Fuge, tace, quiesce. Oder Glücklicher Todes-kampff der seligen Frauen von Meinders/ gebohrner von Heydekampff

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Fuge, tace, quiesce. Oder Glücklicher Todes-kampff der seligen Frauen von Meinders/ gebohrner von Heydekampff (1695)

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Wir arme sterblichen/ wir haben aug' und licht/ Und dennoch fliegen wir wie mutten ins verderben. Wir fühlen/ wenn der tod uns das genicke bricht/ Nicht aber allemahl/ wann unsre seelen sterben. Wir riechen zwar das grab/ doch nicht die seuchen an; Wir schmecken nur das gifft/ nicht aber seine lehren: Ja/ da wir den Galen als einen gott verehren/ So wird dem Moses offt das ohre zugethan: Und also sterben wir vor an verstand und sinnen/ Eh' unsre lippen schnee/ die glieder eiß gewinnen.

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Daher entspringt die furcht des Dionysius/

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Ach aber/ thörichte! was seyd ihr doch bemüht

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Man falle wie man will/ durch pulver oder bley/

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Hier aber wancket offt die nadel der vernunfft;

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Diß hat vor Zeiten schon die kluge welt bedacht/

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Ihr/ die ihr geld und gut vor eure götter schätzt/

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Ihr erster lebens-tag trat voller freuden ein/

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Inzwischen kam der tod einst bey gewölckter nacht/

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Doch nein! ich irre mich/ ich irre/ fuhr er fort/

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Diß hatt er kaum gesagt/ so ließ die schlangen-brut/

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Hier hast du/ liebster sohn/ sprach dieser höllen-brand/

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Erschrick nicht/ bließ sie drauff ihm in die ohren ein/

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Aurora ist so schön bey frühem morgen nicht/

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Gleichwohl kam ihre pracht nicht denen andern bey/

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Die andre übertraff das gantze Morgenland/

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Hier siehstu (fing indem die sünde wieder an)

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Diß sagte sie/ und flog/ als wie ein plitz davon/

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Der morgen zeigte kaum das lichte rosen-tuch/

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Diß pfiff der seligen die schlange täglich für.

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Und also blieb ihr hertz von aller regung frey/

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Hingegen wandte gleich ihr engel wieder ein:

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Was hilfft es? fuhr er fort/ daß man die halbe welt

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Nachdem der hoffart nun der bogen auch zerbrach/

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So artig wissen uns die laster ihren gifft

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Hier strich die selige den dampff der eitelkeit/

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Wie der Chameleon/ wenn er vor eyfer bebt/

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In diesem stande nun fand der ergrimmte tod/

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Gott (rieff der engel drauff) hat dieses auch erlaubt.

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Wer weiß/ was für ein schatz in der gesundheit steckt/

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Und damit stellte sich nun die verzweifflung ein/

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Auff die verzweiffelung kam schmertz und ungedult/

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So schwatzte fleisch und blut; jedoch ihr treuer geist

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Ach aber! fuhr er fort/ ihr klagt/ und wisset nicht/

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Durch dieses ward ihr hertz so wie ein mandel-baum

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Mein Meinders gute nacht! wir haben obgesiegt.

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So sagte sie/ und gab der erden gute nacht:

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Ihr blinden sterblichen/ laufft für dem tode nicht!

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Diß alles ist geschehn/ der cörper ist versenckt/

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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