Auch ein Lied an den lieben Mond

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Gottfried August Bürger: Auch ein Lied an den lieben Mond (1778)

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Ei! schönen guten Abend dort am Himmel!
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Man freuet sich, Ihn noch fein wohl zu sehn.
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Wilkommen mir, vor allem Sterngewimmel!
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Vor allem Sterngewimmel lieb und schön! —

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Was lächelst du so bitlich her, mein Theurer?
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Wilst du vielleicht so was von Sing und Sang?
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Ganz recht! Wofür auch wär’ ich sonst der Leirer,
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Das Saitenspiel bisher — so so! — noch klang?

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Es wäre ja nicht halb mir zu verzeihen,
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Das mus ich selbst treuherzig eingestehn,
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Da alle Dichter dir ein Schärflein weihen,
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Wolt’ ich allein dich stum vorüber gehn.

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Besonders da ich jezt mit einem Bande,
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Vol meiner Reimereien, her und hin,
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Im ganzen wehrten teutschen Vaterlande,
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Hausiren umzugehn entschlossen hin.

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Auch bist du’s wehrt, mein sanfter, holder,
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lieber ‒ ‒ ‒
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Ich weis nicht recht, wie ich dich nennen sol?
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Man oder Weib? — Schon lange war ich über
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Und über deines warmen Lobes vol.

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So wissen’s dann die Jungen und die Alten,
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Was immerdar auch meine Wenigkeit
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Vom schönen lieben Monde hat gehalten,
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Und halten wird in alle Ewigkeit!

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Die Sonn’ ist zwar die Königin der Erden.
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Das sey hiermit höchstfeierlich erklärt!
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Ich wäre ja von ihr beglänzt zu werden,
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Verneint’ ich dies, nicht eine Stunde wehrt.

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Wer aber kan, wann sie im Stralenwagen
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Einher an blauer Himmelsstrasse zieht,
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Die Glorie in seinem Aug’ ertragen,
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Die ihre königliche Stirn umglüht?

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Du, lieber Mond, bist schwächer zwar und
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kleiner,
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Ein Kleid, nur recht und schlecht, bekleidet dich;
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Allein du bist so mehr, wie Unsereiner,
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Und dieses ist gerade recht für mich.

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Ich würde mir’s fürwahr nicht unterstehen,
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Mit ihrer hocherhabnen Majestät
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So brüderlich und traulich umzugehen,
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Wie man noch wol mit dir sich untersteht.

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Die Sonne mag uns tausend Segen schenken.
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Das wissen wir und danken’s herzlich ihr.
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Doch weis sie auch es wieder einzutränken,
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Und sengt und brent oft desto bas dafür.

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Du aber, aller Kreaturen Freude!
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Den jeder Mund so treu und froh begrüst,
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Bist immer gut, thust nimmer was zu Leide.
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Kein Biederman hat je durch dich gebüst.

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Wär’ ohne sie die Welt nur hell und hei-
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ter,
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Und frör’ es nur nicht lauter Eis und Stein,
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Und Wein und Korn und Obst gediehe weiter,
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Wer weis? so liess’ ich Sonne Sonne seyn.

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Dich liess’ ich mir in Ewigkeit nicht nemen,
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Wofern mein armes Nein was gelten kan.
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Ich würde bis zum Kranken mich zergrämen,
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Verlör’ ich dich, du trauter Nachtkumpan!

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Wen hätt’ ich sonst, wann um die Zeit der Rosen,
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Zur Mitternacht mein Gang um’s Dörfchen irt,
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Mit dem ich so viel liebes könte kosen,
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Als hin und her mit dir gekoset wird?

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Wen hätt’ ich sonst, wann überlange Nächte
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Entschlummern mich, du weist wol was? nicht läst,
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Dem alles ich so klagen könt’ und möchte,
67
Was für ein Weh mein krankes Herz zerprest?

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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