Verliebte Arien

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Verliebte Arien (1695)

1
Ihr bleichen buhler schwartzer zeit/
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Die ihr die nächte zieret/
3
Und flammen voller lieblichkeit
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Durch trübe wolcken führet/
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Werfft einen strahl
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Von eurem saal/
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Und schaut/ ob meine schmertzen
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Sich gleichen euren kertzen.

9
Die gantze welt sinckt itzt zur ruh/
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Nur meine seuffzer wachen.
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Die sonne drückt ihr auge zu/
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Mir meines auffzumachen.
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Dort euer schein/
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Hier meine pein/
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Die geben zu verstehen/
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Daß sie nicht schlaffen gehen.

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Ihr fackeln seyd itzt hochgestellt/
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Ich lieg im leid begraben:
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Euch rühmt der weite kreyß der welt/
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Ich weiß kein lob zu haben.
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Ihr kennt kein joch/
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Mich drückt es noch/
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Ihr könnt die flammen zeigen/
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Und ich muß sie verschweigen.

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Nun Polydorus bleib allhier/
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Und fechte mit gedancken.
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Furcht und betrübniß zeigt sich dir
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In des gemüthes schrancken.
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Diß/ was mein geist
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Mich hoffen heist/
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Vergleicht sich euch ihr sternen/
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Es zeigt sich nur von fernen.

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Mein sinn ist wie ein grünes land/
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Da hoffnungs-blüten prangen/
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Die doch des glückes falsche hand
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Läst keine frucht erlangen.
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Des geistes glut/
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Der augen flut/
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Der pein in meinem hertzen/
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Ist mehr als eurer kertzen.

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Ich bin ein schiff der liebes-see/
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Das wind und wetter plaget/
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Dem unglück/ hoffnung/ furcht und weh/
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Durch mast und seegel jaget.
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Hier zeiget sich
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Kein port für mich/
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Dieweil ich itzt muß meiden
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Den leit-stern meiner freuden.

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Ich weiß/ weil mich die noth bekriegt
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An mehr als tausend enden/
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Daß Amaranthe ruhig liegt/
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In Morpheus süssen händen.
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Daß ihre brust
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Nicht ohne lust
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Wird auff und nieder reisen/
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Da mich die thränen speisen.

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Ihr sterne last das blaue dach/
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Und sencket euch hernieder/
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Erfüll’t ihr kühles schlaffgemach/
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Erwecket ihre glieder!
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Verschweigt ihr nicht/
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Wie meine pflicht
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Mehr thränen hier vergossen/
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Als sie der lust genossen.

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Zeigt ihr/ was Polydorus macht/
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Der in dem feuer lebet/
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Wie alle noth bey ihm erwacht/
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Und schrecken um ihn schwebet.
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Wie furcht und pein
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Hier schwestern seyn/
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Und dieses ihn betrübet/
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Was er zu treu geliebet.

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Rufft ihr in meinem namen zu:
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Der Polydorus wachet/
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Weil Amaranthe in der ruh
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Der süssen träume lachet.
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Es scheint/ mein hertz
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Läst solchen schmertz
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So reichlich hier entspriessen/
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Weil thränen mich begiessen.

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Doch glaube/ daß die rundte flut
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Nicht ohne feuer qvillet.
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Ich schwehre/ daß sie geist und blut
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Mit tausend flammen füllet.
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Wer bey der nacht
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Der träume lacht/
87
Soll diese straff erkennen/
88
Er soll bey tage brennen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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