth/
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Es wird der himmel dich als seine tochter küssen/
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Der deinen mund zu seiner lust begehrt/
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Laß einen kleinen sturm dich nicht zu sehr bewegen/
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Ein sonnen-strahl kan alles wieder legen.

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Erhebe doch nunmehr die flügel deiner sinnen/
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Und stöhre selbst den trieb der ungedult/
21
Laß nicht die thränen-bach um deine wangen rinnen/
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Das schöne feld ist frey von aller schuld/
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Was wiltu unverdient es unter wasser setzen/
24
Die tyranney ist straffens werth zu schätzen.

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Soll die verzweiffelung dir deine rosen bleichen/
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So um den thau der süssen lippen stehn?
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Nichts als Jesmin-geruch soll diesen ort bestreichen/
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Kein purpur muß von dessen grentzen gehn/
29
Um diese gegend muß sich lust und anmuth küssen/
30
Und lieblichkeit dir deine zeit versüssen.

31
Ach edle Flavia! leg’ angst und kummer nieder/
32
Es speise dich des glückes überfluß/
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Zerreiß in freudigkeit die kalten trauer-lieder/
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Durch die dein knecht als eiß erstarren muß/
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Wer ihm das hertze frist/ und selbst sein fleisch verzehret/
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Der hat für sich zu theure kost begehret.

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Komm braune nacht/ umhülle mich mit schatten/
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Und decke den mit deiner schwärtze zu/
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Der ungestöhrt sich will mit sonnen gatten/
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Und im bezirck der engel suchet ruh/
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Ja hilff mein ach/ eh du noch wirst verschwinden/
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Mit linder hand von meiner seele binden.

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Wie/ hör’ ich nicht/ willkommen mein verlangen!
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Schon im gemach mit leiser stimme gehn?
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Fühl’ ich mich nicht mit lilien umfangen/
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Und meinen fuß auff diesen grentzen stehn/
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Wo nur Celinde wird aus thränen lachen/
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Aus flammen eiß/ aus bette himmel machen.

49
So tilge nun/ o heldin! meine schmertzen/
50
Wirff mit dem flohr die leichte zagheit hin/
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Laß meine hand mit deinem reichthum schertzen/
52
Und mich entzückt das schöne thal beziehn/
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Da sich im thau die stummen lüste kühlen/
54
Und tag und nacht mit ihren farben spielen.

55
Dein heisser mund beseele mich mit küssen/
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Hilff/ wenn ich soll an dieser brust versehrn/
57
Durch lindern/ biß die flüchtigen narcissen
58
Mir ausgestreckt die stille freude mehrn/
59
Und möchtest du ja deinen krantz verlieren/
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Solln perlen doch die schönen haare zieren.

61
Mein wort erstirbt/ die seele will entweichen/
62
Ach laß sie doch in enge himmel ein/
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Laß schiff und mast in deinen hafen schleichen/
64
Und deine hand mir selbst ein leitstern seyn/
65
Du solt alsbald die eingeladne gaben/
66
Nebst voller pracht statt der belohnung haben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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