An Sr. Excellentz/ den Herrn geheimden Rath Stryck/ über die vermählung seines Herrn Sohns/ mit Tit. Jungf. Alexanderin

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: An Sr. Excellentz/ den Herrn geheimden Rath Stryck/ über die vermählung seines Herrn Sohns/ mit Tit. Jungf. Alexanderin (1695)

1
Ich habe/ grosser mann/ zehn jahre dich gekannt/
2
Und drey jahr dich gehört; gleichwohl ist meine hand/
3
Die manchem stümper offt ein ehren-lied geschrieben/
4
Dir dein verdientes lob mit fleisse schuldig blieben.
5
Mit fleisse denckestu? Ja/ grosser Stryck/ mit fleiß;
6
Denn du hast alles zwar/ was man zu rühmen weiß.
7
Die mutter hat dich nicht mit grober milch erzogen;
8
Die Musen sind dir mehr/ als du begehrst/ gewogen/
9
Und gehn/ wohin du ziehst/ mit vollem hauffen nach.
10
Dein thun ist wohlbedacht/ und wie ein stiller bach/
11
Der kein geräusche macht/ und doch mehr nutzen bringet/
12
Als mancher wilder strohm/ der wall und tamm durchdringet.
13
Nechst diesem bist du schön und herrlich anzusehn/
14
Und darffst die worte nicht erst in dem munde drehn/
15
Nicht auff die nägel schaun/ nicht mit dem halse dehnen/
16
Und gantze tackte lang an einer sylbe stehnen.
17
Denn deine wissenschafft ist lauter werck und that/
18
Und weiß nicht/ wie dem ist/ der viel gelesen hat/
19
Der einen bücher-kram in seinem kopffe träget/
20
Und dennoch alle krafft mit ihnen niederleget.
21
Mit kurtzem: die natur hat/ da sie dich gemacht/
22
Mehr auff ein wunderwerck als einen mensch gedacht;
23
Und hat/ was sieben sonst besonders haben sollen/
24
Der welt in dir allein beysammen zeigen wollen.
25
So würdig als du bist/ so sehr wirst du geliebt/
26
Kein hoff ist/ so dir nicht geneigte blicke giebt;
27
Die Kön’ge suchen dich auff mehr als hundert meilen.
28
Und liesse sich dein leib/ wie dein verstand/ zertheilen/
29
So würdest du bereits in halb Europa seyn.
30
Diß alles/ sag ich/ schreibt dich zwar den sternen ein/
31
Und ist wohl rühmens werth; Allein wie/ nach der lehre
32
Des weisen Solons/ auch bey vollem gut und ehre
33
Kein mensch/ bevor er stirbt/ sich glücklich achten kan/
34
So war hingegen ich/ und stecke noch im wahn/
35
Daß sich ein vater erst kan einen vater nennen/
36
Wenn er sich selbst nicht mehr kan vor den kindern kennen.
37
Drum schien dein wohlseyn mir voll kummer und gefahr/
38
So lange nicht dein sohn in gleichem stande war.
39
Denn ob ich schon gesehn/ wie du ihn aufferzogen/
40
Wie er der weißheit milch zu Dantzig eingesogen/
41
Zu Wittenberg vor fleiß und eyfer offt gebrannt/
42
Auff reisen keinen blick unfruchtbar angewandt/
43
Und die gesundheit eh’/ als seine zeit verschwendet;
44
Ja/ ob ich gleich gesehn/ wie er den lauff vollendet/
45
Sich auff die renne-bahn der lehrer schon gestellt/
46
Und diß in Halle thut/ was dich in aller welt
47
Zu einem wunder macht; So fehlte seinem leben
48
Doch etwas/ so ihm leicht den garaus konte geben:
49
Ich meyne eine frau. Nichts ist so allgemein/
50
Als eine nacht vermählt/ und schon geqvälet seyn.
51
Der aussatz findet sich auch an dem schönsten leibe/
52
Und Socrates hat recht/ daß mancher nur beym weibe
53
Zwey gute tage hat: den einen/ da er freyt/
54
Den andern/ da er sie mit erden überstreut.
55
Heut aber hat dich GOtt hierinnen auch erhöret;
56
Dein sohn ist wohl beweibt/ dein hauß ist wohl vermehret/
57
Und nimmt ein solches kind zu seiner tochter an/
58
Das himmel und vernunfft nicht besser bilden kan/
59
Und man hier künfftig auch wird ohne namen kennen;
60
Denn wer sie nennen will/ darff nur die schönste nennen.
61
Und nun begreiff ich erst/ was mancher nicht bedenckt/
62
Warum dir die natur nur einen sohn geschenckt.
63
Sie wuste dich so wohl in stücke nicht zu fassen/
64
Drum wolte sie dich gantz und nicht gestümpelt lassen.
65
O hocherhobner mann! dein lob-lied ist zu schwer;
66
Wo nähm’ ich doch papier/ wo dint’ und federn her?
67
Die worte würden eh’/ als deine thaten fehlen;
68
So kan ich mich auch nicht in diesen orden zehlen/
69
Der mit der schnellen post zum Musen-berge reist/
70
Der verße/ wie ein brunn das wasser/ von sich geußt/
71
Und zehen bogen kunst aus einem ermel schüttelt.
72
Die sorgen haben mir die kräffte schon verrüttelt;
73
Und ich empfinde zwar zum reimen einen sinn/
74
Doch auch bey weitem nicht/ daß ich ein tichter bin.
75
Wiewohl du fragest nichts nach tichtern und poeten;
76
Denn dein erleuchter ruhm hat keinen glantz von nöthen.
77
Wer schreibt/ was du gethan/ und saget/ wer du bist/
78
Hat so viel wahres schon/ daß er der kunst vergist.
79
Drum laß ich andere bey diesem feste singen/
80
Und weil dein wohlseyn doch nicht höher ist zu bringen/
81
So wünsch ich/ wie vormahls Philippus hat gedacht/
82
Als man ihm einen tag vier gute posten bracht:
83
Der himmel möge doch/ dafern er ja will plagen/
84
Auff dieses glücke nur mit kleinen ruthen schlagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.