Als Flavia wieder gesund worden

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als Flavia wieder gesund worden (1695)

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Ist diß nicht Flavia? Ihr augen irret ihr?
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Schau ich den schönen glantz der sonnen nicht für mir?
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Der sonnen/ die der tod mit ungemeinen flecken
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Unlängst bemühet war mir neidisch zu verdecken?
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Es ist ja Flavia/ o angenehmer tag!
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Da ich/ o sonne dich/ als adler schauen mag/
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Und meine liechter kan in deinen strahlen weiden.
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Verzeihe Flavia/ red’ ich zu unbescheiden.
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Die freyheit leget mich mit künheits-flügeln an/
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Und führet mich zu dem/ was nicht vergehen kan/
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Und mich zur asche macht. Ich hoffe bey den sünden
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(so lieben irrthum ist) genade noch zu finden.
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Wo freundschafft fehler ist/ so heist es schöne schuld/
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Ja selbst der himmel hat mit solcher noth gedult.
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Wo lauff ich aber hin? O freundin! meine sinnen
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Die klagen/ daß sie sich nicht gnugsam freuen können.
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Mein auge trauet ihm itzund fast selber nicht/
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Es zweiffelt/ ob der schein/ es zweiffelt ob das licht
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Hier recht natürlich sey. Es fürchtet/ daß die kertzen
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Der tod hat angesteckt/ zu mehren meine schmertzen:
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Als rufft er mir zum hohn und mehrung meiner noth/
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Was vor die liebe that/ das thut itzund der tod.
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Nein! Nein! Hier ist kein tod. Der reinen röthe prangen/
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Das lebet hier so gut/ als auff Aurorens wangen:
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Die rosen/ die itzund auff deinen lippen stehn/
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Die währen unverdeckt/ und konten nicht vergehn.
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Der himmel dem du gleichst/ der gibt dich schöner wieder/
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Als er dich von uns riß; Ich schaue deine glieder
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(es kan kein irrthum seyn) umgläntzt mit solcher pracht/
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Die mich heist knechtisch seyn/ und dich zur göttin macht.
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Geehrte Flavia! Sey lange so zu schauen!
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Die freude woll auff dich ihr wohn- und lust-hauß bauen/
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Der jugend schöner lentz/ der schönheit sonnenschein/
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Der müsse lange zeit dein treuer nachbar seyn.
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Dein auge schaue nichts/ als nur gelücke blühen/
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Der seegen wolle dich/ als wolcken überziehen;
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Der schönen bergen paar/ die schwanen weise brust
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Sey stets ein libanon von cedern grüner lust.
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Bleib lange/ wie du bist/ ein zierath dieser erden;
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Laß deiner haare gold gar langsam silber werden.
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Laß langsam schnee und eiß auff deinen rosen seyn/
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Es störe ja kein frost/ dein weisses elffenbein/
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Und deinen schönen geist/ der todte kan erwecken/
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Den soll die ewigkeit mit ihren flügeln decken.
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Genugsam Flavia/ ein zufall stöst mich an/
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So mir die feder hemmt/ daß ich nicht schreiben kan
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Doch laß ich dich allhier noch sieben worte lesen:
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Die kranckheit Flaviens ist Damons tod gewesen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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