Die erhöhete FRYNE-BOZENE

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Georg Neumark: Die erhöhete FRYNE-BOZENE (1666)

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Ein rechter Tugendgeist und trefliches Gemühte/
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Sicht nicht nach grossem Stand’ und
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Dieweil es in gemein auf Pracht und Hoch-
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Und seinen blinden Sinn auf schnöde Wollust
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Wenn ungeschminkte Ziehr sich bey die Tugend
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So ist ein edler Sinn von Hertzen wol vergnüget/
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Er fragt nicht viel darnach woher ihr Ursprung
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Jm fall Sie nur mit Ehr und Redligkeit ge-
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Die Tugend nim̃et oft aus armen Schäferhürden/
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Ein schlecht-geschetztes Mensch und bringt sie
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Nehmt hter ein Beyspiel ab: Ein’ arme Schä-
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Wird durch der Tugendkraft zu einer Hertzo-
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Der Hertzog Huldenreich/ der Fürste der Bohemen/
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Der Herr von jenem Land’ in dem man andern
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Der Elbenfluß entspringt/ war aller Hoffart
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Und gleichsam von Natur ein ädler Tugend-
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Er trug von jugend auf zur Jägerey Belieben/
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Mit welcher er sehr oft die lange Zeit vertrieben/
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Das städtische Gepräng war ihm ein lautrer
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Ein schönbewachsner Wald war seine höchste
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Er ritt’ auf eine Zeit/ als Fœbus freundlich straal-
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Und das verjüngte Feld mit göldnen Straalen
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Mit Dienern auf die Jagt/ Er kam bey ein Ge-
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An einen schönen Ohrt der fast dem
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Dort in
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Ein abgehaltes Feld voll schöner Lieblichkeiten/
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Die Wiese war mit Klee und Blumen unter-
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Auf der das Wollenvieh in satter Wollust tischt’.
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Auf einer Seiten stund’ ein felsenreicher Hügel/
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Der voll Gepüsche war; das singende Geflügel
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War da in grosser Meng; die schlaue Nach-
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Die schlug mal übermal;
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War auch zu hören da; Der Fels war überzogen
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Mit grünendem Gesträuch’/ und schien/ als wie
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Von Meistern ausgewelbt/ darein man kunte
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Jmfall man einen Sturm und Wetter sah ent-
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Von diesem Klippen schoß ein Wasser wiel Kri-
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Welchs ein Geräusche gab in seinem steilen fallen/
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Es war sehr klar und hell/ erquikkend/ süß und
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Und rieselte mit Lust durch seine Myrtenpüsch’/
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Es samlete sich da bald in ein Thal zusammen/
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In dem der matte Mensch/ wenn er durch heisse
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Der Sonnen abgeschwächt/ sich wieder kühlen
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In dem manch Schäferknecht sich Sommers-
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Hier eben dieses Ohrts saß eine Schäferinne
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Zwar armer Leute Kind/ doch gleichwol keuscher
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Und treflicher Gestalt; Sie hatte sich bekräntzt
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Mit einem Rosenkrantz’/ ihr schönes Haarchen
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Als wer’ es lauter Gold/ es wurde durchgetrieben/
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Vom sanftem Zefyrus als wenn er selbst Belieben/
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Zu dieser Nymfen trüg’; aus ihrem Angesicht’
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Erhellete mit Lust das rechte Tugendlicht/
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Der Spiegel aller Zucht;
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Mit Milch und Blut vermischt/ der Lippen schö-
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War hohem Purpur gleich/ der Hals wie El-
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Der Schnee vermochte kaum den Brüsten
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Was weisse Haut belangt/ in summa alles Wesen
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Der jungen Schäferinn war schön und auserle-
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Es schien’ ob die Natur jr bestes Meisterstükk
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An ihr erwiesen hett’/ ihr trefliches Geschikk
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In allem was sie hat war löblich auzuschauen.
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Hier saß sie nun allein auf dieser grünen Auen/
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Wo diser Wasserfall ins Thal zusammen floß/
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Sie hatt’ ein Lämchen da auf ihrem weichen
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Und wusch dasselbig’ ab/ das Kleid war aufge-
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Biß über ihre Knieh/ die Armen aufgestreiffet/
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Und weil sie meinte daß sie gantz alleine war/
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Ließ sie die zarten Brüst ihr schwesterliches
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Von wegen großer Hitz’ auch ziemlich offen ste-
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Welchs aus der massen schön und lieblich anzu-
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In dem sie nun die Schaf’ in ihrer stoltzen Ruh
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Eins nach dem andern wusch/ sang sie diß Lied

(Neumark, Georg: Poetisch-Historischer Lustgarten. Frankfurt (Main), 1666.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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