Der Raubgraf

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Gottfried August Bürger: Der Raubgraf (1778)

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Es liegt nicht weit von hier ein Land,
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Da reist’ ich einst herdurch;
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Am Weg’ auf hohem Felsen stand,
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Vor Alters, eine Burg.
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Die alten Rudera davon
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Wies mir der Schwager Postillon.

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Mein Herr, began der Schwager Maz
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Mit heimlichem Gesicht,
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Wär’ mir bescheert dort jener Schaz,
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Führ’ ich den Herrn wol nicht.
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Mein Seel! den König fragt’ ich gleich:
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Wie theuer, Herr, sein Königreich?

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Wol manchem wässerte der Mund,
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Doch mancher ward geprelt.
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Denn, Herr, Gott sey bei uns! Ein Hund
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Bewacht das schöne Geld.
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Ein schwarzer Hund, die Zähne blos,
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Mit Feueraugen, tellergros!

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Nur immer alle sieben Jahr’
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Läst sich ein Flämchen sehn.
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Dann mag ein Bok, kolschwarz von Haar,
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Die Hebung wol bestehn.
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Um zwölf Uhr in Walpurgis Nacht,
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Wird der dem Unhold dargebracht.

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Doch merk’ eins nur des Bösen List!
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Wo noch zum Ungelük
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Am Bok ein weisses Härchen ist,
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Alsdann Ade! Genik!
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Den Knif hat mancher nicht bedacht,
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Und sich um Leih und Seel’ gebracht.

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Für meinen Part, mit grossen Herrn,
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Und Meister Urian,
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Aess’ ich wol keine Kirschen gern.
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Man läuft verdamt oft an.
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Sie werfen einem, wie man spricht,
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Gern Stiel und Stein ins Angesicht.

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Drum rath’ ich immer: Lieber Christ,
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Las dich mit keinem ein!
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Wann der Kontrakt geschlossen ist,
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Bricht man dir Hals und Bein.
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Troz allen Klauseln, glaube du,
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Macht jeder dir ein X für U. —

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Goldmacherei und Lotterie,
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Nach reichen Weibern frei’n,
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Und Schäze graben, segnet nie,
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Wird manchen noch gereu’n.
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Mein Sprüchlein heist: Auf Gott vertrau,
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Arbeite brav und leb genau!

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Ein alter Graf, fuhr Schwager Maz
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Nach seiner Weise fort,
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Vergrub zu Olims Zeit den Schaz
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In seinem Keller dort.
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Der Graf, mein Herr, hies Graf von Rips,
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Ein Kraut, wie Käsebier und Lips.

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Der streifte durch das ganze Land,
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Mit Wagen, Ros und Man,
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Und, wo er was zu kapern fand,
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Da macht’ er frisch sich dran.
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Wips! hatt’ er’s weg, wips! ging er durch,
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Und schlept’ es heim auf seine Burg.

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Und wann er erst zu Loche sas,
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So schlug mein Graf von Rips, —
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Denn hier that ihm kein Teufel was, —
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Gar hönisch seinen Schnips.
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Denn sein verfluchtes Felsennest
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War, wie der Königstein, so fest.

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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