Die erhöhete FRYNE-BOZENE

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Georg Neumark: Die erhöhete FRYNE-BOZENE (1666)

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Nach abgesungnem Lied' hat er ihm vorgenom- men
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Aus Antrieb seiner Lieb’ in jenes Schloss zu kom-
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üm seinen liebsten Schatz Bozen’ einmal zu
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Achates aber wehrt und lest es nicht geschehn.
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Er füget Ursach bey/ sagt/ daß man es soll spah-
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Biß auf ein ander mal/ man soll doch erst erfah-
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Ob sie auch sey geschikkt/ ob sie bey dieser Zeit/
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Auch recht vollkommen sey in ädler Höfligkeit.
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Hierauf ließ unser Fürst sich endlich inne halten/
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Und seinen Kammerherrn in diesen Sachen wal-
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Es wird ein Ritterspiel dem Adel angericht/
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In welchem Mann vor Mann mit Schwert
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Man richtet Schauplätz’ auf vor hoh’ und grosse
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üm nach Vergnügligkeit das Ritterspiel zu
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Ein recht bequemer Ohrt und wolgesetzter
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Wird einer jeglichen vom Marschalk zuer-
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Achates der ihm nun schon längsten vorgenom̃en/
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Daß Fryne dieses mal vor Leute solte kommen/
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üm zu erkündigen was hier die kluge Welt
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Von ihrer Zierlichkeit doch vor ein Urtheil
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Er wil von ihrem Thun die Leute hören sprechen/
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Und/ so es nöhtig ist/ ersetzen ihr Gebrechen.
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Wil hören was das Volk vor Rede von ihr
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Und seht zu dieser Prob’ hat er diß Spiel er-
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Er sagt es keinem nicht was er nun wil beginnen/
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Er geht allein zu Raht mit seinen reiffen Sinnen/
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Er bringt sie in die Stadt zehn Tage vor der
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Kein einger Mensche weis von seiner Heimlich-
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Als man mit diesem Spiel’ itzt schritte zu den
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So ließ er nach Gebühr Bozenen fertig machen/
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Er schikkt ihr Kleider zu/ Gold/ Perlen/ edle
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Und andre Sachen mehr von grossem Werth’
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Er lesset eine Stell’ allein vor Sie bereiten/
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Und sie durch alles Volk von sieben Rittern leiten/
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Ein jeder Ritter trug ein Kleid von grossem
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Und nach der fremden Ahrt sehr köstlich aus-
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Jhr ausheimsch Ehrenkleid war aber unter allen/
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Am treflichsten gemacht/ Ein jeder trug Gefallen/
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Wer sie erblikkte nur/ Viel stunden auf den
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Nur daß sie überweg Bozenen möchten sehn.
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Neun Kam̃erjungferen/ und andre schöne Frauen/
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Die folgten Frynen nach/ welchs herrlich anzu-
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Sie aber bleibt bedekkt biß sie zum Schauplatz
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Und mit den ihrigen die Oberstelle nimmt.
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Da blösst sie ihr Gesicht und ihre Rosenwangen/
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Sie scheint als eine Sonn’ am Morgen aufge-
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Durch ihren schönen Glantz/ durch ihren En-
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Wird Manche/ die zuvor berühmt/ beschämt
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Gleich wie Dianen Licht bey heitrer Nchtzeit
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Und gleichsam alle Stern/ so üm sie stehn/ ver-
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So ist auch unsre Fryn’. Jhr hohe Schön-
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Bricht als ein heller Stern vor allen Jung-
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Der Menschen ihr Gesicht ist mehr auf Sie ge-
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Als auf den Kämpferplatz da mancher Ritter
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Ein jeder untersucht/ ein jeder Mensche fragt/
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Wer doch die Nymfe sey/ die wunderschöne
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Kein Mensche weis Bescheid/ kein Mensche weis
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Wer und woher sie sey. Es wird von vielem
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Ein sumsendes Gelaut. Sie bleibet unbekant/
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Sie scheint als were sie aus freyer Luft ge-
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Der Fürst kömmt unter-deß mit Völkern ange-
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Und wird von allem Volk’ in Demuht angebeten.
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So bald er Frynen sicht (die ihm doch unbe-
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Fällt sein beweglichs Hertz in süsse Liebeslust.
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Bozene steht bald auf/ daß Sie mit einem Neigen/
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Dem Fürsten nach Gebühr mag satsam Ehr’ er-
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Sie und ihr Volk ist so in allem wolgeschikkt/
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Daß unser junger Fürst wird gantz im Geist’
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Er sieht an dieser Nymf’ ein solches ädles Wesen/
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Als were Sie nach Wunsch aus tausenden er-
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Jhr trefliches Geschikk nimmt ihm das Hertz
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Daß er sonst nichts begehrt als nur bey ihr zu
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Wie bald kan Schönheit doch/ begabt mit Höf-
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Und ädler Sittenahrt/ der Menschen Hertz be-
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Weicht hofsche Jungfern weicht! man sage
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Hier stehet eure Ziehr und aller Wolstand still.
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Mein treuer Raht ist der: seht fleissig auf Bo-
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Gebt fleissig auf sie acht/ und lernt von dieser
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Was rechte Tugenden/ was ädle Zierden
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Ob sie der Herkunft nach gleich ist ein Hürten-
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Das Armuth schändet nicht. Man hat sich nicht
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Kunst und Geschiklichkeit von Armen anzune-
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Der Himmel machet oft ein armes Mensche
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Und wegen Ehr’ und Zucht/ den großen Für-
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Ein junger Herr uñ Fürst der von Tirol sich neñte/
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Fragt’ unsern Huldenreich ob Er die Inngfer
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Der sagte zu ihm: Nein. Ich schwer’ auf mei-
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Es ist das schönste Mensch/ Sie sey auch wer
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Auf dieses fieng man an mit Kesseltrummeln rum-
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Das Taratantara klang in die Heerestrum-
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Der Fürst nimmt seinen Platz der vor ihn ist
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Das Schauvolk weicht zurük/ und macht ein
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Vier Ritter grün und weis/ die kommen wie zum
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So freudig war ihr Sinn/ und fällen ihre Lan-
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Hierauf vier andere/ die traben frisch heran/
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In rohter Kleider Ziehr/ auf diese Renne-
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Das rohte Kämpfervolk führt’ aufgebrüste
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Zum Zeichen auf dem Helm’. Es war wol an-
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Daß der in grünem Kleid’ ein Turtelteubchen
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Auf seinem Ritterhelm/ und solchen damit
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Hierauf so fängt man an mit ernst- und hartem
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Man sieht in kurtzer Zeit die schwanken Lantzen
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Das Holtz springt in die Luft/ der Kämpfer in
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Das reuterlose Pferd in freyes Feld und
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Drey rohte Rittersleut’ im Lantzenstreit’ erle-
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Die greiffen zwar behertzt nach ihren blanken De-
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Und wieder an den Mann. Was aber man be-
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Ist nur vergeben Ding/ das grüne Volk ge-
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Der eine grüne Held der ritterlich gestritten/
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Kam zu dem Platze zu/ wo Fryne saß geritten/
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Und sagte: schönste Nympf’ ihr seit auch wer ihr
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Habt Theil von meinem Raub’habt Theil von
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Habt Theil von meinem Ruhm; Durch euch hab’
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Jhr/ ihr habt es gethan das hier mein Feind erli-
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So bald ihr nun auf euch/ hochädle Nympfe/
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Als bald war meine Kraft zum streiten zwier ge-
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Nehmt diesen Federbusch von diesen meinen Hän-
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Womit ein Diener Euch sein Leben wil verpfän-
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Hier auf wird wiederüm bald hie bald da ge-
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Wer doch der Geber sey/ und wer die schöne
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Das Ritterspiel wird aus/ das Fechten nach gelas-
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Und eh’ es jemand merkt’ ist Fryne von der Stras-
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Der Kammerherr ihr Freund der hatt’ es so be-
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Daß sie so unversehns verschwunden aus dem
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Ach Gott was Fragens ist nach unserer Boze-
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Wie mancher tapfrer Held verlangt nach dieser
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Man schikket Kundschaft aus/ die beste List und
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Wird hie und da versucht/ all Ausfrag’ ist üm-
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Kein einger Mensche weis wohin Sie sey gezo-
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Sie scheinet allem Volk’ als wie davon geflogen.
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Der Fürst weis selber nicht auch nicht sein gan-
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Achates weis allein von dieser schlauen That.
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Des Fürsten Huldenreichs verlicbete Gedanken/
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Beginnen bin und her zu lauffen und zu wanken.
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Es dünkt ihm Spökerey/ dieweil ihm nicht ein
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Von diesem Wunderthun Bescheid ertheilen
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Er wird wie gantz beteubt/ Er macht sich auf die
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Und denket bey sich selbst wem er die Heimlichkei-
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Die er im Hertzen hat/ doch wol entdekken soll/
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In dem er nun so steht von Liebsgedanken voll/
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Kömmt gleich sein Kammerherr Achates herge-
142
Zu diesem sprach er bald: Mit hertzlichem Ver-
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Hab’ ich auf euch gehofft/ mein treu erfundner
144
Jhr wisset daß ich oft in mancher großen
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Mich eurer Hülff erhohlt. Hört was ich vor wil
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Ich bitt’ euch helffet mir in solch geheimen Din-
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Und spahret keinen Fleiß/ Ich weis sonst keinen
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Als euch/ dem ich mein Hertz nach Wunsch ent-
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Ich hab’ im Ritterspiel ein’ ädle Nymf’ ersehen/
150
Ein auserlesnes Bild mit ihren Junfern stehen/
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Ein Spiegel aller Zucht/ ein treflichs Tugend-
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Auf die das gantze Volk sein Augen hat ge-
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Als Sie mir Ehre that/ sah’ ich ihr treflichs We-
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In welchem Zucht und Ehr’ und Höflichkeit zule-
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Mir daucht’ ob ihr Gesicht mir in die Seele
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Und einen heissen Strahl mir in das Hertze
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Darauf war ich bedacht Sie selber anzusprechen/
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Und kunte der Begierd’ und Lust mich kaum ent-
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Daß ich es bald nicht that. Nun aber ist Sie
160
Und weiß kein Mensche nicht an was für einen
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Diß thut mir hertzlich weh. Wüst’ich sie nur zu
162
Mich dünkt ich hette Lust die Lieb’ an sie zu binden.
163
Zwar sag’ ich daß Bozen’ ein schönes Mensche
164
Doch kömmt Sie an Gestalt der Heutigen
165
Gewiß! kan einig Ding mich von Bozenen he-
166
Die heutge Nymfe kan mir satsam’ Ursach geben.
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Doch diesem sey nun so. Bringt etwas an den
168
Mein Hertzgetreuer Freund/ das mich vergnü-
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Als dieß Achates hört weis er fast nichts zu sagen/
170
Beginnt sein’ Antwort erst recht wol zu überschla-
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Denkt diß/ bald wieder das ist alles Zweifels
172
Er weis nicht was er doch dem Fürsten sagen
173
Doch endlich brach er aus: Ich wil kein’ Unlust
174
Eur ädler Fürstengeist soll hier in diesen Sachen
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Nicht lang’ im Zweifel stehn. Die ihr habt an-
176
Heut auf dem Ritterspiel’ ist euere Bozen’
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Eur ädler Hertzenstrost/ die ihr habt außerkohren
178
Sie mnß ja/ wie mir dünkt/ vor euch nur seyn ge-
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Denn eben jener Zeit gewannet ihr sie lieb/
180
Als sie auf freyem Feld’ ihr’ arme Schafe trieb.
181
Und heute da sie war recht Fürstlich ausgeschmük-
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Habt ihr sie auch beliebt als ihr sie nur erblikket.
183
Das kömt von oben her. Es giebt der Augen-
184
Das keine sonst als Sie soll eure Liebste seyn/
185
Man steht ja nichts an ihr als göttergleiche Tu-
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Es zeugt ja jedermann daß ihre zarte Jugend/
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Mit Anmuht gautz durchsternt/ ihr treflicher
188
Ist so/ daß sie wol kan regiren Leut und Land.
189
Dem Fürsten Huldenreich fäugt an das Hertz zu
190
Vor großer Frölichkeit/ es kan ihm nichts gefal-
191
Auf dieser gantzen Welt/ daß ihm so wol be-
192
Als was sein Kammerherr Achates itzo sagt.
193
Wie? sprach Er/ lieber Freund war heute diese
194
Die ich ins Hertz gefasst mein’ edele Bozene?
195
Ich glaub’ es nimmermehr daß in so kurtzer
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Sie zugenommen hab in solcher Treflichkeit.
197
War diß mein Hürtenkind das nun ein Jahr ver-
198
Jm Schloss erzogen ist? welchs ich euch anbe-
199
Recht Fürstlich aufzuziehn? Ich bilde mir nicht
200
Daß dieses müglich sey/ daß Sie es könne sein.
201
Achates sprach: fürwar ich sage keine Lügen/
202
Mein wehrter Fürst und Herr ich wil euch nicht
203
Da sey der Himmel vor! So ists was ich erzehlt.
204
Es ist das Schäferkind welchs ihr euch habt
205
Verzeiht mir ädler Herr/ daß ich ohn euer Wis-
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Diß vorgenommen hab’/ ich war dahin beflissen/
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Daß ich vernehmen wolt’/ ob auch noch etwas
208
Das irgend bäurisch wer’; ob aus der Schäfe-
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Noch etwas an ihr hieng; ob ihr Gemüht’ und
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Recht adlich unterricht; ob sie mit Tritt- und
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Sich recht zu schikken wüst’; ob diese Schäfe-
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Sich auch geberden könt’ als eine Hertzoginn.
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Ich habe so gethan wie dort vor alten Jahren
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Ein Mahler großer Kunst der gerne wolt’ erfah-
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Was noch zu tadeln sey? Der etwas hinge-
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Und steissig angehört wie Der und Jener
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Der Fürst fiel ihm ins Wort erfreut ob diesen
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Und sagte: Lasset uns nicht länger Zeit verbrin-
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Wo ist denn metne Fryn? Es soll und muß ge-
220
Ich muß sie heute selbst mit meinen Augen
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Da hilfft kein sagen nicht/ kein Bitten/ oder Flu-
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Der Fürst ist gantz gesinnt Bozenen zu besuchen.
223
Doch endlich dämpft Achat mit Weisheit sol-
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Weil ihm des Fürsten Sinn und Hertze wol be-
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Wie? sprach Er/ ädler Herr/ könnt ihr denn eure
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Da ihr doch mit Gewalt könnt Leut’ und Land
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Nicht zwingen? Das ist Schand! Ein Fürst
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Hält seine Lust im Zaum’ und zähmet seinen
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Jhr wollt in solcher Lust zu Frynen euch erheben/
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Zu einem solchen Bild’ als in der Welt mag le-
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Mein Herr bedenkt euch wol kömmt Feuer zu-
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So wird die Flamm’ erregt und brennet lich-
233
Jhr wisset es ja selbst/ daß ich mit schwerem Eide/
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Von euch verpfiichtet bin/ daß sie vor allem Leide/
235
Was Ehr’ und Zucht betrifft/ soll wol beschü-
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Drüm stimm’ ich in diß Thun in ewigkeit nicht
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Der Fürst/ nach dieser Red’ und reiflichem Be-
238
Betheuret die Bozen’ an Ehren nicht zu kränken/
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Er sagt/ er sey vergnügt wenn er nur diesen Tag/
240
Jhr angenehmes Thun ein wenig sehen mag.
241
Hierauf macht er sich fort auf hitzigs Sinnen-
242
Und läst fast alles Volk im nechsten Dorffe blei-
243
Achates ist mit ihm/ sie klopfen höflich an/
244
Biß endlich auf Befehl das Schloss wird auf-
245
Man saget ihnen zwar wie daß die Jungfern äßen/
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Und mit der Hertzogiñ nun gleich zur Tafel sässen/
247
Doch/ so der Kammerherr die Jungfern wolte
248
So könte solches doch wol in geheim geschehn.
249
Der Fürst bleibt unerkant/ Achates hält es stille/
250
Sagt daß der junge Herr auf seines Fürsten Wil-
251
Bozene sehen soll. Er führt ihn wo sie saß/
252
Da er kunt’ in geheim sie sehen/ wie sie aß.
253
arete war gewohnt der ädlen Jungfern Sin- nen/
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Mit schöner Redensart zur Tugend zu gewinnen/
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Und zur Geschiklichkeit. Was schön und höf-
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Wurd’ allzeit über Tisch mit Lust hervor ge-
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Der Fürst höhrt alles an/ und sieht solch schönes
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An Frynen/ daß ihn dünkt als sey sie ausgelesen/
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Aus hundert tausenden. Dieß macht ihn so ge-
260
Daß er sie heftiger als vormals lieb gewinnt.
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Er schwehrt und spricht: Ich wil mein Gut und
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Wo ich dieß liebe Bild in Frechheit wil berüh-
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Und wo mein Liebessinn sie in das Bett begehrt/
264
Jhr sey denn von mir selbst Hertz/ Hand und
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Könnt ihr mein lieber Freund ein solches Mittel
266
Und wisst bey dieser Sach’ ein Fündchen zu er-
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So prüfet euren Witz wie man doch solches
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Den Ständen meines Reichs mit Fuge kundt
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Auf dieses gehn sie weg. Der Fürste reit geschwin-
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Zurükk in jenes Dorff/ zu seinem Hofgesinde.
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Dieweil es aber spaht/ bleib’ Er die gantze
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Die er aus großer Lieb’ hat schlafloß hinge-
273
Da nun das große Licht die Spitzen der Gefilden/
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Des Morgens durch den Glantz begunte zu ver-
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Macht sich der Hertzog auf begiebt sich in das
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Da er sein Zeitvertreib mit schnellen Hunden
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War aber nicht mit Ernst zur Jägerey geneiget/
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Nur darüm that er diß/ daß er sich so erzeiget/
279
Daß keiner seines Volks/ in dem er hurtig jug/
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An ihm das möchte sehn/ was er im Hertzen
281
Achates underdeß geht mit verwirten Sinnen/
282
Und weis nicht wie das Werck recht klüglich zu
283
Er kennt die hofsche Ahrt/ er weis wol wie die
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Alda erfüllet sind mit bittrem Haß und Neid.
285
Drüm hält er diß vor gut/ daß er ihm müss’ er-
286
Ein Pahr vertraute Freund’ und ihnen solchs
287
Und machen in Geheim nur bloß ein blind Ge-
288
Zu sehn was doch hievon des Volkes Meynung
289
Darauf so gehet Er gar bald zu zwey Bekanten/
290
Die sich des Landesherrn getreue Diener nanten/
291
Er merket aber bald daß einer solches lobt/
292
Der Ander’ aber nicht/ und sehr dawieder tobt.
293
Der erste der beginnt den Fürsten hoch zu preisen/
294
Daß er dem armẽ Stand’ ein solches wil erweisen.
295
Er sprach: Da Adam hakkt’ und Eva saß und
296
Wo war zur selben Zeit ein großer Edelmann?
297
Wir sind vom höchsten Gott aus einer Erd’ er-
298
Warüm denn soll ein Fůrst nicht können Freude
299
Da/ wo sein Hertz hinhängt? Das ist ein groß
300
Wenn ein noch junger Mensch gezwungen
301
Die Heyraht/ Speis’ und Trank die sind von sol-
302
Die drangloß wollen seyn/ die sich nicht lassen
303
Wie manche Noht und Angst/ wie manches
304
Wie manche Hertzensreu kömmt aus ge-
305
Ich halte daß der Fürst ist auf das Feld gewichen/
306
Weil unsre Stadt und Hoff mit solchen falschen
307
Fast gantz erfüllet ist. Ein jeder den man sieht/
308
Ist mehr auf Heucheley als Aufricht seyn be-
309
Wo ja noch Redligkeit ist auf der Welt geblieben/
310
So lest sie ihr das Feld mehr als die Stadt belie-
311
Wo ist doch in der Stadt die rechte Jungfer-
312
Wo sieht man doch bey vns die rechte Tu-
313
Das arme Schäfervolk führt ein unschuldigs
314
Ist frisch/ stark und gesund und keinem Falsch’
315
Wer solch ein Mägdchen nimmt die ihn ver-
316
Der hat ein groß Geschenk auf seinem Hoch-
317
Ein hochgestammtes Weib wil sich vor keinem
318
Es werdens viele noch zugleich mit mir bezeugen.
319
Sie brommt/ sie gocht/ sie schnarcht/ sie trotzet
320
Wer aber nidrig’ freyt der bleibt ein Ober-
321
Doch dem sey wie ihm woll’! Es wird doch wol
322
Was unsrem Herrn gefällt. Wer wil Gesetze
323
Dem/ der ste selber giebt? Ich sage diß darzu:
324
Gott geb’ ihm Glükk und Heyl und laß ihn
325
Als diß Achates hört/ beginnt er sich zu freuen/
326
Vermeinend daß das Werk/ wird also wol ge-
327
Wie er es bey sich wünscht. Hiermit seumt er
328
Nimmt Abschied von dem Mann’ und geht in
329
Auch zu dem Anderen und wil von ihm verneh-
330
Was seine Meinung sey. Der wil sich nicht be-
331
Der fehrt ihn treflich an/ verstellt sein gantz Ge-
332
Ist heftig wider ihn mit eifri gem Gemüht’/
333
Und spricht: Was? Soll der Fürst ein Bauer-
334
Ein grobes Hürtenkind zum Nachtheil ädler
335
Wer Teuffel hat denn nun solch Narrenstükk
336
Wer hat denn unsern Herrn zu solcher Liebe
337
Achates wie mir dünkt und wie ich leicht kan mer-
338
So habt ihr halbe schuld an solchen Affenwerken.
339
Ein schöner Freyersmann! Der stinckend’
340
Der ein beschmiertes Schaf mit tapfren Leuen
341
Ich schwer’/ Achates/ euch beymeiner echten
342
Stekkt ihr in dieser Sach’ es sol euch bald gereuen.
343
Des Adels Hass und Neid’/ Schimpf/ Spott
344
Sol unausbleiblich seyn eur wolverdienter
345
Was nur von Adel ist/ wird euch deswegen mei-
346
Und solchen grossen Schimpf durchaus von euch
347
Drüm raht’ ich als ein Freund/ lasst diese Pos-
348
Treibt dieses Thun zurükk’ und stellt die Hey-
349
Wer kan ein närrscher Werk/ als dieß/ bey sich
350
Soll sich ein großer Fürst üm eine Schäfrinn
351
üm solch ein stinkend Mensch? üm solch ein
352
Die wenig klüger ist als ein verfaulter Klotz?
353
Die weder Höflichkeit noch Tugend hat erfah-
354
Die lauter grobes Volk in ihren jungen Jah-
355
üm und bey ihr gesehn? Die außer unsrer
356
Nur Schafe/ Schwein’ und Küh ins Feld ge-
357
Warüm liebt unser Fürst die Bauermagd Bo-
358
Das faule Lumpenaas? Vieleichte weil sie
359
Mein sagt mir denn einmal/ was ist die glatte
360
Die man an dieser Magd der groben Bäurinn
361
Ich weis ja anders nicht/ als gläsern’ Edel-
362
Geschminkter Koht und Wust/ vergöldte Tod-
363
Die faul und stinkend sind. Ist dieses denn nun
364
Wenn man es recht bedenkt/ daß man es so be-
365
Es ist ja zwar nicht ohn’/ ich muß die Schönheit
366
Wenn sich solch eine Magd hat lassen unterwei-
367
In ädlen Tugenden mit Höflichkeit gepahrt/
368
So geht es ja noch hin/ so hat es noch ein Art.
369
Was ist es aber denn wenn bloß die Schönheit
370
Wenn sie von Höflichkeit und Tugend nicht er-
371
Fürwar ja anders nichts als ein geschnitztes
372
Das stumm und ungeschikkt/ zu nichtes sonsten
373
Als bloß zur Augenlust. Drüm last das Wesen
374
Last jene Bauermagd ihr Vieh und Schweine
375
Lasst einen Drescherknecht in sie verliebet seyn/
376
Und keinen Fürsten nicht/ und stellt die Sachen
377
Ein Fürst muß sein Geschlecht mit ädlem Blute
378
Und nicht mit Baurenkoht den hohen Stamm
379
Was bringt ein Bauerweib wol anders auf die
380
Als einen groben Mops? Der dienet in das
381
Und nicht ans Regiment. Jhr müsst mir ja ge-
382
Daß/ was nur Leben hat/ und was wir können
383
Auch seines Gleichen bring’. Es bringt ein je-
384
Es sey wild oder zahm sein Ebenbild herfür.
385
Ich wil den Himmel selbst mit dieser Erde mengen/
386
Eh ich den grossen Schimpf des Adels wil ver-
387
Erfahr’ ich nur den Mann der dieses Wesen
388
Ich bin kein Ritter nicht/ wo er am Leben bleibt.
389
Ich wil dem Unverstand’ ein solches Freyen wei-
390
Daß er es fühlen soll/ Ich stoß’ ein kaltes Eysen
391
Jhm in das Narrenhertz. Hat ja der Fürste
392
Zu einer Schäfermagd/ zu solchen Bauren-
393
Und kan mit Tapferkeit sein geiles Hertz nicht stil-
394
Wolan so mag ers thun/ und habe seinen Willen/
395
Er lesche seine Brunst an solcher schnöden
396
Und lasse sie denn gehn. So viel sey euch gesagt.
397
Als nun Achates sieht/ solch Ungemach erwekken/
398
Gedenket er bey sich: Hier muß was hinter stekken.
399
Er bricht sein Reden ab/ und macht sich von
400
Entschüldigt sich bey ihm so viel er immer kan.
401
Er gehet hie und da und fraget gute Freunde/
402
Was doch die Ursach sey/ daß Orgus sich zum
403
(so nenn’ ich diesen Mann) des Fürsten hat
404
Biß endlich dieser Grund ihm wurde beyge-
405
Daß nemlich unser Fürst ohnlängst sich sehr ver-
406
In Eine seines Bluts/ die sich nun sehr betrübet/
407
Weil Sie verlassen wird; Die sich nun heftig
408
Weil unser Fürst ihr Buhl’ auf eine Schäfrinn
409
Es geht durch Mark und Bein/ es dringet biß zum
410
Ja nichts kan heftiger das Frauenzimmer
411
Als wenn sie in der Lieb’hindan gesetzet sind/
412
Und ihr geliebter Schatz ein’ andre Liebste findt.
413
Weil diese Jungfer denn aus hohem Herren-
414
Und fast die allerschönst im gantzen Böhmerlande/
415
Noch über dieses auch dem Orgus zugethan/
416
Verdreust es ihn noch mehr/ und nimmt sich
417
Achates dacht’: Ey so! Ligt da der Hund begraben!
418
Ich dacht es alsobald es müst’ ein’ Ursach haben.
419
Wie wendet man doch vor des Fürsten Ehren-
420
Und meinet unter deß nur seinen eignen Nutz.
421
Halt! Man muß weislich sehn wie dieser abzu-
422
Und seines Gleichen mehr/ die mehr auf ihres
423
Als auf den Fürsten selbst. Solch scharfge-
424
Der alles sehen wil/ solch nasenweiser Fuchs/
425
Muß von dem Hofe weg. Doch muß ichs wol er-
426
Sonst mach’ ich mir den Hof und Adel gantz ent-
427
Was ich im Sinne hab’ ist eine solche Last
428
Da Klugheit nöhtig ist/ es ist ein harter Gast
429
Da ich gewesen bin/ sein Anhang ist sehr mächtig/
430
Sein Stand hochangesehn/ und sein Geschlechte
431
Er gilt sehr viel am Hof’/ es muß von statten
432
Was dieser schlimme Mann vor rahtsam an-
433
Es wird bald besser seyn mein kluges Stille-
434
Biß daß Gelegenheit hierzu sich möcht’ ereugen.
435
Ein klug und weiser Mann die schnelle Sinnen
436
Uñ kehret lieber üm als daß er schädlich springt.
437
Dem Fürsten wird in deß der Frynen halben
438
Er denket diß und das/ die Zeit wird ihm sehr lan-
439
Schikkt nach Achates hin. Als der nun vor
440
Fragt Er ihn alsobald: Achates was für Raht?
441
Mein Fürst/ antwortet’ Er: Die Sach ist treflich
442
Man muß sie wol durchsehn. Wie mancher Raht
443
Den ich bey mir erdacht! Nur Einer loht diß
444
Und Zehne schelten es/ so viel ich seh und merk’.
445
Ich hab’ ein schön Geschicht vergangner Zeit ge-
446
Das wird sehr dienlich seyn zu diesem Heyraths-
447
Thut auch so/ wie es dort der große
448
Der Perstsche Monarch/ der diesen Fund er-
449
Den rechtgewünschten Raht: Er hat da anbe-
450
Daß man aus allem Land’ ihm solte Jungfern
451
So treflicher Gestalt/ da laß er ihm Ein’ aus/
452
Die ihm die schönste daucht’/ aus einem Hür-
453
aspasia genandt. Macht ihr es auch derglei- chen/
454
Beruffet Jungfern her aus eur- und andren
455
Und setzet Frynen nur mit in die Zahl hinein/
456
Ich weis es vor gewiß/ Sie wird die Schönste
457
Dann machet euch bereit und kommt mit guten
458
Die ihr vor treu erkandt/ ins Zimmer eingetreten/
459
Und wenn ihr wehlen wolt so fraget sie üm
460
So gehet ihr gewiß in dieser großen That.
461
Kein Mensche weis von ihr aus was vor einem
462
Man hat nicht nöhtig/ daß man frag’ aus was
463
Wann sie die Schönste nur/ und euch/ mein
464
So ist die Sache gut. Ich weis daß alle Welt/
465
Wo man nicht blind wil seyn/ wird frey heraus
466
Daß Fryne mang der Zahl die Schöneste zu nen-
467
Dann habt ihr eine Frau mit Beyfall hoher
468
Und nicht vor euren Kopf/ wie jener blaue Neid
469
Vieleichte sagen mag. Der Raht war gut erfun-
470
Die Sache wird alsbald darauf in wenig stunden
471
Den Ständen kund gethan/ man bringet ihnen
472
Wie daß Fürst Huldenreich numehr gesinnet
473
Sich in den süssen Stand der Ehe zu begeben/
474
Und nun nicht länger woll’ ohn eine Liebste leben/
475
(wo nur möcht’ Eine seyn/ die ihme wolgefiel/
476
Und daß/ aus hunderten zu wehlen/ sey sein
477
Die Stände freuen sich. Man sendet hin und
478
Sucht Jungfern hie und da/ die zierlicher
479
Und schöner Lieblichkeit. Man bringt sie auf
480
Ein jede denkt bey sich: Ach wer wird aus der
481
Die Landesfürstinn seyn? Wer wird doch unter
482
Dem Fürsten Huldenreich am treflichsten ge-
483
Es dachte keine nicht/ daß eine Schäferinn
484
Solt’ ihre Fürstinn seyn/ und Landeshertzo-
485
Gleich eben dieser Zeit da alle Jungfern saßen/
486
Und wolten sich nun gleich vom Fürsten richten
487
Da geht Achates durch und sieht es alles an/
488
Ob alles wol bestellt/ ob alles wolgethan.
489
Sieht die Göttinnen Schaar mit heller Klarheit
490
Daß ihm von Frynen Zier das Hertz beginnt zu
491
Als er die Jungfern sieht/ den Himmelsgleichen
492
Dacht’ Er: O Weh! hier wankt der Frynen
493
Seh’ ich doch hier im Saal’ ein klares Stern-
494
Daß mir durch dessen Glantz/ die Augen fast ver-
495
Ich habe gar zu viel der Frynen zugetraut/
496
Mich dünkt so bald der Fürst nur dieses Volk
497
Wird er das arme Kind Bozene lassen fahren/
498
Und sich durch Mißverstand mit einer andern
499
Aus dieser Nymfenschaar. Wer ungezwungne
500
Und frey zu kiesen hat in solcher schönen Zahl/
501
Kan leicht betrogen seyn. Er gehet fast zu allen/
502
Absonderlich die ihm so treflich wol gefallen/
503
Und slehet sie recht an/ die meisten in der schaar/
504
Sind lieblich angeschminkt und tragen falsche
505
Er schweigt/ ob schon ers merkt/ und geht mit sei-
506
Zu rahte/ was doch wol hierinnen zu beginnen/
507
Damit der junge Fürst durch solchen falschen
508
Und schnöde Schminkerey nicht mag betrogen
509
Ein Kauffmann/ ädler Fürst/ bedarf wol hundert
510
Wenn er was handeln wil das ihm zur Wol-
511
Und glüklich nützen soll. Jhr wehlet euch ein
512
Das ist ein harter Kauff/ und kein leicht Zeit-
513
Es ist ein fester Knopf. Das süsse Hochzeit-
514
Und Weiber nehmen sind fürwar nicht schlechte
515
Drüm nehmt euch wol in acht. Ein jeder muß
516
Daß wer sich hier versieht/ sich habe grob ver-
517
Es sind derselben viel die durch geschminkte
518
Und schöngemachten Glantz/ die Hertzen können
519
Die leicht verliebet sind. Solch eitle Weiber-
520
Ist solch ein schweres Thun/ da Weißheit nöh-
521
Wer nun durch solchen Schein sein’ Augen läßt
522
Wird vor ein schönes Weib ein greulich Hauß-
523
Dann solche schmiererey wehrt eine kleine weil’
524
Und das/ was lieblich war/ vergeht in schneller
525
Hat man denn nicht gesehn/ auf ungefärbte Ju-
526
Die sich verschwistert hat mit Keuschheit/ Zucht/
527
So ist man all sein Tag’ ein hochbetrübter
528
Drüm/ wol dem/ mehr als wol/ der sich wol
529
Der junge Fürste hört und nimmt es wol zu Her-
530
Daß wie Achates sagt/ hierinnen nicht zu scher-
531
Er fragt/ was denn vor Raht? Achates sagte
532
Daß man ihn sorgen laß in solchem Heyrahts-
533
Der Hertzog sagt ihm zu/ und lest in diesen
534
Den klugverschmitzten Mann/ was ihm beliebet/
535
Er rufft selbst überlaut daß man gehorchen soll/
536
Sein Kammerherr Achat befehl’ auch was er
537
Achates geht alsbald und holt ein göldnes Bek-
538
Stellt einen Knecht dahin/ der muß die Schulder
539
Mit einem Trükketuch/ und giebt ihm in die
540
Die Gieskann’ auch von Gold’/ und ordnet
541
Bey eine Stubenthür. Da stunden die Getreue
542
Des Fürstens gute Freund’ in einer langen Reihe/
543
Und auch der Fürste selbst. Jhr schöner Jung-
544
Wie ist euch nun zu Muht’ itzund auf diesem
545
Mich dünkt ich sehe schon/ euch im Gemühte zit-
546
Jhr wünschet/ wie es scheint/ daß den der Blitz
547
Und gantz zerknirschen mag/ der dieses aufge-
548
Und solche Wäscherey zu unserm Spott’ er-
549
Fürwar es jammert mich. Doch! was soll es
550
Jhr seit des Schimpfes wehrt/ die ihr in eurer
551
Wollt Gottes Meister seyn. Jhr macht euch
552
Und wollt noch schöner seyn als Er euch hat
553
Seht da! da habt ihrs nun! Achates wird euch
554
Wie ihr euch schminken solt!
555
Und haucht euch ins Gesicht/ wenn ihr euch
556
So geht die Röhte weg. Seht/ seht welch eine
557
Man rufft den Jungfern zu/ bey ihren eignen Nah-
558
Die meistentheils betrübt zum Probewaschen ka-
559
Der Fürst war selbst darbey/ und sah den Pos-
560
Er dachte diß bey sich: Wie wol ist das gethan!
561
Mang Andern war auch Ein’ aus nicht sehr ho-
562
Die schätzete sich selbst/ die schönste Nympf’ im
563
War aber weit gefehlt. Die wolt’ abseite gehn/
564
Ein Diener aber hieß dieselbe stille stehn.
565
Achates trat hinzu und bot ihr aus der Kannen/
566
Sie weigerte sich sehr/ und wolte gern von dan-
567
Wascht/ sagt der Kammerherr/ es kan nicht
568
Geht/ wie die andern/ auch des Fürsten Wil-
569
Er lest der armen Dirn das ädle Wasser giessen/
570
Er lesst das ädle Naß ihr auf die Wangen fliessen.
571
Ach welch ein seltzam Ding der schöne rohte
572
Weil sie sich waschen muß (O Weh!) ver-
573
Die schöne Lieblichkeit die Rosengleiche Wan-
574
Die werden gelblich schwartz wie von dem Tod’
575
Sie sieht so greulich aus gantz narbicht/ blaß
576
Ja sie wird zusehns so/ als ein Todtenleich’.
577
Jhr angeschmierter Kalk fiel in das göldne Bek-
578
Was ihr noch überblieb/ das waren große Flek-
579
Ein Edelknabe rief so schimpflich als er kunt’/
580
In dem Er dieses sah und nahe bey ihr stundt:
581
O ausgeschminkter Balk/ hast du dich unternom-
582
Mit solchem falschen Glantz auf diesen Saal zu
583
Und darffst dich unterstehn des Fürsten Ehren-
584
Zu büssen? pfuy dich an! Du groder Schan-
585
Die Jungfer steht beschämt/ wil gern zurükke ge-
586
Achates aber wil ihr solches nicht gestehen/
587
Sie muß zur Thür hinein/ der Fürste sieht sie
588
Der wundert sich gar sehr/ daß sie so unge-
589
Was sol das Mensche thun? Es thut ihr weh im
590
Der übergroße Schimpf bringt ihr viel Seelen-
591
Sie stehet nicht allein so schändlichen beflekkt/
592
Sie wird auch noch darzu von vielen ausge-
593
So gieng die Ordnung fort. Und war auch unter
594
Nicht Eine die den Herrn im Hertzen wolgefallen.
595
Wo sich bißweilen ja ein schönes Mägdchen
596
Wird ihr zur Grausamkeit ein Zornfeur an-
597
Damit sie sturrisch scheint/ sie wird mit vielem
598
Doch endlich angereitzt/ daß sie sich sehr erbossen
599
Und leunisch scheinen muß; bald ist das Maul
600
Bald ist der Kleiderahrt/ bald ist der Schmukk
601
Das gab ein andre Farb’/ und gantz ein ander
602
In welchem Eyfersucht/ verdruß und Zorn zu le-
603
Auf diese Weis’ und Art kam’ auch nicht ein
604
Die unsrem Huldenreich gefällig kunte seyn/
605
Man rüfft bißweilen wol/ man soll doch stille blei-
606
Die Knaben werden auch/ die solche Possen trei-
607
Zum Scheine hart gestrafft. Ist aber in der
608
So weislich angestellt mit wolbedachtẽ Raht’.
609
Als sie nun alle durch lest man Bozen auch kom-
610
Die noch kein Mensche nicht im Hofe hat vernom-
611
Sie scheint in ihrem thun als eine volle Braut/
612
An Höflichkeit die Schönst’ und auch die
613
Das schwartzbräunlich Gesicht/ wirfft hell’ und
614
Mit Zucht und Scham vermischt/ kein Mahler
615
Der Wangen keusches roht mit Lilien einge-
616
So übertrefflich schön/ ist Milch und Blut ver-
617
Der Zähne Perlenahrt scheint aus den zweyen
618
Des Purpurmundes so/ das ich mit diesen Wor-
619
Es nicht beschreiben kan/ Sie wird also ge-
620
Als wenn sich Venus selbst hett’ in ein Mensch
621
Aus ihrem leisen Gang’ und tugendhaften Schrit-
622
Erlernet man genug die wolgeübten Sitten.
623
Die Flechten sind sehr schlecht doch zierlich
624
Die Kleider nett und fein/ doch sonder allen
625
Sie wäscht sich vor dem Volk mit solchem schö-
626
Daß ihr ein jederman muß Ehr’ und Lieb’ erzei-
627
Man rufft ihr freundlich nach/ als Sie nun
628
Die/ die wird unsre Frau und Landesfürstinn
629
Das Fürstliche Gesicht ist bald auf Sie gefallen/
630
Und hat sie auserwehlt vor andern Jungfern al-
631
Die Rähte fielen bey weil ihr sonst keine
632
Und an der Ziehrlichkeit auch nicht das Was-
633
Es gibt dem Hertzogen ein wundergroß Vergnü-
634
Er nahet sich zu ihr vnd wil sich zu ihr fügen.
635
Sie aber schämet sich und fällt auf ihre Knieh/
636
In solcher Zierlichkeit/ als noch kein Mensche
637
Von Jungfern hat gesehn. Er hebt sie von der
638
Sie neiget sich vor ihm mit treflichen Geberden.
639
Er nahm von seinem Hals’ ein grosses Klei-
640
Welchs Er zum Liebespfand’ ihr eigenthüm-
641
Er hengt Sie selbst Jhr an/ die Deamantin Ket-
642
Daran wol etlich’ Herrn genug zu zahlen hetten/
643
So hoch und wehrt war sie. Er sprach: Nehmt
644
Und seit von itzo an mein’ ädle Hertzoginn.
645
Seit meines Hertzensruh/ mein auserwehlte
646
Mein süsser Lebens trost/ mein edele Bozene/
647
Mein schöner Auffenthalt/ mein Labsal in der
648
Mein liebstes Ehgemahl biß in den herben
649
Mein Seelchen trautstes Kind hiermit sey euch
650
Mein Land/ mein Gut und Blut/ und diß mein
651
Glaubt daß/ was Mund und Hand mit Euch
652
Mein ungefälschtes Hertz auch sprech’ ein A-
653
Das köstlich’ Hochzeitfest wird hiemit angefan-
654
Auf welches unser Fürst gewartet mit Verlangen/
655
Man siehet da vollauf/ und ein sehr groß Ge-
656
Was seltzam/ hoch und theur ist da in voller
657
Es kömmt die Nacht herbey/ man bringt die
658
Der neue Bräutigam schertzt mit ihr üm die
659
Man merket daß Bozen’ in dieser ersten Nacht/
660
Von Gott gesegnet sey und Mütterlich ge-
661
Der Kammerherr lest ihm viel theure Sachen
662
An Steinen/ Perlen/ Gold und andern schönen
663
Damit wird ordentlich das Jungservolk be-
664
Das da beruffen war/ und ziemlichen gekränkt/
665
In jener Wäscherey. Er fänget an zu grussen/
666
Und ihren Schimpf und Spott mit Reden zu ver-
667
Hier bleibt ein schöner Ring mit einem Dea-
668
Dort eine Perlenschnur ein schönes Ehren
669
Kurtz/ keine Jungfer ist nach Hause wiederkom-
670
Sie hat an ihrem Schmukk’ in etwas zugenom-
671
Ein jede wird vergnügt/ ein jede reist davon/
672
Und hat vor ihre Schmach ein schön Geschenk
673
So bald Achates nur die Jungfern fortgeschik-
674
Sieht Er was große Gunst auch über ihn nun
675
Der Fürst denkt reiflich nach/ was große Lieb’
676
Achates hat gethan/ bey dieser Freyerey.
677
Darüm lest Er es ihn mit glüklichem Erspriessen/
678
Mit einer Landvogtey und Dörfern wol genies-
679
Er schenkt ihm zum Dankhab auch noch ein
680
Darauf er leben kan in guter Lebensrub.
681
Neun Monat gehen weg die Zeit kömmt ange-
682
Das Fryne liegen soll/ welchs manchen Neid
683
Sie bringt ein schönes Kind den
684
Welchs ihrem Ehherrn wol/ und treflichen ge-
685
Die Stände sind erfreut/ weil sie numehro se-
686
Den edlen Fürstenstamm in voller Blüte stehen.
687
Die Fürstinn Fryne wird deßhalben hochge-
688
Die Liebe bey dem Volk ist Tag vor Tag ge-
689
Gott lesset ihr viel Lust und Frende wiederfahren/
690
Der Sohn wird alt an Witz ob schon er jung von
691
Des Vatters Heldenmuth/ der Mutter Fröm-
692
Blikkt herrlich von ihm aus in seiner jungen
693
Das flüchtige Gerücht kan dieses nicht verschwei-
694
Es eylet in die Welt/ diß Wesen anzuzeigen/
695
Es wundert jederman daß solche Herzo-
696
Zuvor gewesen sey/ ein’ arme Schäferinn.
697
Jhr arme Freunde/ die noch auf dem Felde leben/
698
Und wegen dieses Glükks in höchsten Freuden
699
Die halten vor gewiß/ daß nun von dieser Zeit/
700
Jhr herber Baurenstand/ und Arbeitseligkeit
701
Sich auch verändern wird. Die albre Schafe-
702
Versamlen sich im Dorf’/ und ihre schlechte
703
Erwegen diese Sach’/ und wissen aber nicht
704
Wer denn das Wort soll thun/ und bringen
705
Sie werden endlich eins/ sie gehen hin zur Fry-
706
Des Vatters Bruders Weib/ die klügest’ unter
707
Die nimmt das Werk auf sich. Als sie nun
708
Bringt sie der Freundschafft Bitt’ in solcher
709
Ob ihr schon kommen seit von uns zu hohen Din-
710
So höret gleich wol zu was ich euch vor-wil-
711
Jhr waret gleich wie ich (und zwar vor kur-
712
Nun aber seh’ ich/ daß ihr Landesfürstinn seit.
713
Die Kleider die ihr tragt die sind von grossen
714
Jhr könnet wenn ihr wollt uns auch in Reich-
715
Was GOtt euch hat geschenkt ist nicht vor
716
Wir sind ja eure Freund’/ es soll vor uns auch
717
Drüm theilet uns doch mit/ und traget mit uns
718
Betrübtem Bauervolk’ ein hertzliches Erbar-
719
Seht enre Kammermagd trägt wol ein Hu-
720
Allein auf ihrem Kopf’/ ach denkt an unsern
721
Und nehmt uns auch zu euch/ so werden unsre
722
Einmal geendigt seyn/ dann dürffen wir nicht
723
Wenns regnet/ friert und hitzt/ das schwere
724
Drüm bitten wir euch nu/ denkt nach und helfft
725
Bozene sieht diß Volk ihr Anverwandte kommen/
726
Sie hat sie nach Gebühr aufs freundligst’ aufge-
727
Sie hetst sie willkomm seyn/ sie führt sie in den
728
Und schiebt die Antwort auf/ biß nach dem
729
Sie aber fahren fort und wollen Antwort wis-
730
Verneuen den Versuch/ und sind auf nichts be-
731
Als auf das Reichthum nur/ welchs ihnen ihre
732
Aus Gunst ertheilen soll zu einem Eigenthum’/
733
Hierauf so fängt Sie an: Jhr meine liebe Freun-
734
Jhr wisst nicht was ihr wollt/ ihr seit eur’ eigne
735
Was diese Bitte rührt. Ich habe zwar die
736
Und thu es hertzlich gern/ welchs ihr auch leicht
737
Denkt aber besser nach/ und last euch nicht verblin-
738
Was ihr hier meint zu sein/ daß werdet ihr nicht
739
Ich weis wenn ihr mich seht daß ihr mich glük-
740
Und daß der hofsche Glantz eur Aug’ und Hertz
741
Wenn aber ihr das Werk nur soltet recht beden-
742
So würdet ihr den Sinn auf anders etwas len-
743
Jhr sehet zwar an mir/ ein schön und köstlich
744
Was aber ihr nicht seht ist offters Hertzeleid.
745
Der Hoff ist Schuhen gleich/ die schön und präch-
746
Die voll gestikket sind mit Perl und edlen Stei-
747
Ein jeder sieht sie an und helt sie hoch uñ werth/
748
Der aber/ der sie trägt/ oft schlechtere be-
749
Jmfall der blinde Mensch die Füsse nur darinnen/
750
So fühlt er offtermals den Zwang der harten
751
So/ daß er manchesmal vor Wehthum fast
752
In dem ein Anderer ihn vor so glüklich acht.
753
Eh ich war aus dem Feld’ in diesen Stand gezo-
754
Da war ich gleich wie ihr verblendet und betro-
755
Mir dauchte diser Hoff ein irrdisch Para-
756
Und ist doch anders nichts als stetes Hertzver-
757
Ich dachte wenn ich nur möcht’ einsten Fürstin
758
So wer’ ich Zweifels ohn die glükligst’ auf der
759
Ich dacht’/ ich wer’ allzeit im Hertzen unge-
760
Nun weist sichs anders aus und ist sehr weit ge-
761
Ich habe meine Frucht mit Schmertzen můssen
762
Und in Gebührtes Zeit mein junges Leben wa-
763
Ich habe Pein gefühlt durch disen gantzen
764
Gleich wie ein armes Mensch und schlechtes
765
Nun ich erlöset bin/ wil man mir nicht gestehen/
766
Daß ich mein Söhnchen mag an meinen Brüsten
767
Ich bin die Mutter zwar/ und darf nicht Am-
768
Ein’ Andre hat die Lust/ ich aber nur die Pein.
769
Diß ist die Herrlichkeit/ diß sind die große Sa-
770
Die euch/ O liebes Volk/ so sehr verblendet ma-
771
Es ist so süsse nicht/ wie ihr es etwan meint.
772
Es ist nicht lauter Gold was euch so treflich
773
Ich bitt euch glaubt mir nur/ daß ich weit besser
774
Da ich gantz Sorgenloß in freyem Felde schweb-
775
Da ich bey mir vergnügt im Wald’ im grünen
776
In rechter Fröligkeit bey meinen Schafchen
777
Hatt’ ich gleich damahls nicht so manche schöne
778
Als sich an diesem Hof’ itzt auf der Tafel weisen;
779
Die Rüben/ Kraut und Kohl und was der Ak-
780
Hat eben mich also/ als diese satt gemacht.
781
Trunk ich gleich keinen Wein von fernen herge-
782
Der durch den göldnen Glantz das Lekkeraug’
783
Ein silderklarer Fluß/ der aus den Klippen
784
Der keinen Sinn verkehrt/ war mir ein frischer
785
Trunk ich gleich nimmermehr aus theuren göld-
786
Die prächtig in das Aug’ und in die Zimmer
787
Mein höltzern Trinkgeschirr fein sauber/ nett
788
Von Buchsbaum ausgedreht/ war mir an
789
Und hört’ ich auch gleich nicht/ die hellen Seiten
790
Und nach der besten Kunst die Kehlen darein sin-
791
Ein neugeschnittnes Ried/ worauf ein Schä-
792
War mir auch angenehm/ und mich zur Freu-
793
War gleich kein Garte da/ geziehrt mit schönen
794
Mit Blumen und Gewächs/ mit Bäumen gantz
795
Ein schöner Myrtenstrauch und schattenrei-
796
Gab mir zu meiner Lust gewünschten Platz
797
Hatt’ ich kein weiches Bett mit Seiden ausge-
798
Wie man dergleichen Ahrt/ dort aus Aegypten
799
Ein wolgewohntes Heu/ und dikkgewachsnes
800
Gab mir auch Ruhe gnug/ wenn ich darinnen
801
Trug ich gleich damals nicht die Kleider/ so be-
802
Als weren sie mit Gold’ und Perlen übersehet;
803
Ein schlechtgewirkter Koth/ gemacht mit eig-
804
Der war/ worinn’ ich Schutz vor Hitz’ und
805
Und war ich nicht ümringt/ ihr Freund’ und
806
Mit solcher Diener zahl/ und vielen Leibtrabanten;
807
Ein Anzahl/ meiner Schaf’/ ein Lämchen von
808
Lief bey und üm mich’ her/ welchs mein Ver-
809
Trug ich nicht auf dem Kopf’ ein Kleinod von
810
Und andrer Köstlichkeit/ die eine Fürstinn ziehren;
811
Ein hüpscher Blumenbund/ und wolgefügter
812
Der alle Tage frisch/ war meines Hauptes
813
War ich schon nicht bedient von hundert grossen
814
Und Jungfern hohes Bluts/ die auf mich müssen
815
Die Mägdchens aus dem Dorf’ und manche
816
Die kürtzten mir die Zeit/ und stillten meinen
817
Seht meinen Hauptschmukk an darunter ligt ver-
818
Neid/ Abgunst/ Eyfersucht/ und andre große
819
Da ist kein Deamant der in demselben stekkt/
820
Der mich nicht hundert mal von meinem
821
Ich denke manches mal: Was kan doch Reich-
822
Nicht ware Sinnenruh/ kein Freudenvolles Le-
823
Hergegen aber gnug Verdrieß und Ungemach.
824
Ach Freunde/ Groß-zu seyn ist eine schwere
825
Ist das nicht sicherer ein Kräntzchen von Melis-
826
Mit Tulpen/ Negelchen/ Violen und Narzissen/
827
Mit Freuden aufgesetzt/ als mit viel Trau-
828
Und hertzlichem Verdruß/ ein theures Kopf-
829
Ach! was ist lieblicher/ als auf der grünen Hey-
830
In gutem Fried’ und Ruh/ die Schaf’ und Läm-
831
Ist das ein grosses Thun/ wenn man mit
832
Jm Fürstlichen Pallast’ unruhig wohnen muß?
833
Was ist gewünschterer/ als wenn man frische
834
Und die Gesundheit hat? Und wandelt hin und
835
Mit Lust im freyem Feld’? Ist das so treflich
836
Zu Hause sitzen/ und die Felder lust nicht sehn?
837
Man sage was man wil/ was hier so treflich
838
Ist weit so glüklich nicht/ wie mancher Mensche
839
Glaubt/ liebe Freunde/ glaubt/ ihr sehet was
840
Es ist ein stilles Kreutz verkleidet in das Gold.
841
Oft sitz’ ich über Tisch und esse theure Speise/
842
Das Hertze naget sich fast unerhörter weise.
843
Man meint oft daß mein Hertz sich frey und lu-
844
Und ist doch sonst auf nichts/ als heimlich Leid
845
Oft ist in bester Kost und in den göldnen Schalen/
846
Womit man herrlich prangt auf solchen Fürsten-
847
Ein schnelles Drachenblut und heimblichs
848
So/ daß man oftermals mit großen Sorgen
849
Seht aber euer Feld ist frey von solchen Klagen/
850
Man höret bey euch nicht dergleichen Fälle sagen.
851
Das liebe Rokkenbrot kennt keinen
852
Die groben Gerstengrütz/ auch keine
853
Ob schon die Nachtigal im Walde wird gefan-
854
Und/ in ein göldnes Baur verschlossen/ aufge-
855
Was fragt sie groß nach dem? Die Lieblichkeit
856
Sie singet nicht so wol als sie im Walde pflag.
857
Es geht mir eben so. Ich wolte lieber schlafen/
858
Da/ wo ihr Leutchen schlaft/ bey meinen Wol-
859
Als ihr in diesem Schloss. Ich bin so noch ge-
860
Daß ich das Feld erwehlt’ im fall es mir ver-
861
Weil aber nun mein GOtt mir dieses Glükk ge-
862
Daß ich bey meinem Herrn dem Hertzoge muß
863
Als liebes Ehgemahl/ muß ich zu frieden seyn/
864
Und stelle meinen Wunsch in GOttes Willen
865
Was kan ich schlechtes Weib? wer kan doch je-
866
Was Gott durch meinen Dienst gesinnet sey zu
867
Wer weiß noch was mein Sohn wird bringen
868
Und was er in der Welt für Nutzen schaffen
869
Vielleicht (beliebt es GOtt) bin ich ein’ ander’
870
Und was dem Fall betrifft derselben gleiche
871
Die gute Königinn ist mir hierinnen gleich;
872
Sie war ein’ arme Magd und kam zum König-
873
Ich wil mit ihr fortan erwarten Gottes Segen/
874
Wil trauen seiner Güt’ auf allen meinen We-
875
Was Er im übrigen an mir hat ausersehn/
876
Das mag genädiglich an seiner Magd ge-
877
Jhr aber die ihr euch wollt an den Hoff versetzen/
878
Bedenkt die Eitelkeit/ und wie sie kan verletzen
879
Wer nicht wol himmlisch ist. Jhr denkt auf ho-
880
Bedenkt wie manchem hat doch solches Leid
881
Drüm was ich bitten mag im fall euch ist zu rah-
882
So sucht doch solches nicht/ last ab von solchen
883
Die euch nur schädlich sind/ bleibt lieber da ihr
884
Am Hofe schwebt fürwar mehr Leid als Frö-
885
Als dieses Wort geredt/ so kömt Achates gan-
886
Und kůsst der Fürstinn Hand/ nach höflichem
887
Er sagte daß der Fůrst/ und eine grosse Zahl
888
Berühmter Edelleut’ itzt kämen auf den
889
Darauf lesst die Bozen’ ihr Volk sehr wol beschen-
890
Und bittet nach mahls Sie/ Sie wollen sich be-
891
Und auf gehabte Red’ ein wenig klüger seyn.
892
Kaum waren sie hinweg da trat der Hertzog

(Neumark, Georg: Poetisch-Historischer Lustgarten. Frankfurt (Main), 1666.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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