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Weil Kenas also singt/ war fast die Nacht ge-
wichen/
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Der Sonnen Kammermagd Matuta kam ge-
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Und bahnete den Weg der Tagesmeisterin/
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Der Fürstin des Gestirns/ und nahm den Nebel
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Apollo stieg herauf mit seinen schönen Strahlen/
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Fing an den Ostenberg mit Golde zu bemahlen:
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Es brach mit voller Macht der helle Morgen-
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Der neu-gebohrne Tag mit seinem Glantz her-
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Der Vögel leichtes Volk sang mit gefasten Freu-
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Die Schäfer trieben schon das Vieh nach ihren
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Ein Knecht von Nabals Haus trieb auch des
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Der sagts dem Kenas/ daß sein Herr gestorben
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Er zählt wie Nabal doch so liederlich gelebet/
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In was vor stetem Kreutz’ Abigail geschwebet/
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Die nun des Elends frey/ sagt was vor große
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Und überschwenglichs Gut Er ihr gelaßen
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Auch habe Sie von Jhm kein einigs Kind gezeu-
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Sie sey ein freundlichs Weib/ zu aller Zucht ge-
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Verständig jung und schön/ ein helles Tugend-
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Das aus viel tausenden mit seinem Glantze
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Auf eben diesen Tag hat David vorgenommen/
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Aus Parans Wüsteney ins freye Feld zukom-
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Er hat schon angehengt sein hellpoltrtes
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Es steht vor ihm gezäumt/ sein fiegbegierigs
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Da ebẽ nun das Heer mit vollen Waffen pranget/
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Ist Kenas von der Wach zu David angelanget:
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Er neiget sich vor ihm/ wünscht einen guten
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Er schüttet vor ihm aus was ihm im Hertzẽ lag.
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Sprach/ ädler Fürst/ Glükk zu/ der Schimpf ist
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Die Schand ist weg gethan/ und unsre Schmach
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Schau Nabal der ist todt/ der ungeschliffne
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Daß Er nu nimmermehr uns wieder schimpfen
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Als ihm Abigail hatt alles offenbaret/
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Was ihm war zugedacht/ uñ Maon sich befahret/
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Ist Er dardurch gesetzt in solche Qual und Pein/
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Daß endlich Er davon des Todes müssen seyn.
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Als David nun das Wort von Kenas angehöret/
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Wird sein bißherig Leid in Freud’ und Lust verkeh-
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Lob/ sagt’ Er/ sey dem HErrn der mich hat an-
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Der meine Feinde läst also zu boden gehn.
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Es ist den Jenigen/ die mich verderben wolten/
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Und Nabaln sonderlich/ auf seinen Kopf vergol-
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Mein ungeneigter Fẽind der mich zu fällen
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Ist von dem höchsten Gott zur Leiche selbst ge-
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Hier steht man ja/ daß Der selbst in die Grube fäl-
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Die Er aus bösem Siñ dem Nechsten hat bestellet.
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Die Untreu schlägt sich selbst. Hiermit schwieg
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Er trat allein bey seit/ dacht’ an Abigail.
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Die nun durch diesen Fall in Witbenstand verse-
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Betrachtet’ ihre Ziehr/ und sich damit ergetzet:
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Es wird ein Liebesfeur im Hertzen aufge-
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Das ihme nach uñ nach durch alle Glieder geht.
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Er denkt an ihre Red und derer süße Worte/
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Die Sie so weißlich sandt’ aus der Korallnen Pfor-
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Und mit besondrer Ahrt hervor zu bringen
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Die man von ihr gehört mit Hertzvergnügter
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Die Alabasterstirn/ die Röselichten Wangen/
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Der Purpur-gleiche Mund/ der Augen helles
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Der weiße Marmolhals/ der Brüste liebes
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Sehr lieblich aufgewelbt/ das weißgelb dunkle
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Der schwankgewachsne Leib/ die wolgeschikten
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Die trieben sein Gemüht verliebet hin und wie-
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Der Sitten Freundlichkeit/ der Tugend hoher
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Nahm ihm je mehr und mehr/ Hertz/ Muht/
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Er that auch was Er wolt’/ Er dacht an Chari-
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Die vierdte Charis selbst/ ein kluges Liebs ermah-
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Zwang sein treu-flammend Hertz/ daß Er Sie
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Biß ihre Gegengunst und Jawort ihm bekandt.
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Er ziehet ihm zu Sinn/ die wunderwehrte Ga-
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Spricht endlich bey ihm selbst: Ich muß die Göt-
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Ob schon Sie nicht entsprosst aus Königlichem
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So ist doch Königlich und Himmelgleich ihr
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Was frag’ ich nach dem Stand’ und hochgeprahl-
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Sie ist klug/ jung und schön/ Sie lebet sonder Ta-
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Wie jederman Sie rühmt: Ist das nicht ädel
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Recht ädel ist mir der/ der Witz und Tugend hat.
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Was helfen einem doch viel bunte Wapenfah-
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Was nützt ein groß Geschlecht/ der weitge-
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Wenn man nicht im Gemüth’ ein Tugendwa-
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Die Tugend ists allein die einen Menschen
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Wer in der Heyraht sich auf Hoheit nur wil grün-
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Der wird vor Freud’ und Lust oft grosses Leid em-
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Wolan der Schluß ist da. Er fasset seinen
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Und schikkt noch in der Früh/ zu ihr Gesand-
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Die eylen fort zu ihr als sie nun hingekommen/
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Hat sie Abigail gar freundlich angenommen/
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Nicht wissend was ihr Thun: Sem nimmt Sie
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Grüsst erst/ und tröstet Sie in ihrem Trauer-
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Sie nimmt es höflich an mit weinenden Gebär-
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Wie eine Witwe pflegt/ die kaum noch in die Er-
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Hat ihren Mann gebracht/ da dieß nun war ge-
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Fängt Sem sein Ehgewerb’ und gute Bot-
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Vernim hochwehrte Frau/ was ich soll ferner sa-
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Was David mir vertraut und treulich aufgetra-
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Es steht dein Ehrenglükk/ durch Gottes Wun-
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Jtzund auf diesen Tag/ in seiner vollen Blüht’.
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Es hat dein weiser Sinn/ und deine Tugend wan-
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Dem David/ glaube mir/ sein gantzes Hertz ge-
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Dein hochvernünftigs Wort/ und trefflicher
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Hat gäntzlich ihn zu dir/ mit keuscher Brunst
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Er hat dich innig lieb/ Er meinet dich mit Ehren/
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Er wird biß in den Tod sein Hertz nicht von dir keh-
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Du solst noch diesen Tag an seiner Seite stehn/
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Er hat dich/ ädles Weib/ zũ Ehgemahl ersehn.
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Dieß haben wir Befehl/ dir freundlich anzudeu-
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Darzu du dich denn wirst verhoffentlich berei-
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Es ist ein Königshertz/ das gegen dich entzündt/
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Bedenk es wol uñ schlag es ja nicht in dẽ Wind.
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Der/ so dich hertzlich liebt/ ist zu der Kron geboh-
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Zum Reich in Jsrael von Gott selbst außerkohren/
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Vergönnst du ihm dein Hertz/ und deinen Keu-
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So wirst du heute noch ein hochgepriesnes
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Denk was du itzo bist/ und was du soltest werden/
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Du bist die Glükklichste auf dieser gantzen Erden/
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So weit wird nun dein Stand/ durch dieses
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So weit Jerusalem dem Maon übergeht.
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Die du zuvoren lagst in Hütten bey den Schafen/
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Solst bald in Sionsburg bey einem Könge schla-
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Solst eine Hirtin seyn in Jacobs großem
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Und hüten das Geschlecht vom Saamen A-
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Ein König von Verstand/ ein Fürst von Helden-
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Wil sich verehlichen mit deiner zahrten Jugend:
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Es ist kein Narrenkopf/ der dich Abigail/
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Wie Nabal hat gethan/ mit Angst betrüben wil.
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Bedenk/ wie viel doch seyn der Allerhöchstẽ Frauen/
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Die sich von hertzen gern mit David ließen trauen/
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Wenn ste das Glükk so liebt’; Allein du bist das
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So ihm ins Hertze scheint: Dich und sonst kei-
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Wil Er vor dieses mal ihm laßen zu gesellen/
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Drüm schikke dich fein bald in solchen Wolfahrts
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Der Sachẽ denke nach/ uñ sag mit einem Wort/
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Ob du den David wilst? Wir müssẽ wieder fort/
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Drauf wird Adigail mit Scham gantz übergossen/
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Die Wangen schtenen ihr mit Milch und Blut
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Sie tritt ein wenig ab/ wird Trost und Freuden
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Und weiß kaum in der Eyl/ was Sie drauf sa-
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Sie denkt ein solches Glükk kömmt mir nicht alle
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Denkt an die neue Lust/ und an die alte Plage/
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Die Sie erlitten hat/ bey Nabals Lebenszeit/
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Sie ziehet ihr zu Sinn des Davids Höflichkeit.
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Und saget bey sich selbst: Der höchste sey geprie-
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Der mir gantz unverhofft so große Gnad’ er wie-
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Die Sache rührt von GOtt/ vom Himmel
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Dem ich mit Hertz und Sinn/ auch billich fol-
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Sie’ gehet wieder hin zu denen Abgesandten/
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Fragt keinen nicht um Raht von ihren Anver-
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Was ihr hierin zu thun/ Sie weiß und zweifelt
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Daß Gottes Wunderraht dieß Werk hab’ an-
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Sie fänget also an: vernehmt ihr tapfre Helden/
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Was ich Euch zum Bescheid’ vnd Antwort wil
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Ich sehe daß dieß Werk vom Himmel sey be-
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Und daß mir solches Glükk vom Allerhöchsten
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Es ist des HErren Werk daß solch ein ädler Kö-
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Sein Hertz auf mich gewandt/ die ich so schlecht
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In diesem Lande bin/ wolan ich geh’ es ein/
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Mein unverfälschtes Hertz sol Davids eigen
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Ich wil als eine Magd ihm gern zu Dienste stehen/
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Wie mich der Himmel führt so wil ich willig ge-
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Ich folg ihm hertzlich gern/ wohin Er mich be-
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Wolan des HErrẽ Will ergeh’ an seiner Magd/
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Sie eylt und machet sich zu dieser Reise fertig/
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Weil Davids Freyersvolk noch da und gegen-
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Sie putzt sich ziehrlich aus/ nimmt Dienerin-
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Giebt Maon gute Nacht/ und macht sich auf
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Als die Gesandten nun mit jhr zu David kom-
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Hat Er Abigailn mit Freuden angenommen/
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Er nahm sie alsobald bey ihrer zahrten Hand/
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Und gab ihr einen Kuß zum ersten Liebespfand.
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Er offenbaret’ ihr die süsse Liebesschmertzen/
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Die Er bißher gehegt in seinem tapfern Hertzen/
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Er sagt daß seine Pein und wahre Liebestreu/
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Von ihrer schönen Zucht und Tugend kommen
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Er nennt Sie seine Sonn’ und seines Lebens Le-
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Er rühmt und lobet Sie/ versichert Sie darneben
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Daß Er biß in den Tod ohn allen falschen
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Durch echt gerechte Trau’ ihr Liebster wolle
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Und daß Sie sehen mag/ was Er ihm vorgenom-
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So lest Er alsobald den
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In Priesterlichem Schmukk’/ eröffnet ihm den
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So ihm Abigail gesenket in das Hertz.
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Sagt/ daß Er willens sey Sie ehlich ihm zu trauen/
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Damit auch dieses Werk ein jedermã mag schauẽ/
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So wird das gantze Heer/ in offenb ahrem Feld’
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Auf einem schönen Platz’/ als Zeuge vorgestellt.
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Drauf giebt Abiathar die Held- und Tugendflam-
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Die schön Abigail und David bald zusammen/
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Er spricht den Segen drein/ er schläget Hand
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Er knüpfet zwischen Jhn’n ein festes Eheband.
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Das gantze Heer sieht zu/ es sänget an zu
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Der Himmel gebe Glükk/ Heyl/ Wolfahrt und
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Gott laße dieses Paar in Freud’ und Wonne
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Mit Segen angefüllt/ viel Kindes Kinder sehn.
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Gott laß Abigail die Flamme keuscher Frauen/
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Kein Unglükk/ keine Noht/ noch ein Betrübnüß
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Was unser David selbst im Hertzen nur be-
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Das sey mit frohem Ja vom Himmel ihm ge-
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So hat sich Davids Treu und tapfre Heldentu-
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Mit der Abigailn Verstand’ und schöner Jugend
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Verbunden und vermählt. So ist des Grim-
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Durch kluge Höflichkeit in Lieb’ und Gunst ver-
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So kamen diese zwey in reiner Brunst zusam-
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Und leschten beyderseits die keuschen Liebesflam-
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Es wurd’ Abigail des Davids liebes Weib/
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Er ehrt’ und liebte Sie als seinen eignen Leib.
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Er konte sonder Sie kaum eine Stunde leben/
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Jhr war sein Hertz und Sinn gantz inniglich er-
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Sie liebt ihn wiederüm mit wahrer Hertzens-
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Und wohnt ihm Tag und Nacht mit keuscher
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Hier sieht man was Vernunft und Tugend nur
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Was ein verständigs Weib vor Unglükk ab kan
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Hergegen steht man auch/ was ein unweiser
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Mit seinem Narrenkopf’ im Hause stiften kan.
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O übergroßes Glükk! Wenn sich zwey Hertzen
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So beyde guter Ahrt! Wenn gleich und gleich sich
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Die Eh’ heist sonst ein Weh; Wo aber Einig-
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Da lebet man vergnügt ohn alles Hertzeleid.