Ruhestatt der Liebe/ oder Die Schooß der Geliebten

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Ruhestatt der Liebe/ oder Die Schooß der Geliebten (1695)

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Bey diesen brennenden und schwülen sommer-tagen
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Ließ Cloris sich einmahl in ihren garten tragen/
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Und suchte für den brand der sonnen eine klufft/
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Von kühler witterung und schattenreicher lufft.
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Sie setzte sich erhitzt bey einem baume nieder/
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Und streckte bald darauff die perlen-volle glieder
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In das noch frische gras/ geruhiger zu seyn/
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Und schlieff auch/ wie sie lag/ halb von der seiten ein.
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Ihr alabaster leib war nur mit flor bekleidet/
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Und weilen man den zwanck nicht bey der hitze leidet/
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Ward ihre blosse brust im grünen klee gespürt/
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Die zur gemächligkeit sie eben auffgeschnürt.
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Der sanffte westen-wind/ bereit sie abzukühlen/
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Ließ seinen othem gleich auff diese wellen spielen/
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Und bließ mit stillem hauch bey ihrer süssen ruh
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Ihr aus der Floren hand die weichsten blumen zu.
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Es wiegte gleichsam sie sein angenehmes weben;
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Doch als er sich bemüht den leichten rock zu heben/
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Riß endlich unversehns von der gestreckten schooß
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Der vorgeschürtze flor mit seinen gürtel loß.
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Hilff himmel/ welcher schmuck! was süsse wunderwercke/
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Der schönheit gröste pracht mit aller ihrer stärcke/
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Der liebe paradieß ward hier uns auffgedeckt/
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So Cloris uns bißher zur sicherheit versteckt.
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Das liebste/ das man kennt/ und doch sich scheut zu nennen/
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Weil auch das blosse wort uns schon vermag zu brennen/
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War hier insonderheit gantz ungewöhnlich schön/
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Und ließ sich auch/ vor stoltz/ hoch auffgebrüstet sehn.
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Es lag wie ein castell von marmor auffgeführet/
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In einem liljen-thal/ den seine gegend zieret/
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Des eingang von rubin/ und gantze lager-statt
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Nichts als ein schatten-werck von myrthen um sich hat.
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Es sah von forne zu (hier fehlt der beste pinsel)
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Als wie ein grotten-haus/ wie jene morgen-insel/
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Wo die glückseligkeit den tag zu erst beschaut/
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Und wo die nachtigal in lauter rosen baut.
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Die zwo von helffenbein so rund gewölbten hüffte
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Verdeckten diesen sitz als ein paar gleiche klüffte/
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Durch deren schutz kein sturm auff das gestade streicht/
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Und dieses lust-revier dem steten sommer gleicht.
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Kein apffel kan so frisch sich an den stengel halten/
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Kein purpur pfirsig ist so sanfft und zart gespalten/
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Kein kleiner raum der welt hat so viel überfluß/
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Als in der Cloris schooß der weisse nabel-schluß.
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Die sonne selbst verliebt in so viel zierlichkeiten/
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Vergaß/ dem ansehn nach/ im lauffe fortzuschreiten/
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Und drung sich durch das laub/ mit hülffe von dem west.
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Die vogel hielten es fur ein geblümtes nest.
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Die brunnen wolten sich durch diesen garten winden/
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Die blumen glaubten hier ihr blumen-feld zu finden/
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Die Nymphen waren selbst wie halb darein vernarrt/
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Und Zephyr küßt es kaum/ so fand er sich erstarrt.
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Der treue Celadon/ dem sie zuvor entwichen/
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War ihr gantz unvermerckt von ferne nachgeschlichen/
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Und ward des schönen blicks so zeitig nicht gewahr/
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Als er zugleich empfand die schlüpffrige gefahr.
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Die liebe hieß ihn erst zwar seine Cloris ehren;
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Doch wolte sie ihm auch/ als liebe/ nichts verwehren;
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Und wie sie uns entzückt zu dem geliebten trägt/
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Hat selbst sie seine hand an Cloris leib gelegt.
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Er zuckt und bebete/ wie leichte feder-flocken/
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So sehr er es verlangt/ so war er doch erschrocken.
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Er tappte wie ein mensch bey dicker finsterniß/
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Und wagte nicht die hand/ wohin sie doch sich riß.
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Was halff ihm alle furcht vor dem geliebten weibe?
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Die finger glitten aus auff dem polirten leibe/
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Und rollten mit gewalt vor das gelobte land/
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Das eine hole faust in allem überspannt.
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Du armer Celadon/ wie wurdest du betrogen!
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Du wärest fast von glut und flammen ausgeflogen/
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Wo du der finger brand zu kühlen hingesetzt/
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Und was du/ aus der form/ für einen spring geschätzt.
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Du fühltest zwar nur sammt und lauter weiche seide/
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Du hattest in der hand den brunqvell aller freude;
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Wo die ergötzligkeit von milch und honig rinnt;
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Doch dessen sanffte flut mehr als der schwefel zündt.
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Es war der kleine brunn die funcken-reiche stelle/
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Wo Ethna feuer holt: die wunder-volle qvelle/
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Wo Hecklens flammen-fluß aus schnee-gebirgen qvillt/
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Und der dem Celadon die adern angefüllt.
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Er wuste nicht was er vor hitze sollt beginnen;
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Er fieng wie weiches wachs vor ohnmacht an zurinnen/
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Und hätt/ ich weiß nicht was/ vor raserey vollbracht/
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Wenn Cloris nicht davon zum unglück auffgewacht.
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Sie stieß/ noch voller schlaffs/ mit ihren beyden händen/
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Den frembd- und kühnen gast/ von ihren weissen lenden/
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Der ihre zarte schooß durchwühlet und verheert/
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Und sprach/ als sie ihn sah: du bist des stranges werth.
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Hilff himmel! was ist das? Hast du den witz verlohren?
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Ist diß die stete treu die du mir zugeschworen?
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Hast du der Cloris zorn so wenig denn gescheut/
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Daß du auch freventlich ihr heiligthum entweyht?
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Daß du! welch eine that!
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Und wolte sich an ihm mit ihren thränen rächen.
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Sie sprang mit ungestüm von ihrem lager auff/
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Und eylt aus seinem arm/ durch einen strengen lauff.
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Alleine Celadon fiel gleich zu ihren füssen/
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Und wuste selbige so fest an sich zuschliessen/
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Daß sie/ was sie auch that/ bey ihm darnieder sanck/
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Und er sie zum gehör nach vielen klagen zwang.
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Er lag/ sie haltende/ vor den erzürnten knien/
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Und sprach: Mein fehler wird zu groß von dir beschrien.
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Ich bitte durch den brand der meine seele plagt/
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Durch jene demmerung die um dein auge tagt/
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Durch deine tulpen-schooß/ durch deine nelcken-brüste/
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Durch die von beyden mir noch unbekandten lüste/
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Durch deine schöne hand die mich itzt von sich stöst?
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Was hab ich denn verwürckt/ daß zephyr dich entblößt?
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Daß ich es mit beschaut/ was dessen hauch verüb
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Daß ich es angerührt/ was erd und himmel liebet/
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Was selbst der Götter mund begierig hat geküst/
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Und was der inbegriff von deiner schönheit ist.
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Es ist ja deine schooß der auszug aller zierde/
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Der enge sammel-platz der schmeichlenden begierde/
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Der rund/ wo die natur zusammen hat gedrängt/
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Was sich nur reitzendes den gliedern eingemengt.
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Hier ist der kleine schatz der deinen reichthum zeiget/
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Der lebendige thron der alle scepter beuget/
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Der süsse zauber-kreyß/ der unsern geist bestrickt/
120
Und des beschwehrungs-wort die felsen auch entzückt.
121
Ach! Cloris/ woltest du/ daß ich gewichen wäre!
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Bedencke doch die schmach und deiner schönheit ehre.
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Ich hätte ja die macht der liebligkeit verhöhnt/
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Wenn ich nicht deine schooß mit meiner hand gekröhnt.
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Kan
126
Wie soll nicht deine schooß uns unser hertze nehmen?
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Wird man durch einen blick der
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Wer kan unauffgelöst bey deiner allmacht seyn?
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Wer ein gefühle hat und hier doch nicht empfindet/
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Wen der gedancke nur nicht alsobald entzündet/
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Wer diesem schooß-altar zu opffern nicht begehrt/
132
Der ist viel billiger des engen stranges wehrt.
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O möchtest du einmahl/ was wir die liebe nennen/
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Mehr nach den würckungen/ als nach dem nahmen kennen!
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Du würdest/ für den zorn/ mir willig zugestehn.
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Man könne sonder raub hier nicht zurücke gehn.
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Die Cloris hatte noch bey allen diesen klagen
138
Noch nicht/ vor scham und grimm/ die angen auffgeschlagen;
139
Doch sah sie endlich ihn von einer seiten an/
140
Wodurch er neuen muth zu ihrer huld gewann.
141
Er suchte sie darauff mit rechten weißheits-gründen/
142
Und selbst aus der natur/ zum beyfall zu verbinden:
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Daß alles was nur lebt/ was nur die liebe zwingt/
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Nothwendig zu der schooß/ als seiner ruhstatt dringt.
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Es hat selbst die natur/ sprach er/ dafür gestritten/
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Nachdem sie es gesetzt recht in des leibes-mitten;
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Wo dieser mittelpunct der kleinen wunder-welt
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Auch den geheimen zug des punctes in sich hält.
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Gleichwie ein iedes ding zu seinem circkel eilet/
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Der stein nicht in der lufft zu lange sich verweilet/
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Das feuer rüstig fleucht/ erlassen/ in die höh’/
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Und ieder fluß verläufft in seine mittel-see:
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So wird vielmehr zur schooß/ dem mittel-punct im lieben/
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Was geist und othem hat durchdringend angetrieben.
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So grimmig ist kein bär/ hier hält er keinen stich/
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Ihn reist der kleine punct/ so wild er ist/ zu sich.
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Das schuppen-vieh im meer/ was hilfft sein schnelles schwimmen?
158
Es muß durch diesen zug doch an einander klimmen;
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Der vogel in der lufft ist schichtern/ schlau und leicht/
160
Doch siehst du wie ihn stets das weibgen nach sich zeucht.
161
Vor allen aber hat der mensch den trieb empfangen/
162
Und unsere vernunfft vermehret das verlangen;
163
Die auch viel eyfriger nach dieser heymat strebt/
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Und sich nicht eh vergnügt/ als biß man daran klebt.
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Wie der magnet mit macht das eisen an sich ziehet/
166
Wie nach dem norden-pol die nadel schlägt und siehet/
167
So ist der liebsten schooß der nord und der magnet/
168
Wohin der gantze wunsch warhaffter menschen geht.
169
Man sagt: die Venus sey/ ihr wesen zuverstellen/
170
Nicht nach gemeiner art/ besondern aus den wellen
171
In einer muschel helm empfangen und gezeugt/
172
Wo sie des meeres schaum gewieget und gesäugt.
173
Wer glaubet solches nicht/ der Venus thun erweget?
174
Weil aber eine schooß der muschel bildniß träget/
175
Glaub ich/ daß Venus gar/ was sie ans licht gebracht/
176
Hernach zu einer schooß der gantzen welt gemacht.
177
Daß/ als die herrscherin ihr muschel-schiff verlassen/
178
Sie/ aller menschen hertz in diesen schrein zufassen/
179
Die muschel in die schooß der weiber eingeschrenckt/
180
Und sich nachgehends selbst/ zur wohnung/ nachgesenckt.
181
Wenn diesem also ist/ wie wir es glauben müssen/
182
Kein wunder daß uns denn die schooß zu sich gerissen/
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Wo alle reitzungen/ wo Venus und ihr kind/
184
Die liebe/ ja wir selbst/ mit ihr gebohren sind.
185
Kein wunder daß man wünscht in dieser muschel-wiegen/
186
Weil sie darinnen wohnt/ der Venus beyzuliegen/
187
Daß man die liebe sucht/ wo ihre lager-statt/
188
Da/ wo diß kleine schild ihr hauß bezeichnet hat.
189
Die liebe will auch sonst sich nirgends lassen dienen/
190
In dieser hölen ist sie eintzig uns erschienen/
191
Diß ist der Götter-hayn/ wo sie sich offenbahrt/
192
Und unser hertz zugleich erforschet/ prüfft und paart.
193
Weil die natur das hertz in uns verdecken wollen/
194
Wie hätten wir es doch iemahls erkennen sollen/
195
Wofern die liebe nicht die schooß dazu ersehn/
196
Daß unsichtbare hertz durch wercke zu verstehn?
197
So aber können wir es höchsterwünscht ergründen/
198
Was nicht das auge sieht/ läst uns die schooß empfinden;
199
An statt sich nur zu sehn/ so spührt man das gemüth/
200
Und siehet durch die that was nicht das auge sieht.
201
Wenn denn ein treues paar in süsser glut entglommen/
202
Und deren seelen nun zusammen wollen kommen/
203
Bescheiden sie sich nur an den bestimmten ort/
204
Und dieses schifflein setzt sie über an den port.
205
Da sprechen sie sich denn/ da lernen sie sich fühlen/
206
Da wissen sie im fleisch zu brennen und zu spielen/
207
Biß der versteckte leim aus allen adern schäumt/
208
Und den vermischten geist gar aneinander leimt.
209
Ach Cloris/ die du rühmst/ du habest mich erwähle
210
Woraus erkenn ich es/ wenn du mir das verheelet/
211
Was die natur uns selbst zur ruhestatt gesetzt/
212
Und wornach man allein der liebe warheit schätzt?
213
Ein freund ist nicht ein freund/ der uns was kan verhalten/
214
So lang er uns/ mit sich/ nicht läst nach willen schalten;
215
So lange hat gewiß die liebe nichts gethan/
216
Als sie nicht alles gibt/ was sie nur geben kan.
217
Du aber hast mir gar den besten theil entzogen/
218
Dein leib weiß nichts davon daß mir dein hertz gewogen/
219
Das hertze sieht man nicht/ der leib muß zeuge seyn/
220
Wem glaub ich? du sprichst ja/ und deine schooß spricht nein.
221
Was hab ich zum voraus vor andern die dich kennen?
222
Liebstu mich nicht genug/ mir diß/ von dir zu gönnen?
223
Ich bin im eigenthum ein unbekandter gast/
224
Und für wem sparestu das liebste das du hast?
225
Du wirst doch diesen schatz nicht für dich selbst vergraben;
226
Wie/ oder soll es gar ein ander als ich haben?
227
Nein Cloris/ höret mir dein hertze/ wie man spricht/
228
So wehre mir denn auch des hertzens eingang nicht.
229
Er fuhr voll eyffers auff/ um dieses unrechts willen.
230
Doch Cloris wuste bald ihn wieder zubestillen;
231
Sie zog/ nunmehr erweicht/ nach dem bezeugten haß/
232
Den ausgesöhnten feind mitleidig in das graß.
233
Man meynt: daß weil er sich/ bescheiden überwunden/
234
Der Cloris schooß gesehn/ und einmahl bloß gefunden/
235
Die Götter ihn hieher auch wunderbar gebracht/
236
Sie endlich seiner treu beständigkeit bedacht;
237
Sie endlich ihn getröst nach seinen langen leyden/
238
So daß auch dessen glück die gegend wollen neiden;
239
Sie aber nach der zeit/ wenn ihnen was gefehlt/
240
Diß süsse sorgen-grab zur linderung gewählt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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