Die unglükkselige SOFDNJSBE

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Neumark: Die unglükkselige SOFDNJSBE (1666)

1
Als Asdrubal erlegt und Syfax drauf gefangen/
2
Als
3
Ist in derselben Stadt was merkliches ge-
4
So man zum theile kan aus diesem Kupfer
5
Die übrige Geschicht weil man sie nicht kan
6
Soll meine Poesie der Feder anvertrauen.
7
Auf meine Parnassinn/ erzehle dieses mal/
8
Wie daß die Lieb’ auch spielt bey Pulver/ Bley
9
Bey Sturm/ bey Mord und Brand/ bey streit-
10
Und wie sie durch den Krieg nicht mag gedämpfet
11
Auf daß ein jeder Mensch mag lernen dieß da-
12
Daß Fürsicht-seiner-selbst sehr hoch von nöh-
13
Die Furcht ist in der Stadt/ das Schrekken auf den Wallen/
14
Es werden Thür und Thor von Feinden über-
15
Der tapfre Kriegesheld macht sich selbselbst
16
(in meinung wo er selbst/ da sey es wol gethan)
17
Trabt als geflügelt fort mit tausend frischen
18
Die all’ entschlossen find biß auf den Tod zu-
19
Zum Königshofe zu/ da war kein Wieder-
20
Nicht einer war zu sehn der sich mit Waffen
21
Allein die Königinn von Aengsten gantz durch-
22
Sah diesen kühnen Held den Masanissen kom-
23
Den tapfren Masaniß/ sie sahe die Gefahr/
24
Und die Leibeigenschaft so ihr vor Augen war.
25
Sie fügte sich herab/ gieng ihm betrübt ent-
26
um den erzörnten Muht ein wenig zu bewegen/
27
Fiel vor ihm auf die Knieh’ und weinte bitter-
28
Er blieb ein wenig stehn; Erbarm/ erbarme
29
Sprach das betrübte Weib/ du Sieger dieser
30
Beschirme meine Zucht vor Spott/ vor Hohn/
31
Denn dieses ist ein Werk das deine Thaten
32
Und deinem Heldenmuht’ ein ewigs Lob ge-
33
Vor kurtz verwichner Zeit saß ich hier auch ge-
34
Nu aber mein Gemahl entzeptert und entthrö-
35
Und dein Gefangner ist/ bin ich dein’ arme
36
Die dir in diesem Staub’ ihr heisses Leiden
37
Wie wunder-wunderlich kan sichs mit Menschen
38
Wenn ihr Verhengnüß tobt/ wenn Glükk mit
39
Auf sie ergrimmet ist! wer grossem Glükke
40
Der hat auf anders nichts/ als Schnee und
41
Weil dir es denn geglükkt und Gott es nach ge-
42
Daß du das Feld erhieltst/ so laß mich dieß er-
43
Daß ich befreyet sey
44
Die alle Welt fast siht bey eurer Römschen
45
Jhr habet den Gebrauch daß ihr der hohen
46
Und großer Landesherrn nicht pfleget zu ver-
47
Jhr macht sie fesselfest und führt sie allge-
48
Die Gassen auf und ab zu ihrer großen
49
Und das (ach Hertzeleid!) so ferne sie geschla-
50
Und nicht gesinnet sind das Römsche Joch zu
51
Drüm bitt’ ich noch einmal gib mich nicht in
52
Und offentlichen Schimpf/ laß deine Königs-
53
Mein letztes Ende seyn; stoß mir ein kaltes Eysen
54
Durch diese zarte Brust/ laß einen
55
Damit ich sterben mag/ misch Scorpionen-
56
Das durch die Adern dringt und bald zum
57
Ich trink’ es hertzlich gern; Ach laß mich dieß er-
58
Laß eine Königinn/ nicht eine Sclavinn sterben.
59
Mit diesem schwieg sie still/ und was der matte
60
Vor übergrossem Weh nicht weiter reden
61
Hat ihr betrübtes Hertz/ durch die liebreitzend’
62
Mit einer milden Fluht/ mit scharffer Thränen-
63
Von sich heraus geseufftzt/ Jhr traurigs An-
64
War so/ daß solches auch ein Stein erbarmen
65
In dem das ädle Weib solch klagen von sich
66
Wird unser Masaniß der junge Fürst verlie-
67
Er stehet wie entzūkkt wird gantz Gedanken-
68
Weis kaum auch was er thun/ und was er las-
69
Er steht mit seinem Volk’ ist gantz mit Stahl
70
Dennoch wird ihm ein Pfeil durch Hertz und
71
Das tapfre Kriegesheer/ die Waffen die er
72
Die waren ihm zum Schutz nicht stark und
73
Sein Leuengleicher Sinn wird dergestalt er-
74
Daß er wird als ein Lamm/ die süsse Liebe schlei-
75
Allmählich in das Hertz’/ die liebliche Gestalt/
76
Bringt diesen Kriegesmann bald unter die Ge-
77
Denn sie war solch ein Mensch/ daß ihrer Augen
78
Den
79
Mit Milch und Blut vermischt/ der weissen
80
Schien durch den Purpurmund den Perlen
81
Jhr kluges Reden war von Liebesreichen Wor-
82
So sie mit Höflichkeit durch die korallne Pfor-
83
Sehr wol zu führen wust’/ ihr Glantz blicb’
84
Wie sehr der Thränenstroom/ ihr aus den
85
Der schwartze Trauerflor der ihr das Haupt be-
86
Hat sonderlich bey ihr Anmuhtigkeit erwekket.
87
Denn ihre Purpurröht’ und ihre Liljenzier/
88
Stach sich noch besser ab/ und brach mit Lust
89
Seht wie ein seltzams Werk hat man schon hier
90
Der große Siegesmann wird selber überwunden/
91
Der itzo seinem Heer’ ein’ edle Beut’ erlaubt/
92
Steht durch ein schönes Weib fast seiner selbst
93
Und kurtz von dieser Sach’: ein Fänger ist ge-
94
Sein Ritterhertze steht in Sofonisben Wan-
95
Er springet von dem Pferd’ und hebt sie aus
96
Auf dem sie kniehend lag/ er fast sie bey der
97
Er führt sie in das Hauß/ fängt an ihr zu er-
98
Wie er in sie verliebt/ verspricht sich zu ver-
99
Mit ihr aufs eheste/
100
Die vor gefangen schien’. Es wird im Läger
101
Es schallet in die Welt/ es wird bald ausgestreuet
102
Was Masanissa thut/ die schnelle Fama schreiet
103
Und machts dem Volke kund/ es wundert alle
104
Daß dieser tapfre Fürst/ der ritterliche Held/
105
Die Tochter Asdrubals der Römer Feindinn
106
Und sein so mannlich Hertz derselben gantz er-
107
die von Karthago doch der Africanschen Stadt/
108
Jhr Ankunfft und Geschlecht’ herab gestam-
109
Was thut die Liebe nicht? Die kurtz zuvor ge-
110
Wird nun als eine Braut im Hertzen eingefasset.
111
der große Scipio als er die Zeitung hört/
112
Ergrim̃et in sich selbst/ er wurde gantz bethört/
113
Er forderte sein Pferd/ es wurde bald gezeumet/
114
Und zu ihm hingebracht/ er schwung sich unge-
115
In seinen Sattel nein verbost in seinem Sinn/
116
Und reitet in vollem Galoppe zum jungen Für-
117
Wie? sprach er/ Masaniß last ihr die Waffen
118
Und wolt zur Unzeit euch mit einem Weibe
119
Die unsre Feindinn ist? ist euer stählner Muht
120
So liederlich verschmeltzt in geiler Licbes-
121
Ich bitt’ euch/ ädler Held/ last Den dieß Thun be-
122
Der stets in Wollust lebt/ der faul- und feiger
123
Last dieß ein Lekker thun/ denn Der ist deß be-
124
Der seine Lust/ und nicht die Römsche Wol-
125
jhr habt den Feind erlegt mit großem Tri- umfiren/
126
Und wolt nun euren Ruhm mit eitler Lust be-
127
Ey pfuy! das ist nicht fein viel minder wolge-
128
Dieß stehet/ einer Memm’ und keinem Ritter
129
Wer pflegt sein Heldenlob so bald hindan zu
130
Und üm ein schönes Weib/ so liederlich zu sche-
131
Nur strenge Tapferkeit ist unsers Amptes
132
Was euch und mir geziehmt ist kein versüster
133
Man hat vor Augenlust sich besser vor zusehen/
134
Als wenn der Feind auf uns lest scharffe Pfeile
135
Kein tödtliches Geschoß/ kein Schwert/ kein
136
Macht uns so hefftig wnnd als schöner Augen
137
Es ist ein grösser Werk Begterde zäumen kön-
138
Als feste Festungen und Städte zu gewinnen.
139
Doch sind die zwey zugleich der Helden Zeit-
140
Das eine vor den Geist/ das andre vor den
141
Hört aber Masaniß/ ihr solt auch dieß noch
142
Ob Asdrubal gleich ist vom Felde weg geschmis-
143
Und Syfar bey uns fest; Es war die Römsche
144
Die Cirtha mit Gewalt hat unter sich ge-
145
Darüm muß man den Raub von Stükke biß zu
146
Gold/ Haabe/ Menschen/ Vieh/ nach Rom zu-
147
Auch Sofonisbe selbst eur’ ädle Hertzensruh/
148
Gehört dem großen Rom als eine Sclavin zu/
149
Und nicht nur euch allein. Sie muß nach Rom
150
Da wird nichts anders drauß. Da da könnt ihr
151
Vor unserm gantzen Raht’ und halten üm sie
152
Jm fall ihr etwa meint/ daß solches wolgethan.
153
Ach denket denket doch wer dieses Land verzehret/
154
Wer gantz Numidien so jämmerlich verheeret/
155
das euer eigen ist? Hat Sofonisbe nicht
156
Durch ihre Schmeicheley solch Elend ange-
157
Wer hat doch ihren Mann/ den Syfax wol be-
158
hat sie ihn nicht gereitzt/ daß er uns vorge- logen/
159
Und untreu worden ist? Mein! bildet ihr euch
160
Daß sie euch allezeit werd’ huld und redlich
161
Ich trau’ ihr nimmermehr. Wer einmal Untreu
162
Und einen falschen Wurm in seinem Hertzen
163
Der bleibt allzeit verdacht. Ich frag’ euch/
164
Des Andern Ehgemahl und noch nicht Witwe
165
Wo dieses Weib nur möcht’ aus unsrer Hand
166
Und einen freyen Fuß durch eure Gunst gewin-
167
Jhr würdet selber sehn wie sich ihr gantzer
168
Zur Rache lenken solt’. O nein da kömmts
169
Drüm schlagt sie in den Wind/ und denkt an eure
170
Durch die so mancher Ruhm euch/ kühner Held
171
Und wo euch meine Lieb’ und aller Römer gunst/
172
Wird angenehme seyn/ so dämpfet diese
173
Jhr habt es ja an mir so manchesmal gepriesen/
174
Daß ich die geile Lust so kräfftig abgewiesen/
175
gedenkt ihr nicht wie ich dort zu Kar- thago that/
176
Als jene keusche Frau mit Thränen vor mich
177
Mandoniens Gemahl mit ihrem Frauenzimmer?
178
Bezwung’ ich mich nicht da? die geile Lust hat
179
Mein Meister können seyn.
180
Des ädlen Celtibers nicht solcher schönen Haut/
181
Als eure Sofonisb’? ja zehnmal mag ich sprechen.
182
Noch dennoch wust’ ich mich den Lüsten zu ent-
183
Wolan so thut es auch der ihr euch Römisch
184
Dieweil ein römsches Blut sonst nichts als
185
Wer sein begierlichs Fleisch im zaume kan er-
186
Und seine böse Lust nicht über sich läst walten/
187
Der ist weit mächtiger/ und viel ein größrer
188
Als der/ der hohe Wäll’ und Thürme fällen
189
Wie aber seltner Zeit ein guter Raht verfänget/
190
Bey dem/ der sein Gemüht’ an süsse Lust ge-
191
So gieng es hier auch zu: je mehr der
192
Den jungen Fürsten strafft’/ je stärker fieng
193
Und brandt’ in heisser Gluht. Er geht mit tau-
194
Vom Scipio hinweg/ geht mit verwirrtem
195
Allein in sein Gezelt/ er klagt mit Weh und
196
Er weiß nicht was zu thun bey solcher schweren
197
Auf einer Seiten steht sein außerwehltes Leben/
198
Die schöne Sofonisb’ an die er sich ergeben/
199
Und auf der anderen steht Rom sein Gegen-
200
Das weitberühmte Rom mit seiner Kriegsge-
201
Zum letzten bricht er auß: So muß ich dich denn
202
Du solst mir gleichwol nicht auf allen freyen
203
Zu dein- und meiner Schmach herüm geführet
204
Es ist noch ander Raht. Nein/ Sofonisbe nein/
205
Befürcht dich dessen nicht. Dir hab’ ich zwar ge-
206
Dein Ehgemahl zu seyn/ dich hatt’ ich zwar er-
207
Zu meines Hertzens Lust: Nun aber muß ich
208
Rom gibt es mir nicht zu. Ach du mein liebsies
209
Mein Hertze bricht mir fast/ daß ich dir nicht kan
210
Was ich dir zugesagt/ die Römische Gewalten
211
Die stehen wider mich. Doch dieß versprech
212
Dieweil ich/ liebster Schatz/ dich itzo doch ver-
213
Es soll dich keiner nicht zum Siegespracht’ er-
214
Du solst/ im fall du wilst/ in deinem Bette sterben/
215
Daß nicht dein stoltzer Feind/ die Römsche
216
Aus dir ein Schauspiel mach’ uns beyderseits
217
Man hat mich zwar gehemmt in meinem Lie
218
Doch/ was bey mir bedacht/ soll Rom durchaus
219
Ein balddurchdringend Gift in einem Becher
220
Soll dir in diesem Fall dein letztes Labsal seyn.
221
Darauf ließ er ihm bald ein güldnes Schaalchen
222
Goß starken Wein darein/ mit Gift und andern
223
Wol durch und durch gemischt/ er sah es kläg-
224
Gieng bey sich selbst zu Raht ob dieß auch wol
225
Doch endlich schikkt’ ers fort mit vielen Trauer-
226
Zu seiner Sofonisb’ und ließ dabey ihr sagen:
227
Er hette sich bemüht/ aus aller Sinnen Kraft/
228
Doch das geringste nicht bey Scipio geschafft.
229
Es wer’ ihm schmertzlich leid/ daß Er sein Liebß-
230
So Er ihr zugesagt/ müsi itzo leider brechen/
231
Er were Rom verpflicht/ Er könte nichts
232
Er fünde keinen Raht/ Er thu’ auch was er thu.
233
Das gantze Römsche Heer/ und dessen hohe Glie-
234
Die weren allesammt hierinnen ihm zu wieder:
235
Dargegen wüst’ er nichts/ Er müst’ es lassen
236
Weil Er dem gantzen Volk nicht könte wieder-
237
Wenn Er sich gleich/ vor Sie/ erklährte selbst zu
238
Um Jhr/ als seinem Schatz/ die Freyheit zuer-
239
So wer’ es doch ümsonst/ dadurch würd’ ihre
240
Und groß Bekümmernüß doch nicht geendet
241
Sie müste doch hernach nach Rom sich lassen
242
Und einen Siegs-Triumph/ als eine Sclavin
243
Damit denn weder ihr/ noch ihm geholfen wer’/
244
Kein Mittel wäre da zu Rettung ihrer Ehr.
245
Vor solchem Schimpf und Spott könt’ Er Sie
246
Vermöcht’ auch selber nicht/ wie sehr Sie ihn
247
Wie heftig Sie gefleht/ das hochbetrübte
248
Mit seiner eignen Hand zu tödten ihren
249
Was raht alhier? Er ließ wiewol mit Hertzens-
250
Der liebst- gewesnen Braut noch endlich dieses
251
Trink dieses aus/ und stirb als eine Köni-
252
Hier ist dein letzter Trost und dein Erlöser
253
So bald die junge Frau die Botschaft hatt’ em-
254
Schoß ihr der bleiche Tod auf ihre schöne Wan-
255
Sie fieng zu weinen an/
256
Welchs ihr betrübter Fürst ihr hatte zuge-
257
Und sprach/ O wehe mir! ach weh der großen
258
Die mir durch diese Post gestiegen sind zu Hertzen!
259
Ach daß mich Asdrubal mein Vater hat erzeugt!
260
Und meine Mutter mich an ihrer Brust gesäugt!
261
Wie über-wandelbar sind doch des Glükkes
262
Wie ferne wirft es mich doch itzo doch zurükke!
263
Ich war vor kurtzer Zeit die Sonne dieser
264
Man weiß wie Cirtha mich so hoch geehret hat.
265
Mich hat Numidia in Demuht angebeten/
266
Als seine Königinn/ nu werd’ ich untertreten
267
Und schimpflich angefeindt von Roms beglükk-
268
Jtzt wird mein hoher Stand von jederman
269
Ich hette zwar vermeint man würde ja der
270
Vor anderm schlechtem Volk’ hierinnen etwas
271
Nu aber seh’ ich wol (O Unbarmhertzigkeit!)
272
Daß bey dem stoltzen Rom sey gar kein Unter-
273
Hat mich mein Masaniss/ mein Bräutgam/ mein
274
Mein hertzgeliebter Printz/ vermeindlich mein
275
Der sein getreues Hertz/ und Königliche
276
Mit süsser Liebesfrucht mir ehlich zuge-
277
Hat mich mein Masaniss/ sag’ ich/ nicht können
278
Von dieser Grausamkeit/ von diesen Band- und
279
Ach warüm hat Er mich vor seinem Angesicht/
280
Mit seiner Heldenfaust nicht sträkklich hinge-
281
Doch seine Lieb’ und Gunst hat es nicht zugegeben/
282
Sein Wille war mit mir in Freud und Lust zu
283
Weils aber nicht kan seyn/ so halt’ ich billich
284
Dem/ was itzund mit mir der strenge Himmel
285
Wolan/ so geb mein Freund nur wiederüm zu-
286
Wünsch Masanissen dort von mir viel Heyl und
287
Sprich daß ich brauchen wil/ was du mir zu-
288
Und sag von Sofonisb’ ihm tausend gute
289
Als Sie dieß ausgeredt mit naß-bethränten
290
Und Masanissens Knecht von ihr hinweg ge-
291
Sah Sie den Mordgetrank im Becher kläg-
292
Und hat zu guter letzt die Rede noch gethan:
293
Ist dieß der Liebestrunk/ sind dieß die reichen
294
Womit mein Masaniss mich itzo wollen laben?
295
Soll dieser Becher hier mit Gift-vermischtem
296
Mein köstliches Geschmeid’ und Brautgeschen-
297
Ist dieß der göldne Ring womit er mir ver-
298
Sein unverfälschtes Hertz? ist dieß/ was er mir
299
Mein theures Hochzeitkleid sehr köstlich durch-
300
Soll dieß der Brautschatz seyn/ den er mir zu-
301
Mein werther Bräutigam? Sind dieß die schöne
302
Mit welchen eine Braut sehr prächtig pflegt zu
303
Jedoch/ dieweil es Rom durchaus nicht leiden
304
Daß er mich freyen soll/ so halt’ ich gerne still/
305
Dem/ was mein Unglükksstern hat über mich ver-
306
Ich trinke diesen Wein der wol ist durchge-
307
Mit starkem Spinnengift/ ich trink’ ihn un-
308
Mein Fürst der hat gethan was er mir zuge-
309
Sol ich nicht in der Welt als eine Fürstinn le-
310
So wil ich hertzlich gern dem Tode mich erge-
311
Wo ich nicht sitzen kan in Königlicher Ruh/
312
So eyl’ ich ungescheut dem schwartzen Gra-
313
Es ist weit löblicher mit unerschrokknem Her-
314
Dem Tod’ entgegen gehn/ und dessen bittren
315
Als stets mit Schimpf und Spott der Welt
316
Ein tapfres Heldenhertz verlacht die Todes-
317
Dieß Wort war kaum geredt/ da sie den Wein
318
So wol was oben schwamm/ und was hinab ge-
319
Das trank sie rein herauß. Das Gift das
320
Geht alle Glieder durch/ die Hände werden
321
Sie seuffzet innerlich/ sie geht in ihre Kammer/
322
Sie legt sich auf ihr Bett/ treibt keinen großen
323
Da sie nun endlich fühlt den letzten Hertzen-
324
Verdroß es selbst den Tod daß sie nicht

(Neumark, Georg: Poetisch-Historischer Lustgarten. Frankfurt (Main), 1666.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.