Schäffer-Gedichte. Sylvia

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Schäffer-Gedichte. Sylvia (1695)

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Der arme Thyrsis lag nechst unter einer eichen/
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Bey qvellen/ die an glantz den hellen silber gleichen/
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Und dachte lange Zeit dem herben ungemach
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Und den verkehrungen in seiner liebe nach.
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Doch endlich lößte sich die stimme seiner zungen/
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Und sang/ daß berg und thal von diesen worten klungen:
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Ach strenge Sylvia! Warum verachst du mich?
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Die sonne brennt und wirfft die strahlen unter sich.
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Lufft/ feld und erde brennt/ die kühlen ströhme brennen
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Von flammen/ die auch schon die jungen lämmer kennen:
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Dein Thyrsis aber fühlt mehr/ weder alle pein/
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Und du alleine nur wilst schnee und kälte seyn.
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So bald ich neulich dich/ (du wirst es noch wohl wissen)
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Mit auffgeschürtztem rock und halb entblösten füssen/
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Als eine jägerin/ durch wald und püsche ziehn/
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Und jene hindin sah für deinen waffen fliehn;
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So dacht ich bey mir selbst.: Was fliehftu für den wunden/
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O hindin/ die du doch in solchen händen funden?
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Und gleich dem augenblick entbrannte blut und hertz/
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Ich fühlt/ ich weiß nicht was für einen seelen-schmertz:
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Die mutter aber sprach: es wäre brunst und liebe.
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Was solt ich ärmster thun/ daß ich verschonet bliebe?
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Ich riß den engen rock biß an den gürtel auff/
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Ließ meine schaaffe stehn/ und sprang in vollem lauff
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Dir auff dem fusse nach: Allein du warffst die hände
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Und deinen weissen schleyr (O allzustrenge hände!)
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O allzuharter schleyr!) vor mund und brüste für/
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Und flohest ärger noch als wild und hirsch vor mir.
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Drauff stund ich gantz erstarrt/ gleich wie die matten tauben/
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Wenn ihnen pfeil und plitz den süssen buhlen rauben/
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Und rieff wohl tausendmahl dir deinen nahmen nach;
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Gleich legte sich der wind und wehte gantz gemach.
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Du aber lieffst mir noch/ indem ich rieff/ zum possen/
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Und hattest ohr und hertz/ wie deine brust verschlossen.
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Wer hilfft mir ärmsten nun in meiner schweren pein?
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Ich lauffe hügel an/ ich steig ins thal hinein;
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Doch thal und hügel hört mein weinen und mein klagen:
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Ja Echo will mich gar mit wieder heulen plagen/
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Und ist zugleich betrübt. Jedoch ich wünsch allein
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Verliebt/ und auch allein bey mir betrübt zu seyn.
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Sonst möchte/ wenn allhier sich falsch und wahr gesellten/
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Die Nymphe meinen schmertz auch für erdichtet schelten.
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Wiewol es ist umsonst mein weinen und mein schmertz;
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Denn du/ o Nymphe! treibst mit allen beyden schertz.
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So sehr verachtet mich nicht Phyllis und die Dore:
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Dann Phyllis band mich nechst mit einem haber-rohre/
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Das ihr corallen-mund mit freuden offt geküst/
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Und Dore hat mich gar erst heute noch gegrüst.
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Allein nicht Phyllis mund/ nicht Dorens purpur-wangen
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Sind mächtig so wie du/ mein treues hertz zu fangen:
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Der wald wird zeuge seyn/ die oder und der strand/
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Und jener erlen-baum/ auff dessen rinden-wand
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Ich unsre nahmen nechst mit thränen angeschrieben.
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Ich hab es selbst gesehn/ wie ihre schrifft beklieben.
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Des abends stunden sie noch weit und unvermengt:
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Des morgens waren sie wie ketten eingeschrenckt.
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Dreymahl hab ich mit lust diß wunderwerck gelesen/
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Und dreymahl bin ich fast für küssen todt gewesen/
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O küsse! die nach thau ⸗ ⸗
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Die namen sind vermählt/ die leiber scheiden sich.
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Der helle Lucifer bringt schon den dritten morgen;
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Und dennoch sieht man mich nicht für die schaafe sorgen.
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Die ziegen haben noch kein frisches graß geschmeckt:
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Die jungen böcke nur die dürre brust geleckt:
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Ich selber habe noch vom weine nichts genossen.
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Kein stücke brod gesehn/ kein auge zugeschlossen.
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Denn ohne dich vergeht mich alle schäfer-lust/
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Und ohne dich ist mir auch kein geschmack bewust.
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Doch gönnstu einmahl uns nur einen süssen morgen;
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So will ich wiederum für meine schaafe sorgen.
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Die ziegen sollen fort und in die weide gehn;
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Die eyter voller milch/ die böcke truncken stehn:
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Ich selber aber will den Bachus wieder grüssen/
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Nach frischem brodte sehn und neuer ruh geniessen.
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Und stürbe gleich mein vieh/ mein väterliches gut/
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Und aller wiesen-wachs durch feur- und wassers-flut/
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So will ich/ wann sie mich nur deiner nicht berauben/
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Mich dennoch in der welt am allerreichsten glauben.
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Wann der beperlte thau des morgens nieder fällt/
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Und sich das erste licht der sonnen eingestellt/
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Schau ich den tropffen zu/ indem sie sich verbinden/
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Ob ich dein bildniß kan in ihren farben finden.
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Ich sehe vielerley: Nichts aber ist wie du.
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Das gold schleust seinen glantz für deinen haaren zu.
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Der reiff muß deiner haut/ der stirne liljen weichen/
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Den wangen ist nicht blut und frische milch zu gleichen/
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Der mund beschämt rubin/ die zähne helffenbein/
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Die augen Phöbus licht und aller sterne schein.
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Vom andern weiß ich nicht/ wie einem muß geschehen;
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Weil ich es/ schönste/ nur kan in gedancken sehen.
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Wenn denn Aurorens schooß die rosen auffgethan/
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So schau ich ihre pracht mit steiffen augen an/
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Und suche deinen mund in ihren purpur-strahlen:
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Doch bleib ich zweiffelhafft/ was schwerer sey zu mahlen/
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Du/ oder aber sie. Ja/ wenn ich endlich dich
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Im felde nirgends seh/ so übereil ich mich/
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Und denck: Ist nun ihr geist im himmel gar gestiegen?
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Und kan sie denn zugleich bey sternen und bey ziegen/
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Des abends Sylvia/ und früh Aurora/ seyn?
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So denck ich/ trifft es gleich nicht mit der warheit ein.
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Ach Sylvia! du wirst nicht ewig so verbleiben.
102
Der tod kan seine lust mit blum und schönheit treiben/
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Und du möchst endlich wohl im alter in dich gehn/
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Ich aber weiß mir nicht die schmertzen auszustehn.
105
Schau! Bachus liebt den wein. Weil Bachus wein wird lieben/
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Soll sich dein Thyrsis auch in steten flammen üben.
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Je mehr du für ihm weichst/ ie weiter folgt er nach.
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Denn dir zu g’ringe seyn/ ist weder schimpff noch schmach.
109
Ja solte gleich die zeit den spiegel dir verderben/
110
Und dein gesichte so wie deine jahre sterben/
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So soll mir/ schönste/ doch noch deiner rosen schein/
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Und deiner glieder schnee stets für den augen seyn.
113
Ach stoltze Sylvia! Laß deinen zorn sich wenden/
114
Ich will dir/ wo du wilst/ auch wohl geschencke senden.
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Nicht etwa die der wald und unser garten trägt;
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Nicht die das reiffe feld uns in die scheuren legt;
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Nein: Sondern einen putz mit puder überschlagen/
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Wie in der stadt itzund die bürger töchter tragen/
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Und einen bunten korb/ den neulich erst Serran
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Mit grosser kunst gemacht/ Serran/ der kluge mann.
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Der hirten gröste lust und zierrath unsers landes/
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Der alle bürger so an gaben des verstandes
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Gleich wie die nachtigal die raben übertrifft;
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Der mich zu erst gelehrt/ wer diese welt gestifft/
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Woher ihr roher teig und ihre forme kommen;
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Wie städte sich gemehrt und wieder abgenommen;
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Was sonn und monde sey/ und wie ihr licht die welt
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Durch seinen steten lauff in der bewegung hält:
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Der sag ich/ alles mir/ nur dieses nicht gezeiget/
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Wie man/ o Sylvia! dein steinern hertze beuget.
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Doch wo du hierdurch auch nicht zubewegen bist;
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So weiß ich ärmster nicht was weiter übrig ist/
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Als daß ich meinen rumpff an diesen eichbaum hencke.
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Vielleicht liebstu mich todt/ weil ich dich lebend kräncke.
135
Schreib aber auff mein grab nur noch zu guter nacht:
136
Allhier hat Sylvia den Thyrsis umgebracht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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