Der sieghafte DAVJD

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Neumark: Der sieghafte DAVJD (1666)

1
Wenn Betrübnüß/ Angst und Noth/
2
wenn groß Elend ist vorhanden/
3
Wenn Beträngnüß uns ümbgiebt/
4
weñ man stekkt in Unglükksbanden/
5
So ist dieß das beste Mittel/ daß man an den
6
Und mit hertzlichem Gebete sich zu seiner Gna-
7
Wirst du wehrte Christenheit von Verfolgern
8
Daß du nicht weist aus und ein/ wenn der Feind
9
Daß du keinen Ausgang siehest/ wohl! so laß
10
Gott der wird/ dich zu erretten/ schon die rech-
11
Wenn der Menschen Hülf’ erliegt/ fängt Gott an
12
Daß man seine große Macht mit Verwunderung
13
Dessen wunderbares Beyspiel/ wil ich/ wie mir
14
Dir itzund vor Augen stellen/ merk nur auf mein
15
Clio steh mir itzo bey/ und vergönne mir zu
16
Dieses große Wunderwerk/ so nicht wil ver-
17
Hilf mir von dem Kampfe singen zwischen ei-
18
Und noch einem Jungen Knaben/ der kaum
19
Eben zu derselben Zeit da der Saul den Ze- pter fůhrte
20
Und das Volk von Juda her als ein Oberherr
21
Fiel der Gottverhaßte Hauffe der Philister in
22
Und verfolgte das Volk Gottes mit erhitzter
23
Mars der wütet hie und da/ es war große Noth
24
Der verarmte Bauersmann klaget mit betrūbtem
25
Schau was wir mit Müh’ und Arbeit ausge-
26
Das wird uns betrübten Leuten weggenom-
27
Ach was müssen wir itzund/ spricht ein Andrer/
28
Es zwingt uns der Kriegesmann unser Vater-
29
Man beraubt uns unsrer Güter/ ach wie man-
30
Wird von diesem Heidenvolke gantz gemacht
31
Mancher Ort wird eingeäscht/ unsre Weiber/
32
Werden liederlich entehrt/ unsre Schaf’ und
33
Treibet man weg aus dem Lande/ bald schlägt
34
So beklagte fast ein Jeder die vergallte Krie-
35
Es erschrikkt der König selbst/ den doch sonst kein
36
Es wird sein geängstigt Hertz itzo zum Gebet’ er-
37
Er geht oft in Gottes Hütten/ fleht mit aufge-
38
Daß Er ihn doch wolle setzen in den göldnen
39
Schone/ sprach Er/ liebster GOtt/ schone doch
40
Schau die höchste Noht doch an/ womit wir itzt
41
Laß dein Zornenfeur erleschen/ welches unsre
42
Selbst in Dir hat aufgeflammet/ spring uns
43
Wir erkennen zwar gar gern/ daß wir sind auf
44
Wieder dich herüm geirrt/ daß wir uns auf sol-
45
Oftmals haben finden lassen/ da dir grosser
46
Hertzlich sehr hat vor geekelt: Oft hat dein
47
Aus verstokktem bösen Sinn’ und verfluchtem
48
Mit der väterlichen Huld/ die du uns erzeigt/ ge-
49
Daß wir also diese Straffe/ die uns itzo plagt
50
Von dir wohl verdienet haben/ ja auch wohl
51
Aber denke doch zu rükk/ und laß deine Hülf’ er-
52
Dekk’ all’ unsre Sünde zu/ sieh an unser hertzlichs
53
Und die milden Bussethränen die dein armes
54
Schau doch wie das Blut der Deinen wie ein
55
Wirst du deines Eigenthums/ liebster GOtt itzt
56
Sondern alle Missethat nach Gerechtigkeit be-
57
O so ist es gantz verlohren/ dieser starke Heeres-
58
Und der Heiden große Menge frißt uns gleich-
59
Wilst du aber ja/ mein Gott/ unser nicht in Gna-
60
Und dich von dem großen Zorn deines Grimmes
61
Ach so schon doch deines Nahmens/ wie auch
62
So von diesem bösen Volke wird mit Hohn
63
Hilf uns/ bitt ich noch einmal/ und bedekk all’
64
Zeig uns deine Vatergunst/ und laß dich genädig
65
Dann so wollen wir dir danken/ und die große
66
Die du uns/ Gott/ wirst erzeigen/ hoch erheben
67
Also bat der König Saul/ schikkt sich drauf mit
68
Gegen die Philisierschaar/ wie Gott wil/ getrost
69
Er wird in sich selbst ermuntert/ bildet ihm ge-
70
Daß der Allerhöchste Helfer werde sein Gehül-
71
Er berufft gantz Jsrael/ saget: auf! greifft zu den
72
Seit in eurer Freyheit wach/ gebt dem Feinde was
73
Seht es ist die höchste Noth/ geht den Feind ge-
74
Und seyd bey euch selbst versichert/ Gott ist mit
75
Frisch gewagt ist halb gesiegt. Darauf schläget
76
Es versamlet sich das Volk/ und wird ein groß
77
Man bricht auf/ und schlägt ein Lager/ so/ daß
78
Jenen auf des Feindes Seiten gar vernehmlich
79
Saul vnd
80
Frischen die Gemühter auf/ den verfluchten Feind
81
Da lest sich auf jener Seiten
82
Der weit über Andre reichet/ den man sieht bey
83
Als ein grausames Gespenste/ vor dem fast die Er-
84
Dieser tritt nun trotzig her im Gemühte gantz ver-
85
Denket Jedermann zu fressen/ speyet gleichsam
86
Aus dem prahlerischen Rachen/ das erschrekk-
87
Als nun Saul den großen Riesen hatte hören heff-
88
Und wie Er Jsrael trotzt/ vnd zwar das zu dreyen
89
Wird ihm endlich angst vnd bange/ Jeglicher
90
Keiner ist so weit behertzt/ der sich mit ihm wa-
91
Denn Er trug auf seinem Kopf einen Helm von
92
Den kein Schwerdt durchhauen kan/ sein er-
93
Gleichet einem Weberbaume/ war mit Waf-
94
Daß Jhm kein Jsraeliter unter Augen wolte
95
Dieser spottet nun das Volk mit viel liederlichen
96
Schimpft und höhnet Gottesheer/ sprützet aus
97
Lauter Schand- und Schmeheflammen/ prah-
98
Raus ihr feigen Lumpenhunde! Was seyd jhr
99
Hat denn keiner nicht das Hertz/ daß Er eins mit
100
Kommt ich wil euch allzumal wie die Fliegen nie-
101
Trotz sey Jsrael geboten! Ist ja einer wo so
102
So wil ich ihn so zerknirschen/ daß ER an mich
103
Aber wo gar keiner ist der mit mir allein wil fech-
104
Wohl! So kommt zu zehnen her/ kommt mit drey
105
Die ihr vor die Stärksten schätzet/ Ja kommt
106
Kommt ihr feigen Berenheuter/ kommt ihr
107
Bringet euren GOtt mit euch/ und laßt ihn nur
108
Lasset ihn mit Donner/ Blitz sich aufs beste nur
109
Auf Jhn geb’ ich ja nicht So viel! Ist Er so ein
110
Wohl! Ich wil es bald erfahren/ was er vor
111
Endlich konte GOTT der HERR solchen Trutz
112
Fänget/ sein beliebtes Volk Jsrael/ an zu beleh-
113
Wie Er wunderbarer Weise/ Sie von der Phi-
114
Augenschetnlich woll’ erretten/ so auch bald ge-
115
David war ein Junger Mensch/ Jsaiens Harfen-
116
Und sein allerjüngster Sohu/ seiner Schafe treuer
117
Bräunlich/ zahrt und schön von Augen/ etwan
118
Oder wie der schön’
119
Dieser macht sich auf den Weg Sauls Soldaten
120
Und wie es bey solcher Zeit mit den Brüdern zu
121
Welchen/ auf Befehl des Vatters/ Er Getränk
122
Etwas Brodt und frische Käse/ So die Mutter
123
Da vernahm Er alsobald/ daß sich Goliath gerüh-
124
Alles Jsrael gepocht/ und/ welchs Jhm gar nicht
125
Gottes Heerzug so verschmehet. Sprach Er:
126
Der barbarische Verächter GOttes Volke
127
Soll der ungeschikkte Hund Jsrael so sehr verklei-
128
Soll der große Tölpelskopf etwa im Gehirne mei-
129
Daß Er uns verschlingen wolte? Nein das ge-
130
Dafür muß Er Straffe leiden. GOtt wird sei-
131
Heute noch auf diesen Tag/ da er nicht gedencket/
132
Gott wird in gar kurtzer Zeit/ hoff’ ich/ ihm das
133
Und gantz Jsrael erretten. Aber/ sagt/ was Dem
134
Der mit diesem Ungeheuer hat die Sachen aus-
135
Wer den Goliath erlegt/ sagt’ ihm einer/ der soll
136
Daß Er unsres Königs Kind als sein Ehgemahl
137
Wer den Goliath ertödtet/ wird des Königs-
138
Und bekommt das schöne Fräulein Michal zu
139
Aber als dieß kaum geredt/ kam des Davids Brü-
140
Der fiel Jhn bald neidisch an/ sprach: Was wilst
141
Gehst du denn so von den Schafen? Geh und
142
Oder wil dir Füsse machen! Wer befiehlet dir
143
Hast du denn sonst nichts zu thun/ als daß du all-
144
Hörest neue Mährchen an/ und wilst den Schar-
145
Doch vielleicht wilst du Jhn schlagen. Geh du
146
Geh und warte deiner Schafe/ die dir anbefoh-
147
Zwar es thut dem David weh/ kan sich aber bald
148
Spricht: Was hab’ ich denn gethan? ist mir es
149
Bring’ ich dir und deinem Hauptmann denn
150
Gab mirs nicht dein und mein Vater? ist denn
151
Endlich schweiget David still/ faßt die Sachen
152
Und begehrt von diesem Werk’ im geringsten nicht
153
(denn es sind nicht schlechte Sachen) Nim̃t
154
Fället alsbald vor Jhm nieder/ und fängt so zu
155
Großer König/ wehrter Herr/ Unser GOTT im
156
Hat dich über Jsrael zum Regenten hoch erho-
157
Daß du ihm wol vor-solst-stehen: Nu hat Go-
158
Dich und Jsrael gehöhnet/ wie Er denn viel-
159
Daß Jhm keiner unter uns werden können abe-
160
Sondern werden allzumal Jhme müssen unter-
161
Aber kein Jsraeliter soll deswegen Hertz und
162
Sinken oder fallen lassen. Schau so jung ich
163
Wil ich mich doch unterstehn mit dem Goliath
164
Denn ich weiß gewiß daß GOtt mir wird feste
165
Gott ist in den Schwachen mächtig. Ob ich
166
Ist das Hertze desto größer. Darüm laß mich
167
Und gib zu daß ich das Volk mag durch meine
168
hab' ich doch unlängst den Beer/ und den grim- mig-wilden Leuen
169
Unverletzet überwunden/ der GOtt/ der zur
170
Mir so große Stärk ertheilet/ wird auch seine
171
Woran ich nicht zweifeln wil/ gegen mir erschei-
172
Er wird meine schwache Hand kräftig stärken/ sol-
173
Daß die Nachwelt es wird rühmen/ Ich wil
174
Lehren wie er Gott soll fluchen/ wie er seinen Lä-
175
Und sein Schandesvolles Maul/ über uns soll las-
176
Sein Leibeignes Schlachteschwert soll ihm sei-
177
Bey Dem/ der im Himmel wohnet/ schwer’ ich/
178
Und du magst es eh nicht glauben/ biß du es
179
Welches bald erfolgen soll. Als nun David dieß
180
Fieng der König zu ihm an: Bist du Knabe denn
181
Mit der närrschen Fantasie? Ist dir dein Ge-
182
Bist du denn nicht bey dir selber? Oder ist dein
183
Daß du dich wilst unterstehen solchen grossen
184
Meinst du/ David/ sag doch an/ mit dem Goliath
185
Wenn ein Lamm den Wolff zerreisset/ dann so
186
Daß der ungemenschte Riese wird von dir er-
187
Wo denn hast du solche Macht/ und so große
188
Wo hast du den Heldenmuth/ und ein solches Hertz
189
Sage mir es doch nur einmal. David du bist
190
Oder es ist dein Gemühte großer Rasereyen
191
David aber sagte dranf: Nein O gnädiggroßer
192
Es ist keine Tollheit da. Freylich bin ich viel zu
193
Wenn ich mich als mich betrachte. Gott ist
194
Der so hoch- und große Dinge durch mich Klei-
195
Es hat keine Raserey mein Gemüht’ und Hertz
196
Es wird kein tollkühnes Werk/ großer Herr/ bey
197
Es hat mich auch meine Mutter niemals durch
198
Etwan/ wie man meint/ bezaubert/ Es hat
199
So man in der Hexenkunst brauchet/ Jemals
200
Der Gott Abraham hat mir solche Heldenkraft
201
Mit dem/ und in dessen Nahmen/ tret’ ich die-
202
Und bin bey mir selbst versichert/ Gott ist mit
203
Sehet was der Glaube thut! O du ädler Grund
204
Schild so vieler Märterer/ helle Fakkel der Pro-
205
Seelenlabsall/ Ziehl der Hoffnung/ Weg zur
206
Weß sich David unterstehet/ das hast du in Jhm
207
Endlich sprach der König so: David du begehrest
208
Die gantz unbegreiflich sind/ die mich gantz bestür-
209
Es heischt weder dein Vermögen/ noch dein
210
Solch ein unerhörtes Kämpfen. Doch versuche
211
Aber wenn ich rathen soll/ liest du solche Sachen
212
Den ich fürcht’/ es wird der Feind dich zermal-
213
David stürtz dich doch nicht selber in dein Un-
214
Bitte sonst was du begehrest/ es soll unversaget
215
Und gebrauche doch Vernunft. Wer sich in Ge-
216
Kömmet oft darrinnenüm. Welcher Feur und
217
Wird gar oftermals verletzet. David höret die-
218
Bleibet aber fest bestehen/ und bedenkt nicht die
219
Wie viel mehr der König wehrt/ so viel mehr Er
220
Und wird zu dem Riesenkampf’ allzeit heftiger
221
Wie die tapfren Brittenhunde/ wenn sie einen
222
Sich je mehr und mehr erhitzen/ wenn man
223
Also macht es David auch: Die erhitzten Sinnen-
224
Die der Himmel angestekkt/ schlagen über jhm zu-
225
Seines Jsraels Errettung machet bey Jhm
226
Die Er nicht begehrt zu leschen als mit Golia-
227
Endlich gabs der König zu/ sprach: Hat GOtt
228
Wie aus allem es erscheint/ wol so laß’ ichs gern
229
Gott der Höchste mag dich schützen/ und sein
230
Dekke dich mit seinen Flügeln/ daß kein Unfall
231
Hierauf rief man Abner her/ dieser muste gute
232
Küras/ Degen/ Helm und Schild/ herzubringen/
233
Nicht die etwan der
234
Oder auch der schwartze
235
(als der freye Tichter leugt.) Sondern was den
236
Wenn Er sein geschwornes Volk vor den Feind
237
Hier wird David gantz beharnischt/ man setzt
238
Der sich gar nicht wohl wil schikken/ man stekkt
239
Gürtet Jhm ein gutes Schwert an die unge-
240
Henkt den Schild an seinen Arm/ und ermahnet
241
Man zeigt ihm das beste Fechten. Dieser weist
242
Der ein vortheilhaftes Lager/ Jener einen an-
243
Run geht unser David fort/ und ist wohl heraus
244
Aber der so fromme Held weiß ja gar nicht wie Er
245
Er weiß sich nicht drein zu schikken/ weiß nicht
246
Die Goldschimmerende Waffen sind ihm schon
247
Wenn man Jhn sieht also gehn/ muß man seiner
248
Denn Er trägt den Schild nicht recht/ und weiß
249
Bald wird ihm der Helm verschoben/ bald henkt
250
Bald schimpft Jhn sein eigner Bruder/ spricht:
251
Keiner der den David steht kan das Wesen recht
252
Keiner ist der es begreift was der Höchste wil be-
253
Einer gehet zu dem Andern/ wundert sich ohn
254
Fragt was dieses doch soll werden/ und geden-
255
Dieser spricht: Ach sehet doch wie das junge Blut
256
Schaut wie doch der gute Mensch wird so jäm-
257
Wer hat Jhm doch eingerahten/ daß Er sich so
258
Und in seiner großen Einfalt an den starken Rie-
259
Jener aber neidet Jhn: Was darf Der sich unter-
260
Wil denn solch ein Kind das Lob in gantz Jsrael
261
Lekker Ruhten auf den Hindern! In die Hand
262
Laß dieß Werk versuchten Rittern. Doch! Er
263
Holla still es muß so sein. GOtt wil Jsrael erlö-
264
Von der Philistiner Hand/ und von solchem gro-
265
Aber nicht durch stoltze Waffen/ daß nicht et-
266
Der vergöldte Schild uñ Pantzer habe Goliath
267
Gott will seine große Macht in geringerem er-
268
Daß man seine Gütigkeit möge desto besser prei-
269
David soll mit seiner Schleuder stürtzen diesen
270
Daß der Hoffart nicht darf sagen: Dieses hat
271
Es geht doch so in gemein/ wenn ein Armer was
272
Oder sonst ein guter Mensch/ daß es allzeit wird
273
Aber wenn ein grosser Prahler nur ein wenigs
274
O wie wird da jubiliret über solchen Helden-
275
Gott der kein Gefallen trägt an Jemandes star-
276
Sonderlich wenn man drauf pocht/ lässet seine
277
Bloß durch unsern schwachen David/ der nur
278
Und lest sehen/ daß sonst Niemand hab’/ als Er/
279
Als der gute David nun nur ein wenig war ge-
280
Und das fremde Kriegeszeug ihn zu drükken ange-
281
Kehrt Er wiederüm zu rükke/ leget Pantzer/
282
Von ihm ab/ und auf die Seiten/ spricht: Ich
283
Wo ich mit der Lumperey das geringste kan ver-
284
Worzu dienet mir die Last? Sol ich mit so viel
285
Meinen jungen Leib beschweren? Gebt mir
286
Meine Tasch’ und Hirtenstab/ denn das ist
287
Ich wil mir fünf Kieselstein’/ hier aus diesem
288
Damit wil ich seiner Stirn/ wie ich hoffe/ gar
289
Jsrael soll heute merken ehe noch die Sonne
290
Was uns GOTT vor grosse Gnade hat aus
291
Heute soll durch diese Faust Goliath sein Leben
292
Heute wil ich noch/ wils GOTT/ Jsraels Be-
293
So geh denn in Gottes Nahmen/ und/ sprach
294
Hast du Goliath erleget/ und kömmst wieder her
295
Wil ich dir mein liebstes Kind Michal an die Sei-
296
Michal mein so theures Pfand soll mit dir in
297
Ich wil sein dein treuer Vater/ und du mein ge-
298
Geh nun immer hin mein David/ schau dieß ist
299
David geht mit Freuden fort/ nimmt fünf auser-
300
Stekkt sie in die Tasch’ hinein/ und macht sich auf
301
Eilet nach des Feindes Läger/ nimmt die
302
Rufft dem prahlenden Philister/ fragt: Wie ist
303
Wilst du noch mit deinem Maul’ unsern GOtt so
304
Meinst du daß in Jsrael/ und in seinen kühnen
305
Die zwar klein/ doch grosser Sinnen/ nicht ein
306
Der dich großes Ungeheuer/ und dein Schand-
307
Hörst du Prahler komm heraus/ Goliath/ und
308
Hier ist Einer der mit dir einen Blutkampf wil be-
309
Damit zeigt’ Er Jhm die Steine/ diese/ bilde
310
Sprach Er/ du verfluchter Lästrer/ sollen deine
311
Wegen dieser Worte nun wird ein Jedermann
312
Jeder Kriegsmann ist bestürtzt/ und mit Hertzver-
313
Was das für ein Streit soll werden. Seht/
314
Fordert einen starken Leuen oder Elefanten
315
Wird das nicht ein kämpfen sein! Wenn ein Auf-
316
Unter dem gemeinen Volk’ und es drein und drü-
317
Wenn es alles tobt und wütet/ und kom̃t wo
318
Der von schön und altem Ansehn/ der vernünf-
319
So entsetzet sich das Volk/ giebt sich alsobald zu
320
Leget den Tumult beyseit und wird von ihm selbst
321
Eben so wird es auch stille/ Jeder ist in sich ver-
322
Kan sich nicht genug verwundern/ und steht
323
Schau der Trotzer kömmt heraus/ kühne/ frech/
324
Setzt den Sturmhut wohl zu recht/ wetzet seinen
325
Als er aber sieht den Knaben/ welcher mit ihm
326
Fängt er spöttisch an zu lachen/ sagt: O
327
Sauls Trotz.
328
Und verschone meiner Haut/ ach wie wird mir
329
Mein Geblüt ist gantz betrübt/ mach es doch mein
330
Wo du mich hast überwunden/ beiß mir bald
331
Kleines Jsraelsches Würmchen. O der grossen
332
Die du junger Schelm begehst! Wilst du armes
333
Mir dem Ritter Goliath/ einem Adler abesiegen?
334
Mein! wo waren die Gedanken/ und was hast
335
Daß du nichts als deine Schleuder/ Stab und
336
Meinst du denn ich sey ein Hund? Wilst du damit
337
Da doch nie ein Sebel mir Schaden bey-hat kön-
338
Geh laß deinen König kommen den erschrokk-
339
Oder seinen Hauptmann Abner/ wo Er einen
340
Ritterlich im Hertzen hat. Aber du geh nur von
341
Laß dir einen guten Brey/ oder Eyer in der Pfan-
342
Junger Dieb/ zum Frühstükk machen/ wirst du
343
Wil ich nur mit einem Finger/ welches alles
344
Dir den kleinen Sperlingskopf/ Ja den gantzen
345
Drüm so geh mir auß dem Weg/ und laß einen
346
Wo ich euch zu viel beleidigt. Habet ihr doch
347
Lasset diesen euch nur helfen/ dem ich biete Hohn
348
Halt! da soll der Teufel dich/ du verfluchter Hund/
349
Der dir solche Lästerwort’/ als dein Abgott/ anbe-
350
(sprach der David gantz erzürnet) zwar du
351
Degen/ Spieß’ und starke Wafen/ so vor Gott
352
Aber ich bin nur allein hier in Gottes Nahmen
353
Habe nichts als Kieselstein’ und die Schleuder
354
Diese deine letzte Rede soll hier dieser harte
355
Trotz dem stärksten Degen/ rächen/ und dein
356
Schau/ du Gottes Ehrendieb/ dort mit deinem
357
Wil ich dir den Schelmenkopf vor die Füsse nie-
358
Dein verhasster Leichnam aber/ und dein gantz
359
Soll der Vögel Speise werden/ wenn auch
360
Damit alle Welt mag sehn/ und frey öffentlich be-
361
Daß der GOtt in Jsrael sey der rechte GOtt zu
362
Halt ich wil dir das bezahlen/ wie du unsern
363
Du Gottloser Ehrenschänder/ trotzen folst mit
364
Nu/ bat David/ starker GOtt/ steh mir itzo doch
365
Hilf mir diesen Götzenknecht/ dieses Ungeheur be-
366
Welcher deinen großen Nahmen/ und gantz
367
Lenke meine schwache Schleuder/ gib dem
368
Damit schleudert David loß/ trifft dem Goliath
369
Daß der scharfe Kieselstein fähret biß zu dem Ge-
370
Da fängt an das Blut zu sprützen/ wie ein star-
371
Goliath dekkt seine Wunde mit der Hand/ und
372
Guter Kerl das ist noch nichts. Aber sein Gesicht
373
Alle seine Lebenskraft mählich aus den Gliedern
374
Endlich fällt das Bloch darnieder/ kan vor Blut
375
Er bemühet sich zum höchsten/ ob Er wieder
376
Aber es ist all ümsonst/ auch wie oft Er es versu-
377
Trauet in dem Sterben noch/ lästert Gott/
378
Macht es wie ein Kettenräkel/ welcher/ wenn
379
Und kan sich darauf nicht rächen/ in die harte
380
So thut/ sag’ ich/ Goliath/ also geht es auch dem
381
Er zerfleischt sein eigne Hand/ daß Sie ihm nicht
382
Gegen solchen schwachen Knaben/ Er beist in
383
Wünschet daß Er nie gesehn den betrübten Ta-
384
David steht Jhm lauge zu/ und wil gern das Ende
385
Und getrauet ihm doch nicht allzunah hinzu zu ge-
386
Er befürchtet sich (wie billich) Goliaths ver-
387
Möchte sich im Grimm’ ermuntern/ der sich
388
Unversehns ihn bey dem Arm’/ oder bey dem Fuß’
389
Und ihm also Haut vnd Haar über seine Ohren
390
Ja wohl gar in Stükke reissen. Darüm geht Er
391
Biß Er eigentlichen merket/ daß die Kraft ver-
392
Dann geht Er getrost hinzu/ nimmt Jhm seinen
393
Der gewißlich am Gewicht’ einen Zentner möchte
394
Fasset ihn mit beyden Händen/ hauet ihm den
395
Schikkt die Seele zu der Helle die sein zugeeig-
396
Dreymal hieb der fromme Held Goliathen in den
397
Eh Er solchen Ochsenkopf konte von dem Leib’ ab-
398
Als dieß die Hebreer sahen/ schrien Sie: Er hat
399
Gott wir danken dir von Hertzen/ vor das heut-
400
Aber als der Feind vermerkt/ wie es Goliath ge-
401
Ruffen Sie eigenhellich mit erschrokknen Laster-
402
Seht der kleine Hexenknabe/ die verfluchte Teu-
403
Hat doch endlich noch gewonnen! Nun ist es ja
404
Unser Stärkster ist dahin. Es beginnen ihre Hauf-
405
Eh als man noch einen Jagt/ gantz erschrokken
406
Einer hier/ der Ander dorthin. Jsrael verfolget
407
Sebelt/ was es antrifft/ nieder/ wie das dum-
408
Darauf kommen Sie zurükk/ und ererben gute
409
Die zuvor bedrängt und arm werden itzund reiche
410
David zieht mit Freuden ein/ wird vom König’
411
Und zu hoher Ehr’ erhaben/ weil Gott ihm das
412
Seht nu wie der fromme GOtt/ doch den
413
Wenn die Noht am grösten ist/ wunderbar
414
Drüm hat der sehr wol gebauet/ der sich
415
In Betrübnüß/ Angst und Nöhten auf

(Neumark, Georg: Poetisch-Historischer Lustgarten. Frankfurt (Main), 1666.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Neumark
(16211681)

* 16.03.1621 in Bad Langensalza, † 08.07.1681 in Weimar

männlich, geb. Neumark

deutscher Dichter und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.