1
Wo man die Liebesbrunst lest in das Her-
tze schleichen/
2
Da muß Vernunft und Witz/ Verstand
3
Gerüchte/ Gut und Blut/ steht alles in Gefahr;
4
Der wird zu einem Thier/ der vor ein Mensche
5
Ein Fünkchen geiler Lust befestigt sich und glim-
6
Und fasst im Hertzen Feur/ wo man denn nicht
7
Und leschet diese Gluht/ und solchen Flammen
8
Wird unvermerkter weiß’ ein gantzer Mensch
9
Hier ist es offenbar/ hier ist es klahr zu sehen/
11
Er steht zum Beyspiel da. Ein jeder nehm’ in
12
Wo ihn die tolle Lieb’ hat endlich hinge-
13
Als Brut- und Kassius schon beyderseits
geschlagen/
14
Die Völker in dem Staub’ und todt zur Erden
15
Als in dem großen Rom das freye Regiment/
16
Allmählich niederfiel/ und nahm sein letztes
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Ist Der/ der dieses Werk so ritterlich verrichtet/
18
Von einem schönen Weib’ und ihrer Gunst zer-
19
Der als ein kühner Held kunt unerschrokken
20
Hat durch versüste Lust zu grunde müssen
21
antonius sucht Geld durch böß und gute
Mittel/
22
Er fragt nicht groß darnach mit was vor einem
23
Es ist manch Tausend Mann/ die Zahlung
24
Ein jeder plaget ihn und wil besoldet seyn;
25
Er bringet Schatzung’ auf/ auch wider seinen
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Damit er nur einmal die Völker möge stillen;
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Er kömmt in Griechenland er presset jederman/
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Ein’ jede Stadt gibt Geld so viel sie muß und
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Es war ihm auferlegt die Länder zubekriegen/
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Absonderlich die Rom nicht wolten unterligen;
31
Drüm ist er hoch bemüht/ schafft alles das her-
32
Damit kein Mangel ja bey solchem Kriege sey.
33
Zu der Zeit wurd’ ein Mann/ ein Mann von klu-
34
Der sich zu jederzeit der Redlichkeit beflissen/
37
Der machte sich bald auf/ und kam in wenig Ta-
38
In die berühmte Stadt/ Er fing-ihr-anzusagen/
39
Der großen Königin/ wie daß Antonius
40
Der tapfre Kriegesheld mit eifrigem Ver-
41
Ja selbst die Keyserburg/ das große Rom vernom-
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Daß sie dem Brutus sey mit Volkk zu hülffe kom-
43
Der doch ein Römer Feind/
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Aus neidvergiftem Sinn’ und mörderischem
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Unlengst vergossen hat; drüm soll sie Vrsach ge-
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Warüm sie das gethan? Er sagt ihr auch daneben
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Was ihm Antonius hart anbefohlen hat/
48
Das Sie sich nemlichen in der Cilicer Stadt
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Sie vor dem Feldherrn selbst mag ihre Rechnung
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Damit sie sehen mag was gröblich mißgethan/
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Vnd hören in Person/ ihr rechtes Urtheil an.
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kleopatra erblast/ sie stehet wie verrükket/
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Und wird von dieser Red’ in ihrem Geist’ entzük-
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Sie kennt die Römsche Macht und ihre Krie-
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Die keiner Könige noch großer Fürsten spahrt.
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Der kluge Dellius/ der ihr erschrekken siehet
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Ist/ ihr betrübtes Hertz zu trösten hoch bemühet;
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Er sieht die Göttlichkeit/ die gleichsam bey ihr
60
Er sieht was vor ein Geist in Jhr versiegelt
61
Er sieht was vor ein Blitz aus ihren Augen strah-
62
Er sieht den Lielien glantz/ der ihre Wangen mah-
63
Mit Rosen untermischt/ Er sieht des Leibes
64
Er greift sie bey der Hand/ und redet so zu Jhr:
65
Princessiñ seyd getrost/ last allen Vnmuht fahren/
66
Betrübt euch nicht ümbsonst/ in euren jungen
67
Mein Herr ist kein Tyrann nicht grausam/ sturr
68
Als wenn es mit dem Feind’ ein Kriegestreffen
69
Dann ist Er wie ein Leu:
70
So setzt er tapfer an/ und scheinet gleich zurasen;
71
So bald er aber sieht das sich sein Feind ergiebt/
72
Ist er die Sanftmuht selbst/ von jederman be-
73
Princessin eure Ziehr wird euch in diesem nützen/
74
Vnd Euch bey unserm Herrn vor allem Vnglükk
75
Ich weiß es vor gewiß/ wenn Jhr euch zu ihm
76
Mit süsser Lieblichkeit/ so ist es alles gut.
77
Er ist verliebter Arth/ hält viel von schönen Bil-
79
Das er wird euer Freund/ so viel mir ist be-
80
Ist Schönheit mit Verstand/ sein’ allerhöch-
81
Hiedurch ist alle Sorg’ und Furcht von ihr ent-
82
Sie hat/ wie gleichsam selbst/ sich wiederüm ge-
83
Sie weiß daß ihre Ziehr auch wiese Sinnen
84
sie weiß wie sie wol eh mit Cesar hat ge-
spielt
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Sie weiß daß ihr Verstand/ der reichlich zuge-
86
Jhr werde zu dem Thun sehr wol zu nutze kommen;
87
Sie macht sich auf die Reis’ in allem so ver-
88
Als wenn sie etwan wolt’ auf eine Hochzeit
89
Sie nimmet Geld zu sich und allerley Geschenke/
90
Sie denket allezeit auf solche Liebesrenke/
91
Die süß und lieblich sind; Sie sinnet Nacht und
92
Wie sie Antoniens Gemüht’ erweichen mag.
93
Sie putzt sich herrlich aus dem Feldherrn zu belie-
94
Und kömmt also mit Pracht vom
95
Jhr Schiff ist nach der Kunst und wunderschön
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Wo nur das Aug hinsieht wird lauter Gold ge-
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Die Segel wahren Tafft/ so an dem Maste flo-
98
Die Ruder allzumahl mit Silber überzogen.
99
Die Strikke purpur roht/ ein angenehmer
100
Von schönem Reucherwerk’ erfüllete die Luft;
101
Die Seile sind gedreht so künstlich als sie moch-
102
Darzu der meiste theil von Seid und Gold ge-
103
Das Ruder/ wo allzeit der kluge Schiffer sitzt/
104
War trefflich nach der Kunst von Bildwerk
105
Ein jeder Booßgesell war zierlich angekleidet/
106
Das wolgebaute Schiff die Wasserwellen schnei-
107
Und gehet wie im Tantz’/ Ein jeder muß ge-
108
Daß Er noch niemahls nicht ein solches Schiff
109
Um Sie/ die Königinn/ war ein gekünstelt klin-
110
Des süssen Seitenspiels/ worein ein schönes sin-
111
Wol eingemischet wurd’; Es war ein solcher
112
Als wenn Apollo selbst dem Chore stünde
113
Jhr schönes Jungfervolk/ ihr zartes Frauenzim-
114
War so heraus geputzt/ daß man dergleichen nim-
115
Bey Hofe hat gesehn/ kein Gold war da ge-
116
Die Kleydung war gemacht/ nach Wasser-
117
Das Volk kam aus der Stadt mit großem hellen
118
Dieß schöne Wunderschiff zu sehn/ heraus ge-
119
Wilkommen göttlichs Bild schrieh fast ein Je-
120
Ein jeder wünscht’ ihr Glükk so gut er immer
121
Ein lieblicher Geruch der kömmt voran gestiegen/
122
Von Süden hergeweht/ ein herrliches Vergnü-
123
Findt hier ein Jeglicher? die Nase wird ergetzt/
124
Es wird das Aug’ und Ohr in süsse Lust ge-
125
Es hat Kleopatra von lauter güldnen Sachen/
126
Jhr einen Königsthron sehr prächtig laßen ma-
127
Dar saß sie selber auf/ die schöne Königinn/
128
Das göttergleiche Bild/ die Hertzenszwinge-
129
Es spielten üm ste her Cupidens-gleiche Kinder/
130
(die sie so kleiden ließ) die zichrten auch nicht
131
Das königliche Schiff. Und seht mit solcher
132
Hat sich der güldne Berg allmählig beyge-
133
Weil man nun musicirt/ und ihre Knaben sun-
134
Hat sich ein großes Volk zum Ufer zugedrun-
135
Ein Jeder ist bemüht daß er voran mag stehn/
136
Um dieses schöne Werk vergnüglich anzu-
137
Kein Mann blieb in der Stadt/ kein Mensch blieb
138
Daß auch der Römsche Fürst fast wurd’ allein ge-
139
Vnangesehn daß er saß eben im Gericht’/
140
Ein jeder Mensche war/ das Schiff zusehn ver-
141
Drauff schikt’ Antonius und ließ nach Landessit-
142
Und Fürstlichem Gebrauch die newe Venus bit-
143
Daß sie doch kommen wolt’ in seinen Hof
144
Und auf ein Abendmahl sein lieber Gast zu
145
Mit all den Jhrigen. Sie übet ihre Stükke/
146
Bedanket sich sehr schön sie schikket bald zurükke/
147
Sie sendet einen Mann zum Fürsten in die
148
Der Red’ und Höfligkeit sehr wol gelernet hat.
149
Und bittet ihn zu sich. Er lesset sich bewegen/
150
Unangesehn Er dieß wol können wiederlegen/
151
Er fertigt sich bald an mit schon-verliebtem
152
Und stellet sich bald ein bey dieser Königinn.
153
Er wird aufs freundligste von ihrer Lieb’ empfan-
154
Er sieht mit wunderung den Saal sehr wol be-
155
Mit theurem Tafelwerkk’ vnd solchem Wand-
156
Als in der weiten Welt ein Künstler wirken
157
Unangesehn daß sie kaum in die Stadt gekommen/
158
Vnd noch kein rechtes Hauß zu bleiben einge-
159
Wird doch daß Abendmahl mit solchem über-
160
Sehr herrlich zugericht daß man sich wundern
161
Die helle Lichter selbst so in dem Zimmer hingen/
162
Sind wilden Thieren gleich/ mit schönen Wun-
163
Gar Künstlichen erdacht/ so/ daß man in dem
164
Hier einen Krokodill/ dort Leu- und Bären
165
Das ädle Dienstvolk kömmt und bringet Lekker-
166
Die all’ absonderlich nach einer fremden weise/
167
Woll zubereitet sind; was man zur Tafel
168
Es sey gleich Speiß’ und Trank/ was man
169
Ist alles fremd und thewr. Die Schüsseln und die
170
Das gantze Trinkgeschirr/ die Kannen und Poka-
171
Sind lauter feines Gold zum theile schön ver-
172
Mit Steinen die man hoch und überkostbar
173
Antonius/ beteubt von so viel schönen Sachen/
174
Die Jhm vor Augen stehn/ und fast bestürtzet ma-
175
Gedachte bey sich selbst: Giebt dieß Aegypten
176
So ist der Römsche Pracht und dessen reicher
177
Nur lauter Kind erwerk. Die stoltze Königinne
178
Hat/ daß man ihren Pracht sol sehn/ aus mildem
179
Den köstlichen Beschlag/ die güldenen Ge-
180
Vnd noch manch schönes Kleid so grossen
181
Den Gästen weg verehrt. Man fängt den andern
182
Aufs neu zu prassen an/ man schlemmet ohne
183
Da war ein neuer Pracht der Saal und Zim-
184
Kein mangel war an Gold’ an Speiß und
185
Es gehet wie zuvor/ man führt ein üppig Leben.
186
Dieß hat sie wiederüm den Gästen weggegeben/
187
Noch über dieß darzu manch schön berittnes
188
Mit Sattel/ Zaum und Zeug so großer Schä-
189
Hat dreymal solchen Pracht solch übermühtigs
190
Und geile Schlemmerey auf wolgeputzten Saa-
191
Dem Römschen Volk/ erzeigt. So/ daß man
192
Ein solches sieht/ als man noch nie geschen hat.
193
Es hat Kleopatra/ die in dergleichen Dingen/
194
Der Menschen Hertz und Sinn gar leichtlich
195
Wol unterrichtet war/ mit dieser süssen Pracht/
196
Das junge Römsche Volk ihr zugethan ge-
197
Sie ist von frischem Geist’ und weiß in allen Fäl-
198
In sieben Sprachen Zier ihr Wesen vorzustellen/
199
Sie führt in ihrem Mund’ ein zukkersüsses
200
Das bald zum Hertzen schleicht und durch die
201
Sie kan durch einen Winkk ihr jedes Hertz ver-
202
Vnd bloß durch einen Blikk mit heisser Lieb’ ent-
203
Die Rede fleust ihr weg gleich wie ein Honig-
204
Man hört ihr lange zu ohn einigen Verdruß.
205
Man pflegt der süssen Lust/ die Nachtzeit wird ver-
206
Mit lauter üppigkeit/ mit schnöden Venus lie-
207
Kein Römer schläft allein/ kein Mägdchen
208
Das geil’ Aegypten-Land das liegt mit Rom
209
Sie weiß des Fürsten Hertz mit Schmeicheley zu
210
Sie spricht ihm Wörter zu die Mark und Geist
211
Sie redt ihn Griechisch an und zwar sehr net
212
Bald wiederüm Hebreisch/ bald wiederüm
213
Sie kömmt ihm lieblich bey mit Tausend schönen
214
Sie lenkt ihm Muht und Sinn ob schon Er wol
215
Was nur zum Schertzen taug/ was nur zur Lie-
216
Das suchet sie hervor und zärtelt ihren Gast.
217
Die Wörter die mit Lust auß ihrem Munde flis-
218
Weiß die Verschlagne wol mit Zukker zuversüs-
219
Doch gleichwol/ wie man sagt/ mit wolgesaltz-
220
Es wird kein Wort gehört es stekt ein Angel
221
Der Fürst sitzt wie entzükkt im Geiste gantz ver-
222
Er hat das Liebesgift allmählich eingesogen/
223
Er ist nicht der er war versclavet allgemach/
224
Was ihm sein Fleisch befiehlt/ dem kömmt er
225
Der vormals Richter war und wolt’ ein Urtheil
226
Muß als ein Schüldiger sich jetzo selber stellen/
227
Und bittend vor ihr stehn/ das sie den süssen
228
Doch einmal heben mag durch ihre Liebligkeit.
229
Schaut/ der sich niemals nicht vor einem Feind’
230
Wird durch ein geiles Aug’ erleget vnd verletzet.
231
Der Wein/ die stille Nacht/ und ein verliebter
232
Die schaffen wenig Nutz und thun gar selten
233
Kein Mensch ist so in Noth als dieser der da lie-
234
Der sein Gemüht’ und Sinn den geilen Lüsten
235
Es geht gar leichtlich weg/ Gut/ Blut/ und
236
Die Freud’ ist ungewiß/ gewiß das heisse Leyd.
237
Der jetzo Feldherr war steht nun durch blosse
238
Durch süß’ Annehmlichkeit/ gleich wie ein Sclav
239
Der Freyheit gantz entsetzt/ nicht etwan in der
240
Ein süsser Liebesblikk hat ihn verhafft gemacht.
241
Sein rechtes Ehgemahl die Er zu Rom erkohren.
242
Hat ihren Raum und Platz bey ihme schon ver-
243
Sie wird hindan gesetzt/ Sie fällt ihm aus
244
Er liebet nur allein die geile Königinn.
245
Die/ die ist seine Wonn’; an diesem klugen Weibe/
246
Hängt seine gantze Lust/ Sie klebt ihm an dem
247
Auch oft die gantze Nacht/ er denket Nacht und
248
Wie Er Kleopatren nur satsam ehren mag.
249
der Krieg der ist schon aus. Er lag/ mit samt
den Knechten/
250
Die vormahls wolgeschikkt im Feld’ herüm zu
251
In schnöder Schlemmerey; Man frißt/ man
252
Was jedem nur gefällt wird von ihm außgeübt.
253
Soll dieß ein Wunder seyn/ imfall der Feldherr
254
Daß auch das gantze Heer nach solchen Lüsten
255
Das/ was ein König thut/ nimmt Jederman
256
Das Volck steht auf den Herrn und nimmt ein
257
Man reiset nach der Stadt da sie pflegt Hof zu-
258
Nach Alexandrien/ man lest die Götter walten/
259
Vnd pfleget neue Lust. Man ist allein bedacht/
260
Ja darauf denkt man nur/ was Lust und Freu-
261
Man suchet hie und da die klugen Liebesränke.
262
Man bringt viel Kurtzweil vor/ und noch viel an-
263
Die Hertzbeweglich sind/ der ist der beste
264
Der neue Frölichkeit bey sich erfinden kan.
265
Die Beyde leben so/ daß sie kaum selber wissen
266
Was Jhr Begehren sey/ sind Täglich drauf be-
267
Daß nur viel auf-mag-gehn; Es wird manch
268
So liederlich verprast/ man achtet keine
269
Es hat die üppigkeit das Spiel so weit gewon-
270
Daß auch bey solchem Thun die Tugend selbst
271
Da/ wo die Völlerey den Rittersitz bewohnt/
272
Da wird die Erbarkeit sehr elend abgelohnt.
273
Man stellet Festag’ an mit großen jubelfreuden/
274
Zu anders nichts/ als nur zu Ehren diesen Bei-
275
Sie streiten unter sich zu bringen an den Tag/
276
Was etwan Hoch und Wehrt und Seltsam
277
Sie wetten hoch und theur bey ihren Liebesfällen/
278
Wer doch daß beste Mahl dem andern kan be-
279
Sie wehlen Richter aus/ sie bringen Pfände
280
Sie setzen Gelder auf zur süssen Lekkerey.
281
Kleopatra fängt an aus übermuht zu thonen/
282
Sie saget/ daß sie wil zwey Hundert Tausend
283
Und Funfftzig noch darzu/ mit großer Herrlich-
284
Verbringen/ und doch nur in einer Abendzeit.
285
Antonius hört zu/ kan aber nicht begreiffen/
286
In solcher kurtzen Zeit solch Reichthum zuver-
287
Wie dieses zu-soll-gehn. Sie spricht/ daß dem
288
Sie richt ein Gastmahl an mit reicher Pra-
289
Was aber ihr Koch schafft/ das scheint nicht bey
290
Ob schon der volle Tisch wird oftmals aufge-
291
Was man nur köstlichs bringt und auff die
292
Wird doch mit nichten nicht dem Gelde gleich
293
Sie gibt nicht nur allein vom allerbesten Weine/
294
Sehr liebliches Geruchs/ der mit dem güldnen
295
Das frölich Aug’ ergetzt/
296
Ja Schätze selbst hinein auß großem über-
297
Ein theures Perlenpaar/ hing ihr bey ihren
298
Die niemand sehen kunt’ ohn sonderlichs Ver-
299
Sie waren trefflich groß/ am Wasser zart
300
Nur eine wug ein Loht dergleichen nie gesehn.
301
Die nahm sie/ da sie doch zum großen Ziehrat
302
Sie ließ ihr alsobald sehr scharfen Essig brin-
303
Sie leget’ Ein’ ins Glaß/ damit war es ge-
304
Das ädle Seegewächs fing bald zu schmeltzen
305
Als dieser theure Schatz nun endlich gantz ent-
306
Hat man im Glase nichts als nur ein Naß be-
307
Dieß wird mit Wein vermischt und bald zum
308
Den die Verschwenderinn dem Fürsten zu ge-
309
Der that auch bald bescheid. Seht/ was man hier
310
Was vor ein großer Schatz so schändlich wird
311
Ein Schatz der gleichen noch so weit die Son-
312
Kein Mensch in dieser Welt gesehen noch er-
313
Es ist noch nicht genug sie wil mit freyen Sinnen.
314
Auch noch den andern Trunk von neuen an be-
315
Sie greiffet nach der Perl wil mit derselben
316
Wie mit der vorigen/ Sie wil durch aus
317
Sie lest ihr wiederüm ein wenig Essig bringen/
318
Die aber Richter sind die wehren solchen dingen.
319
Ob schon Antonius geneigt zur Prasserey/
320
So lobt er dieß doch nicht und fellet ihr nicht
321
Er wundert sich der That die sie jetzund begon-
322
Er preisst ihr muhtigs Hertz gibt ihr das Spiel
323
Küst ihren rohten Mund der mehr verschlin-
324
Auf einmahl als ein Heer/ mehr als viel Tau-
325
Er bittet und verbeut: Sie lest die Perlen bleiben/
326
Nicht aber ihre Lust und großen Pracht zu trei-
327
Sie schlemmet immerfort/ geht ihren alten
328
Schwimmt gleichsam in der Lust auch gantze
329
Sie schikkt sich so in ihn/ daß es nicht aus zusa-
330
Gefället ihm die Jagt/ Sie ist bereit zu jagen;
331
Trägt etwan ihn sein Sinn zum schönen Fal-
332
Das freye Vogelfeld ist auch ihr Spieles-
333
Beliebet ihm aus Lust die Rennbahn zubereiten/
334
Sie setzt sich auf ein Pferd und reitet ihm zur
335
Ist sein Ergetznng denn zum Wildschuß hin-
336
Sie brauchet ihr Geschütz’ und weicht dem
337
Jm fal Antonius geneigt zum Ringelstechen/
338
So ist sie bald gesinnt die Lantz’ an ihm zu brechen;
339
Was ihm vor Ritterspiel/ was ihm vor Lust
340
In dem ist sie geschikkt und treflich wol geübt;
341
So fern er Mum̃en wil und sich in kurtzweil üben/
342
Sie lest das Affenspiel ihr ebenfals belieben;
343
Wenn Er Gassaten geht bey schöner heitrer
344
Anf dieß Spatzirengehn ist Sie auch bald be-
345
So bald der Feldherr redt von hoh- und großen
346
So bald auch weiß das Weib ihr Fündchen drein
347
Wo man ob einem Ding im gantzen Rahte sitzt/
348
Der klug und witzig ist/ da ist Sie auch ver-
349
Hält ein Gesandter an üm ein Gehör zu geben/
350
Sie steht und höret Jhn mit sonderlichem Leben/
351
Sie spricht ihm selber zu/ was sie nur reden
352
Fleust wie ein Honigstrohm/ der Dolmetsch
353
Was nur der Fürst beginnt/ mit Lauffen/ Tan-
354
Darzu ist sie geschikkt; In allen andern Dingen/
355
Was Kopf und Hand erheischt/ was Faust
356
Da ist Sie fertig bey/ kein Unahrt wird ge-
357
Jhm kam einst in den Sinn mit seinen Mitge-
358
Mit einer Angelschnur den Fischen nachzustellen/
359
Was aber er nur that/ war allzumal üm-
360
Er fing nicht einen Fisch/ ümsonst war alle
361
Er weis nicht wie es ist; Er weis nicht wie sein
362
Allzeit so fischloß ist/ Er merket nicht den Man-
363
Ein Fischer machet ihm hernach auf sein Ge-
364
Die Fisch’ am Angel fest/ gantz unvermerkter
365
Und das zum oftermal. Dann zog er aus dem
366
Bald einen schönen Lachs; bald einen grossen
367
Der gantze Fische schlukkt/ bald einen kleinen
368
Bald einen Kableau/ und noch dergleichen
369
Damit hielt er sich groß. Die kluge Königinne/
370
Die merkt’ es aber bald/ Sie dacht in ihrem
371
Bald einen Possen auß: Ein Teucher wartet
372
Nimt ihm den Fisch herab/ stekkt einen Bük-
373
Daß es kein Mensche sah’. Als nun die schöne
374
Heraus gezogen war/ da lachten alle Leute/
375
Der klugen Posserey. Es war ihm zwar Ver-
376
Doch stillte sie ihn bald mit einem süssen
377
Ey/ sprach sie/ trautstes Hertz last nur das Fischen
378
Jhr könnt mit grösserm Lob’ euch eure Zeit ver-
379
Fangt Völker/ Städt und Land als euch mein
380
Denn jenes bringet Schimpf/ und dieses macht
381
In dem die Beide nun so mit einander spielten/
382
Und sonst auf anders nichts als schnöde Wollust
383
kehrt sich das Glükkrad üm/ wie es pflegt
in gemein/
384
Es reist zu Rom ein Zwist und große Zwie-
385
Sein liebes Ehgemahl wird aus der Stadt ver-
386
Sein Bruder Lucius muß auch die flucht belieben;
388
Daß fast gantz Asten in seine Macht gebracht.
389
Der Fürst ermuntert sich als wie aus einem
390
Und zeumet seine Lust mit einem bessern Zaume/
391
Greifft seine Waffen an/ verlest die Königinn/
392
Das geile Zärtelweib/ verändert seinen Sinn;
393
Begiebt sich auf den Weg mit hundert Krieges-
394
Und hat mit großem Ernst die Sachen ange-
396
In Fried und Ruh gesetzt/ vermittelst dieser
397
Er wird mit Cesar eins/ der richt mit thm aufs
398
Ein Friedverbündnüß auf/ legt ihm zu besrer
399
Sein eigne Schwester bey
400
Den Spiegel aller Zucht/ die Krone von dem
401
Ob schon sie aber fromm und zweymal glüklich
402
Dennoch wird solche Freud’ in kurtzer Zeit ver-
403
Der Fürst bricht wieder auf mit einer großen
404
Es scheinet das sein Sinn nach höhern Dingen
406
fontejus muß voraus und ihm sein Kebs-
weib hohlen/
407
Die säumt sich auch nicht lang/ das geile Lie-
408
Steht ihm noch auffgesperrt/ man treibt es wie
409
Hält man ein brennend Licht/ das noch in vollen
410
Mit dem/ das kurtz vorher verloschen ist/ zu sam-
411
Es fasst bald wieder Feur und stekkt sich selber
412
Fasst nur die Flamme Rauch so ist es bald ge-
413
So ist auch unser Printz: So bald das süsse
414
Nur angefangen wird/ so bald der Augen Ker-
415
Der schönen Königinn bey ihm/ und üm ihn
416
Fängt er zu brennen an und fühlt die süsse
417
Nicht eines Menschen Leib’ ist seiner zuverglei-
418
denn Er beschenket Sie mit gantzen Köuig-
reichen/
419
Er schenkt Kleinodien sehr großer Schätze
420
Er giebt ihr Geld und Gold so viel sie nur be-
421
Die geile Königinn erfreuet ihn hergegen/
422
Mit einer schönen Lust vnd reichen Himmelsse-
423
Sie bringet auff einmal zwey Kinder zu der
424
Weßwegen Sie sich denn sehr hoch und treff-
425
Sie kan vor übermuth sich selber kaum erken-
426
Sie wil das erste Kind die Sonne laßen nennen/
427
Dieweil es war ein Sohn; das ander von dem
428
Hieß sie den schönen Mond/ welchs eine Toch-
429
Sie lässet sich auch nicht an hoher Ehre gnügen/
430
Sie wil daß man sich sol demühtig vor ihr bie-
431
Sie wil geehret seyn aus großem übermuht’/
432
Als wie man in der Welt den grösten Göttern
433
Sie lest sich überal die Göttin
434
Lest Opferblut und Fleisch auf ihren Altar schmeis-
435
O Göttin/ schreyt das Volk/ sey unsre Zuver-
436
Verbleib uns doch geneigt und laß uns Arme
437
Gib deinen reichen trost/ gib deinen reichen Se-
438
Du große Göttin du/ auf allen unsren Wegen/
439
Behüte doch das Land vor schaden alle Tag’/
440
Auf daß es seine Frucht mit Freuden bringen
441
Da das Gerüchte nun dorthin nach Rom ge-
442
War es von Jederman gar übel aufgenommen;
443
Es ist kein Rahtsherr nicht/ der diese Schand-
444
Die einem schlechten Kerl’ und keinem Feld-
445
Er aber wil mit List die Schwenderey beschönen/
446
Wil mit Entschuldigung den Römschen Raht
447
Verneinet daß der Ruhm und Glantz von ei-
448
Auff großen Schätzen steh’/ auch nicht auff
449
Er sagt daß Er beruh’ in keinem-auszuweichen/
450
Und in der Mildigkeit/ und nicht in Königrei-
451
Spricht daß ein tapfrer Held von hoh- und äd-
452
Als Er/ nicht soll allein mit Einer seyn ge-
453
Damit das ädle Haus mög’ ausgebreitet stehen/
454
Damit man überal mag Söhn’ und Töchter se-
455
Nur dieser bleibt allein ein hochberühmter
456
Meynt Er/ der nur’ viel Frucht der Nachwelt
457
Ein kluger Gärtener der pflegt aufs allerbeste/
458
Den Baum/ der guten Ahrt der schön- und großer
459
Bricht manches Reischen ab und Pfropfft es
460
Damit die ädle Frucht nur mag vermehret seyn.
461
Antonius der sagt/ daß nicht nur einer Franen/
462
Und ihrem sanften Schoß’ ein solcher Schatz zu
463
Man müsse hie und da auf Beyschlaf sein be-
464
Damit der Edle Stamm mag werden fort ge-
466
Daß ein geringer Mann mit Einer solte leben/
467
Nicht aber solch ein Herr und tapfrer Krieges-
468
Der über diesen Kreyß sein’ hohe Thaten stellt.
470
Vielmehr als einer Magd hab’ ihren Krantz ge-
471
Und nicht aus geiler Lust; nur sein so ädles
472
Zu Pflantzen hie und da/ daß theure Lebens
473
Also beschützt Er sich/ und wil die grobe Flekken/
474
Und seine Lasterthat mit glatten Worten dek-
475
Ob schon ihn oft ein Freund zu einem bessern
476
All-alles ist ümsonst/ sein Hertze bleibt ver-
477
Ob schon Octavia/ die Keyserlich gebohren/
478
Die schön’ und Tugendsam aus Tausenden er-
479
Persöhnlich zu ihm wil/ üm bloß den leichten
480
An ihm zu änderen mit vielem Geld’ und Gut’.
481
Es weiß Kleopatra mit honigsüssem Lachen/
482
Und schnöder Liebeslust es der gestalt zumachen/
483
Das Er gleich wie zuvor in Sie verliebet
484
Und an sein Ehgemahl sonst nichts als Leiden
485
Er lesset ihr nicht zu daß Sie mag zu ihm kom-
486
So sehr ist sein Gemüht/ in Geilheit eingenom-
487
Sein liederliches Hertz ist so verkehrt durch
488
Daß sein Octavia gantz außgestossen ist.
489
Sie kehret wieder üm mit großen Seelenschmer-
490
Es thut Jhr hefftig weh/ es schmertzet sie im Her-
491
Dieweil Sie ihren Mann auch nicht einmal
492
Und daß Er Jhr durchaus nicht Rede wollen
493
Seht/ was die böse Lust vor Schand’ und Laster
494
Sie reißt zu rük nach Rom im Geiste sehr betrü-
495
Bleibt felsenfest bestehn in ihrer Pflicht und
496
Ob schon Sie satsam sieht die geile Schlem-
497
Was rechte Tugend ist wird nimmer nimmer
498
Sie bleibet allezeit in ihren rechten Schran-
499
Man stürm’ auch auf Sie zu wie man nur jm-
500
Sie leidet mit Gedult und schweigt zum Un-
501
Sie wil Jhr keusches Hertz so bald nicht von ihm
502
Wil Jhren Bruder selbst zu seiner Liebe beugen/
503
Der schon in Waffen ist; daß Tugendweib-
504
Und hält den Bruder auf/ der wieder ihn schon
505
Mit voller Krieges Macht. Es wird ihm anbefoh-
506
Vom gantzen Römschen Raht’ Antonien einzu-
507
Er hat viel Kriegesschiff im Hafen fertig
508
Das Treffen beiderseits soll’ auf der See ge-
509
In dem zu Hause nun bey so bestalten Sachen/
510
Der Keyser Völker wirbt und wil sich fertig ma-
511
Mit Kriegen fort zugehn/ so schertzet dieses
512
Man lebet unbesorgt wie groß auch die Ge-
513
All was nur Lust gebiehrt/ was Kurtzweil nur er-
514
Wird von dem Liebesvolk’ ersonnen und geheget.
515
gantz Asten erschrikkt ob dieser schweren
Zeit/
516
Dieß Völkchen aber lebt in voller Frölichkeit.
517
Ach blindes blindes Volk! Ein großer leichter
518
Der nur gewohnet ist zu Fressen und zu Sauffen/
519
Der schwebet üm Sie her; Man macht ein Pa-
520
Man schlemmet Tag und Nacht/ man merket
521
Weil nun dieß Paar so prasst mit seiner schnöden
522
Macht sich der Käyser auf mit einer starken Flot-
523
Da nimmt das Spiel ein End’; Ein Jeder-
524
Da machet man sich bald zur Gegenwehr ge-
525
Die Königinne selbst fügt sich ihm auf die Seiten/
526
Sie fast ein Manneshertz und wil ihm helffen
527
Es scheinet daß ihr Sinn gleich wie in allen
528
In Lust/ in Leid und Freud an ihrem Liebsten
529
es geht daß Treffen an: In dem die Knech-
te fochten/
530
Als sich die Kriegesschiff’ all’ in einander floch-
531
Begiebt sich dieses Weib/ und ihr erschrokkner
532
Und ihre gantze Macht auf/ einen Haasenlauff;
533
Nicht Sie nur lieff allein; Mit Sechtzig großen
534
Und etlich Tausend Mann hat sie die Flucht er-
535
Sie räumt mit voller Kraft das Amfitriten-
536
Lest ihren Fürsten stehn und gibt das Versen-
537
Er wird es bald gewar/ daß sie mit vollem Win-
538
Sich auf die Flucht begiebt/ darauf Er auch ge-
539
Jhr auf dem Fusse folgt/ verlest die Krieges-
540
Und folgt dem Weibe nach mit aller Leute
541
Er wil viel lieber noch Schimpf/ Hohn/ und
542
Als sich und seine Gunst von ihrer Liebe scheiden.
543
Pfuy! unerhörte Schand’! Hier sieht ein Je-
544
Was doch die geile Brunst vor Unheil stiften
545
Wer hat doch jemals wol ein solches Stükk be-
546
Es scheint als wer Er fest an ihren Leib gebunden;
547
Er lest das Volk im Stich’ und eylt mit großer
548
So bald er immer kan dem geilen Weibe nach.
549
Kein Nördlicher Magnet kan so das Eysen zie-
550
Wie groß er immer ist/ als Sie mit ihrem fliehen
551
Jhn nach und zu sich zeucht; auch keine
552
Zieht so das Feur nach sich/ als sie sein tapfres
553
Drauf werden Schiff’ und Knecht’ erstiegen und
554
Man sieht das Römsche Volk die schöne Beute
555
augustus hat gesiegt. Seht welch ein
schöner Fürst/
556
Der aus der Schlacht entleufft/ und nach der
557
Was denket Er doch nun/ wenn Er es überleget
558
Der gute Kriegesmann/ wenn Er es wol erweget?
559
Er hats wol ausgericht; Mein! seht da sitzt er
560
Und wil vor grossem Spott’ ihm selber Leid
561
Er wil sich/ als es scheint/ von allen Menschen
562
Und aus Verzweifelung in eine Wildnüß ren-
563
Da Bär- und Leuen sind/ Sie aber/ die es
564
Hat durch versüste Kunst ihn wiederüm ge-
565
Sie tröstet Jhn sehr schön in seinem großen Lei-
566
Sie reitzt ihn wiederüm zu allerhanden Freuden/
567
Sie beut ihm willig an ihr fett Aegypten Land/
568
Und fechelt wieder auf den alten Liebesbrand.
569
Augustus aber folgt mit einem großen Heere/
570
Greift ihre Grentzen an mit wachsamen Ge-
571
nimmt manche Festung ein/ Er legt sich
vor die Stadt/
572
Wo dieß verliebte Paar so lang geschwelget
573
Antonius erwacht/ und greift zu seinen Waffen/
574
Felt etlichmahl hinaus kan aber nichtes schaffen;
575
Gebraucht sich kluger List/ versuchet alle
576
Hilft aber alles nichts/ ist/ was Er thut/ üm-
577
Der dunckelrohte Rost verzehrt den stillen De-
578
Die Sümpfe werden faul die niemals sich bewe-
579
So ist die Tugend auch. Wird die nicht aus-
580
So ist es mit ihr aus/ Sie lieget wie betrübt.
581
Antoniens sein Volk/ das sich so lang verschonet/
582
Das durch die Schlemmerey des Kriegeus gantz
583
Ist feig und ungeschikkt/ der Römer aber
584
Schlägt unerschrokken drauf und steget alle-
585
Die Schlang’/ im fall ihr Kopf von Jemand ist
586
Die wispelt mit dem Schwantz’ und hin und wie-
587
Sie schadet aber nicht/ es ist mit ihr gethan/
588
Jhr Feind der Lacht Jhr nur und sieht die
589
So ist auch unser Fürst. Die Zahl von seinen
590
Die sehr geringe war/ ist ungeneigt zum fechten/
591
Sie stehn gantz verzagt/ sie sehn die letzte
592
Sie merken daß ihr Herrschon selbst vor Angst
593
Es scheint ein Jederman vom heissen Angstensie-
594
Schon überfallen seyn/ Es gehet über und über/
595
Kein Raht verfängt nicht mehr/ die Weisen
596
Man siehet daß das Werk sich schon zum Ende
597
Was sol der Feldherr thun! die Sinnen sind ver-
598
Er fällt in Raserey und gehet wie verjrret;
599
Er grämt sich jnnerlich/ Er geht ohn unter-
600
Betrübet auf und ab/ Er denket dieß und das.
601
Er bildt ihm endlich ein/ (Er kans auch wol ge-
602
Daß Jhn Kleopatra mit ihren bösen Ränken/
603
Vielleicht verrahten möcht üm ihr Aegypten-
604
Und Sich auch selbsten mit in einen Frieden-
605
Zu setzen bey August; Er kennet ihr Geblüte/
606
Das voller Schmeicheley/ Er kennet ihr Ge-
607
Welchs in dergleichen Thun sehr künstlich ab-
608
Er saget bey sich selbst: Was thut die Hure
609
Wer kan den klugen Witz nach gnüge doch be-
610
Was kan ein solches Weib vor Ränke nicht be-
611
Jhr abgrundsgleicher Geist ist so/ daß Jhn
612
Er sey auch noch so klug/ genug ergründen
613
Wie aber du mein Sinn? wie? soll Ich wol ge-
614
Daß mich Kleopatra/ geneiget sey/ zu kränken?
615
Und Den zu hintergehn der sie so hertzlich liebt/
616
Der sich in treuer Gunst ihr gantz zu eigen
617
Ach nein mein liebes Hertz/ Ich kan es ja nicht
618
Daß Sie mich ihren Mann der Ehren sol berau-
619
Sie hat mich viel zu lieb/ es sey ihm wie ihm
620
Ich trau’ ihr dieß nicht zu/ daß sie mich schän-
621
Es gehe wie es geht/ Ich bleib’ ihr doch gewo-
622
Ich bleibe biß ins Grab von Jhr unabgezogen/
623
Es sol Kleopatra biß in den Tod hinein/
624
Mein treugeliebter Schatz und Allerliebste
625
Kleopatra die merkt/ daß Er sie so verdachte/
626
Drüm Sie sich bald darauf Jhm aus den Augen
627
Sie kennet seinen Kopf/ es ist Jhr treflich leid/
628
Er möcht’ Jhr leides thun in einer Grausam-
629
Begiebt sich auf ein Schloß mit ihren Kammer-
630
Die sie vor treu erkennt/ die Jhr Gesellschafft
631
In ihrer Traurigkeit/ bringt ihren besten
632
Auch ingeheim hinauf an einen sichern Platz/
633
Jm willens/ wenn es ja zum Unglükk solte ren-
634
Die Schätze wie man meint mit Feuer zuver-
635
verschleusst das Trauerhauß/ verriegelt
Thor und Thür/
636
Legt feste Gatterwerk/ und starke Riegel für.
637
Schikkt einen Boten ab/ der muß dem Feldherrn
638
Daß Sie gestorben sey vor großem Hertzens-
639
Der leuffet bald dort hin/ und meldet solches
640
Als ob Kleopatra Jhr Leides angethan.
641
Es meinten damals viel zu ihrer großen Schande/
643
Den Hafen von der See/ und noch mehr andre
644
Aus ungezwungner Noht/ dem Feind’ ergeben
645
Es meinten Andere daß darauf Sie gedächte/
646
Wie Sie doch den August Jhr auch zum Freun-
647
Und lokkete sein Hertz zu einer süssen Brunst/
648
Durch ihre Schmeicheley und süsse Circen-
649
Man dachte dieß und das/ man wolt’ auch wol
650
Daß/ weil Sie mit Verstand/ mit Witz und klu-
651
So reichlich war begabt/ weil Sie mit ihrer
652
Und süsser Redensahrt manch tapfres Hertze
653
und weil dieß Weib mit List den Bruder
überwunden/
654
Und seines Reichs entsetzt/ Sie auch noch diese
655
Sich fest darauf verließ; daß Sie das gantze
656
Und ihren Liebsten mit geb’ in Augustus
657
Ob eben solches nun ihr Vorsatz sey gewesen/
658
Das lass Ich ungesagt/ man hat es nach zulesen:
659
Ich lasse diese Sach’ als wie im finstern stehn/
660
Und wil daß traurig End’ an diesen Beiden
661
Als nun Antonius sein Unglükk sahe kommen/
662
Als ihm sein Volk erlegt/ die Schiffe wegge-
663
Als fast daß gantze Reich/ und Er gewißlich
664
Als wenn Kleopatra des Lebens sich beraubt.
665
Wird Er vor grosser Angst zum Wahnsinn ange-
666
Er trägt in dieser Welt zu leben kein belieben/
667
Es ist ihm lauter Leid/ es ist ihm nur ver-
668
Daß Er die göldne Sonn’ am Himmel schauen
670
Der du wol eh gewohnt mit Feinden frisch zu-
671
Stoß nun dein grimmig Schwert in diesen
672
Dieß ist der gröste Dienst den du mir leisten
673
Ich bitt ergreif dein Schwert/ und rühre mir zum
674
Mit einer kühnen Faust/ Ich wil es gern ver-
675
Ich sterbe gern/ weil Die schon in der Todten-
676
Die fast mein Leben selbst/ und höchste Freude
677
Der gute Knecht erschrikkt/ ein Eysgleich-kaltes
678
Nimmt Hertz und Adern ein/ Er fänget an zu
679
Er saget bey sich selbst: Ich! tödten meinen
680
Da sey der Himmel vor/ ach das sey von mir
681
Er fasset einen Dolch mit einer scharffen Spi-
682
Als wenn Er seinem Herrn das Hertze wolte ritzen/
683
Stösst aber in sich selbst den mörderischen
684
Bläst Geist und Leben aus/ auf diesem Trauer
685
Ach Eros sprach der Fürst wilstu mich so anfüh-
686
Wolan ich folge dir weil mir es wil gebühren.
687
Versigelst du die Treu’ an mir durch diß dein
688
Wolan ich thue es nach mit unerschrokknem
689
Hierauf zog Er den Dolch aus Eros seinem Her-
690
Der gantz mit Blut besprützt/ stach sich mit gros-
691
In seinen Leib hinein. Was thut Verzweif-
692
Er schweimelt in ein Bett mit bleichem Ange-
693
Er winselt rufft und schreyt/ daß Volk kömmt an-
694
Sie sehen das Gemach mit Blute gantz beflossen/
695
Kein retten war mehr da/ Er war znm Tode
696
Er sprach mit halber Stimm’ und schon-erbla-
697
Ach Freund’ es ist geschehn/ lasst dies’ entseelter
698
Laßt diesen todten Leib in jene Grabstatt nieder/
699
Wo meine Liebste ligt/ geht doch mein Bitten
700
Daß ich im Tod’ auch mag mit Jhr gepaaret
701
In dem Er dieses sprach mit abgeschwächter
703
Und spricht daß Sie noch lebt/ Er saget auch
704
Daß Sie noch diese Zeit von frischen Glie-
705
So laß mich/ bat der Fürst/ doch diese Gunst er-
706
Daß ich bey Jhr doch mag in ihren Armen ster-
707
Dieß ist mein letzter Wunsch. Sein bitten
708
Ob schon das letzte Blut ihm aus den Adern
709
Man macht sich bald bereit/ Er wird mit großem
710
Von seiner Diener Schaar zum Schlosse zuge-
711
Man ruffet überlaut/ man klopfet tapfer an/
712
Das Schloß bleibt aber zu/ es bleibt unaufge-
713
Kleopatra di. meint/ daß Sie wird überfallen/
714
Hält sich in dem Gebäu’ als in verschlossnen
715
Sie steht in großer Furcht/ und hält sich im-
716
Macht keinem Menschen auf/ man klopf’ auch
717
Biß endlich durch ein Ritz die Königinne merkte/
718
Daß es ihr Liebster war/ den man mit Labsal
719
Dem schon der kalte Tod nach Hertz und Sin-
720
Das gute Weib erschrikkt/ Sie weis nicht was
721
Sie stehet gantz erstarrt/ Sie sinkt in Ohnmacht
722
Man streicht und muntert sie/ die Frau erholt sich
723
Doch gleichwol war kein Mensch/ der eine
724
Das Schloß bleibt furchtsam zu/ man denkt
725
Es wird ein starker Korb mit Strikken fest gebun-
726
In diesem wird der Fürst zu ihr hinauf gewun-
727
Sie greiffet selbst mit an/ und zieht mit aller
728
Biß Er wird endlichen zum Fenster einge-
729
Was ist nun hier zu thun? weil keine Hülf’ er-
730
So klagt man jämmerlich/ und bittre Thränen
731
Er liegt in seinem Blut’ und schnorchelt albe-
732
Doch redt Er dieses noch mit großer Mattig-
733
Und gab Jhr gute Nacht: Ach/ sprach Er/ meine
734
Kleopatra mein Trost/ und vormals meine
735
Wie manchen/ manchen Schimpf/ wie man-
736
Der heimlich mich genagt/ wie manchen Sin-
737
Hab’ ich doch liebstes Kind/ seit daß ich dort ge-
738
Zu Land’ und auf der See/ gedüldig können
739
Da aber ich nur hört’/ als ob ihr euch gestürtzt/
740
Und Euch vor großer Angst das Leben abge-
741
Hab’ ich von stunden an nicht länger wollen le-
742
Ich habe diesen Leib gern in den Tod gegeben/
743
Es war mir lauter Wust/ den Himmel anzu-
744
Es war üm meine Freud’ und Fröligkeit ge-
745
Weil Jhr mein’ einge Lust/ Ich stieß mit diesen
746
Ein Schwert in meinen Leib/ mein Leiden nur zu
747
Wie ihr dann selber seht/ daß schon mein Leben
748
Und mir der kalte Tod in alle Glieder schleicht.
749
Doch acht’ ich dieses nicht/ ich sterbe wie in Freu-
750
Weil ich in eurem Schoß’ aus dieser Welt mag
751
Weil meine matte Seel’ und abgeschwächter
752
Bey Euch/ mein trautstes Kind/ aus diesem
753
Weil ich den letzten Schnukk von diesem müden
754
Und dieß mein warmes Blut nur Euch mag
755
So frag’ ich nichts darnach. Gebt mir noch
756
Es ist das letzte mal weil ich nun scheiden
757
Habt Tausend gute Nacht. In dem Sie sich wil
758
Auf seinen blasseu Mund köm̃t ihr die Seel ent-
759
Aus seinem Hertzen her/ Er stirbt auf ihrer
760
Hat also seinen Geist den Göttern zugesandt.
761
Sie weinet bitterlich/ Sie fällt der todten Leichen
762
üm den erstarrten Halß/ Sie wünschet zu erblei-
763
Bald auch mit Jhm zugleich/ Sie legt ihn in
764
Sie setzet sich zu Jhm/ und küsst ihn tausend
765
Indem nun dieß geschicht/ wird bald auf allen
766
Das feste Schloß berennt mit wolgeübten Leu-
767
Die Cesar abgesandt/ man setzet etwas an/
768
Stürmt aber nicht mit ernst/ wird also nichts
769
Augustus schikket drauf den
770
Der mit ihr reden soll/ Sie kömpt zu ihm herab/
771
(mit nichten doch herauß) Sie bleibet drinnen
772
Er aber muß zu ihr vor eine Pforte gehn.
773
Die fest verschlossen ist/ da reden diese beyde:
774
Sie wird von ihm getröst in ihrem schweren
775
Wie eine Königinn/ Er sagt ihr Hülffe zu/
776
Er schwehrt ihr seine Gunst/ verspricht ihr
777
Er bittet was Er kan/ daß Sie doch auf- sol-
778
Sagt daß auf solch’ ein Ahrt Sie ihre böse Sa-
779
Viel schlim- und ärger mach’; ist aber all üm-
780
Er brauch’ auch wie Er wil die süsse Rede-
781
Er gehet wieder weg mit seinen Kriegesknechten/
782
Die alle muhtig sind mit Lust herüm zu fechten/
783
In dem so wird Er bald ein Fensterloch ge-
784
So man mit leichter Müh’ und ohne groß Ge-
785
Sehr wol ersteigen kan; Es wird an seiner Stelle/
787
Der redet auch mit Jhr/ vor schonerwehntem
788
Er bringet schöne Wort’ und lange Reden vor.
789
In dem die Beyde nun die Friedensred’ erweitern/
790
Seumt Prokulejus nicht setzt lang’ und starke
791
An jenem Fenster an/ und steiget gantz allein/
792
(doch nein! mit zweyen noch) zu diesem Fen-
794
Sie wird von tieffer Angst zum höchsten einge-
795
Sie schreyht: O wehrte Frau/ es ist mit uns
796
Wir sind in Feindes Macht/ wir müssen ley-
797
Zum Siegespracht nach Rom! Was hilft uns
798
Die schon erobert ist/ das Sterben wird das beste
799
Numehro vor uns seyn. Die Königin er-
800
Sie stehet wie ein Stokk im Geiste gantz ent-
801
Sie eylt zum Degen zu/ ergreifft ihn mit den
802
Und wil in solchem Leid’ ihr selbst das Leben en-
803
Der tapfre Prokulei/ springt aber eylends zu/
804
Hält ihr die Hand/ daß Sie ihr ja kein Leides
805
Was? Was? (sprach Er zu Jhr) Princessinn
806
Ich bitt euch schöne Frau/ befürchtet keine
807
Viel weniger den Tod; Augustus ist ein
808
Den man zur Gütigkeit gar leicht bewegen
809
Jhr seyd ja viel zu schön/ als dergestalt zu sterben/
810
Jhr solt/ was Euch beliebt/ von seiner Gunst er-
811
Darüm seyd nur getrost. Die matte Königinn/
812
Schweigt still zu dieser Red’ und fällt in Ohn-
813
Darauf wurd’ also bald ein Diener abgeschikket/
814
Der sagt dem Keyser an wie alles so geglükket/
815
Er sagt ihm/ wie das Schloß mit einer klugen
816
Und auch Kleopatra an Sie ergeben ist.
817
Er sagt ihm wie die Frau in solchen jähen Nöh-
818
Der Sie sich nicht versehn/ sich selber wollen töd-
819
Der Keyser eylt zum Schloss’/ nnd grüsst die
820
Er bittet manches mal damit ihr doch nicht
821
Er sey ja kein Tyrann/ Sie sol ihr Hertz nur
822
Und mindern ihre Noht/ Sie sol durchaus nicht
823
Daß man Jhr Leides thu/ betheuret noch da-
824
Sie sol versichert seyn/ daß Er ihr Schutzherr
825
Was aber Cesar spricht mit klug- und süssem
826
Ist nur ein Wortgepräng’ es geht ihm nicht von
827
Sie merket es gar wol/ daß man nur mit ihr
828
Drüm ist ihr Hertz und Sinn auf lauter Leid
829
Es köm̃t kein süsser Schlaf in ihre Falkenaugen/
830
Sie netzt ihr Lagerbett mit milder Trähnenlau-
831
Sie winselt jämmerlich/ Sie klaget ihre Noht/
832
Sie wünscht ohn unterlaß den herben bittern
833
Wo ja aus Mattigkeit ein Schläfchen Sie be-
834
So treumt ihr dieß und das; bald wird ihr vor-
835
Der Römsche Siegespracht/ bald fesselt man
836
Bald wird ihr dieser Schimf/ bald jener an-
837
Wie denn gemeiniglich die böse Treume schrek-
838
Und bey geängstigten noch grösser’ Angst er-
839
So gieng es auch mit Jhr. Es sey Nacht oder
840
Sie findet nichtes nicht/ deß Sie sich trösten
841
Als nur den bleichen Todt. Sie dachte hin und
842
Wie man zum sanftesten das Hertz und alle
843
Geschwind’ entgeisten möcht’/ ihr hochbetrüb-
844
Sinnt auf ein Mittel nur das bald den Todt
845
Sie hatte schon vor dem/ nur bloß gewiß zu
846
Welchs doch der leichste Tod/ viel Sclaven weg-
847
Mit wunderlichem Kraut/ mit Schlangen
848
Das durch die Adern schleicht/ und zu dem
849
Mit Aderlassen auch. Doch unter diesen allen/
850
Ließ ihr das schwache Weib die Schlangen wol-
851
Es war kein ander Tod der ihr bequämer
852
Als durch ein’ Aspenzung’ üms Leben seyn ge-
853
Sie lest ihr alsobald dergleichen böse Schlan-
854
Durch einen Bauerknecht im nechsten Walde
855
(der war darzu erkaufft:) Er fängt und brin-
856
Die böse Bestie die Königsmörderinn.
857
Ob schon das Kriegesvolk/ ob schon die Wächter
858
Was Er im Korbe da zur Königin zu tragen:
859
Der Baur entsetzt sich nicht/ sagt daß es Blu-
860
Drauf geht Er sicher durch/ man lest ihn willig
861
Als Er nun vor sie kömmt/ neigt Er die Baurge-
862
Nach schlechter Dorffesahrt/ Er gibt ihr das Ge-
863
Was sie von ihm begehrt/ Sie setzt es auf den
864
Sie lest den Bauren gehn/ Sie macht das
865
Welchs zugebunden war/ sie sieht nach ihrem
866
Sieht aber ihn nicht bald/ die Blumen und die
867
Die hatten ihn bedekkt/ Sie rührt die Blumen
868
Da saß daß schöne Thier in einer ronden
869
Es träget Feur im Aug’ es hat rohtgelbe Flekken/
870
Auch Blattern voller Gift/ so ihm die Zähne dek-
871
Es flittert mit der Zung’ es flechtet sich sehr
872
Es zwirbelt mit dem Schwantz’/ und siehet
873
Als Sie dieß Thier ersieht/ da fängt sie an zu la-
874
Sie schikkt sich zu dem Todt’ und schreitet zu den
875
Sie fügt sich an das Bett’/ entblösset ihre
876
Sie setzt den Korb vor sich/ und sagt mit lauter
877
Mein Thierchen bistu da? Ich warte mit Ver-
878
Du solst noch diese Stund’ an diesen Brüsten
879
Du kanst/ du solst und must jetzund in kurtzer
880
Das endlich’ Ende seyn von meiner Trau-
881
Wolan! so fang es an. Wie ligstu doch so stille?
882
Von dir gebissen seyn ist mein beliedter Wille.
883
Stich meine Brüste durch und blaß dein Gift
884
Das/ was ein Andrer hasst/ sol meine Wol-
885
Ich scheue mich nun nicht/ daß ich so muß ver-
886
Durch deine schnelle Zung’/ ich muß doch einmal
887
Der Tod ist dem ein Trost der in Betrübnüß
888
Der hier nur allezeit in Noht und Jammer
889
Stich hier in diesen Leib/ an welchem Der zu rüsten
890
Und auszuruhen pflag/ der meine geile Lüsten
891
Oft freundlich hat gestillt. Stich hier in diesen
892
In welchem oftermals Antonius fein warm
893
Und sanft geruhet hat/ laß sich mit einem zischen
894
Dein starkes Aspengift mit meinem Blute mi-
895
Der Leib/ der geile Leib der vielmal bös ge-
896
Geht nun den herben Tod gantz unerschrok-
897
Spahr keine Kräffte nicht/ du bist darzu beschei-
898
Stich zu mit aller Macht/ ich wil es gerne leiden/
899
Stich zu mein Thierchen stich/ ich bin also
900
Daß ich dein strenges Gift/ und deine Grau-
901
Gar gern erwarten wil. Doch bitt’ ich liebe
902
Mach mir mein Leiden kurtz und quäle mich nicht
903
Beiß nur in diesen Arm/ den ich dir lasse sehn
904
Und triff die Median/ so ist es bald geschehn.
905
Ich habe satt gelebt in diesen meinen Jahren/
906
Die alle wie ein Rauch schon sind dahin gefahren/
907
Mein Leben ist schon aus. Ich hatt’ ein mäch-
908
Kein König war mir fast an reichen Schätzen
909
Glükkselig wer’ ich noch/ ja über alle maßen/
910
Jm fall die Römsche Macht mich hette frey ge-
911
Nun aber kömmt der Tod/ und reist mein Le-
912
Mein gröstes Königreich wird seyn ein enges
913
Kommt her ihr Kinderchen die unter meinem
914
So lang gelegen sind/ die ich mit sauren Schmer-
915
Hab’ an die Welt gebracht/ Ach kommt es ist
916
Daß Jhr nun kurtzweil treibt. Ach bitters Her-
917
Ach! Ach! und aber ach! Ach möchte doch mein
918
Euch trautsten Kinderen die Freyheit nur erwer-
919
Ach möchte doch mein Leid/ und dieser herbe
920
Das endlich’ Ende seyn von eurer großen
921
Ach denkt nicht daß ihr seyd von Fürsten herge-
922
Der itzge Trauerfall hat alles weggenommen/
923
Es war euch nicht allein ein hoher Ehrenthron
924
Gesetzt/ besondern auch ein’ edle Königskron.
925
Auf euer Haupt bedacht/ nun aber kans geschehen/
926
Daß Euch kein mächtigs Volk muß zugebote ste-
927
Vielleicht ein’ Herrde Vieh. Ach heisse See-
928
Jhr werdet nun vielleicht nur schlechte Scla-
929
Drüm schükkt Euch nur darzu/ und lernet eure
930
Die Rom euch aufferlegt/ mit stillen sinnen tra-
931
Denn kein Kreutz ist so schwer/ das uns wird
932
Welchs nicht noch leichter wird’/ imfal mans
933
Tragt alles mit Geduld/ es mag vielleicht Euch
934
Offt muß ein herber Safft den kranken Menschen
935
Das ist ein edler Sinn/ dieß ist ein tapfrer
936
Der sein verhengtes Leid gedüldig tragen kan.
937
Was Euch der Himmel schikkt/ was ihr nicht
938
Das lernet mit Gedult in eurem Stande leiden.
939
Wer weiß zu was für Ehr’ und zu was Herr-
940
Zu was für grossem Glükk’ ihr noch gebohren
941
Jhr müsset weil ihr lebt allzeit des Besten hof-
942
Dergleichen Unglüksfall hat manchen auch ge-
943
Der eben dieß so viel/ als ich und ihr gedacht.
944
Wem heute diesẽ Tag das falsche Glükke lacht/
945
Den hasst es morgen wol/ und schläget ihn dar-
946
Bald hebt Es ihn empor/ und tröstet ihn auch
947
So geht es in der Welt/ so ist des Glükkes
948
Den einen stösst es ab/ den andern hebt es auf.
949
Kommt liebste Kinder kommt/ kommt last mich
950
Reicht mir die Lippen her/ und eure zarte Wan-
951
Daß ich sie küssen mag/ dieß ist das letzte mal/
952
Zu tausend guter Nacht/ lebt ewig ohne Qual.
953
Und ihr Antonius empfanget meine Zähren/
954
Ich kan Euch/ liebster Freund/ ein mehrers nicht
955
Dieß ist mein Trauerdienst/ dieß ist die letzte
956
Ich thete gerne mehr/ bin aber Meine nicht.
957
Ich bin in Roms Gewalt/ ich bin (ach weh!) ge-
958
Es ist der bleiche Tod mein inniges verlangen/
959
Mein Leichnam wird verwahrt/ die Freyheit
960
Ich bin ein’ arme Magd/ und keine Königinn.
961
Doch acht’ ich alles nicht/ ich wil mich wegen
962
Nicht setzen in den Staub/ und da mein Hertze
963
Ich gräme mich auch nicht/ daß ich nun ster-
964
Nur dieses kränket mich/ und macht mir einen
965
Daß man mich armes Weid dorthin nach Rom
966
um einen Siegespracht hochprächtig aus zu
ziehren;
967
Daß ich so offentlich der Römischen Gemein’/
968
Ein Schau- und Gekkenspiel/ ein Spott und
969
Daß man uns/ wehrter Schatz/ wil von einander
970
Das/ das thut hertzlich weh/ das/ das macht Her-
971
Doch sol es nimmermehr in dieser Welt ge-
972
Man sol Kleopatren zu Rom nicht ledend sehn.
973
Ich bin von edlem Stam̃’ und Königlich geboren/
974
Von meiner Ahnen Ahrt hab’ ich noch nichts ver-
975
Ich bin aus Ninus Hauß/ ich bin von großen
976
Und soll nun Sclavinn seyn? O das sey von
977
Viel lieber wil ich noch/ hier diesen Leib ent-
978
Und stürtzen ihn hinab in die Avernus-hölen/
979
Eh man mich führen sol in jenen Römschen
980
In jenes Siegsgepräng’/ Eh sterb’ ich hun-
981
Ich habe neben Euch/ ich habe dieser tagen/
982
Jmgleichen manches Leid in dieser Brust ge-
983
Nur dieses aber ist der rechte Hertzverdruß/
984
Daß ich Euch/ liebstes Hertz/ so gar entbehren
985
Ach weh wie schmertzt mich dieß/ wie kränkt diß
986
Daß ihr euch/ kühner Held/ habt lassen so ge-
987
Und mich in dem verdacht/ als weñ ich Freund-
988
An unserm Feind’ August! Ich were ja ver-
989
Und nicht des Himmels wehrt/ wenn ich mein
990
Euch meinen Hertzenstrost dem Feinde solt’ er-
991
Viel lieber einen Dolch in diesen Leib ge-
992
Und das betrübbte Hertz in seinem Blut’ er-
993
Viel lieber geb’ ich mich den Leuen zuzerreissen;
994
Es mag ein Krokodil die Klieder gantz zu beissen;
995
Eh spring ich ungescheut in Heklens heisse
996
Eh stürtz’ ich mich hinab in Tethys tieffe
997
Megera straffe mich; Erinnens Unglüksflam-
998
Die schlagen grimmiglich auf meinem Kopf zu-
999
Eh geh ich in den Tod mit schwerem Ach und
1000
Eh ich an Euch/ mein Kind/ solch Lasterstükk
1001
Ich wil es mit der That bezeugen und erweisen/
1002
Daß ich nicht Untreu bin/ ich wil die Schlange
1003
Mit meiner Brüste Blut noch heute diesen
1004
Das mein verreister Geist bey Euch nur leben
1005
Da wil ich mit bescheid Euch zuverstehen geben/
1006
(jmfall man) jenes Ohrts/ in jenem andern Le-
1007
Noch Unterredung Pflegt) daß dieser Tod ge-
1008
üm Euret willen nur/ und sonst kein anders
1009
Nehmt meinen Leichnam an, den jetzo werd ich
1010
Und neben euren Leib’ ein Grab vor mich erwer-
1011
Glaubt sicher/ daß der Tod uns heute Paaren
1012
Augustus sey so sturr und grausam wie er woll.
1013
Da Sie dieß ausgeredt/ hat sie die böse Schlan-
1014
Das mörderische Thier zu zärgen angefangen/
1015
Sie aber wehrt sich nicht/ ja zweifelt auch da-
1016
Ob solch ein zarter Leib mit Gift zu tödten
1017
Weil aber unsre Frau nicht nachließ anzuhetzen/
1018
So fängt das Thier auch an sich zu der Wehr zu
1019
Es krummt sich erstlich wol/ nimmt nachmals
1020
Und strahlt ihr in den Arm davon sie sterben
1021
Der Gift nimmt seinen Lauff durch alle frische
1022
Sie wird wie schläferig/ Sie legt sich endlich nie-
1023
Und darauf/ da Sie es am wenigsten gedacht/
1024
Gibt ihr der wehrte Gast die Seele gute Nacht.
1025
Ob Sie nun also starb das kan man noch nicht
1026
Sie war an einem Arm’ als wie vom Floch gebis-
1027
Man sucht an ihrem Leib’ es war kein Schwulst
1028
Man sah auch keine Schlang’ im Zimmer et-
1029
Sie lag da wie ein Bild/ die Glieder nicht verbo-
1030
Die Lippen nicht verkrümmt/ die Augen unbewo-
1031
Die Haut nicht schwartz vom Gift’/ ihr gantzer
1032
War also wolgestalt/ als wenn das schöne
1033
In einem Schlafe leg’. In dem nun diß geschehen/
1034
Kömmt Cesars frisches Volk/ den Handel an-
1035
Zum Zim̃er zugeeylt/ Sie sehn das Wesen an/
1036
Ist aber schon zu späht/ das Traurspiel ist ge-
1037
Die treue Karmion die schönest unter allen/
1038
Die vor in allem Thun/ der Königinn gefallen/
1039
Die war von dieser That im Hertzen so be-
1040
Daß Sie sich also bald im Saale niederlegt’/
1041
Und sturb in Ohnmacht weg. Weil
1042
Ein’ Unterredung pflegt/ wird Sie von Mattig-
1043
Gantz schwach und kräftenlos/ Sie fähret auch
1044
Sie schweimelt in dem Saal/ wie ihre Kar-
1045
Bläst Geist und Leben aus. Wie diese nun ver-
1046
Jras und Karmion/ und worvon sie gestorben/
1047
Weis noch kein Mensche nicht/ doch dem sey
1048
Sie waren ihrer Frau biß in den Tod getreu.
1049
Eh noch die Königinn war tödtlich aufgerieben/
1050
Hat Sie dem Keyser selbst dieß Brieschen zuge-
1051
Sie macht’ es Siegelfest/ und sendet es bald
1052
Durch einen treuen Knecht. Dieß waren dessen
1053
Ach Held/ ach tapfrer Held/ ach Siegesreicher
1054
Ach gütigster August/ der du die Palmenreiser
1055
Trägst in der gantzen Welt/ nim an den letzten
1056
Den dir Kleopatra anjetzo senden muß.
1057
Laß dir die letzte Bitt’/ ach laß das heisse Flehen/
1058
Dir zu den Ohren ein/ biß zu dem Hertzen
1059
Du weist daß dieß ein Lob wenn Fürsten gütig
1060
Wenn Sie der Armen Flehn nicht schlagen in
1061
Drüm laß uns/ edler Held/ doch diese Gnade
1062
Laß mich und meinen Freund/ in Ein Grab doch
1063
Die Bitt’ ist ja sehr schlecht/ ach gehe Sie doch
1064
Und laß dein’ arme Magd von dir erhöret
1065
Er hatte kaum die Schrifft mit Wehmuht über-
1066
Da bracht’ ein Knecht die Post von diesem
1067
Er eylet nach dem Schloß’ und sieht dieß
1068
Kömmt aber allzuspäht/ der Unfall ist gethan.
1069
Dort ligt Antonius dem Seel’ und Geist ent-
1070
An jenem Ohrte dort ligt Eros auch erblichen;
1071
Hier liegt Kleopatra/ und nicht sehr weit da-
1072
Ligt Jras ihre Magd/ und ihre Karmion;
1073
Augustus steht erstarrt/ Er lesset bald bestellen/
1074
Nach Fürstlichem Gebrauch von seinen
1075
Ein Grab von Marmorstein/ da leget man ihn
1076
Und neben seine Leich’ auch seine Königinn.
1077
Antontens treuer Knecht wird auch bald beygele-
1078
Nur Ein gewelbtes Grab die beyden Jungfern he-
1079
So nahm das Spiel ein End’. Ein jeder der es
1080
Der klagte diesen Fall/ und gieng ihm hertzlich
1081
Seht einen großen Herrn/ mit tausend gros-
1082
Seht eine Königin! wie die zu nichte gin-
1083
Die geile Brunst war Schuld/ das un-
1084
Drüm seh’ ein jeder zu und hüte sich vor