Die Elemente

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gottfried August Bürger: Die Elemente (1778)

1
Horch! Hohe Dinge lehr' ich dich.
2
Vier Elemente gatten sich;
3
Sie gatten sich, wie Man und Weib,
4
Vol Liebesglut in einen Leib.
5
Der Gott der Liebe rief: Es werde!
6
Da ward Luft, Feuer, Wasser, Erde.

7
Des Feuers Quel die Sonne brent
8
Am blauen Himmelsfirmament.
9
Sie stralet Wärme, Tagesschein;
10
Sie reifet Korn und Obst und Wein;
11
Macht alles Lebens Säfte kochen,
12
Und seine Pulse rascher pochen.

13
Sie hült den Mond in stillen Glanz,
14
Und flicht ihm einen Sternenkranz.
15
Was leuchtet vor dem Wandrer her?
16
Was führt den Schiffer, durch das Meer,
17
Viel tausend Meilen in die Ferne?
18
Ihm leuchten Sonne, Mond und Sterne.

19
Die Luft umfängt den Erdenbal,
20
Weht hie und dort, weht überal;
21
Ist Lebenshauch aus Gottes Mund,
22
Durchwandelt gar das Erdenrund,
23
Wo sie durch alle Hölung webet,
24
Und selbst des Würmchens Lunge hebet.

25
Das Wasser braust durch Wald und Feld.
26
In tausend Arme nimt’s die Welt.
27
Wie Gottes Odem, dringt es auch
28
Tief durch der Erde finstern Bauch.
29
Die Wesen schmachteten und sänken,
30
Wo sie nicht seines Lebens tränken.

31
Drei Bräutigamen hat, als Braut,
32
Gott seine Erde angetraut.
33
Wann Luft und Wasser sie umarmt,
34
Und von der Sonn’ ihr Schoos erwarmt,
35
Dann wird ihr Schoos, zu allen Stunden,
36
Von Kindern jeder Art entbunden.

37
All’ ihre Kindlein hegt und pflegt
38
Sie, an ihr liebend Herz gelegt.
39
Sie ist die beste Mutter sie;
40
Sie säuget spät, sie säuget früh.
41
Kein Kindlein, so ihr Schoos geboren,
42
EehtGeht ihrem Schoosse je verloren.

43
Sieh hin und her! Sieh rund um dich!
44
Die Elemente lieben sich;
45
Sie gatten sich in Himmelsglut;
46
Je Eins dem Andern Liebes thut.
47
Aus solchem Liebestrieb’ empfangen,
48
Bist du, o Mensch, hervorgegangen.

49
Nun prüfe dich, nun sage mir:
50
Glüht noch des Ursprungs Glut in dir?
51
Erhelt, wie Sonne, dein Verstand,
52
Erhelt er Haus und Stadt und Land?
53
Entlodert, gleich den Himmelskerzen,
54
Noch Liebeslohe deinem Herzen?

55
Und deine Zunge, stimmet sie
56
Zur algemeinen Harmonie?
57
Ist deine Rede, dein Gesang
58
Der Herzensliebe Wiederklang?
59
Entweht dir Frieden, Freude, Seegen,
60
Wie Maienluft und Frühlingsregen?

61
Hält unzerrissen deine Hand,
62
Das heilige Verlobungsband?
63
Reicht sie dem Nächsten in der Not
64
Von deinem Trank, von deinem Brod?
65
Und seinen nackenden Gebeinen
66
Von deiner Wolle, deinem Leinen? —

67
O du! O du! der das nicht kan,
68
Du Bastard du! was bist du dann? —
69
Und wärst du mächtig, schön und reich,
70
Dem Salomo an Weisheit gleich,
71
Und hättest gar mit Engelzungen
72
Zur Welt geredet und gesungen;

73
Du Bastard, der nicht lieben kan!
74
Was bist du ohne Liebe dann? —
75
Ein todter Klumpen ist dein Herz;
76
Du bist ein eiteltönend Erz;
77
Bist leerer Klingklang einer Schelle,
78
Und Tosen einer Wasserwelle.

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.