Männerkeuschheit

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Gottfried August Bürger: Männerkeuschheit (1778)

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Wer nie in schnöder Wollust Schoos
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Die Fülle der Gesundheit gos,
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Den ziemt’s, daß er sich brüsten kan;
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Ihn ziemt das Wort: Ich bin ein Man!

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Denn er gedeiht und sprost empor,
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Wie auf der Wies’ ein schlankes Rohr;
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Und lebt und webt, der Gottheit vol,
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An Kraft und Schönheit ein Apol.

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Die Götterkraft, die ihn durchfleust,
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Beflügelt seinen Feuergeist,
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Und treibt, aus kalter Dämmerung,
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Gen Himmel seinen Adlerschwung.

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Er badet sich im Sonnenmeer,
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Und Klarheit strömet um ihn her.
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Dann wandelt sein verklärter Sin
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Durch alle Schöpfung Gottes hin.

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Und er durchspäht, und wägt, und mist,
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Was in der Schöpfung herlich ist,
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Und stelt es dar in Red’ und Sang,
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Vol Harmonie, wie Himmelsklang.

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O schaut, wie er vol Majestät,
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Ein Gott, daher auf Erden geht!
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Er geht und steht in Herlichkeit,
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Und steht um nichts; denn er gebeut.

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Sein Auge funkelt dunkelhell,
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Wie ein kristalner Schattenquell.
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Sein Antliz stralt, wie Morgenrot;
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Auf Nas’ und Stirn herscht Machtgebot.

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Das Machtgebot, das drauf regiert,
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Wird hui! durch seinen Arm volführt.
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Denn der schnelt aus, wie Federstal;
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Sein Schwerthieb ist ein Wetterstral.

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Das Ros fühlt seines Schenkels Macht,
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Der nimmer wanket, nimmer kracht.
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Er zwängt das Ros, vom Zwang’ entwönt,
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Er zwängt das Ros, und horch! es stöhnt.

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Er geht und steht in Herlichkeit,
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Und fleht um nichts; denn er gebeut:
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Und dennoch schaut, wo er sich zeigt,
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O schaut, wie ihm sich alles neigt!

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Die edelsten der Jungfraun blühn,
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Sie blühn und duften nur für ihn.
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O Glükliche, die er erkiest!
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O Selige, die sein geniest!

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Die Fülle seines Lebens glänzt,
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Wie Wein, von Rosen rund umkränzt.
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Sein glüklich Weib, an seiner Brust,
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Berauscht sich draus zu Lieb’ und Lust.

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Frohlockend blikt sie rund umher:
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„wo sind der Männer mehr, wie Er?„
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Fleuch, Zärtling, fleuch! Sie spottet dein.
52
Nur Er nimt Bett’ und Busen ein.

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Sie steht und fodert auf umher:
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„wo ist, wo ist ein Man, wie Er?„
55
Sie, ihm allein getreu und hold,
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Erkauft kein Fürst mit Ehr’ und Gold.

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Wie, wann der Lenz die Erd’ umfäht,
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Drob sie mit Blumen schwanger geht:
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So segnet Gott durch ihn sein Weib,
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Und Blumen trägt ihr edler Leib.

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Die alle blühn, wie Sie und Er,
62
Sie blühn und duften um ihn her;
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Und wachsen auf, ein Zedernwald,
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Vol Vaterkraft und Wolgestalt. —

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So glänzt der Lohn, den der geniest,
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So das Geschlecht, das dem entspriest,
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Der nie in schnöder Wollust Schoos
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Die Fülle der Gesundheit gos.

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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