Aus dem frantzösischen. Er vergleichet ihren hund mit der liebe

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Aus dem frantzösischen. Er vergleichet ihren hund mit der liebe (1695)

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Aminthe/ weist du auch wem Flander ähnlich ist/
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Und wem er kan verglichen werden?
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Beschaue die gestalt/ betrachte die geberden/
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Und zeige dann/ ob du im rathen glücklich bist.
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Scheint dir die sache schwer? Eröffne dein verlangen.
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Ach ja/ du giebst dich schon/
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Da sich das rätzel löst/ besieget und gefangen.
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So wisse dann/ daß er dem gotte/ dessen thron
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Die grösten dieser welt die stoltzen scepter reichen/
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Und endlich/ kurtz gesagt/ der liebe sey zu gleichen.
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Der liebe? sprichst du/ nein/ das gleichniß wird nicht glücken/
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Wie will die liebe sich zu meinem hunde schicken?
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Ja/ schönste/ glaube nur/ es schickt sich allzu wohl/
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Ich sage noch was mehr/ das dich befremden soll;
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Die liebe und dein hund/ dein hündgen und die liebe
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Sind/ wie man sie auch kehrt/ ein kuchen und ein ey/
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Und bleiben einerley/
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Wenn auch die gantze welt mir hier zuwider schriebe.
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Dein Flander lebt mit dir vertraulich und gemein/
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Bald sucht er deinen schooß/ bald liegt er dir in armen;
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Wo pflegt die liebe wohl sonst lieber zu erwarmen?
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Muß eben dieser ort nicht ihre ruhstatt seyn?
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Dein hund pflegt öffters sich zum zorne zu bewegen/
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Doch wie er grimm und neid
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Auch auff die feinde speyt/
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So lässet sich auch leicht das wetter wieder legen.
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Kennst du die liebe nicht? Hier ist ihr ebenbild/
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Auch sie fährt plötzlich auff/ wird zornig und erhitzet/
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Doch weil der donner noch aus ihrem munde blitzet/
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So wird ihr mildes hertz durch güte schon bestillt.
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Noch mehr: Womit dein hund kan seinen zierrath weisen/
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So wird er kümmerlich von deiner hand ernehrt/
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Und ich befürchte sehr/ daß er sich gar verzehrt/
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Wo man ihn künfftig nicht wird lassen besser speisen.
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Die liebe findt bey dir auch schlechten unterhalt/
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Sie hat nicht/ was sie nehrt/ noch was ihr wachsthum bringet/
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Und würde sie nicht noch von blosser hoffnung alt/
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So hätte sie der tod in der geburt umringet.
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Du spielst mit Flandern offt/ im spielen beist er dich:
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Die liebe spielet auch. Doch weil sie lacht und schertzet/
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So thut sie einen stich/
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Der folgends lebenslang uns in der seelen schmertzet.
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Und strafft man Flandern wohl? man lacht/ wenn er gebissen/
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So/ wenn uns Amor gleich das hertze selbst zerrissen/
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So will man ihm doch wohl/ man sieht ihn freundlich an/
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Ob hätt uns seine lust nichts übels angethan.
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Man sucht den hunden bald die grösse zu bemindern/
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Und setzt den gliedern schon in mutter-leibe ziel.
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Wie mühsam bist du nicht/ die liebe zu verhindern/
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Wann sie ihr stilles feur in dir gebähren will?
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Wär unser Flander groß/ so würdest du ihn hassen/
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Itzt aber liebstu ihn. Warum? dieweil er klein.
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Auch kleine liebe pflegt erträglich noch zu seyn/
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So bald sie grösser wird/ will man sie fahren lassen.
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Wie aber? hör ich nicht/ daß Flander sich beklagt/
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Er schreyt: Es ist gethan/ hör auff/ ich bin verlohren/
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Unglücklicher poet/ du hast zuviel gewagt/
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Daß du der liebe mich zum ebenbild erkohren/
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Hör auff/ ich bitte dich/ du störst das gantze spiel.
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Aminthe will durchaus nichts von der liebe wissen;
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Solt ich ihr ähnlich seyn? Ach das verrückt mein ziel!
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Sie wird mir/ glaub es nur/ fort alle gunst verschliessen.
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Wie glücklich schien mir nicht mein schlechter hunde-stand!
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Ich konte freud und lust vertraute schwestern heissen/
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Wer aber wird mich nun der grossen noth entreissen/
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Die deine feder mir hat auff den hals gebannt?
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Werd ich mich auff dein wort dann besser nun befinden/
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Wann mich Aminthens zorn wird heissen von sich gehn/
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Drum daß ich armer hund den göttern gleich gesehn?
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Ach du begehst an mir nur allzu grosse sünden!
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Ich bin in dieser welt auff keinen ruhm verpicht/
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Du kanst dich/ wann du wilt/ an tausend andre reiben/
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Nur bitt ich/ schone mich/ ich mag der ehre nicht.
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Laß götter götter seyn; ich will ein hund verbleiben.
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Ach Flander! solte sie so unbarmhertzig seyn/
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Dich/ da du doch vor sie dein vaterland verlassen/
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Und ihr gefolget bist/ so unverdient zu hassen/
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Um gantz geringe schuld? O nein/ du armer/ nein!
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Aminthe thut es nicht/ sie kan dich nicht betrüben;
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Nimm sie nur wieder ein durch deine schmeicheley/
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Reib dich an ihre brust/ sey freundlich und getreu/
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Sie will/ daß du sie solt auff solche weise lieben.
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Es ist sehr weit gefehlt/ daß sie dich solte hassen/
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Weil du ein ebenbild der zarten liebe bist;
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Sie wird vielmehr durch dich ihr einen zutritt lassen/
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Dieweil die liebe dir in allem ähnlich ist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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