Auff den geburts-tag seiner Excellentz des Herrn geheimbden Raths Stryke

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auff den geburts-tag seiner Excellentz des Herrn geheimbden Raths Stryke (1695)

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Verschmähe/ kluger mann/ die schlechten zeilen nicht/
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Die freund und diener dir anitzt zum opffer bringen.
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Wir suchen deinen ruhm in keinen reim zu zwingen:
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Wir singen nicht allhier/ was Fama von dir spricht:
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Nicht/ wie der Oder-strand; nicht/ wie der Elbe grentzen/
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O weltgepriesnes licht/ von deinen strahlen gläntzen.

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Es ist was altes schon/ daß/ wie ein ieder sagt/
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Drey hohe schulen sich durch deinen fleiß erhoben:
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Daß fürst und hoff dich liebt/ daß dich die frembden loben/
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Und man dich weit und breit um recht und urthel plagt.
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Ein ander schreibe viel von deinen ehren-kertzen:
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Wir schencken dir allhier nichts/ als ergebne hertzen.

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Ach auserleßner Stryk/ schau unser opffer an!
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Was könten wir doch wohl geschickters für dich finden?
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Wir kommen/ wie du weist/ dich sämtlich anzubinden/
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Und binden/ wie du siehst/ mit lauter hertzen an.
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Jedoch was binden wir? Die freyheit ist verschwunden:
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Weil du sie schon vorlängst mit ketten selbst gebunden.

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Dein angenehmer mund und deine freundlichkeit
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Hat auch in diesem uns das können schon benommen.
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Wir sind itzt nicht mehr so/ wie wir nach Halle kommen:
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Verstand und hertze seyn verändert und verneu’t.
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Denn deiner lehren krafft erhebt uns von der erden;
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Dein anblick aber macht/ daß wir zu sclaven werden.

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Was man dem Orpheus vor zeiten beygelegt/
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Das thustu würcklich noch. Du rührst die kalten sinnen/
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Die offtmahls härter sind als steine zugewinnen.
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Wer dich nur einmahl hört/ der wird auch schon bewegt.
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Wer dich zum freunde hat und doch nicht will entbrennen/
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Der muß ein unmensch seyn und keine regung kennen.

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So nimm denn/ grosser Stryk/ das kleinod unsrer brust.
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Vor hastu es geraubt/ itzt wollen wir es schencken.
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Du darffst nicht/ wie man pflegt/ auff eine lösung dencken:
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Denn die gefangenschafft ersetzet keine lust.
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Gib/ aber/ wo du wilst/ für unsre treue lieder
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Und den verlohrnen schatz/ uns nur dein hertze wieder.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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