Verliebte Arien

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Verliebte Arien (1695)

1
Fach/ Amaranthe/ deine ballen
2
Mit frischen seuffzern wieder auff;
3
Laß nicht die bälge niederfallen/
4
Flöß thau von deinen lippen drauff:
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Hüll ihre flammen
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In scharlach ein/
7
Zwing sie zusammen/
8
Biß sie wie stein
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Gebildet seyn.

10
Die brüste sind der liebe zunder/
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Von den die schönheit nahrung nimmt.
12
Ein stamm und abgott aller wunder/
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So blüht und frucht zugleich bekömmt.
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Des tempels kertzen
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Sind so verdacht/
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Daß kalten hertzen
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Durch ihre pracht
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Wird glut beybracht.

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Der wangen bunte zauber-künste/
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Verliehrn die würckung bey der brust;
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Die achseln schimmern/ wie durch dünste/
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Und zehl’n mit stirn und kinn verlust.
23
Die lippen welcken/
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Der liebe licht;
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Wenn ihren nelcken
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Der brüste pflicht/
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Ein hauch gebricht.

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Sagt/ ob was schöners wohl zu finden/
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Als wo sich milch und blut vermählt:
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Wo sich mit perl’n corall’n verbinden/
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Wo lust die holen seuffzer zehlt.
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Cupidens kriege/
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Sind sonder lust/
34
Wenn seine siege/
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Der zarten brust
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Nicht sind bewust.

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Ihr zucker-äpffel aller lüste/
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Entblöst den marmol/ den ihr hegt/
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Weht flor und schleyer weg ihr brüste/
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Weist was der strauch vor blumen trägt.
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Was stets entdecket/
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Ist nur gemein;
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Was ihr verstecket/
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Kan ohne schein
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Und werth nicht seyn.

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Ihr felsen jauchzet/ weil die liebe
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An euch die göldne pfeile wetzt/
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Den himmel macht kein nebel trübe/
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An den zwey monden sind gesetzt.
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Lilg’ und rubinen
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Sind sterne hier/
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Doch strahlt vor ihnen
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Die sonn’ an dir
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Des krantzes zier.

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Von blumen/ die die wespe lecket/
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Trägt keine biene honig ein/
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Und was nach fremden küssen schmecket/
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Kan kein altar der liebe seyn;
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Der brüste spiegel
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Macht im gesicht/
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Daß alle riegel
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Der zucht durchbricht
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Gar leicht zu nicht.

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Du milch-brunn süsser anmuths-triebe;
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Berg/ der mit flammen um sich schlägt;
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Du zauber-kreyß der grimmen liebe;
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Sarg/ der des buhlers freyheit trägt;
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Ihr purpur-lippen/
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Und brust/ wohlan!
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An euren klippen
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Fährt itzt mein kahn
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Der wollust an.

73
Hüll’ Amaranthe nur die schätze
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In würm-gespinste wieder ein/
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Zeig ihnen der natur gesetze/
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Daß nur ein pfleger könne seyn.
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Halt sie verholen/
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Biß sie begehrt/
79
Der ihre kohlen
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Durch ambra nehrt/
81
Und dich mit ehrt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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