Die verständige ABJGAJL

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Georg Neumark: Die verständige ABJGAJL (1666)

1
Wolan! so kommt denn her/ die jhr die Weiber schmehet/
2
Die ihr das liebe Volk/ verachtet/
3
Daß dem nicht sey also/ was ihr bißweilen
4
Was manche frome Frau im Hertzen schmertz-
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Jhr sprecht/ das Weibervolk sey eine Drangsals-
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Es sey auf dieser Welt den Männern eine Helle
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Jhr sagt es sey ein Weib ein rechter Marter-
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Sie trill’ Euch so und so/ sie sey ein Unglükks-
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Daß aber dem nicht so/ was ihr so schimpflich
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So sollt in kurtzem ihr deßwegen seyn erblödet/
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Jhr sollt vor Augen sehn was manches Weibs-
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Was sie vor Weißheit hegt vor ihrem närr-
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Wie oftmals hat ein Weib/ durch klugverschlag-
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Das Unglükk/ so der Mann mit thörichtem Be-
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Zu wege hat gebracht/ hinwieder abgewandt
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Wie solches in der Welt genugsam ist bekandt.
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Ein einig Beyspiel nur wil ich vor Augen stellen/
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Da mag denn iedermann ein freyes Urthel fällen/
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Ob nicht ein Weib oft dämpft manch Unheil
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Seht hier Abigail stellt sich zum Beyspiel dar.
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Damals als David sloh' in Parans Wüste- neyen
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Vor Sauls gefasstem Grimm’ und tollen Rase-
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Als er gleich einem Reh’ in dikken Wäldern
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Und mehr in wüster Heid’/ als festẽ Städten lebt/
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War Nabals Reichthum groß/ insonderheit an
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Sein Schafvieh kunte kaum von ihm gezählet
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Zu
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Das weiche Wollenvolk gieng über Berg’ und
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Indem man nun mit Lust die Läm̃er sahe weiden/
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Saß Koridon im Gras’ und sang in vollen Freu-
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Von seiner Amarill/ dort unter einem Baum
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Lag Damon gantz verliebt in einem süssen
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zu eben dieser Zeit rief Nabal alle Hürten/
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Nach Haus’/ und liesse sie nach Schäferahrt be-
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Da war an Speis’ und Trank kein Mangel
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Man sahe iederman mit sattem Magen gehn.
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Indeß stellt Nabal sich der ungeschikkte Lauer/
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Gleich einem großen Herrn/ und war doch nur ein
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Und grober Tölpelskopf: Als nun das Mahl
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Fieng sich mit vollem Ernst das Schafescheren
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Da gieng es hurtig her/ der Geitzhalß war zuge-
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Und sahe fleissig zu/ Er lief auf allen Wegen
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Bald hier bald dorten hin/ und nahm genau in
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Daß nicht ein Wollenfleisch würd’ auf die Sei-
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Sonst war er reich genug/ was nur die Schafe
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Das war ihm/ sein Gesind’/ alleine satt zu laben/
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Es war bey ihm vollauf/ das Haus war alle
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Nur Nabal war ein Narr/ und immer voll und
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Ob schon bey diesem Mann’ auf allen seinen we-
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Sich häuffig spüren ließ des Himmels reicher
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So wars ihm doch nicht satt/ schart’ immer
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Und hatte vor dem Geitz fast weder Rast noch
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Und ob sein kluges Weib/ war noch so schön von
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Ein Beyspiel aller Zucht/ ein Spiegel aller Tu-
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So fühlte dieser Mops doch keine rechte Lust/
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An solcher ädlen Blum’ und keuschen Marmor-
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Zu eben dieser Zeit war David sehr geplaget/
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Und von dem stoltzen Saul verfolget und ver-
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Sein treu-verbliebnes Volk/ ein stahl beherzter
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Hielt sich mit ihm allhier in dieser Gegend auf.
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Allein es war nichts da zu brechen noch zu beissen/
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Und wuste David kaum sich auß der Noht zu reis-
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Die Magen waren zwar erfüllt mit Hungers-
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Die Hertzen aber frisch zu streiten biß in Tod.
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Drüm wurde man bald Rahts/ den Mangel ab-
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Man kam auf diesen Schluß/ zu Nabal abzusen-
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Als einem reichen Mann/ daß Er zu grossem
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Doch etwas schikken möcht’ an Labsal/ Speis’
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Zehn Männer giengen hin/ versehn mit ihren
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Nach Nabals Schäferey/ dem Vnheil Raht zu
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Als Sie nun angelangt in sein erfülltes Hauß/
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Brach Einer unter ihn’n/ in diese Wort her-
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Gott gebe dir viel Glükk/ und ein vergnügtes Le-
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Zu allem was du thust woll Er dir Segen geben/
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Du wolbegabter Mann/ dich grüsset Davids
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Vnd wünschet daß du mögst noch wachsen
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In was vor Hertzeleid/ der from̃e David kommen/
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Das hast du zweifels frey/ schon allbereits ver-
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Nun schau/ wir leben hier in großer Angst und
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In öder Wüsteney gebricht uns liebes Brodt.
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Nun hören wir daß du die gantze Schaar der
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Die dir zu Dienste stehn/ wilst diesen Tag bewir-
83
Und daß du werther Herr/ Gott gebe lange
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Du und dein gantzes Hauß in voller Freude seit.
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Du weisst auch/ das dein Volk/ die Schäfer/ die-
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Gantz sicher neben Uns die Hürden aufgeschla-
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Die Schafe trieben Sie vor unsrem Heer vor-
88
Auch wiederüm ’zurük/ und das/ glaub uns/
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Von so viel tausenden ist dir nicht
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Es hat dein Volk von uns kein böses Wort be-
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Glaub Nabal/ frage nach/ es ist kein einger
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Der uns mit Fug und Recht bey dir verklagen
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Wann denn so große Schaar wird heute mit dir
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So bitten wir/ du wollst auch unser nicht verges-
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Betrachte doch die Noht/ schikk unserm schwa-
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Was seinen Hunger stillt/ gieb David doch die
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Und laß im Elend’ ihn nicht solchen Kummer lei-
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Er wird schon/ traue nur/ sich dankbarlich be-
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Und die Barmhertzigkeit/ die man an ihm/ itzt
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Erkennen dermaleinst/ mit Gnaderfülltem
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Wenn ihn der höchste Gott wird auf den Thron
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Wenn ihn Jsrael wird als seinen König sehen/
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Welchs denn geschehen kan vielleicht in kurtzer
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du weist/ Er ist darzu gesalbt und einge- weiht.
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Er muß anitzo zwar/ von Saul ohn alle Schulden
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Verfolgung/ Schimpf und Spott in seinem Her-
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Das ihn sehr schmertzlich kränkt: doch weil es
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So träget Er Geduld/ und hält ihm willig
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Wir wollen fernerweit vor deine Heerde wa-
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Und zu beliebtem Dienst’ uns treu verpflichtet ma-
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Ein tugendsam Gemüht/ dem Wolthat ist ge-
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Läst billich Hülf und Raht dem Nechsten wie-
113
Als Davids treuer Knecht die Rede kaum ge-
114
Fuhr Nabal Trunkenbold/ der gantz mit Wein
115
Und ziemlich schon bezecht/ ihn solcher maßen
116
Was bringest du/ du Kerl/ vor Reden auf die
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Was David? Was wilst du viel Bettelworte
118
Man kennet David wol und seine lose Sachen/
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Er stift nur Aufruhr an/ er ist ein Königs-
120
Ich frage nichts nach ihm er sey Feind oder
121
Was sagst du armer Tropf/ wil David sein ein
122
O weit gefehlt/ mein Kerl/ darzu ist er zu wenig.
123
Hofft ein verlauffner Hürt’ und schlechter
124
Ein Landverrähter auch/ auf einen Königs-
125
O aufgeblasner Sinn? vielleichte wird er pran-
126
Wenn er/ der Bettler wird an einem Baume
127
Und solches ist mit recht der Königshasser
128
Saul bleibet wohl vor ihm/ der grosse Götter-
129
Eur Herr ist wie ich hör’/ ein Schaum von losen
130
Jhr führt nichts redliches auf euren Diebeshel-
131
Jhr plakkt das arme Volk/ ihr raubet wo ihr
132
Jhr seit zu anders nichts/ als Büberey ge-
133
Soll ich euch speisen? Nein. Die könnens nicht
134
So itzt in voller Müh die rauche Schafe sche-
135
Nein/ pakket euch nur hin/ Bin ich gleich etwas
136
Und habe Vorraht gnug/ so ist es nicht vor
137
Wer mir nicht Arbeit thut/ soll auch mein Brodt
138
Geht/ da sucht eure Kost wo ihr bisher gefressen/
139
Geht stehlet anderswo/ und bettelt wo ihr
140
Vor David hab’ ich nichts. Auch geb’ ich kei-
141
Der mir nicht wirklich dient. Daß mir kein Schaf
142
Und daß ihr/ wie ihr rühmt/ mir nichtes abge-
143
Da habt ihr recht gethan/ und muß ohn das
144
Daß jhr Euch deß enthalt/ ist nur ein bloßer
145
Vieleicht habt ihr es nicht zu werke können stel-
146
Mein Schäfervolk ist viel und stark/ so euch Ge-
147
Den Kopf wol bieten kan. Versucht es nur ge-
148
Wir wollen sehen/ wer dem andern abgewinnt.
149
Drüm pakket euch nur weg von
150
Hier wohnt ein friedsam Volk/ geht eurem Feind’
151
Recht! daß ihr euren Leib vor euren König
152
Geht/ es ist lang genug/ daß ihr die Bauren
153
Wir fragen nichts nach euch/ bey solchen Frie-
154
Wir fürchten uns auch nicht vor solchen Bettel-
155
Wie ihr und David seyd/ geht vor ein’ andre
156
Von mir bekommt ihr nichts. Geht/ pakket
157
Furcht/ Scham/ Grimm/ Eyfer/ Zorn befiel die
158
Sie kehrten üm/ und sich von diesem Räkel wand-
159
Sie eylten nach dem Heer/ und sagtens David
160
Was ihnen dieser Rölps vor Schimpf hatt’ an-
161
Der fromme Fürst erschrakk von dieser neuen
162
Er nam sein Schwert zur Hand/ und kehret sich
163
Das neben ihn bestürtzt/ daher auch nach und
164
Von Grimm und Rach’ erhitzt/ also erbittert
165
Was! soll der schlimme Hund/ so schändlich mich
166
Wolan seyd nur getrost/ ihr meine treue Rot-
167
Ergreiffet das Gewehr/ und last uns eylends
168
Er soll/ was David kan/ bald/ doch mit Un-
169
Sein ungeschliffnes Maul soll ihm genugsam
170
Sein gantzes Hauß sol heut’ in frischem Blute ba-
171
Der grobe Geitzhals soll sein eigner Henker
172
Schont keines Mannes nicht/ schlagt/ stecht
173
Der Tölpel hat sein Land gantz unversehrt bestel-
174
Wir haben ihm zu Nutz nicht einen Baum gefäl-
175
Wir haben gegen Jhn so höflich uns be-
176
Und in der grösten Noht auch nicht ein Lamm
177
Wir liessen seine Schaf auf diesen fetten Hei-
178
Mit/ bey/ und neben uns gantz ungehindert wei-
179
Wir haben gegen Jhn uns nicht erzeigt wie
180
Er hat an mir gehabt recht einen guten Freund.
181
Nu aber soll Er sehn was sein verteufelt Geitzen/
182
Und großer Unverstand vor Unheil auf-kan-ret-
183
Ich wil ihm weisen/ was ein kleiner Hauffe
184
Er soll mit Jammer sehn/ daß David sey ein
185
Soll Nabal vnd sein Hauß so herrlich sich heut la-
186
Und wird nicht einmal Dank vor unsre Dienste ha-
187
Geniest mein armes Volk nicht einen Trunck
188
Giebt man vor Wolthat Spott/ vor Freund-
189
Nein/ warlich! diesen Trotz kan ich durchaus
190
Er muß ein Königsheer noch besser lernen meiden.
191
Wer einem Kriegesmann/ was billich ist/ ver-
192
Der hat gemeiniglich das Leben hingewagt.
193
Ich wil den Narrenkopf und sein gantz Haus ver-
194
Es soll heut alles das/ was männlich heisset/ ster-
195
Wolan so folget mir/ und macht euch wol be-
196
Heut ist euch großes Gut/ und Beute satt be-
197
Das Wort war kaum gesagt/ man sah die Armen
198
Man sah das tapfre Volk nach Schwert und Bo-
199
Sie waren all ergrimmt/ die Sebel scharf ge-
200
Der Muht war auf das Dorf/ und Nabals Gut
201
Ein Knecht von Nabals Volk/ der alles dieß ver-
202
Macht ihm bald einen Schluß was darauf würde
203
Er sahe schon vorher das Unglükk und Gefahr/
204
Er hatte Vorschmakk gnug was David wil-
205
Er lief geschwinde hin/ als sie noch alle sassen/
206
Und mit vergnügter Lust die fette Mahlzeit assen/
207
Sprach zu Abigail: Ach Frau! auf diese Freud’/
208
Folgt leider Angst und Noht und blutigs Her-
209
Ein schrekkliches Gewölk schwebt über unserm
210
Der Untergang ist da. Ich sag’ es dir mit Grause/
211
Wo du nicht schaffest Raht/ so ists mit uns ge-
212
Das Mordschwert ist im Zug und nahet sich
213
Abigail weiß nicht was sie begiñt vor Schrekken/
214
Sprach zitternd zu dem Knecht/ Er soll es bald
215
Was dieß/ so er gesagt/ vor eine Rede sey?
216
Drauf bringt er alsobald/ ihr diese Nachricht
217
Hör hochgeehrte Frau/ vor etwa sieben Stunden/
218
Da haben sich allhier zehn Männer eingefunden/
219
Und Nabal angeredt mit großer Höflichkeit/
220
Sie klagten Davids Noth/ und ihre theure Zeit.
221
Sie baten ihn üm Hülf üm wenig Trank und
222
Er aber fuhr sie an auf ungeheure Weise/
223
Er schalt und schimpfte sie/ ich hab’ es selbst ge-
224
Er hieß sie Schelm und Dieb/ und musten also
225
Jtzt bin ich gleich bericht daß David auf-wird-
226
Mit seinem gantzen Heer’/ üm diesen Spott zu
227
Wir sollen/ wie mir nun vertrauet/ ingemein
228
Ohn all’ Erbarmen heut’ des bittern Todes seyn.
229
Nu hat des Davids Volk uns niemals ein Ge-
230
Noch Schaden beygebracht/ es stehn die Wollen-
231
Ja noch in voller Zahl/ uñ sind durch sie beschützt
232
Es hat uns dieses Heer/ glaub mir/ sehr viel ge-
233
Sie waren üm das Vieh/ wie aufgeführte Mau-
234
Vor ihrer Wachsamkeit kunt’ auch kein Wolf
235
Sie haben neben uns/ auch in der Mitternacht/
236
Mit steter Hurtigkeit/ vor sich und uns gewacht.
237
Schau so hat David uns und unser Vieh ver-
238
Und wird vom Nabal nun so schimpflich abge-
239
Drüm wird solch’ Unglükkslast nun über uns
240
Und hat es unser Herr durch Boßheit selbst ge-
241
Ich hett es/ als ichs höhrt’/ ihm hertzlich gern ge-
242
So weist du/ wie Er ist/ wie Er so giftig fähret/
243
Redt ihm ein Mensche zu der es sehr gütlich
244
So fährt Er ihm zu Hals’ und wird ihm spinne
245
Hett’ ich ein Wort gesagt/ Er hette mich geschla-
246
Ich hette müssen Stöß’ und Feindschaft davon
247
Er ist/ wie dir bekandt/ ein sehr geschwinder
248
Der keinen Widerspruch noch Rahtschlag lei-
249
Es muß ihm alles gehn/ wie er nur selber denket/
250
Ob manches ihn hernach schon hertzlich reut und
251
Er hat in seinem Kopf’ ein feuriges Gehirn/
252
Und folget niemand nicht/ als seiner eignen
253
Da sieht man nun die Frucht! Gott wolle sich der
254
Die wir an dieser Sach’ unschuldig sind/ erbar-
255
Wir habens nicht verschuldt/ besondern Er mit
256
Doch! sündiget der Herr/ so leidet auch der
257
Nu weiß ich/ wehrte Frau/ daß du von hohen
258
Und daß du/ wem du wilst/ das Hertze kanst ge-
259
Dein tugendsamer Geist/ dein trefflicher Ver-
260
Dein klug-verschlagnes Hertz/ ist ja genug be-
261
Wolan! trit vor den Riß/ rett’ uns durch Gottes
262
Geh dem erbostem Volk/ mit sanftem Muht’ ent-
263
Lesch mit dem Zährenbach des Davids grimme
264
Und wehre mit Vernunft der großen Unglükks-
265
Nim Speis’ und Trank mit dir/ wir wollen helfen
266
Ich weiß wenn David höhrt das jämmerliche
267
Und daß in diesen Spott kein Mensch gewilligt
268
Als Nabal nur vor sich/
269
Man weiß ja überal des Davids gut Gemühte/
270
Und daß setn tapfres Hertz vermischt mit sanfter
271
Versuch es/ mach nur fort/ und eyle mit der
272
Eh’ uns das Unglükk trifft. Bey Zeiten ist noch
273
Abigail voll Angst begunt insich zu gehen/
274
Dacht/ Huy! Des Knechtes Red’ ist gantz nicht
275
Der Vorschlag ist sehr gut/ ob schon der Mensch
276
Durch kleines Werkgezeug geschehn oft große
277
Sie trit bald auf die Seit’ und fängt an zubeden-
278
Was Sie dem Könige zu Ehren wolte schenken/
279
Das hochbetrübte Weib steht aller Sorgen
280
Weiß nicht/ wie sie den Zorn des Davids stillen
281
Darf ihren trunknen Mann auch nicht einmal
282
Die Zeit geht eylends weg/ Sie fängt es an zu wa-
283
Und thuts allein vor sich: Sie nimmt Brodt/
284
Und was zum Labsal dient/ Sie pakket häuffig
285
Sie heist mit dem Geschenk voran die Esel trei-
286
Sie aber hält vor gut etwas zu rükk zu bleiben/
287
Sie zieht sich reinlich an/ und folget allge-
288
Auf einem muntren Thier/ den frommen Knech-
289
Sie denkt/ ich wil voran die reiche Gaben senden/
290
Und also Davids Grimm auf solche weise wenden/
291
sie ist/ wie es fast scheint/ von Jacob des be- lehrt/
292
Der eben auf den Schlag des Esaus Zorn ge-
293
So reiset Sie nun fort mit Mägden und mit
294
Und wil durch Höflichkeit mit Davids Eyfer fech-
295
Sie hoffet auf den Sieg/ ob schon Sie jung und
296
Sie sinnt auf gute Wort und schöne Redens-
297
In dem Sie nun voll Furcht/ auf dieß und jenes
298
Und sich zu einer Krümm’ auf daß Gebirge lenket/
299
Erblikkt Sie Davids Heer/ und ihrer Waffen
300
Sie merkt an ihnen wol des Muhtes grimme
301
Sie springt von ihrem Thier’ und geht dem Volk’
302
Den David grüsset Sie/ Sie wünscht ihm Heyl
303
Als Er nun samt dem Heer noch näher kömpt
304
Fällt Sie vor ihm zu Fuß/ und fängt zu redẽ an:
305
Genade großer Fürst! Laß deinen Zorn doch fallẽ/
306
Hör meine Klagred’ an/ und mein so schlechtes
307
Wirf einen Gnadenblikk/ auf mich dein’ arme
308
Und auf mein Elend Volk das Angst und
309
Ich hör’ und weiß es wol daß Schimpf/ Spott/
310
Den Deinen zugefügt/ und deinem hohen Stan-
311
Ja ich bekenn es dir/ und kränkt mich in der
312
Ich aber bin nicht schuld/ auch hab’ ichs nicht
313
Gleich hab’ ich dazumal/ als dieser Fehl geschehẽ/
314
Auf jener Schäferey nach meinem Vieh gesehen:
315
Mir hat ein trewer Knecht dieß ungeschikkte
316
Mit Schrekken angezeigt/ da ich nach Hause
317
Ich trag ein großes Leid so mich tag-täglich pla-
318
Mein Haußkreutz ist so groß/ daß es mich stündlich
319
Mein Ehmann ist ein Rölps/ ein grober Sauer-
320
Ein unbedachtsam Holtz/ und großer Narren-
321
Sein Name bringt es mit/ Er weiß von keinem
322
Es fühlt sein’ Eselsstirn gar keine Weisheits
323
Es weiß sein Tölpelskopf von keiner Klugheit
324
Ist bloß und nur allein auf Geitzen abgericht.
325
Erst hab ich seinen Sinn nicht allerdings erwo-
326
Ich bin in meiner
327
An Reich thum fählt ihm nichts/ auch nichts
328
Das Gut ist groß; Doch hat die Thorheit O-
329
Er achtet meiner nicht/ hält mehr von Katz- und
330
Als auf ein keusches Weib/ Ich bin an Jhn ge-
331
Und muß zu frieden seyn/ Er lieget wie ein
332
Denkt nicht an seine Pflicht/ und beut mir Hohn
333
Des Morgens schläft Er lang/ da muß ich auf jhn
334
Steht Er denn aus dem Bett so fängt Er an zu
335
Und ist ihm nichtes recht/ drauf säuft Er Bier
336
Frist seinen Wanst dikk voll/ und lebet wie ein
337
Redt ihn denn jemaud an/ und wil was an Jhn
338
So schnautzt Er wie ein Beer/ und hört von kei-
339
Die Er oft hören solt’/ Er steht und höret zwar/
340
Begreiffet aber nichts/ worvon die Rede war.
341
Sagt dieser etwas Guts/ und meinet es zum be-
342
So giebt Er Antwort drauf/ dort aus dem feuch-
343
Und solt’ aus Osten seyn/ wenn Er ein wenig
344
Daß man ihm etwas sagt/ das seinen Nutzen
345
so billt Er/ wie der Hund der auf dem Grum- met lieget/
346
Den jenes Schaf/ welchs doch mit Weni em
347
Um etwas Futter bat; Und so ists auch bewandt/
348
Mit denẽ die du hast/ O Printz/ zu ihm gesandt.
349
Darüm laß deinen Zorn/ O ädler Fürst/ sich stillen/
350
Wo nicht üm meines Manns/ doch nur üm un-
351
Wir können nichts darzu und haben keine
352
Trag Nabals albre Red’ und Thorheit mit Ge-
353
Und schone deiner Magd/ wir sind nur schwache
354
Du findest zwar bey uns ein ziemliches/ an beute/
355
Es ist ja ohne das/ mein Vorraht und mein Gut
356
Dein eigen/ schone nur das unverschuldte Blut.
357
Es sucht kein starker Leu ein Lämchen zubesie-
358
Kein Adler wird erzürnt von einer matten Flie-
359
Ein tapfrer Kriegesmann und unerschrokkner
360
Sucht seinen großen Feind in offenbarem Feld’.
361
Zu einer Narrenred’ und Thorheit stilleschwei-
362
Steht weisen Männern zu/ und solches ist ihr ei-
363
Drüm wirf ein gnädigs Aug’ auf unsern Maon
364
Und übe nicht an uns solch einen grimmen
365
Du bist ja schon gesalbt und wirst in kurtzen Tagen/
366
Die Kron in Jsrael auf deinem Haupte tragen.
367
Laß dein so heiligs Amt? und deines Zepters
368
Mit meiner Knechten Blut nicht angeschmitzet
369
Lesch den erhitzten Sinn/ das wird ein friedsam
370
Und deinem hohen Geist’ ein groß Vergnügen ge-
371
Bewahre/ tapfrer Printz/ vom Todschlag dei-
372
Bedenk wol vnd erweg den Koniglichen Stand.
373
Der dich in kurtzer Zeit/ ich weiß es schon/ wird
374
Wenn du des H
375
Das ist ein herrlich Lob/ und heber Himmel
376
Jm Fall ein’ Obrikeit nichts mördlichs hat ge-
377
Des Königliche Schwert soll nur die Laster
378
Und nicht mit mattem Volk’ und armen Leuten
379
Barmhertzigkeit und Glimpf begläntzt die Für-
380
Die Tugend ziehrt allein den Majestätschen
381
Es ist ein großes Werk wer sonder Schuld regieret
382
Und hier an Gottes stat/ das Regiment verführet.
383
Wer nicht/ wie ein Tyrann/ unschuldig Blut
384
Und folgt nicht wo sein Trotz und Boßheit ihn
385
Dieß weist du alles wol drüm wollest du verschonẽ/
386
Und Nabals Missethat so schrekklich nicht beloh-
387
Hat einer grob gefehlt/ so straf nicht allesamt.
388
Zur Zeit sanftmühtig seyn ist eines Fürsten
389
du hast den Goliath durch Gottes Kraft be- zwungen/
390
Darüm wir dir unlängst ein Siegeslied gesun-
391
Wolan! so sey denn auch dein eigner Obermann.
392
Der ist der stärkste Held der sich selbst zwingen
393
Schau hier/ O theurer Fürst/ die wolgememten
394
So deine Knecht’ und Magd’ anher getrieben ha-
395
Es ist zwar sehr gering/ doch mein’ ichs hertz-
396
Ich bitte nim es an/ mit Gnad’-erfülltem
397
Nim mit Genad’ und Gunst/ so wird Gott deine
398
Dein hohes Königreich fest und beständig machen/
399
Ich weiß daß dich/ mein Herr/ kein loser Vor-
400
Es ist des H
401
Laß ander leichtes Volk Mord/ Raub/ und Fre-
402
Mit feindlicher Gewalt das gantze Land betrü-
403
Du und dein gantzes Heer/ seyd ja von solchem
404
Daß ihr die Hand nicht legt an andrer Leute
405
Ob du schon wirst gehasst/ und must Verfolgung
406
Ob mit vergiftem Sinn’ auch viele dich beneiden/
407
So acht es alles nicht/ Gott hat schon seine
408
Auf dich und auf dein Heer/ mit starken Schutz
409
Die aber dir zum Leid’ auf Unglükksränke den-
410
Und suchen hie und da dich und dein Hauß zu krän-
411
Die sollen voller Angst vor dir gar nicht bestehn/
412
Mit Schrekken sollen sie zu Grund und Boden
413
Ein böser Raht trifft oft den/ der ihn selbst erson-
414
Und hat gemeiniglich ein schlechtes Ziel gewon-
415
Wer Anderen zũ Fall ein Loch uñ Grube macht/
416
Fält oftmals selber drein/ ob schon Ers nicht
417
es haben zwar die Feind im Sinne/ dich zu schla- gen/
418
Dich und dein treues Volk aus Jsrael zu jagen/
419
Du aber wirst mit Lust erfahren mit der Zeit/
420
Wie GOtt sie stürtzen wird in ihrer Sicherheit.
421
Wenn nun des Feindes Macht wird endlich seyn
422
So wird Gott alles thun was Er dir hat verspro-
423
Dann wird dein Königreich auf festem Fuße
424
Und deines Namens Lob biß an die Sternen
425
Denn wird dein ruhig Hertz an lauter Freude
426
Daß diese grimme That nicht wirklich vorgegan-
427
Es wird dir seyn ein Trost/ und grosse Seelen-
428
Daß du in diesem Zorn kein Blut vergossen
429
Ich weiß du wirst hernach deßwegen Gott noch
430
Und mit erfreutem Geist Jhm Ehr’ und Danck
431
Denk dran daß dirs gesagt dein arm’ Abigail.
432
Hiermit schloß sie die Red’ und schwiege seuf-
433
Was solte David thun? Er ließ die Güte wal-
434
Der Mordsinn legte sich/ es sieng an zu erkalten
435
Der zorn erhitzte Muht/ der Eyfer war gethan/
436
Die Sanftmnht brach hervor/ vnd fieng zu sie-
437
Er warf ein Aug’ auf Sie/ stieg bald von seinem
438
Er grief Sie bey der Hand/ und hub sie von der
439
Auf der Sie kniehend lag/ versprach ihr Fried’
440
Die noch in Furchten war/ vnd redt ihr also zu:
441
Wolan Abigail! Das Unglukk ist gewendet/
442
Gott sey Lob/ Ehr’ und Preiß daß Er dich herge-
443
Das Blutbad ist gehemmt/ das vor der Thür
444
Dem Höchsten sey gedankt der ewig ewig lebt.
445
Gesegnet sey das Wort/ dz du hast aus gesprochen/
446
Das meinen Vorsatz hat zu rechter Zeit gebrochẽ/
447
Gesegnet seyst du selbst/ daß du hast abgewandt/
448
Das nicht mit Menschenblut besprützet meine
449
Glaub sicherlich/ wenn du nicht werst darzwi-
450
Dem Nabal hett’ ich selbst das Leben abgenom-
451
Ich hette deinen Mann/ den groben Nimmer
452
Der mich und dieses Heer/ so hoch beschimpfet
453
Mit diesem scharfen Schwert’ ohn alles Leid er-
454
Es hette diesen Hohn mein Volk mit Grimm ge-
455
Es hett’ ihr großer Zorn und Wüten nicht ge-
456
Biß Maon überschwemmt mit seinem eignen
457
Schau aber/ nunmehr soll sich alles Unglükk stil-
458
Und zwar/ Ahigail/ üm deiner Weißheit willen/
459
Dein freundlichs Angesicht so nichts als Tu-
460
Hat alle Grausamkeit und Eyfer hingelegt.
461
Es soll mein gantzes Heer zurükk sich wieder wen-
462
Und dein Geschenk empfahn von deinen milden
463
Hab du vor solches dank. Durch höflichen Ver-
464
Hast du von deiner Stadt das Wetter abge-
465
Kehr wiederum zurükk/ und leb in gutem Frieden/
466
Der Krieg ist nunmehr aus/ die Sach’ ist wol ent-
467
Gesegnet must du seyn! Geh hin/ warn deinen
468
Sprich daß solch einen Spott kein König lei-
469
Er soll ein andermal die Zunge besser zwingen/
470
Und nicht ein solch Gespött’ aus seinem Rachen
471
Beschimpfung thut sehr weh/ und kränkt das
472
Ein frommer Biedermann schützt billich ja
473
Sag daß wir Redlichkeit und Tugend hertzlich
474
Und daß wir nicht gemein mit Schelmen oder
475
Auch nicht durch Räuberey verschaffen unser
476
Wie Er uns angeschnautzt Wir leiden freilich
477
Und müssen Andere/ die mittleidender Sitten/
478
Und reich von Gütern sind/ üm Lebensmittel bit-
479
Denn Paran giebt uns nichts/ da wir anitzo
480
Als Bäume/ Stauden/ Gras und harte Felsen-
481
Man sucht uns hie und da/ wir müssen leider lei-
482
Da wir doch nichts verschuldt/ wir müssen Sa-
483
Und unser Hauß und Hof: Doch schadt es al-
484
Dann ist Sauls Hochmuht aus/ wenn Gottes
485
So bald geschehen wird. Alsdenn wil ich dran
486
So wol an die/ die mich so hertz und schmertzlich
487
Als die mir Guts gethan. Wolan so geh denn
488
Ich bleibe dir verpflicht weil ich im Leben bin.
489
Abigail war froh/ Sie neigte sich gantz nieder/
490
Sie rühmte Davids Sinn/ und dankt’ ihm hertz-
491
Vor die Barmhertzigkeit/ so Er an ihr gethan/
492
Damit schied Sie von Jhm/ und macht sich
493
Seht was die Tugend wirkt! seht was doch weise
494
Mit Dehmuht untermischt/ thun und verrichten
495
Seht was Verstand und Witz/ seht was ein
496
Seht was ein redlichs Hertz vor große Thaten
497
Hier siegt ein zahrtes Weib/ mit nichts als guten
498
Sie treibt ein feindlichs Heer von Maons schwa-
499
Jhr Bogen/ Pfeil und Schwert ist fromme
500
Sie legt mit Höflichkeit ein blutigs Unglükk
501
Es war das Kriegesvolk zum theil nicht wol zu
502
Daß dieses keusche Weib so friedlich abgeschieden/
503
Sie waren sehr erpicht/ mit eyferigem Muht’/
504
Wie ein Soldate pflegt/ auf Nabals reiches
505
Sie waren alle Sinns den Hunger erst zu stillen/
506
Hernach mit Geld’ und Gut die Beutel auszu-
507
Vermeinten/ wie denn auch der Schimpf es
508
Des Nabals gantzes Hauß zu tilgen mit dem
509
Sie aber musten fort und bald zu rükke lenden/
510
Und sich von diesem Ohrt’/ auf Parans Hügel
511
Als Sie nun angelangt auf einen schönen
512
Theilt David unter Sie den überschikkten
513
Von Ladsall/ Speis’ und Trank: Das Volk er-
514
Nachdem es lang gefast/ es ließ sich alles nie-
515
In das betleete Gras/ vergaßen alles Leid/
516
Und hatten allesamt recht gut’ Ergetzlichkeit.
517
Indem Abigail nunmehr nach Hause kommen/
518
Findt Sie das gantze Hauß von Wollust einge-
519
Es war ein groß Gejauchtz’/ ein Jeder schrieh
520
Insonderheit ihr Mann war auch mit rasend
521
Er hatte sich mit Wein auch dergestalt begossen/
522
Daß ihm die starken Trünk’ auß seinem Halse flos-
523
Weil ihm der Leib zu eng/ Er saß dort wie ein
524
Regt weder Arm noch Bein/ und klotzte wie
525
Schlief halb und halb im Rausch/ Er sieng oft an
526
Nu/ saufft doch frisch herüm/ lasts gehen nach der
527
Gieb eine Humpe her! Es gilt dir Nachbar
528
Auf Sauls Gesundheit! Sauf! trink auß und
529
So fand’ Abigail/ wiewol mit großen Schmertzen/
530
Jhr freundlichs Ehgemahl/ es that ihr Weh im
531
Daß ihr versoffner Mann so unbesonnen war/
532
Nicht wissend/ was vor Angst und schrekkliche
533
Sie von ihm abgewandt. Sie sah die Gäste sitzen/
534
Und theils von großem Froß und vielem Sauffen
535
Hier lag ein voller Knecht/ dort eine volle Magd/
536
Und hatte mit dem Soff/ ich weiß nicht was/
537
Sie ließ es also gehn biß Nabal eingeschlafen/
538
Drauf jagt sie alles weg/ die Hürten zu den Scha-
539
Und schaffet Ruh’ im Haus: Es war schon
540
Als Sie hatt’ ihren Mann ins warme Bette
541
Da nun die Nacht vor bey und man den Morgen
542
Als Nabal seine Speis’/ und starken Rausch ver-
543
Und wieder nüchtern war/ gieng sein verständig
544
Zu ihm/ und stellt’ ihm vor sein gestrigs Zeit-
545
Sie sprach ihm heftig zu/ Sie fieng ihn an zu-
546
Mit einer scharfen Red’/ und alles zu erzählen/
547
Was gestern war geschehn/ erwehnte die Ge-
548
Und was vor Hertzeleid auf Sie gerichtet war.
549
Sagt unter andern so: Du wirst ja noch wol wis-
550
Daß Davids Volk sich stets der Redlichkeit be-
551
Daß Sie uns nichts gethan/ man sagt von
552
Daß ihr Gemüht’ auf Raub und Stehlen ab-
553
Auch ist dir wol bewust/ daß David außerkohren/
554
Und durch des Höchsten Gunst zum Könige ge-
555
Es hat ja Samuel zu solcher Würdigkeit/
556
Jhn/ wie schon gnug bekandt/ gesalbt und ein-
557
Er wird/ wenn Er sein Kreutz/ und Elend’ ausge-
558
Wenn Gottes Wunderhand ihn von den Trüb-
559
Erlösen wird/ wenn sich verliebret seine Pein/
560
Ein Richter Jsraels/ und unser König seyn.
561
Und du hast seine Knecht’ als solche zu dir kahmen/
562
Da sie in ihrer Noht/ zu uns die Zuflucht nah-
563
So schimpflich angesehn/ und schändlich aus-
564
Als were David selbst ein schnöder Bösewicht.
565
Welchs ihn und sein gantz Heer/ wie man auch
566
Jm Hertzen weh gethan/ und Zweifelsfrey noch
567
Sie haben unsrem Vieh nichts Wiedriges ge-
568
Und du fuhrst sie voll Grimm so ehrenrührig
569
Pfuy! großer Unverstand
570
Mein! schau ist das nicht ein vernünftiges Begin-
571
Wenn man den jenigen/ ders hertzlich gut ge-
572
Verhöhnet schimpft und schmeht/ als einen
573
Was hett’ es dir geschadt/ da unsre Leute saßen/
574
Und nach vollbrachter Schur/ die fette Mahlzeit
575
Auch unser Vorraht groß/ dem Höchsten sey
576
Von dessen milder Hand wir alles ja erlangt/
577
Wenn du des Davids Heer/ mit Speis’ und
578
Und sie mit Gütigkoit auß ihrer Noht gesetzet.
579
Es ist ja häuffig da/ die Kammern sind ja voll/
580
Es mangelt uns ja nichts/ und das weiß David
581
Das ist ein schönes Werk zu rechter Zeit was
582
Und bey so grossem Gut auch Andrer Noth beden-
583
Dem wächset mehr noch zu/ dem fehlt der Se-
584
Der sein gesegnet Brodt dem Hungerigen
585
Wer kein Mitleiden hat mit nohtdürftigen Ar-
586
Deß wird der reiche GOtt sich wieder nicht er-
587
Wer zu bequemer Zeit die Hand eröffnen kan/
588
Und hilft dem Nechsten aus/ der ist ein frommer
589
Du weist es selber wol/ es werden deine Sitten/
590
Von keinem anders nicht/ als mit Verdruß ge-
591
Du bist so grob und plump/ erzeigst dich wie ein
592
Wann du das Maul aufthust/ so gukkt ein
593
Du weist es wol/ wie ich so oft vor dich getreten/
594
Und dich mit Weinen hab’ als einen Herrn ge-
595
Daß du doch ändern wollst den ungeschliffnen
596
Du aber thust es nicht/ du folgest immerhin/
597
Wo dich dein Nabals Hertz nach seinem Willen
598
Es ist kein guter Raht der deine Thorheit rühret/
599
Du meinst zwar dein Gehirn/ sey klug und weise
600
Da doch dein Centnerkopf kein Quentlein Klug-
601
Verzeih mir lieber Mann/ ich muß die Warheit
602
Ich muß dirs dermaleinst in dein Gewissen jagen/
603
Daß du daran gedenkst. Ich bitte nochmals
604
Ach ändr’ ach ändre dich und thu es doch nicht
605
Ein gut gemeintes Wort/ die Höflichkeit im
606
Kan manches Ungemach und Unglükk unter-
607
Wer aber nichts als Trotz und Schmehwort
608
Legt oft der Sanftmuht selbst Zorn/ Schwert
609
Ich hab’ es in der That/ bißher in so viel Jahren/
610
Und/ daß es wahr sey/ selbst noch gestrigs Tags
611
Ich hab’ ein Beyspiel deß gesehn auf einen
612
Was ein verbostes Maul/ und Höflichkeit ver-
613
Mein Hertz erzittert noch/ kaum mag ich mehr
614
Wie David kam/ üm dich und unser Haus zu
615
Sein Volk war gantz erfüllt mit Eyfer/ Zorn
616
Mich deucht ich sehe noch der bloßen Sebel
617
Als die beschimpfte Knecht’ ins Läger wieder kom-
618
Und David diesen Spott von ihnen gnug vernom-
619
Da war das gantze Heer zur grimmen Rach
620
Es nahm ein jederman sein Mordschwert in die
621
Das Urtheil war gefällt/ der Stab war schon ge-
622
Der zugefügte Schimpf solt’ eifrigst seyn ge-
623
Gantz Maon solte sich in seinem Blute sehn/
624
Das Schwert solt’ erst in dich/ hernach in Alle
625
Dieß hat dein Maul/ welchs gantz mit Boßheit ist
626
(ich kenn’ es alzuwol) ach leider! angestiftet:
627
Daß David und sein Heer auf Wuten war be-
628
Das hat dein’ Unvernunft und grosser Trotz ge-
629
Gott aber/ der uns noch so gütig und gewogen/
630
Hat das schuldlose Blut aus dieser Angst gezogen/
631
Sein mildes Vaterhertz war noch so wol ge-
632
Daß es durch mich/ glaub nur/ des Davids
633
Denn da mirs war gesagt/ und du in vollem
634
Da du schon halb-berauscht bey deinem Hürten-
635
Macht’ ich mich eilends auf/ nahm Speis’ und
636
Und zog/ dir unbewust/ durch unsre Hinder-
637
Mit dem Gesinde fort/ des Davids Heer’ ent-
638
Ich rief den Höchsten an/ der gab Genad’ und
639
Daß ich war angenehm/ Gott lob/ bey jeder-
640
Daß mein demütig Wort des Davids Hertz
641
Ich weint’/ ich fleht’/ ich bat’/ ich fiel vor Jhme
642
Ich gab ihm das Geschenk/ damit versöhnt’ ich
643
Was du mit deinem Trotz in das Gewehr ge-
644
Es ist nun wieder Fried’/ und alles gut ge-
645
Wolan! so laß uns nun den Höchsten dankbar
646
Daß Er sein Vaterhertz hat wollen uns erweisen/
647
Und sonderlich dank du/ daß seine Wunder-
648
Solch schrekklich Ungelükk hat von dir abge-
649
Dir hette Davids Zorn/ und sein ergrimmte
650
Gezeiget/ wie du solst bewehrte Leute spotten/
651
Man hette dich gelehrt was Königschimpfen
652
Drüm dank dem lieben GOtt: Das Wetter ist
653
Mit Schaden wird man klug. Ach zwinge die
654
Und ändre deinen Sinn/ ach lerne klüger werden/
655
Daß du nicht wiederüm kömmst in solch Unge-
656
Ich rahte noch einmal/ laß von der Thorheit
657
Als Nabal gantz beteubt dieß alles eingenommen/
658
Was vor ein Ungelükk’ hett auf ihn sollen kom-
659
Erschrakk er heftig sehr/ Er fiel in Ohnmacht
660
Verlohr in solcher Angst Gedanken/ Muht und
661
Als ihm die Schwachheit nun war wiederüm
662
Hat Er/ den Fall nicht groß zu fürchten/ ange-
663
Wie schrekklich er auch war: Er schlug es aus
664
Meynt daß Abigail es nur so groß gemacht.
665
Er zweifelt ob es auch sey alles so geschehen/
666
Wie sie ihm vorgesagt/ Er wil es nicht gestehen/
667
Verneinet daß er hab’ ein solchen Fehl gethan/
668
Er schlägt es in den Wind/ und denket kaum
669
Er beist daß Sie so viel an Vorraht weggewen-
670
Und dankt ihr nicht/ daß Sie das Unglükk abge-
671
Und was das ärgste war/ Er ist so blind ge-
672
Er schlägt des Höchsten Gnad’ und Beystand
673
Drüm wirft ihn Gottes Hand ins Siechbett wie-
674
Weil keine Bessrung da: Es werden alle Glieder
675
An ihme matt und schwach/ hat weder Rast
676
Die Lebenskrafft nimmt ab; Die Krankheit
677
Als nun der Sonnen Liecht war neunmal aufge-
678
Und kaum/ zum zehndenmal zu scheinen/ ange-
679
Kam Nabals End’ herbey/ da schied’ er ab/ und
680
Da er vor großes Gut/ ein enges Grab erwarb.
681
Seht hier ein Beyspiel an: Den stets die Gold-
682
Der alles Gut und Geld zusammen scharrt und
683
Der bringt itzt nichts als ein schlecht Todten-
684
Ein ewigs Schandgerücht’ ist seiner Thorheit
685
Es wird bald laut und kund/ daß Nabal war ge-
686
Und daß Abigail die Freyheit hatt’ erworben/
687
Die Fama bließ es aus und macht’ es offenbar/
688
Dem Kenas erst/ als er auf seiner Nachtwach
689
Er war ein tapfrer Mann/ und hatte Davids
690
Verfolgung/ Kreutz und Leid getreulich helfen
691
Die Reihe war an ihm und muste Schildwach
692
Daß nicht der schlauhe Feind Sie möchte hin-
693
Er wandelt’ an dem Berg’/ Er gteng da auf und
694
Er sah sich munter üm/ und schauet’ hin und wie-
695
Und daß der sanfte Schlaff ihn ja nicht über-
696
Fängt er ein Lied ehen an/ und singt mit srohem

(Neumark, Georg: Poetisch-Historischer Lustgarten. Frankfurt (Main), 1666.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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